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Voller Erfolg: Bei den Golden Oldies machten die Besucher eine Zeitreise in vergangene Epochen

Wettenberg | Erinnern Sie sich an die goldenen 50er und 60er Jahre: das Wirtschaftswunder hat so manchem Unternehmer in die Karten gespielt, das Mittelmeer wurde von mitteleuropäischen Urlaubern erobert, und mit revolutionärer Musik aus den USA und England haben Jugendliche zu einem neuen Selbstverständnis gefunden.

Viele Nostalgiker denken an eine Epoche des technischen Aufbruchs und des grenzenlosen Wohlstands – und natürlich der legendären Autos. Für ein paar Stunden zurück in das goldene Zeitalter der westlichen Zivilisation zurückkehren – die Golden Oldies in Wettenberg machten es am vergangenen Wochenende möglich.

Erinnerungen aus vergangenen Jahrzehnten begegnen und Schritt für Schritt weiter in die goldene Epoche eintauchen – so streiften tausende Besucher durch die Straßen und Gassen der malerischen Stadt unterhalb der Burg Gleiberg. „Ich sprach mit einigen Besuchern und sie gaben ein sehr positives Feedback zu unserer Veranstaltung“, bilanziert Bürgermeister Thomas Brunner. Zu bestaunen waren vor allem Automobile aus den USA, darunter unzählige Cabrios, Limousinen und Pick-Ups. Aber auch Klassiker aus deutschen Landen waren vertreten: Nobelmodelle von Mercedes-Benz, BMW oder Porsche – früher wie heute Wohlstandssymbole des westlichen Establishments.

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Erneut wurde den Ausstellern genug Platz geboten, um ihre kostbaren Autos vor dem Publikum zu präsentieren. Die lange Hauptstraße war, wie in den vergangenen Jahren, zu einer Autopromenade umgebaut worden. Rechts und links reihte sich fast endlos ein Traumwagen an den Anderen. Rund tausend Fahrzeuge wurden über das Wochenende ausgestellt. Sie sind nach wie vor der „erste Anlaufpunkt für alle Besucher“, so die Einschätzung Brunners.

Erwähnenswert ist aber auch das Rahmenprogramm, bei dem zahlreiche Musiker Spaß hatten, ihr Publikum zu unterhalten. Der Bürgermeister sagt dazu: „Mit zeitloser Musik wollen wir auch das junge Publikum ansprechen. Elvis, die Beatles, oder die Rolling Stones werden auch von der jungen Generation gehört und sollten nicht vergessen werden.“ So waren die Bühnen mit 52 Bands die ganze Zeit über dauerbesetzt und die Zuhörer zeigten sich begeistert. „Alles in allem ist das eine tolle Mischung aus Musik, Spaß und jede Menge cooler Schlitten“, sagte eine Besucherin erfreut.

Für die kleinen Gäste war die speziell eingerichtete Spielstraße die Hauptattraktion.
„Wir stellen mit unseren langjährigen Partnern Einiges auf die Beine, um unsere Gäste zu unterhalten“, sagt der Stadtherr. Dies soll nach seinem Willen auch so bleiben. So wurden die Verträge mit den Hauptsponsoren für die kommenden Jahre verlängert, die Pläne für die folgenden Feste sind bereits in Planung.

Für viele Oldiebesitzer ist das Festival der Höhepunkt des Jahres. Dabei sind sie das ganze Jahr über mit ihren Autos beschäftigt. In emsigen „Klein-Klein“ werden Teile ausgewechselt oder in Stand gesetzt. „Bei normaler Nutzung ist der technische Unterhalt meines 50 Jahre alten Mercedes-Benz heute nicht möglich“, sagt ein Aussteller. Er, selbst jahrelang als Mechaniker tätig, steht stolz neben seinem polierten Mercedes-Benz 190 SL. Beim Anblick unter die Motorhaube erzählt er über defekte Teile und die harte Arbeit, diese zu beschaffen und zu reparieren. Die Original-Teile würden teilweise nicht mehr hergestellt und die Duplikate aus China seien qualitativ unzureichend. Er kritisiert die Hersteller der Automobile: “Die Hersteller verweisen stets auf ihre Oldtimer, tun aber kaum etwas, um die Restaurierung und die Instandhaltung zu fördern.“ Die Originalteile beschafft sich der ältere Herr umständlich über Händler
in Übersee, so manches Mal trifft er dabei aber auf „schwarze Schafe“. Er hofft, dass er sein Auto später in gute Hände abgeben kann. Viele der nun kostbaren Fahrzeuge haben keinen guten Besitzer gefunden. Auch sein Auto stand beim Kauf verrostet auf einem Feld. Es hat Jahre gedauert, bis er den ursprünglichen Zustand wieder hergestellt hat.

