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Hessens Kultusminister Banzer fordert Ausbau der Ganztagsschulen

von Tina Mohram 12.01.2009549 mal gelesenkein Kommentar
Jürgen Banzer
Jürgen Banzer
Wettenberg | Die Bildungspolitik in Hessen war das Thema der Wahlveranstaltung zu der die CDU ins Bürgerhaus nach Wißmar am Samstagabend eingeladen hatte. Vor mehr als hundert Besuchern stellte der derzeit amtierende Kultusminister Hessens Jürgen Banzer in einer sehr umfassenden Rede den Standpunkt der CDU sowie die Pläne zu deren Umsetzung nach einem positiven Wahlausgang vor. Auch anwesend an diesem Abend waren der Ortsvorsitzende der CDU Wettenberg, Dr. Gerhard Noeske, sowie Dr. Helge Braun, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Gießen, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion Gießen, Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Mittelhessen und der stellvertretende Bezirksvorsitzende Mittelhessens und Landtagskandidat Klaus Peter Möller. Dr. Braun sprach einleitend über die Ausgangssituation vor der Landtagswahl am Sonntag und verurteilte dabei nochmals aufs Schärfste die in den jüngsten Koalitionsverhandlungen geplante Zusammenarbeit der SPD mit der Linkspartei. Außerdem betonte er die Kompetenzen Roland Kochs und bezeichnete ihn als „Wirtschaftsexperten“, der auch überparteilich zur guten Zusammenarbeit in der Lage ist. Er betonte, dass Thorsten Schäfer-Gümbel kaum wirtschaftspolitische Erfahrung hat.
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Nach dieser Einleitung durch Dr. Braun kam Jürgen Banzer zu Wort. Banzer bedankte sich für Dr. Brauns umfassende Einleitung und widmete sich dann dem Hauptthema der abendlichen Veranstaltung. Banzer bezeichnet die Ressource der Bildung als entscheidend für Deutschland, weil dieses kaum über Bodenschätze verfüge. Deutschland sei Exportweltmeister, weil es so viele gut ausgebildete Arbeiter gibt. Diese Arbeiter seien Absolventen von unseren Schulen. Dabei betonte er, dass es sich dabei um Facharbeiter handele und eben nicht um Absolventen mit Abitur. Banzer gab zu, dass Hessen bei der PISA-Studie nicht gut abgeschnitten habe. Allerdings sei, so Banzer, PISA nur eine Überprüfung von Wissen. Wissen sei zwar wichtig, aber die Vermittlung von Kompetenzen in der Schule sei noch viel wichtiger. Durch die Vermittlung dieser Kompetenzen bereite die Schule auf das Leben vor. „Wissen ist ein wichtiger Aspekt, aber nicht der entscheidende.“ Er bezeichnete Wissen als ein Korsett, das notwendig sei, um sich später im Leben orientieren zu können und zu wissen, woher man wichtige Informationen erhalte. Die Entwicklung im Schulsystem sieht er aber wie folgt: „Weg von
Jürgen Banzer, Klaus Peter Möller und Dr. Helge Braun
Jürgen Banzer, Klaus Peter Möller und Dr. Helge Braun
der Wissensorientierung hin zur Kompetenzorientierung.“ Dabei hat er zum Ziel, die einzelnen Fähigkeiten der Kinder individuell optimal zu fördern. Diese Förderung solle schon im Kindergarten beginnen. „Kindergärten sind nicht nur eine Betreuungseinrichtung, sondern auch eine Bildungseinrichtung.