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Neue Serie: Die GZ stellt ihre Bürgerreporter vor

Jürgen Ross-Walter in der "Gudd Stubb".
Jürgen Ross-Walter in der "Gudd Stubb".
Wettenberg | Die GIEßENER ZEITUNG startet mit einer neuen Serie: Lernen Sie ab heute in loser Reihenfolge einige Bürgerreporter näher kennen. Zum Auftakt besuchten wir Bürgerreporter Jürgen Ross-Walter in Launsbach.

Eigentlich wäre es schöner gewesen, Jürgen Ross-Walter im Sommer zu besuchen, denn dann hätte man noch mehr Gemüse und Blumen auf dem Hof sehen können, aber auch im November kann man erahnen, was hier im Sommer geboten ist. Doch der Reihe nach: Bereits im September 2008 hatte sich Ross-Walter als Bürgerreporter bei der GZ angemeldet und dafür gab es einen guten Grund: Der 66-Jährige ist ausgesprochen aktiv, was das Vereinsleben in Launsbach angeht. Und sein Herz hängt ganz besonders an „seinem“ Bürgerprojekt Belzgass e.V., dessen erster Vorsitzender er ist. Große Hilfe erfährt er aber auch durch seine hilfreichen Vorstandsmitgliedern. So sei zu erwähnen, die beiden Aktiven die sich um das Wohlwollen der Tiere kümmern, ebenso die tatkräftige Hilfe im Vereinsgarten. Ohne diese tatkräftige Unterstützung ist eine solche Aufgabe nicht zu bewältigen. Dafür suchte er eine neue Plattform; die Möglichkeit, das
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Projekt auch einem größeren Publikum vorzustellen und vielleicht in der Zeitung eine geplante Veranstaltung bekannt zu machen. Also ab an den Rechner und bei der GZ angemeldet. Leider sind ihm dann ein paar technische Schwierigkeiten dazwischen gekommen, grinst er. Aber er ist ja lernfähig und jetzt weiß er auch, wie er Artikel und Fotos einstellen kann. Allerdings hat er im Moment auch wenig Zeit, Artikel zu schreiben, denn seine ehrenamtliche Tätigkeit für mehrere Vereine und seine Familie lassen ihm wenig Raum für weitere Aktivitäten. Alle Zeit der Belzgass, so sein Motto. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter seinem Steckenpferd? Ein Besuch der Hofreite “Belzgass“ in der Kirchstraße ist eine Zeitreise in die 50er Jahre. Im Hof finden Sie das heute inzwischen selten gewordene Rotvieh, Hasen, Hühner und Schweine. Kinder und selbst ganze Schulklassen können hier sehen „wo die Milch her kommt“, wie sich ein Hasenfell anfühlt oder die Schweine im Stall besuchen. Komplettiert wird die alte Hofreite von einem neu angelegten Garten. Hier stehen Kinder staunend vor Erbsenschoten – nein, Erbsen wachsen nicht rund in der Dose – können einen Apfel vom Baum probieren oder ein „Insektenhotel“ bestaunen. Immer wieder bietet der Verein Aktivitäten
unterschiedlichster Art. In diesem Jahr pflanzten Kinder Kürbis-Pflanzen an, etwa 80 Früchte waren das Ergebnis. Außerdem gab es eine „Gartensuppe“, die Ross-Walter mit den Kindern in der original 50er-Jahre-Küche kochte. Die Zutaten: Gemüse und Kartoffeln aus dem Garten zusammen mit einem Stück Fleisch. Ein Junge staunte: “Das schmeckt ja ganz anders als die Suppen aus der Tüte …“. Darüber hat sich der engagierte Vereinsvorsitzende gefreut. Doch er würde sich wünschen, dass auch die „Gud Stubb“ – ebenfalls ein Zeitreise in die 50er - im Haus noch stärker genutzt würde, zum Beispiel für Vereinssitzungen oder ähnliches.

Wie die meisten Vereine plagen auch das Bürgerprojekt Belzgass Nachwuchssorgen. Wenn er an die Altersstruktur seines Vereines denkt, zeigen sich in seinem ansonsten fröhlichen Gesicht Sorgenfalten. Das Durchschnittsalter liegt bei über 60 Jahren. „Das ist eben eine Entwicklung unserer Gesellschaft.“ Er hat durchaus Verständnis dafür, dass viele keine Zeit mehr haben, sich in Vereinen zu engagieren, aber er sucht unverdrossen immer wieder neue Wege, den Hof für möglichst viele Menschen attraktiv zu machen. Etwa der Launsbacher Erntedankmarkt ist für Groß und Klein ein wunderbares Fest. Der gebürtige Kettwiger (heute zu Essen gehörend) setzt auch auf die Bewahrung von altem Wissen; von Handwerk von gestern. Nun wird er lebhaft, denn er schwärmt von seinem neuen Projekt: Er plant eine Art „Alters-Kataster“. Er möchte herausfinden, welche Menschen in der Gegend noch ein altes Handwerk beherrschen. Wie etwa Besenbinden, Korbflechten, Spinnen oder ähnliches. Diese alten Fertigkeiten möchte er dokumentieren, so dass das Wissen nicht eines Tages verloren geht. Alle, die sich hier vielleicht angesprochen fühlen, können ihm über das GZ-Portal gerne eine entsprechende Nachricht senden.

Bleibt nun noch die Frage zu klären, warum der gelernte Maschinenbautechniker, später 25 Jahre als Vertriebsleiter tätig, aus Essen über den Westerwald schließlich nach Launsbach gekommen ist. Es ist der älteste und schönste Grund der Welt: der Liebe wegen. Nach dem Tod seiner ersten Frau, lernte er 1995 Ingrid Walter kennen, 2004 heirateten die beiden – er entschied sich für einen Doppelnamen und wurde zum Mittelhessen. Das Einleben hätten ihm die Launsbacher leicht gemacht, lobt er. Aber auch durch seine Frau habe er sehr schnell Anschluss gefunden und dann fing auch sein Engagement in den Vereinen an. Das Projekt Belzgass gibt es seit 1996, seit drei Jahren ist Ross-Walter der erste Vorsitzende. Angesprochen auf die finanzielle Lage des Vereins wird er wieder ernst: “Wir sind schon froh, wenn wir am Ende des Jahres zu Null gewirtschaftet haben“, aber dann wirkt er wieder optimistisch:“ Mit Unterstützung durch Sponsoren können wir doch immer wieder das ein oder andere auf die Beine stellen, was allein durch die Mitgliedsbeiträge nicht ginge.“ Der Hof befindet sich im Besitz der Gemeinde, es wird aber ein hohes Engagement der Ehrenamtlichen erwartet – dafür opfert er gerne einen großen Teil seiner Freizeit.

Wenn Sie sich auch gerne mal einem größeren Publikum vorstellen möchten oder jemanden kennen, von dem Sie denken, dass der- oder diejenige Interessantes für die GZ-Leser zu erzählen hätte, dann bewerben Sie sich bei uns. mit einer Mail an redaktion@giessener-zeitung.de oder rufen Sie uns kurz an (0641-9717253).

Jürgen Ross-Walter in der "Gudd Stubb".
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