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Vogelzug fasziniert die GZ-Leser...

Tausende Kiebitze und andere Vögel rasten an der Blumberger Mühle in Brandenburg
Tausende Kiebitze und andere Vögel rasten an der Blumberger Mühle in Brandenburg
Wettenberg | Hier auf der Internetseite der Giessener Zeitung sieht man viele Bilder und Artikel zu „den Zugvögeln“. Für mich ist es immer wieder schön zu sehen, wie viele Menschen dieses Naturschauspiel fasziniert und bewegt. Aus diesem Grunde möchte ich hier noch ein wenig zur „Aufklärung“ in Sachen Vogelzug beitragen.

Irrtum 1: Vögel in „Keilformation“ = Kraniche
Zu den auffälligsten Erscheinungen im Vogelzug zählt der Zug der Kraniche, der auch vielen Menschen auffällt, die sich sonst kaum für Vögel oder Tiere interessieren. Kraniche fliegen in der typischen Keil- oder V-Formation, um Energie zu sparen. Aber nicht nur Kraniche tun das! Auch Gänse, Enten und Kormorane nutzen auf diese Weise den Windschatten des „Vordervogels“. Kraniche sind dabei an ihren typischen trompeten-artigen Rufen und langen Beinen erkennbar. Kraniche haben übrigens eine Spannweite bis zu 2,20 Meter und im Prinzip kann man außer in den Sommermonaten immer mit Kranichen über Mittelhessen rechnen. Aktuell begann der Heimzug bereits Ende Januar.

Irrtum 2: Vogelzug ist nur in Herbst und Frühjahr
Vogelzug an sich findet fast das ganze
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Jahr über statt. Es kommt halt auf die einzelne Vogelart an, und man muss mitunter schon mal genauer hinschauen. Viele Vogelarten ziehen nachts – Vögel brauchen weniger Schlaf als wir, daher können sie das Tageslicht zur Nahrungssuche und die Nacht zur Fortbewegung nutzen – und daher häufig von uns unbemerkt. Außerdem macht nicht jeder Vogel durch Körpergröße, große Schwärme oder lautstark auf sich aufmerksam. Und so herrscht praktisch ein ständiges Kommen und Gehen im ganzen Jahresverlauf. Einige Arten kommen recht spät bei uns an, dann haben andere vielleicht schon ihre Brut aufgezogen und vagabundieren mit ihren Jungen durch das Land. Manche harren im Herbst oder Winter bis zum letzten Moment aus, um dann nur wenn es nötig ist mildere Gegenden aufzusuchen.

Irrtum 3: Die Vögel fliehen vor der Kälte
Die Kälte ist nicht der (Haupt-)grund für den Vogelzug – oder bei manchen Tieren für den Winterschlaf. Vielmehr ist es der Nahrungsmangel, der die Tiere dazu zwingt, den Winter anderswo oder in einem Ruhestadium zu verbringen. Hauptsächlich betrifft das natürlich Insektenfresser. So jagen Schwalben und die meisten Fledermausarten fliegende Insekten. Die gibt es im Winter bei uns eben nicht. Die Schwalben ziehen also nach Afrika, während
Graugänse
Graugänse
die Fledermäuse Winterquartiere aufsuchen, wo sie ihre Körperfunktionen auf Sparflamme stellen. Manche Vogelarten stellen ihre Ernährung komplett um, um so einen „Heimvorteil“ zu haben und vor den Zugvögeln im Brutgebiet zu sein. Beispiel hierfür sind die wohl weit bekannten Kohlmeisen: Im Sommer praktisch reine Insektenfresser, kommen sie im Winter an das Futterhaus im Garten, um sich an Fettfutter und Sonnenblumenkernen zu laben.
Übrigens halten Haselmäuse in Sizilien einen „Sommerschlaf“, um die durch sommerliche Trockenheit verursachte nahrungsarme Zeit zu überbrücken.

Da der Vogelkörper ja auf Gewichtsparen ausgelegt ist (z. B. luftgefüllte Knochen), ergibt sich in Sachen Vogelzug auch noch allerhand Interessantes. Zum Beispiel schmelzen einige (alle?) Arten die Masse ihrer Geschlechtsorgane nach der Brut ein. Anstelle des somit gesparten Gewichts lässt sich z. B. eine kleine Fettreserve anfuttern. Bei anderen wächst auch das Gehirn, um die Sinnesleistungen zu erhöhen und den Weg besser zu finden.

