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Katholiken in der DDR – zwischen Ausgrenzung, Anpassung und Opposition

Kirche "Heilige Dreifaltigkeit" in Kühlungsborn
Kirche "Heilige Dreifaltigkeit" in Kühlungsborn
Wettenberg | Wir sind regelmäßige Kirchgänger und nehmen aktiv am Gemeindeleben unserer katholischen Pfarrgemeinde St. Raphael in Wettenberg-Wißmar teil. Auch im Urlaub, wenn wir an der Ostsee verweilen, suchen wir regelmäßig die Gelegenheit, an einem katholischen Gottesdienst teilzunehmen. Dabei haben wir festgestellt, dass die Möglichkeiten je weiter wir nach Norden kommen, immer mehr abnehmen. Und so sind wir froh, dass dennoch in Nordwest-Mecklenburg Gottesdienste angeboten werden, auch wenn wir jedesmal dafür einige Kilometer Fahrstrecke in Kauf nehmen müssen. Kühlungsborn, Neubukow, Bad Doberan, Kröpelin und Satow sind als Beispiele zu nennen.

Aber diese vermeintlich geographisch bedingte Diaspora ist nicht die alleinige Besonderheit. Viel mehr ist es ein „Wunder“, dass all diese Kirchen und deren Gemeindemitglieder bis zum Mauerfall eine Zeit „überlebt“ haben, in denen es wahrlich nicht einfach gewesen sein kann, den katholischen Glauben aktiv und öffentlich zu leben.

Während sich im Gründungsjahr der DDR (1949) noch über 90% zum christlichen Glauben bekannten, sank dieser Anteil bis zum Jahr 1989 auf 25%
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ab. Vor allem Katholiken erfuhren sich als immer kleiner werdende Minderheit. Doch das Bestreben der Machthaber, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu beherrschen, wurde durch die Kirchen erheblich gestört. Denn diese boten ideologisch freie Räume, in denen sich unabhängiges Denken und ein mehr oder weniger resistentes Geistesleben entfalten konnte. Jeder gläubige Christ hatte im sozialistischen Staat für sich tagtäglich zu entscheiden, inwieweit er sich der weltlichen Macht unterwirft oder ihr widersetzt.

Ende Oktober diesen Jahres erinnerte eine Wanderausstellung, die in den oben genannten Kirchen gezeigt wurde, an diese besondere Zeit und an das Leben der katholischen Christen in der DDR. Es erzählen Katholiken aus ihrem Leben in einem glaubensfeindlichen Umfeld. Auf Schautafeln befinden sich Informationen zum zeitgeschichtlichen Hintergrund und Ausschnitte aus sehr persönlichen Erzählungen der Interviewten wurden erstmals an die Öffentlichkeit getragen. Nach den Worten des Bischofs des Bistums Magdeburg, Gerhard Feige, haben sich Katholiken in der DDR im Spannungsfeld zwischen Ausgrenzung, Anpassung und Opposition bewegt. Er selbst würde sich nicht als Widerstandskämpfer bezeichnen. Er sei jedoch stolz gewesen, ein Außenseiter zu sein. Viele Katholiken hätten darunter jedoch auch gelitten. Als Katholik habe er in einer Parallelgesellschaft in großer Distanz zur Gesellschaft gelebt. Feige: „Wir haben eine Insel der Seligen gebildet. Ein Großteil des Lebens vollzog sich in der Gemeinde.“

Eine bemerkenswerte Zeit, die für einen im „Westen“ geborenen gläubigen Christen fremdartig anmutet und nur sehr schwer nachvollziehbar ist, sich aber tatsächlich so ereignet hat. So und ähnlich wie den Katholiken im ehemaligen „Osten“ ist es dort auch vielen anderen, nicht linientreu Denkenden ergangen, die sicherlich alle ihre Geschichte erzählen könnten.

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Kommentare zum Beitrag

Florian Schmidt
4.747
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 01.11.2014 um 18:56 Uhr
Die Kirche als Freiheitskämpfer in der DDR, gleich wird mir schlecht.
Martin Wagner
2.561
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 02.11.2014 um 09:31 Uhr
Geschichtsklitterung - und sonst Nichts. Die katholische Amtskirche (vielleicht nicht die Masse der Gläubigen) hat sich immer (egal welches System "dran war") mit den Herrschenden gut gestellt.

