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Gerhard Schmidt: 24 Jahre Motor und Motivator für Wettenberg

Gerhard Schmidt mit dem Spar-Euro.
Gerhard Schmidt mit dem Spar-Euro.
Wettenberg | Mit 24 Jahren als Bürgermeister ist Gerhard Schmidt einer der Rathauschefs in der Region, die es am längsten auf dem Chefsessel ausgehalten haben. Am 31. Januar endet seine letzte Amtszeit, und Schmidt geht im Alter von 66 Jahren nach 49 Arbeitsjahren in den Ruhestand. 24 Jahre verbrachte der Sozialdemokrat als Bürgermeister Wettenbergs. Eine Zeit, in der Schmidt gemeinsam mit seinen Mitstreitern viel erreicht hat. Am 1. Februar nimmt sein Parteikollege und Nachfolger Thomas Brunner seinen Platz ein.

"Gestalten statt nur Verwalten!" ist das Motto von Schmidt, der die Verwaltung bei der Stadtverwaltung Gießen von der Pike auf gelernt hat. Und bei den zahlreichen Projekten, die er in Wettenberg auf den Weg gebracht hat, kann man guten Gewissens davon sprechen, dass er der Gemeinde "ein Gesicht" gegeben hat. Noch genau erinnert er sich an den Tag seiner ersten Wahl, den 30. Januar 1986. Damals gab es in Hessen noch keine Direktwahl; Schmidt wurde von der Gemeindevertretung als Nachfolger von Günter Feußner gewählt, der als Erster Kreisbeigeordneter zum Landkreis Gießen wechselte. Bevor seine offizielle
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Amtszeit am 1. Februar begann, hielt Schmidt bereits als neuer Rathauschef eine Büttenrede auf der Sitzung der Krofdorfer Fassenachtsfreunde. Und genau damit endet auch seine jetzige Amtzeit: Mit einer Büttenrede auf der Jubiläumssitzung des Vereins.
Auch an den ersten Arbeitstag im Rathaus erinnert sich der Sozialdemokrat noch genau: "Die Übergabe war in einer Stunde erledigt". Schließlich brachte er jede Menge Erfahrung aus seiner vorhergehenden Tätigkeit als Verwaltungsoberrat mit (bereits mit 23 Jahren war Schmidt der jüngste Verwaltungsinspektor in Hessen gewesen). Auch Wettenberg war ihm nicht unbekannt, gehörte er der Gemeindevertretung bereits sieben Jahre vor seiner Wahl an.
Von Feußner übernahm er Verbindlichkeiten aus Zeiten der gescheiterten Stadt Lahn - rund 22 Millionen Mark. "Mein Vorgänger hat aber eine solide Grundlage übergeben - ursprünglich waren es rund 32 Millionen", weiß er. "Wir haben schon unter den Folgen der Stadt Lahn gelitten". Dennoch ist Schmidt auch heute noch davon überzeugt, dass das Modell aus strukturpolitischer Sicht der richtige Weg gewesen sei. Er glaubt, den Grund für das Scheitern der Stadt Lahn zu kennen: "Man fürchtete, dass die traditionsreichen Namen (Goethe und Liebig) untergehen
würden". Doch die Stadt Lahn hatte auch ihr Gutes für die spätere Gemeinde Wettenberg, waren doch die drei Ortsteile Krofdorf-Gleiberg, Wißmar und Launsbach schon vorher im Bezirk Wettenberg zusammengefasst und konnten so ein Stück weit auf den späteren Integrationsprozess vorbereitet werden. "Eine gemeinsame Schule sorgt für Integration", weiß Schmidt. Umso schwieriger sei die Situation gewesen, als die ehemalige Wettenbergschule in ihrem Bestand gefährdet war. Mit der Zusammenfassung als Gesamtschule Gleiberger Land nach der Auflösung der Gesamtschule Biebertal habe man nun langfristig seine weiterführende Schule im Gleiberger Land gesichert. Hätte man nicht diese Gemeinschaftslösung forciert, denkt Schmidt, dass beide Schulen irgendwann der Schließung zum Opfer gefallen wären.
Trotz aller Verbundenheit sei es wichtig, dass auch die Eigenständigkeit der Ortsteile erhalten geblieben sei. Bis heute gebe es ein Ortsteildenken, was aber natürlich und auch vollkommen in Ordnung sei. "Man muss örtliche Dinge bewahren und trotzdem zusammenwachsen".
Fragt man Gerhard Schmidt nach den drei wichtigsten Momenten in seiner Amtszeit, verweist der 66-Jährige auf die Ortsumgehung Krofdorf-Gleiberg, die Sporthalle an der heutigen Gesamtschule Gleiberger Land und die Aufnahme in die einfache Stadterneuerung/Dorferneuerung von Launsbach und Krofdorf-Gleiberg. "Als nach eineinhalb Jahren Verhandlungen über die Ortsumgehung die Schlussabstimmung in der 15-köpfigen Kommission 1987 einstimmig ausfiel, war das schon ein toller Moment", freut er sich.
Schwer getroffen hat den Gemeindechef der Verlust und plötzliche Tod einiger langjähriger Weggefährten. "Wenn man eng zusammengearbeitet hat und jemand ist plötzlich nicht mehr da, ist das schon ein schwerer Einschnitt", sagt er und nennt Namen wie Ulrich Sucker, Helga Mayer-Jäger und Jörg Mandler.
Wettenberg sieht Schmidt gut aufgestellt: "Wir sind gerade für junge Familien eine attraktive Gemeinde". Dies sieht er auch in den erweiterten Öffnungszeiten begründet. Auch Neubürger hätten gute Möglichkeiten, sich in die Dorfgemeinschaft zu integrieren. Und wie ist Wettenberg insgesamt aufgestellt? "Wir müssen uns nicht verstecken", meint Schmidt mit einiger Zurückhaltung. "Veranstaltungen wie die ,Golden Oldies' wirken weit über die Grenzen Wettenbergs hinaus".
Am Freitag, 29. Januar, scheidet Schmidt bei einer kleinen Feierstunde in der Mehrzweckhalle Krofdorf während des gemeindlichen Neujahrsempfanges aus dem Amt. Hauptredner wird sein langjähriger Wegbegleiter, Regierungspräsident a.D. Wilfried Schmied, sein. Beginn ist um 18 Uhr. Noch bis 2011 wird Schmidt in übergemeindlichen Gremien wie dem Kreistag oder dem Hessischen Städte- und Gemeindebund aktiv sein. Auch in zahlreichen Vereinen ist Schmidt aktiv, beim Gleibergverein, der Arbeiterwohlfahrt und der Sozialstation sogar im Vorstand. "Man kann nicht sofort auf Null gehen". Aber auf ein bisschen mehr Freiraum, mehr Zeit für die Familie und die Enkelkinder, darauf freut sich der Rathauschef. Der passionierte Radfahrer möchte außerdem gerne häufiger an Radtouren teilnehmen und auch eine zehntägige Reise in die Masuren ist bereits gebucht. Für den ersten Tag "off" hat er sich bereits etwas vorgenommen: "Mal etwas länger schlafen". Schließlich war Gerhard Schmidt seinen Mitarbeitern ein gutes Vorbild: meist kam er als Erster ins Rathaus und ging auch als Letzter. "Man muss mit gutem Beispiel vorangehen".

Gerhard Schmidt mit dem Spar-Euro.
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von:  Sabine Glinke

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Interessensgebiet: Wettenberg
Sabine Glinke
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