Hinter jedem Auto verbirgt sich eine eigene Geschichte: Die Normalverdiener von damals mussten sich meist mit einem VW Käfer begnügen. Heute ist der Wagen Kult, kostet das Vielfache seines ursprünglichen Preises. Dabei hat auch der Original-Käfer seinen Glanz bis heute nicht eingebüßt.

Auf dem Festival wurden neben den Klassikern auch die neuen Modelle einiger Hersteller – allen voran der Hauptsponsoren ­Skoda oder BMW – präsentiert. „Hier soll auch der Umweltaspekt angesprochen werden, denn mir ist bewusst, dass die veraltete Technik der Oldtimer nicht zeitgemäß für alltäglichen Gebrauch ist“, äußert sich Bürgermeister Brunner zum Thema Umwelt. Er verwies aber auf die Elektroautos aus den 80er und 90er Jahren, die ebenfalls ausgestellt wurden. „Damals wurden bereits Alternativantriebe in kleinen Stückzahlen eingesetzt, konnten sich aber nicht durchsetzten.“ Jetzt sei es höchste
Zeit, die Entwicklung nach­zuholen.

Zu den Höhepunkten am Sonntag zählte wieder der traditionelle Pettycoat-Wettbewerb. Insgesamt 28 Damen präsentierten ihre Kleider vor hunderten Zuschauern. Dabei waren viele von ihnen Wiederholungstäter vom letzten Jahr und verdrehten mit ihrem Hüftschwung so manchem männlichen Zuschauer und dem Moderator Richard Stephan den Kopf. Gewonnen hat Viola Kornfeld aus Bad Hersfeld. Platz zwei ertanzte sich Britta Ullmann aus Gießen und über den dritten Rang freute sich Julia Faltus aus Salztal im fernen Sachsen-Anhalt. Auf die Frage, warum sie sich auf den langen Weg gemacht hat, verwies die Dame auf die „Faszination“, die vom Festival in die ganze Bundesrepublik ausstrahlt.

Zum Abschluss des Festivals wurden die schönsten Oldtimer inmitten der nostalgischen Szenerie unter der Burg Gleiberg prämiert. Strahlender Sieger ist dieses Jahr ein roter und seltener Edsel Ranger der zweiten Generation. Gebaut wurde das Coupé Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre in den USA. Unter der Haube schlummert ein röhrender V8-Motor, der so manchen motorisierten Zeitgenossen das Fürchten lehren kann.

Auch am Himmel war Einiges los. In unterschiedlichen Zeitabständen meldete sich mit lautem Motorbrummen der legendäre Flieger „Tante Anna“. Das Flugzeug beförderte Besucher über die Stadt, vorbei an der Burg Gleiberg. Staunen verursachte die „alte Dame“ vor allem bei Kindern, die das tieffliegende Flugzeug gut bestaunen konnten.

Dank des ausgeklügelten Sicherheitskonzepts hätte es laut Brunner keine nenneswerte Vorfälle gegeben. Dies bestätigen auch der Deutsche Rote Kreuz und die anwesenden Polizisten. Hinsichtlich des Erfolgs ist damit zu rechnen, dass das Festival in den kommenden Jahren weiterhin ein Highlight für alle Oldiefans sein wird.

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
9.630
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 04.08.2012 um 08:47 Uhr
Schöne Foto`s, schöne Motive, schöne Kulisse !
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Michael Nudelmann - Mitarbeiter der GZ-Redaktion

von:  Michael Nudelmann - Mitarbeiter der GZ-Redaktion

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Michael Nudelmann - Mitarbeiter der GZ-Redaktion
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