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Lukas steht trotz Behinderung mit beiden Beinen im Leben

Lukas will "nicht in Watte gepackt werden" und gehört nach wenigen Wochen bereits zum festen Teil des Firmenteams.
Lukas will "nicht in Watte gepackt werden" und gehört nach wenigen Wochen bereits zum festen Teil des Firmenteams.
Wettenberg | „Ich will nicht in Watte gepackt werden, sondern normal behandelt werden“, wünscht sich Lukas Brück von seinem neuen Arbeitgeber. Nach einem erfolgreichen Praktikum begann der 19-Jährige kürzlich seine kaufmännische Ausbildung beim mittelständischen Unternehmen Gross in Wettenberg.
Das ist jedoch keineswegs selbstverständlich. Denn Lukas ist aufgrund einer Erkrankung Rollstuhlfahrer. „Nach wie vor bestehen erhebliche Schwierigkeiten bei der Vermittlung von Ausbildungsplätzen und Praktikumsstellen für Behinderte“, berichtet Bianka Wollmann von der Agentur für Arbeit. Die Gießener Agenturstelle nahm die zweite bundesweite Aktionswoche für Menschen mit Behinderungen zum Anlass, um die erfolgreiche Integration des Jugendlichen beim benachbarten Dienstleistungsunternehmen zu präsentieren.
Das Ziel der Aktion sei es Arbeitgeber zu sensibilisieren und Hemmungen gegenüber der Einstellung behinderter Menschen zu lösen. „Nicht immer sind Behinderungen ersichtlich, und noch seltener sind sie leistungsmindernd“, meint Agen­tursprecher Johannes Paul. Daher sei es wichtig, Menschen mit Handicap zu fördern. Aktuell seien 9,8 Prozent aller gemeldeten Schwerbehinderten im Agenturbezirk arbeitssuchend. Die Dunkelziffer sei jedoch höher, da viele Schwerbehinderte mit unscheinbaren Handicaps, wie Diabetes, ihre Behinderung nicht angeben. „Die Angst, dass aufgrund der Behinderung, die Chancen auf einen Arbeitsplatz sinken, ist unter den Suchenden hoch“, berichtet Paul.
Um den Betroffenen effektiver helfen zu können, wurde bei der Arbeitsagentur ein spezielles Reha-Team sowie ein Integrationsfachdienst eingerichtet, bei dem Menschen mit Handicap individuelle Betreuung ersuchen können.
Von dieser Betreuung profitiert jetzt auch Lukas. Nach erfolgreichem Abschluss in einer behindertengerechten Fachoberschule wollte der begeisterte Basketballspieler sein Leben „normal“ gestalten. „Ich wollte nicht in eine Ausbildungsstätte für Behinderte, sondern eine normale Ausbildung beginnen. Deswegen habe ich mich an die Arbeitsagentur gewendet.“
Tatkräftige Unterstützung bekam er von seiner persönlichen Betreuerin, Bianca Wollmann. „Ja, Menschen mit Handicap – wie Lukas – benötigen eine spezielle Einrichtung des Arbeitsplatzes“, sagt Wollmann. Jedoch würden die Maßnahmen oftmals überschätzt. Es gebe diverse Fördermaßnahmen für Unternehmen, beispielsweise zur Realisierung barrierefreier und behindertengerechten Umbaumaßnahmen. Zudem stünden den Firmen in vielen Fällen temporäre Förderleistungen zu.
Bei der Firma Gross ist das Thema Behinderung Bestandteil des Alltags. Das Unternehmen ist mitunter im Umbau von Fahrzeugen für behinderte Menschen tätig. Eine Sonderbehandlung erhält der neue Auszubildende jedoch nicht: „Er wird behandelt wie jeder andere Mitarbeiter“, sagt Rainer Krauskopf, der Ausbilder von Lukas. „Wir wollten es anpacken, auch wenn es eine neue Situation ist“, betont auch die Vertreterin der Geschäftsleitung, Regina Thimm.
Ob es denn wirtschaftlich vertretbar sei, Behinderte einzustellen? Dies hänge von der Leistungsfähigkeit des Auszubildenden ab. Lukas habe bereits im Praktikum überzeugt. Zudem übernehme die Arbeitsagentur einen Teil der Lohnkosten. Um alle Defizite auszumerzen, sei die Ausbildung um ein Jahr auf 36 Monate verlängert worden. Im Gegensatz zu vielen Behinderten, die keine Chance bekämen, sich zu beweisen, so Bianka Wollmann, habe Lukas die Möglichkeit, sein Leben selbst zu bestimmen. „Die Ausbildung macht mir viel Spaß und ich komme in der Firma sehr gut zurecht“, sagt auch Lukas.

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Kommentare zum Beitrag

Peter Herold
25.327
Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.12.2012 um 22:18 Uhr
Ich finde beide, sowohl Lukas als auch seinen Arbeitgeber und dazu die Betreuerin der Arbeitsagentur bewundernswert. Die leisten einen unschätzbaren Dienst, beispielgebend für andere.

Mch wundert nur, dass 114 Leser vor mir hier nichts zu sagen hatten. Ich finde dazu ein Feedback schon richtig und wichtig.
Christine Weber
7.125
Christine Weber aus Mücke schrieb am 20.12.2012 um 20:02 Uhr
Ich kann mich den Ausführungen von Herrn Herold nur anschließen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele Arbeitgeber davor zurückschrecken, Schwerbehinderte einzustellen. Ich wünsche Lukas für sein weiteres Leben alles Gute.
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von:  Michael Nudelmann - Mitarbeiter der GZ-Redaktion

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Michael Nudelmann - Mitarbeiter der GZ-Redaktion
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