Bürgerreporter berichten aus: Wettenberg | Überall | Ort wählen...

Raumordnerischer Vertrag und finanzielle Anreize zur Umsetzungeines flexiblen Siedlungsflächenmanagements in der Stadtregion

Wettenberg | Am Freitag hat der REFINA-Forschungsverbund im Bürgerhaus Wißmar öffentlich Bilanz gezogen. Die regionalen Akteure seien im Laufe des Prozesses dafür sensibilisiert worden, dass eine Reduzierung der Flächeninanspruchnahme über die Steuerung des Regionalplans hinaus erforderlich ist – so der Forschungsverbund. Regionale Gewerbeflächenkonzepte unter reinen Vermarktungsansätzen führen dabei nicht zum Ziel. Ein weit umfassenderer Ansatz eines stadtregionalen Siedlungsflächenmanagements soll als flexibles und wettbewerbsfähiges Handlungsinstrument um kooperationswillige Pilotkommunen herum aufgebaut werden.
Zentrales Ergebnis der knapp zweijährigen Forschungsarbeit ist der Entwurf eines sogenannten raumordnerischen Vertrages zwischen der Landes- und Regionalplanung und handlungsbereiten Kommunen der Stadtregion. Professor Dr. Spannowsky von der Technischen Universität Kaiserslautern erläuterte, dass der Vertrag als Impuls zum Aufbau eines flexiblen und nachhaltigen regionalen Flächenmanagements in der Stadtregion dienen solle. Das Land signalisiere finanzielle Anreize für diejenigen Kommunen, die sich an der
Mehr über...
Der Autor hat diesem Beitrag leider keine Tags (Stichwörter) zugeordnet!
Umsetzung eines nachhaltigen Siedlungsflächenmanagements beteiligen. Dr. Uwe Ferber, Projektgruppe Stadt & Entwicklung Leipzig, präsentierte darauf aufbauend den Entwurf einer stadtregionalen Siedlungsflächenkonzeption als Basis für die schrittweise Ausarbeitung einer gesamträumlichen flächenpolitischen Strategie und die Festlegung quantitativer Ziele. Der Forschungsverbund ist mit anderen Projekten mit Flächenbezug vernetzt. Heinz Bergfeld vom IfR Solms nannte als Beispiele regionale LEADER-Projekte oder der vom Regierungspräsidium Gießen angestoßene Prozess zur Bildung eines Gewerbeflächenpools. Professor Dr. Matthias Koziol, Brandenburgische Technische Universität Cottbus, stellte Berechnungen zu den Folgekosten von Siedlungsflächenausweisungen in der Stadtregion vor. Von der Reduzierung der Flächeninanspruchnahme für neue Siedlungen profitieren aus Sicht der Infrastrukturfolgekosten alle Einwohner der Region. Außerdem befasste er sich mit einer visionären Form der Förderung. So stehe mit dem Regionalbudget eine Fördermethode bereit, die aufbauend auf der Kompetenz der lokalen Akteure Fördermittel deutlich präziser als bisher für die Umsetzung lokalpolitischer Ziele einsetzen kann.
In Statements beurteilten im Anschluss die Landes- und Regionalplanung sowie die Politik die Projektergebnisse, insbesondere deren Umsetzungsmöglichkeiten in der Stadtregion. Martin Orth vom Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, führt aus, dass der Handlungsbedarf, der sich bereits aus Anforderungen an ein nachhaltiges und klimaverträgliches Flächenmanagement ergibt, in den Regionen mit stagnierender und schrumpfender Bevölkerung noch weiter verstärkt werde. Dort benötige man auch unter finanziellen und ökonomischen Aspekten interkommunal abgestimmte Lösungen, um die Zentren der Kommunen zu stärken und das Baulandangebot an der Peripherie zu reduzieren. Eine nachhaltige
Siedlungsentwicklung ist auch im Sinne des Regierungspräsidiums Gießen, so Klaus Faulenbach. Dies drückt sich auch in den Zielvorgaben des neuen Regionalplans aus. Für die Oberzentren Gießen und Wetzlar ergriff Stadtrat Rausch das Wort. Innenbereichspotenziale mit Recyclingflächen sollen stärker ins Blickfeld genommen werden - so seine Kernaussage. Auch für Bürgermeister Eckhard Schultz, Gemeinde Lahnau, der stellvertretend für die Umlandgemeinden in der Stadtregion sprach, ist die Förderung der Innenentwicklung entscheidend für ein nachhaltiges Siedlungsflächenmanagement.
Wie wird es ohne die Begleitung des Forschungsverbundes weitergehen? Die vorliegenden Ergebnisse Siedlungsflächenkonzeption und raumordnerischer Vertrag sollen in einer Beteiligungsphase mit dem Ziel einer verbindlichen Umsetzung weiterentwickelt und strukturell vertieft werden. Für diese Pilotphase beantragt der Forschungsverbund weitere Fördermittel. Das Land kann durch veränderte Förderpräferenzen gezielte Anreize zur Pilotphase beitragen. Auch die modellhafte Einrichtung eines Innen- oder Regionalentwicklungsfonds zur Unterstützung und Kofinanzierung von Innenentwicklungsmaßnahmen könnte ein Baustein der Pilotphase darstellen. Jetzt liegt es an den Kommunen den nächsten Schritt zu gehen.
REFINA ist ein Förderschwerpunkt, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2004 im Forschungsprogramm Nachhaltigkeit gesetzt hat, um einen effizienteren Umgang mit Grund und Boden zu fördern. REFINA steht für „Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement“. Im Rahmen von REFINA sollen regionalspezifisch innovative Konzepte entwickelt und erprobt werden, mit deren Hilfe unterschiedliche Ziele, wie wirtschaftliches Wachstum, Umwelt- und Naturschutz, aber auch sozialgerechte Wohnungsversorgung, städtebauliche Qualität und Mobilität besser vereinbart werden können. In der Stadtregion Gießen-Wetzlar entwickelt ein interdisziplinärer Forschungsverbund, bestehend aus Forschungseinrichtungen sowie Stadt- und Regionalplanern, praxisnahe, auf die Stadtregion angepasste Lösungsvorschläge.

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Redaktion GZ

von:  Redaktion GZ

offline
Interessensgebiet: Gießen
Redaktion GZ
12.114
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Freuen Sie sich auf märchenhafte Momente mit dem Tinko Kindertheater.
Die GIEßENER ZEITUNG lädt am Stadtfest-Sonntag zum Familiennachmittag ans Selterstor ein
Für Viele ist es ein fester Termin im jährlichen Eventkalender. Das...
Bild 1: Aufpolsterung und Neubezug von alten Sitzmöbeln
Polster- & Gardinenwerkstatt valder-wohnen in Lich: Damit Sie sich zu Hause so richtig wohlfühlen // - Anzeige-
-Anzeige- Der Familienbetrieb valder-wohnen in Lich sucht...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.