Jetzt nach dem Wechsel das Engagement der unteren Ebenen als Widerstand hinzustellen - nur ekelhaft. Soll ich die Beispiele aufzählen bei denen Bischöfe in der Nazizeit mit den Machthabern kooperiert haben und gleichzeitig keinerlei Schutz widerständigen Gläubigen und Vertretern der unteren Ebenen der Amtskirche gegeben wurde?

Wenn die Amtskirche wirklich glaubt etwas nach außen hin klarstellen zu müssen, dann ist das das Thema. Und nicht so Ausführungen zu so einem schwammigen Begriff wie "Parallelwelten".

Ein Christ sollte (zumindest) nicht lügen.
Nicole Freeman
10.264
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 02.11.2014 um 10:31 Uhr
warum versteckt sich die tolle christliche kirche wenn es um die rettung von christen aus syrien geht. wir haben kein geld bekommt man da gesagt wenn man um hilfe bittet. meine kollegin kommt aus syrien und ist eine sehr glaeubige frau. sie hat um hilfe gebettelt um ihre schwestern aus syrien zu holen. von kirchlicher seite waren da nur geschlossene tueren.
Sie hat es geschaft zumindest eine schwester mit familie und ihre mutter heute am flughafen abholen zu koennen. die andere soll im dezember fliegen koennen. jetzt ist das bangen ob die is vor dezember die stadt erreicht. Die selbe ,, das Boot ist voll,, politik wie in den jahren des 3. reiches! Wie gesagt die antwort war. Wir haben kein Geld !
es ging um Fluechtlingshilfe liebe Kirche !

Als Retter in der Not kann man die Kirche nicht sehen! Weder Jetzt noch zur Zeit der DDR oder des 3. Reichs bis hin zum Mittelalter. Die Kirche hat immer nur ihren vorteil bearbeitet. Gerade wenn es um Kosten und einnahmen geht.
Florian Schmidt
4.747
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 02.11.2014 um 10:40 Uhr
Ich bestreite nicht, dass es einzelne Priester gab und auch Gläubige. Ich bezweifel nur immer ob das Engagement mit dem Glauben zu erklären ist. Viele Menschen stellen sich gegen Unrecht und Regime. Auch ohne den Glauben an irgendwas.
Die Kirche als Organisation hat immer irgendwie profitiert. Stumm sein hat sich gelohnt. Die Kirche mit ihren Möglichkeiten hätte viel Unrecht verhindern können.
Martin Wagner
2.561
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 03.11.2014 um 09:10 Uhr
Herr Schmidt - so weit wie sie würde ich nicht gehen. Was die Amtskirche betrifft bin ich mit ihnen einer Meinung. Ich weiss von was ich rede - ich war jarzehntelang in der organisierten Katholikenopposition aktiv.

Aber ihre Meinung "(...) Ich bezweifel nur immer ob das Engagement mit dem Glauben zu erklären ist. (..)" teile ich nicht ganz.

Natürlich steckt auch bei Christen beim widerständigem Verhalten ein Impuls aus humanistischen Gründen (wie bei Nichtgläubige) dahinter. Aber es gibt schon eine religiöse Begründung für Widerstand gegen Unrecht.

Ich denke, Herr Schmidt, das näher zu erläutern dürfte sie nicht interessieren. Aber es für mich Fakt, dass manche Menschen nur (oder zumindest aus überwiegend) religiösen Gründen widerständig werden. (Wie viele das genau sind, läßt sich schwer sagen, aber die organisierte Kirchenopposition konnte und kann schon einige Tausende Mitbürger hinter sich versammeln.) Solche Menschen werden nicht durch Apelle an die Humanität erreicht. Von daher wären alle Kämpfer gegen den Wahnsinn namens Kapitalismus (in ihrer übergroßen großen Mehrzahl areligiös oder antireligiös) "doch mit dem Klammerbeutel gepudert", wenn sie auf diese Menschen in ihrem Kampf verzichten würden. Und das würden sie, wenn sie nur auf die Schiene "Humanismus" setzen würden.
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von:  Andreas Läufer

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Andreas Läufer
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