Aber: Woher wissen die eigentlich wo’s langgeht?
Einige Arten wie Kraniche oder Gänse lernen den Weg in die Winterquartiere von ihren Eltern, da der Familienverband bis dorthin zusammenbleibt. Vögeln dieser Arten kann dann auch der Mensch beibringen, welchen Weg sie nehmen müssen. Das macht man sich bei verschiedenen Wiederansiedelungsprojekten wie für die bedrohten Zwerggänse oder die ausgerotteten Waldrappe zu Nutze.
Die Hochseeinsel Helgoland ist eine Tankstelle und Rettungspunkt für viele ziehende Vögel. Hier ein junger Neuntöter.
Die Hochseeinsel Helgoland ist eine Tankstelle und Rettungspunkt für viele ziehende Vögel. Hier ein junger Neuntöter.
Andere Vögel sind völlig auf sich allein gestellt. Man denke nur an den Kuckuck, der von einer fremden Art aufgezogen wird und dann ohne weiteres völlig auf sich gestellt den Weg ins Winterquartier findet. Solchen Arten ist es angeboren.
Bleibt noch die Frage, wie sie ihren Weg finden. Dafür gibt es in der Natur viele Orientierungspunkte. Zum Beispiel besondere Landmarken, Gebirge, Flusstäler und so weiter. In klaren Nächten bieten auch die Sterne Orientierungshilfe. Außerdem haben viele Arten eisenhaltige Moleküle in ihrem Schnabel und können darüber das Erdmagnetfeld „sehen“.

Ein kleiner Zugvogelkalender
Wie bereits gesagt hat der Heimzug der Kraniche begonnen. Aber auch Greifvögel, Störche und viele Kleinvögel sind auf dem Heimweg. Ab Ende März/Anfang April wird es in Sachen Kleinvögel dann wieder auch für die Nicht-Vogelbeobachter wieder merklich, wenn das morgendliche Vogelkonzert deutlich lauter und vielfältiger wird. Hier ein paar Daten, wann mit der Ankunft einiger Vogelarten im Kreis Gießen zu rechnen ist:

Singdrossel – 1. März
Hausrotschwanz – 15. März
Zilpzalp – 16. März
Rauchschwalbe – 2. April
Fitis – 4. April
Mönchsgrasmücke – 10. April
Mehlschwalbe – 14. April
Baumpieper – 15. April
Gartenrotschwanz – 20. April
Kuckuck – 20. April
Trauerschnäpper – 24. April
Nachtigall – 25. April
Mauersegler – 1. Mai
Neuntöter – 13. Mai

Was gerade am Himmel los ist, kann man auf verschiedenen Internetplattformen (Naturgucker, HGON-Birdnet) nachlesen und auch selber melden.

Übrigens gehört zu den Dingen, die man mindestens einmal im Leben gemacht haben sollte die Teilnahme an einer Vogelstimmenwanderung. Auch wenn man dann sonntags mal früh aufstehen muss: Es lohnt sich. Im April und Mai bieten wieder viele Vogel- und Naturschutz-Vereine solche Veranstaltungen an. Termine gibt’s unter anderem auch auf www.nabu.de

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Kraniche
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Kommentare zum Beitrag

Wolfgang Heuser
6.054
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 22.02.2009 um 21:52 Uhr
Sehr guter Bericht über unsere Zugvögel, sehr informativ!
Tara Bornschein
7.125
Tara Bornschein aus Reiskirchen schrieb am 23.02.2009 um 16:52 Uhr
Danke, für diesen sehr interessanten und aufschlussreichen Beitrag zum Thema Zug.- bzw. Singvögel !
Dr. Tim Mattern
629
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 23.02.2009 um 17:17 Uhr
Danke & Bitte gern geschehen ... klingt, als ich hätte ich das mir gesteckte Ziel getroffen :-)
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Dr. Tim Mattern

von:  Dr. Tim Mattern

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Interessensgebiet: Wettenberg
Dr. Tim Mattern
629
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