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"Leider geil": Deichkinds "Befehl von ganz unten"

Wettenberg | Was rumpelt und pumpelt denn da in meiner Stereoanlage? Richtig - das sind „Deichkind“ und sie geben gerade ihren „Befehl von ganz unten“. Als 2009 überraschend „Deichkind“-Produzent und Mastermind Sebi Hackert verstarb, glaubten Fans schon an das Ende der schrillen Truppe, die mit energiegeladenen und verrückten Bühnenshows mit Hüpfburgen und Trampolinen aus dem Einheitsbrei heraus sticht. „Befehl von ganz unten“ ist die Antwort auf diese Unsicherheit, und beweist, das „Deichkind“ auch ohne Hackert können. Vorweg gesagt: Das neue Album ist ein Schlag mitten in die Fresse der deutschen Party-People, der voll auf die 12 trifft. Zunächst einmal: Die Hamburger setzen auf „Befehl von ganz unten“ die 2006 mit der Scheibe „Aufstand im Schlaraffenland“ begonnene und auf „Arbeit nervt!“ (2008) fortgesetzte Achterbahnfahrt des Tech-Rap fort - es rumpelt, knarzt, scheppert und quietscht aus den Boxen, weil die Platte mit Elektroniksounds voll gepumpt ist bis ans Limit. Retro-Dance-Beats und seichte 80er-Schlagerpopthemen („Der Mond““/“Der Strahl“) treffen dabei genauso auf harte und aggressive Raps wie clubtaugliche
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David-Guetta-Themen. Verschrobene, schrammelnde Synthiebeats verpaaren sich mit Basslinien, die einen problemlos im Dreieck springen lassen. Too much ist das aber nie - es macht „Deichkinds“ Musik nur um so partytauglicher. Punkt zwei sind die Lyrics. Hier greifen die Jungs um Ferris MC nicht nur ganz tief in die Reim-Trickkiste, hier ist wirklich Köpfchen gefragt, denn wie der Titel „Befehl von ganz unten“ bereits vermuten lässt, werden die Zuhörer bei „Deichkind“ mit einer gehörigen Portion Sozial- und Gesellschaftskritik überschüttet. Sei es die Kampfansage an alle Spießer, „Leider geil“, auf der zelebriert wird, dass man auch Dinge mögen darf, die nicht gut für einen oder andere sind. „99 Bierkanister“ räumt mit Nena-Zitaten und einer Wort-Reihung, die „MfG“ der „Fanta 4“ erinnert (nur wesentlich flotter) mit dem typischen Deutschtum, Sauerkraut und Gartenzwergen auf. „Egolution“ poltert über Egoisten und Selbstverliebtheit („Was ich nicht will, das man mir tu, das füg’ ich gerne andern zu“) und die Single „Bück’ dich hoch“ verurteilt den Niedergang der Arbeiterklientel, die im Streben nach Erfolg bereit ist, in sämtliche Hintern der Chefetagen zu kriechen. („Komm’ steiger’ den Profit - sonst wirst du ausgesiebt/mach’ dich beim Chef beliebt - auch wenn es dich verbiegt“). Auf die Live-Konzerte kann man sich jedenfalls jetzt schon freuen, und „Deichkind“ kommen auch in die Nähe - am Dienstag, 6. März, sind sie in der Frankfurter Jahrhunderthalle zu Gast.

Kommentare zum Beitrag

Thoralf Trundilson
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Thoralf Trundilson aus Gießen schrieb am 16.02.2012 um 13:55 Uhr
Auf der Homepage kann man in alle Tracks reinhören und zwei kostenlose Videos, darunter "Illegale Fans" (Thema illegale Downloads / Devatte Urheberrecht) ansehen. Lohnt sich für alle an Pop- / Subkultur Interessierten.
Hallo Lieber Leser
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Herzlichst, Ihr(e) Sabine Glinke

von:  Sabine Glinke

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Interessensgebiet: Wettenberg
Sabine Glinke
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