“ Dabei sei es wichtig, die Kompetenzen der einzelnen Kinder zu erkennen und ihnen nicht den Spaß am Lernen zu nehmen. Auch sollten die Schnittstellen der Sozialisation der Kinder genau beobachtet werden, da gerade dort viele Kompetenzen verloren gingen. Diese Schnittstellen seien vom Elternhaus in den Kindergarten, vom Kindergarten in die Grundschule, von der Grundschule hin zur weiterführenden Schule und von dort entweder zur Universität oder zum betrieblichen Ausbildungsplatz. Jeder Schüler solle im Mittelpunkt von schulischen Lösungen stehen. Banzer räumte ein, dass allerdings schon durch den Klassenverband eine Förderung der Kompetenzen des Einzelnen sehr schwierig sei. Die Schüler sollen die Schule als positiven Lebensraum erleben. Aus diesem Grund solle die Ideologie von der Schule weg. Das sei dadurch zu erreichen, indem von der Schule nicht mehr gefordert werde, dass sie die Gesellschaft verändere. Sie solle vielmehr den Schülern
Jürgen Banzer fordert die Förderung der individuellen Kompetenzen der Schüler
Jürgen Banzer fordert die Förderung der individuellen Kompetenzen der Schüler
in ihrer Entwicklung helfen. Daher sei es durchaus positiv zu bewerten, dass es in Hessen eine solche Vielschichtigkeit an Schulformen gibt. Die Schule sei zwar ein Spiegel der Gesellschaft, es könne dort aber nicht alles repariert werden, was in der Gesellschaft schief läuft. Banzer sieht die Schule als einen „Schonraum“ für die Kinder, allerdings müssten sie sich natürlich trotzdem anstrengen und Leistungen erbringen, etwa in Form eines Schulabschlusses. Das Argument der Kompetenzbildung griff Banzer auch auf, als es um die Rechtfertigung des verkürzten Weges zum Abitur, bekannt als G8, ging. Er argumentierte so, dass die allgemeine Hochschulreife als eine Bescheinigung zur Studierfähigkeit gelte. Diese Studierfähigkeit sei auch schon nach acht Jahren des Lernens auf dem Gymnasium möglich, da die Bereitschaft zur Studierfähigkeit in einem sehr engen Zusammenhang mit der Kompetenzbildung einhergehe. Allerdings räumte er ein, dass die Frage, ob in diesen acht Jahren das gleiche Wissen angehäuft werden kann, schwieriger zu beantworten sei. Da aber das Erlangen von Kompetenzen in seinen Augen in diesem Zusammenhang wichtiger sei, sieht er die Beibehaltung von G8 als gerechtfertigt an. Banzer setzt bei seiner Bildungspolitik auf die Mitarbeit der Eltern. Innerhalb der Familien müsse für Bildung geworben werden. Ein wichtiges Kriterium sei dabei das Interesse der Eltern an ihren Kindern. Es solle verstärkt zusätzliches Personal an den Schulen angestellt werden, um den individuellen Bedürfnissen der Kinder in den einzelnen Schulformen nachkommen zu können. Daher sagte Banzer ganz klar: „ Das differenzierte Schulangebot muss erhalten bleiben.“ Banzer betonte aber auch, dass die gesellschaftliche Realität ganz klar die Notwendigkeit der Ganztagsschule verdeutliche. Da die meisten Mütter heute zur Sicherung des Lebensunterhalts der Familie arbeiten müssen und die meisten es zur Selbstverwirklichung auch wollen, sei die Betreuung der Kinder am Nachmittag zuhause nicht mehr gegeben. Aus diesem Grund sei es wichtig, den Kindern in der Schule ein ganztägiges Betreuungs- und Förderungsprogramm zukommen zu lassen. Banzer sagte: „ Für die Ganztagsschule gibt es pädagogische, soziale und ökonomische Gründe.“ Die Förderung in der Ganztagsschule solle aber auch Freizeitaktivitäten wie Musikunterricht beinhalten. Dafür müssten natürlich auch die baulichen Gegebenheiten in den Schulen angepasst werden. Den Schulen solle dabei ein Entscheidungsspielraum eingeräumt werden, wenn es um Einstellungsfragen geht. Diese zusätzlichen Ressourcen sorgten, so Banzer, für eine gesteigerte Qualität. Eine Kontrolle der Leistung solle dabei allerdings durch die zentralen Prüfungen bestehen bleiben.

Jürgen Banzer
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