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Die Schwalben gehen schlafen...

Wettenberg | Spätsommerliche Abendstimmung in Krofdorf-Gleiberg: Die Sonne geht unter, auf den Dächern knirschen vereinzelte Hausrotschwänze, in den Gärten stridulieren Grüne Heu-Hengste. Kurz nach halb acht ist das Geschwätz der Mehlschwalben noch fast über dem ganzen Dorf vernehmbar, aber mehr und mehr sammeln sich die Vögel über dem Schwalbenhaus I in der Schieferstraße. Ein erster größerer Trupp fliegt enge Kurven und immer mehr Schwalben verschwinden in den Nestern. Der Einflug beginnt um 19.45 Uhr, es müssen an die 200 Mehlschwalben sein, die die Kolonie auf dem ausgedienten Ampelmast als Schlafplatz aufsuchen. Runde um Runde drehen die Schwalben, fliegen die Nester an und jedes mal schlüpfen einige hinein.
Als "Bettruf" scheint der sonst übliche Warnruf zu dienen. In beiden Fällen ruft das schrille "sriep!" den Schwarm zusammen. Rund 80 Schwalben sind noch in der Luft und zeigen keine Anzeichen, dass sie in den nächsten Minuten zu Bett gehen wollen, also ein schneller Abstecher per Fahrrad zum Schwalbenhaus II in der Fohnbachstraße. Hier sind nur wenige Schwalben in der Luft, aber auch die Nester sind weniger
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stark belegt (hier waren es 45 Brutpaare). Die Eignung als Übernachtungsgelegenheit dieser neueren Kolonie hat sich scheinbar noch nicht herumgesprochen. Jedenfalls werden zumindest in zwei Nestern noch Junge gefüttert, auch um 20.13 Uhr sind die Altvogel noch damit beschäftigt. Es wird offenbar noch jede Minute des Tageslichts zum Beutefang genutzt.
Zurück zum Schwalbenhaus I - von den 80 Mehlschwalben am Himmel sind um 20.20 Uhr noch 13 verblieben. Auch sie ziehen ihre Kreise langsam enger, ein einzelnes "sriep!" führt dazu, dass die Vögel dichter beieinander fliegen. Um 20.23 Uhr sind alle bis auf eine in den Nestern verschwunden. Die Nachzüglerin versucht 3 Anflüge, aber offenbar ist es schon zu dunkel unter dem Dach, so dass sie nach dem dritten einen anderen Schlafplatz sucht und zwischen den Häusern verschwindet. Während dessen ist eine weitere Schwalbe scheinbar aus einem zu dicht besetzten Nest heraus gefallen und versucht, sich am verputzten Sims festzuhalten. Mit flatternden Flügelschägen gelingt es ihr aber weder, eine bessere Position zu erreichen noch, wieder in ein Nest zu gelangen. Sie lässt sich fallen, dreht ab und verschwindet ebenfalls auf der Suche nach einem anderen Platz zwischen den Häusern. Aus den Nestern ist noch leises Gewisper der Mehlschwalben. Auf dem Heimweg ist keine einzige Schwalbe mehr am noch hellen Himmel zu sehen oder zu hören.
In den nächsten Tagen werden die Schwalben weniger und mit der früher untergehenden Sonne auch jeden Abend etwas früher ihre Schlafplätze aufsuchen. In manchen Jahren waren noch am 3. Oktober einzelne Übernachtungsgäste zu beobachten.

(Beobachtet am 4. September 2010)

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Kommentare zum Beitrag

Doris Kick
3.565
Doris Kick aus Hungen schrieb am 06.09.2010 um 21:56 Uhr
Das ist ja interessant, ich wusste garnicht das es so etwas wie einen "Bettruf" bei den Schwalben gibt, ist es bei anderen Vogelarten genauso ??
Leider kenne ich mich damit überhaupt nicht aus, aber es interessiert mich.. :-)
Wolfgang Heuser
6.696
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 07.09.2010 um 14:46 Uhr
Sehr schön über diese Schwalben-Nester von den tollen Schwalbenhäusern berichtet, ein erlebnisreiches Schauspiel! GW
Dr. Tim Mattern
632
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 07.09.2010 um 17:54 Uhr
Das mit dem "Bettruf" beruht auch bisher nur auf den eigenen Beobachtungen mit einem größeren Schwarm. Sind nur vereinzelte Schwalben anwesend ist der Ruf in diesem zusammenhang nicht zu hören.

Wer noch Gelegenheit hat, sollte sich dieses interessante Naturschauspiel mal ansehen, nicht mehr lange, dann sind sie alle weg!
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