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Buchtipp: Bernhard Grzimek - Mein Leben

Wettenberg | Auch mal ein Lesetipp von mir:

Bin gerade gefesselt von Grzimeks "Mein Leben". Nachdem ich zunächst etwas enttäuscht war, dass laut Klappentext keine Erlebnisse mit Tieren geschildert werden, sondern mit Menschen, hat das Buch mich doch in seinen Bann gezogen.

Der berühmte Tierfilmer und frühere Direktor des Frankfurter Zoos beschreibt sein Leben insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit Menschen und wie er seine Ziele fand und erreichte. Beginnend mit der Kindheit in Schlesien über das Studium der Veterinärmedizin in Leipzig und Berlin, neben dem er gleichzeitig eine Hühnerfarm aufgebaut hat, über den zweiten Weltkrieg bis zum anschließenden Wiederaufbau des Frankfurter Zoos und seinen Einsatz für die freilebende Tierwelt, insbesondere in Afrika. Ich finde es besonders beeindruckend, wie früh er sich bereits wissenschaftlich betätigte, und so die Chance erhielt, im Ernährungsministerium zu wirken und bereits mit etwa 30 Jahren wegweisende Fortschritte beispielsweise für die Hühnerzucht in Deutschland zu etablieren. Grzimek handelte stets vorausschauend was ihm in Kombination mit so manch einem Glücksfall, einer guten Beziehung oder einfach wegen seines geschickten Taktierens fast immer zum Erfolg führte.

Mehr über...
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Vieles ist bekannt über den Tierfilmer, mit Hilfe der Medien konnte er für den Natur- und Tierschutz Pionierarbeit leisten. Wer wußte aber schon, dass Grzimek in Gießen habilitiert (also zum Professor ernannt) wurde? In diesem Zusammenhang habe ich herzlich über eine Episode gelacht: Prof. Grzimek hielt in Gießen regelmäßig Vorlesungen und kam dafür mit dem D-Zug aus Frankfurt. Einmal verschlief er seinen Ausstieg und mit Mühe gelang es, den Zug am übernächsten Dorfbahnhof zum Halten zu bringen. Bei der nächsten Fahrt rief der Schaffner im Abteil: "Sie sind doch der Professor Grzimek, ich habe im Dienstbuch stehen, dass ich aufpassen soll, dass sie nicht wieder verschlafen!"
Das Buch ist voller weiterer Anekdoten, über viele kann man herzlich lachen. So habe Grzimek einmal beiläufig in seiner Sendung "Ein Platz für Tiere" erwähnt, dass man im Herbst Igel, die weniger als 800 Gramm wiegen im Haus überwintern solle. Eine Anleitung mit Pflegetipps könne man bei ihm anfordern. Raten Sie mal, wie viele Zuschriften eingingen...

Recht großen Raum nimmt sich Grzimek, um seine Meinung zu den verschiedensten Dingen kundzutun. Sie ist immer fachlich begründet und man kann sie gut nachvollziehen. Aber sicherlich wird nicht jede Meinungsäußerung die Zustimmung des Lesers finden. Beispielsweise betrachtet der Naturforscher humanitäre Hilfe aus biologisch-ökologischer Sicht und findet sein eigenes Urteil dazu.

Bernhard Grzimek hat herausragendes geleistet und zahlreiche Dinge eingeführt, die in der Nachkriegszeit noch nicht selbstverständlich waren. Beispielsweise, dass Zootiere regelmäßig auf eine ausreichende Mineralstoffversorgung untersucht werden und eine passende Fütterung erhalten. Unter ihm gelangen einige Erstzuchten von Tieren in Zoos, so z. B. von Okapis, die erst Anfang 1901 überhaupt entdeckt worden und heute durch illegale Bejagung bedroht sind.

Die Beobachtung der Tierwanderungen vom Flugzeug aus mit seinem Sohn Michael war Pionierarbeit. Das Projekt diente dazu, die Grenzen des Nationalparks Serengeti entsprechend der Wanderbewegungen festzulegen. Michael verlor dabei sein Leben. Vater Bernhard stellte den begonnen Film "Serengeti darf nicht sterben" dennoch fertig. Es ist bis heute der einzige deutsche Film, der einen "Oscar" erhielt und der erste abendfüllende Film, der in Suaheli vertont wurde.

Er starb 1987 und wurde neben seinem Sohn Michael am Ngorongoro-Krater begraben. Bernhard Grzimek wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.

Das Buch "Mein Leben" ist die 2009 erschienene erweiterte Neuauflage seiner Autobiografie. Erschienen bei Piper, 553 Seiten mit Stichwortregister und Nachwort von Michael Miersch.

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Zaungäste

Kommentare zum Beitrag

Dr. Mathias Knoll
7.529
Dr. Mathias Knoll aus Gießen schrieb am 20.12.2009 um 11:39 Uhr
GERUCHSFRAGE

Wann beginnt die Liturgie
Und wann
Die Zoologie ?
Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 21.12.2009 um 13:35 Uhr
Hallo Tim,
danke für den Supertipp. Interessiert mich sehr. Hast du denn eventuell auch noch ein Bild zu deinem Buchtipp?
Dr. Tim Mattern
629
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 21.12.2009 um 13:56 Uhr
Hi Sabine,

wird am Abend noch gemacht. Ich werde auch noch eine andere Anekdote in den Text einbauen...

VG Tim
Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 21.12.2009 um 18:12 Uhr
Klasse, muss ich mir unbedingt besorgen. Bin ja ein großer Grzimek-Fan und habe schon als Kind "Serengeti darf nicht sterben" unzählige Male geguckt. Immer noch ein großartiger Film, übrigens.
Dr. Tim Mattern
629
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 21.12.2009 um 19:42 Uhr
So, Überarbeitung fertiggestellt ;-)

Ich hätte ihn gern mal kennengelernt, wie auch Heinz Sielmann.
Im Frühjahr muss mal wieder ein Zoobesuch stattfinden. In Frankfurt steht übrigens ein Nachbau des Zebra-Flugzeugs.

Seregenti darf nicht sterben ist großartig. Habe mir die DVD schenken lassen. Würde auch gerne das Buch dazu lesen, wie auch einige andere von Grzimek. Nur gibts die leider wohl nicht in aktuellen Auflagen. Das Buch kannst du dir auch ausleihen, Sabine, sobald ich damit fertig bin...
Dr. Tim Mattern
629
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 21.12.2009 um 19:58 Uhr
...wolltest du nicht auch noch ein anderes Buch leihen?
Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 22.12.2009 um 10:36 Uhr
Ja, einen Greifvogel- und Eulenführer. Habe aber einen ganz tollen gefunden mittlerweile - großartige Bilder und super erklärt.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Dr. Tim Mattern

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Interessensgebiet: Wettenberg
Dr. Tim Mattern
629
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