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Grünland-Wissenschaftler auf Exkursion in Mittelhessen

Reiner Odermatt (2. v. r.) erläutert die Haltung von Lamas
Reiner Odermatt (2. v. r.) erläutert die Haltung von Lamas
Wettenberg | Traditionelle Exkursion dreier Grünlandinstitute führte durch Wetterau und Vogelsberg

Stuttgart/Freising/Gießen. Seit mehreren Jahrzehnten unternehmen die Institute für Grünlandwirtschaft und Futterbau der Universitäten in Stuttgart-Hohenheim, Freising-Weihenstephan und Gießen eine gemeinsame Exkursion. Die Veranstaltung wird wechselweise von einer der Arbeitsgruppen organisiert, Anfang September führte die Traditionsveranstaltung nach Mittelhessen. Teilnehmer sind neben den Professoren und Wissenschaftlern auch immer das technische und administrative Personal sowie Angehörige.

Am Freitag, 5. September, stand nach dem ersten gemeinsamen Mittagessen zunächst eine Führung durch den Akademischen Forstgarten Gießen auf dem Programm. Revierförster Jörg Sennstock führte die 25-köpfige Gruppe durch den ab 1825 im Schiffenberger Wald aufgebauten Lehrgarten. Dabei erläuterte er Geschichte und künftige Gestaltung des Gartens, der seit 1985 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Anschließend gab er noch einen Einblick in „Forstwirtschaft 2008“. Danach steuerte die Gruppe den landwirtschaftlichen Betrieb
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von Manfred Weil in Lich-Muschenheim an. Hauptstandbeine sind Milchviehhaltung und Ackerbau. Daneben werden Ochsen und Mastfärsen aufgezogen, die sein Bruder, der Metzgermeister Norbert Weil, über sein Geschäft in der Rewe-Niederlassung Hungen vermarktet. Norbert Weil erläuterte die Vorzüge des Ochsenfleisches gegenüber dem von Jungbullen sowie die Vermarktungsstrategien unter dem Motto „Aus der Region für die Region“. Natürlich ging es nicht nur theoretisch um die hohe Fleischqualität der Weideochsen, Weil bot auch Gulasch und Wurst zur Verkostung an. Zur Übernachtung eingekehrt wurde dann in Laubach, wo „Hofrat Crespel“ die Gruppe bei einem historischen Stadtrundgang in das Jahr 1808 versetzte.
Ebenfalls im Zeichen der Direktvermarktung stand der erste Programmpunkt am Samstag, 6. September: Besichtigt wurde die Staatsdomäne Selgenhof bei Ulrichstein. Betriebsleiter Thilo Junge stellte das Konzept der Frei-Haus-Lieferung von ökologisch produzierter Milch und Milchprodukten vor. Rund 2000 Privatkunden sowie einige Geschäfte und Kindergärten zwischen Alsfeld und Bad Homburg werden zweimal wöchentlich mit frischer Milch aus dem Vogelsberg beliefert. Der Besichtigung von Molkerei und Stall des Selgenhofes schloss sich ein Rundgang durch den Vogelsberggarten am Schlossberg Ulrichstein an.
Walter Kreß (Mitte) vom NABU-Kreisverband Vogelsberg mit den Exkursionsteilnehmern am Obermooser Teich
Walter Kreß (Mitte) vom NABU-Kreisverband Vogelsberg mit den Exkursionsteilnehmern am Obermooser Teich
Nach der Mittagseinkehr erwartete Walter Kreß vom NABU-Kreisverband Vogelsberg die „Grünländer“ am Obermooser Teich. Er stellte das größte private Naturschutzprojekt in Hessen vor: In einer gewaltigen Anstrengung gelang es dem NABU, den Obermooser und den Reichloser Teich zu kaufen und damit für den Naturschutz dauerhaft zu sichern. Neben der Bedeutung für zahlreiche durchziehende und brütende Vogelarten sowie die gesamte die Wasser-Fauna hat auch die Bewirtschaftung des Ufergeländes Bedeutung. Hierauf ging Kreß besonders ein und wies unter anderem auf Pflanzenarten der Pflanzengemeinschaft Borstgras-Rasen hin.
Ein weiterer Betrieb mit interessantem Konzept wurde in Reichlos besichtigt: Silke und Reiner Odermatt halten zurzeit elf Lamas und bieten Trekking-Touren mit ihren Tieren an. Odermatt stellte die Charaktereigenschaften und Ansprüche der Tiere vor. Was mit einer reinen Hobby-Haltung begann, entwickelte sich bald zu einem Renner. Für mehrtägige Touren sind die Lamas bereits bis Muttertag 2009 bereits ausgebucht.
Den Abschluss am Sonntag bildeten ein Besuch einer Beweidungsmaßnahme am Bieberbach bei Heuchelheim und eine Kelten-Führung am Dünsberg. Am Bieberbach weiden derzeit sechs Tiere der bedrohten Rinderrasse Rotes Höhenvieh, die Tim Mattern vorstellte. Die Robustheit und Genügsamkeit der alten Rasse seien geschätzte Eigenschaften für die Haltung auch auf kargen Standorten. Am Dünsberg führte Dieter Pfähler die Gruppe in die Zeit des keltischen Oppidums auf dem markanten Berg.
Der Abschluss fand auf der Burg Gleiberg statt, wo Dr. Ulrich Thumm von der Universität Hohenheim den Organisatoren um den Gießener Arbeitsgruppenleiter Dr. Harald Laser herzlich dankte. Da sowohl in Gießen als auch in Hohenheim derzeit starke Umstrukturierungen stattfinden, was die Lehre und Forschung im Bereich Grünland betrifft, sei es noch nicht klar, ob die Tradition im nächsten Jahr fortgeführt werden könne.

Reiner Odermatt (2. v. r.) erläutert die Haltung von Lamas
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Walter Kreß (Mitte) vom NABU-Kreisverband Vogelsberg mit den Exkursionsteilnehmern am Obermooser Teich
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von:  Dr. Tim Mattern

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