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„Strohlädchen“ - Neuer Direktvermarkter in Wettenberg

Bürgermeister Gerhard Schmidt und die Familie Stroh anlässlich der  Eröffnung des neuen „Strohlädchen
Bürgermeister Gerhard Schmidt und die Familie Stroh anlässlich der Eröffnung des neuen „Strohlädchen
Wettenberg | Aus einer traditionsreichen Bauernfamilie stammend, hat Andreas Stroh 1994 den elterlichen Betrieb übernommen und 1998 einen Milchviehstall „Am Boden“ oberhalb des Bootshauses in Wißmar neu gebaut. Im März diesen Jahres wurde das Wohnhaus fertig gestellt. Die Standbeine des landwirtschaftlichen Betriebes sind 70 Stück Milchvieh, 700 Hühner und Getreideanbau.

Doch die Landwirtschaft befindet sich, wieder einmal, in einer Phase des Um-bruchs. Die erwirtschafteten Produkte reichen zur Kostendeckung des Betriebes Stroh nicht mehr aus. Wie entscheidend eine ausgewogene Struktur von Ange-bot, Nachfrage und Preisen bei der landwirtschaftlichen Wertschöpfung ist, ha-ben in den letzten Wochen die Milchbauern bei uns eindrucksvoll vor Augen ge-führt. Sie griffen in ihrer Verzweifelung über zu geringe Erlöse für ihr Produkt Milch zu den drastischen Mitteln von Blockade und Boykott. Die Bürgermeister der Westkreiskommunen hatten sich vor einigen Wochen über die Situation des Milchviehbetriebes Stroh vor Ort informiert.

Wir können weder ein Interesse an weiteren Blockaden und Boykottaufrufen der Milchbauern haben,
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noch daran, dass viele Landwirte aufgrund nicht kostende-ckender Preise aufgeben. Ein Landwirt, der aufhört, kehrt auch nicht mehr zu-rück, und das kann schon aus Gründen der Landschaftspflege und des Natur-schutzes, den die Landwirte erbringen, niemand wollen.

Die Direktvermarktung der Familie Stroh ist ein Schritt in die richtige Richtung. Künftig soll die Milch von einem mobilen Käsemeister zu Bergkäse, Gouda, Edamer und vielen anderen leckeren Sorten verarbeitet werden. Auch das Rind-fleisch vom eigenen Hof sowie Eier aus Bodenhaltung, Backhausbrot, Brotaufstrich und Apfelwein werden angeboten.

Ist es die Bequemlichkeit die uns schnell in den nahe gelegenen Supermarkt ge-hen lässt um den Wocheneinkauf zu erledigen? Durch den Einkauf direkt beim Erzeuger, wird man frische und qualitativ hochwertige Lebensmittel erhalten.

Bürgermeister Gerhard Schmidt hat bei seinem Besuch anlässlich des Hoffestes und der Eröffnung des Hofladens am vergangenen Samstag für das Engagement der Landwirtfamilie Stroh geworben. „Ich sehe ganz klar einen Trend zu Produk-ten aus der Region"; Lebensmittel sind Mittel zum Leben“. Der Direktbezug beim Erzeuger vor Ort bietet die größte Frischegarantie. Die Erzeugung und Vermark-tung regionaler Qualitätsprodukte ist vor allem für „regionale landwirtschaftliche Erzeuger“ die Möglichkeit ein höheres Einkommen zu erzielen um die Kosten zu decken. Es bedarf ansprechender Angebote, die junge Bevölkerung in der Regi-on zu halten. Die Förderung regionaler Identität soll dazu beitragen, dass die Menschen sich in unserer Region engagieren, regionale Produkte nachfragen, bisher noch ungenutzte Potenziale aufschließen und damit selbst Bestandteil der regionalen Wertschöpfung werden. Jeder Ansatz in diese Richtung verdient Un-terstützung. Auch wenn es gerade bei Grundnahrungsmitteln wie der Milch schwierig ist: Mit Bezug zur Region und zu einem unverfälschten Produkt beson-derer Güte lässt sich das erreichen. Auch wenn überall nur beste Qualität ange-boten wird, können sie sich nur beim Direktvermarkter vor Ort über Produktion und Herstellung der Lebensmittel aus erster Hand informieren.

Warum es sein muss, dass in Supermärkten häufig Produkte, die auch in der näheren Umgebung produziert werden, vom anderen Ende des Landes oder gar aus Übersee eingekauft werden? Grund dafür ist meistens der günstige Ein-kaufspreis. Ein günstiger Preis muss nicht unbedingt auf Kosten der Qualität ge-hen, aber er geht auf Kosten der Umwelt. Es ist unverständlich weshalb Fleisch oder Obstwaren manchmal durch ganz Europa gefahren müssen nur um auf un-serem Tisch zu landen, obwohl ein Produzent direkt im Ort seine Waren herstellt und so auch regionale Arbeitsplätze sichert.

Eigene regionale Marken aufzubauen wird ein Weg sein, sich erfolgreich im Wettbewerb zu behaupten. Die Gemeinde Wettenberg will das regionale Ange-bot unterstützen, z. B. mit Hinweisschildern am stark frequentierten Lahnradweg. Im Rahmen seiner Würdigung übermittelte Bürgermeister Gerhard Schmidt der Familie Stroh auch die Grüße der Landschaftspflegegemeinschaft Wettenberg.

„Die Bedeutung der regionalen Herkunft von Nahrungsmitteln steigt. Die Verbrau-cher wollen wissen, was wirklich auf den Teller kommt“. Die Antwort auf den zu-nehmenden Trend zu „Fast Food“ und zu undurchsichtiger „Massenware“ könne nur „Qualität und Genuss“ lauten. „Die beste Qualität findet der Verbraucher in den Hofläden und an den Ständen auf regionalen Bauern- und Wochenmärkten. Die dort angebotenen Produkte kommen direkt vom Erzeuger. Das schafft ver-trauen“. Bei einem Einkauf beim Direktvermarkter können Ihre Kinder neugierig auch mal in den Kuhstall schauen. Manches Kind wird dabei erstaunt feststellen müssen, dass die Milch aus der Kuh und nicht aus der Tüte kommt!

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