Neue Jugendherberge in Gießen

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Am historischen Standort im bekannten Meisenbornweg bekommt Gießen erneut eine Jugendherberge. Die Lage ist innenstadtnah und verkehrsgünstig. In Bezug auf den entstehenden Lern- und Gedenkort sowie umliegenden Museen werden zudem Synergieeffekte erwartet. Allerdings geht es frühestens 2024 los.

Zwar mag in Gießen die Jugendherberge auf der Hardt idyllisch gewesen sein, doch sie hatte keine Zukunft mehr: renovierungsbedürftig, zu klein, zu abseits gelegen, nicht mehr wirtschaftlich und nicht mehr zeitgemäß. Der Einrichtung gaben infolge der Corona-Krise stornierte Übernachtungen und ausbleibende Buchungen den Rest. Im September verkündete der Landesverband Hessen von dem Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) für sein „Sorgenkind“ das endgültige Aus. Bereits damals war jedoch klar: Damit der überall beklagte Verlust nicht dauerhaft ist, sollte perspektivisch ein alternativer Standort gefunden werden, der möglichst zentral ist. Der Vorstandsvorsitzende betont, dass Gießen als Universitätsstadt mit zahlreichen jungen Menschen und als eine größere hessische Stadt einen hohen Stellenwert für das DJH habe.

Nun konnte die Suche erfolgreich abgeschlossen werden. An dem historischen Standort im Meisenbornweg, wo ungefähr 900.000 Deutsche aus den ehemaligen Vertreibungsgebieten und der DDR von 1946 bis 1990 die erste Station in ihr neues Leben durchliefen und außerdem Flüchtlinge aus aller Welt noch bis 2018 untergebracht waren, wird voraussichtlich in zwei bis drei Jahren ein Erinnerungs- und Lernort entstehen. Außerdem soll eine neue Jugendherberge in Gebäude IV eröffnen, worin sich 120 bis 140 Betten befinden. Es könne derzeit noch nicht gesagt werden, wann es losgeht. Auf Anfrage bestätigt Alexander Hoffmann, der Pressesprecher von dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH), dass es frühestens 2024 so weit sei. Er fügt hinzu, dass das noch recht weit weg sei. Er könne deshalb keine Auskunft darüber geben, wie sich das DJH und das Land Hessen als der Vermieter die Kosten teilen werden und welche baulichen Maßnahmen notwendig seien. Die Jugendherberge solle sich jedoch in jedem Fall in die historisch bedeutsame Liegenschaft baulich harmonisch einfügen. Demnächst sollen dazu Detailabsprachen erfolgen, sagt Timo Neumann. Er findet den Standort zwischen Lahn und dem Bahnhof sehr geeignet, da auch die Innenstadt gut erreichbar sei. Definitiv sei eine lange Mietdauer geplant. In den restlichen Häusern werden die übrigen Räume, die für die Herberge oder den Lernort nicht infrage kommen, voraussichtlich von der Niederlassung des LBIH verwendet. Die insgesamt ungefähr 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren bisher auf Gießen verteilt. Aus dem Leihgesterner Weg sollen im Sommer noch etwa 100 Kolleginnen und Kollegen umziehen.

Die Idee, im Meisenbornweg mit einer neuen Jugendherberge einen neuen Versuch zu wagen, sei bei einer Infoveranstaltung von der Oberbürgermeisterin über den Lern- und Gedenkort von der Stadt im vergangenen September vorgetragen worden, berichtet Gerda Weigel-Greilich, die zuständige Dezernentin. Sie hätten gemeinsam mit dem DJH den Vorschlag der LBIH unterbreitet. Schon jetzt zähle Ministerpräsident Volker Bouffier zu den besonderen Unterstützern. Die Stadträtin listet als Pluspunkte auf, dass eine innenstadtnahe und verkehrsgünstige Lage vorliege und vor allem seien die Synergieeffekte mit dem Liebig-Museum, dem Lern- und Gedenkort, dem ´Lahnfenster´ und dem Mathematikum zu erwähnen. Auch sollten das Oberhessische Museum, das Gießkannenmuseum und der Botanische Garten nicht vergessen werden. Eine Jugendherberge sei außerdem ganz grundsätzlich in der Stadt mit einer großen Anzahl Studierender und dem niedrigsten Durchschnittsalter eigentlich sogar ein Muss.