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Wettenberg hat Thomas Brunner mit klarer Mehrheit zum Bürgermeister gewählt

Carsten Zörb (links) gratuliert seinem Mitbewerber Thomas Brunner zum Sieg.
Carsten Zörb (links) gratuliert seinem Mitbewerber Thomas Brunner zum Sieg.
Wettenberg | "Dass ich gewinne, habe ich erwartet." Zwar nicht mit letztendlicher Deutlichkeit, aber mit einem guten Vorsprung hatte Wettenbergs frisch gewählter neuer Bürgermeister Thomas Brunner schon gerechnet. Der 45-jährige SPD-Kandidat und bisherige Hauptamtsleiter der Gemeinde Wettenberg hat am Sonntagabend überlegen mit 71 Prozent der Stimmen seinen Mitbewerber und CDU-Kandidaten Carsten Zörb (29 Prozent) in den Schatten gestellt. Aber erst in acht Monaten, am 1. Februar 2010, wird Brunner das Amt des in den Ruhestand ausscheidenden langjährigen Noch-Bürgermeisters und Parteikollegen Gerhard Schmidt übernehmen.
Im Foyer des Rathauses im Ortsteil Krofdorf-Gleiberg liefen am Abend auf Videoleinwand nacheinander die Ergebnisse aus den insgesamt sieben Wahlbezirken (Krofdorf-Süd, Krofdorf-Nord, Gleiberg-Außenbezirk, Launsbach, Wißmar I, Wißmar II und Briefwahl) ein. Rund 50 interessierte Bürger, Parteifreunde beider Kandidaten sowie Gemeindemitarbeiter wollten vor Ort das Endergebnis erfahren.
Gleich mit dem ersten Teilergebnis aus dem Wahlbezirk Gleiberg-Außenbezirk (gegen 19.30 Uhr) war die Tendenz im Nachhinein bereits vorgegeben: 68,6 zu 31,4 Prozent der Stimmen für Brunner. Bereits nach zwei weiteren deutlichen Ergebnissen aus Launsbach und Krofdorf-Nord zu Gunsten Brunners - zu diesem Zeitpunkt waren erst 2086 von letztendlich 5920 Wählerstimmen (Wahlbeteiligung 60,1 Prozent) ausgezählt - schien für alle Anwesenden die Wahl vorzeitig eindeutig zu verlaufen. Jubel brach aus; die beiden Kandidaten nahmen die entscheidungssichere Prognose als gegeben und gaben sich die Hand. Doch noch wollte Brunner der Fairness halber noch nicht in große Freude ausbrechen und hielt sich bis zum sicheren Endergebnis mit einer wertenden Aussage zurück.
Dafür zählte die SPD-Bundestagsabgeordnete und Biebertalerin Helga Lopez an dieser Stelle zu den ersten Gratulanten, die ihre eigentlich geplante Rückfahrt nach Berlin für dieses Ereignis verschoben hatte. „Das ist ein wunderschöner Tag für mich“, strahlte sie und beteuerte „mit einem weinenden Auge“, dass sie Brunner als „exzellenten Verwaltungsfachmann“ gerne in Biebertal gehabt hätte. Schließlich kandidierte der in Biebertal-Frankenbach wohnende Brunner bereits 2005 um die Nachfolge der damals ausscheidenden Biebertaler Bürgermeisterin Lopez. Doch hierbei unterlag er dem jetzigen Amtsinhaber Thomas Bender (parteilos).
Carsten Zörb (links) gratuliert seinem Mitbewerber Thomas Brunner zum Sieg.
Carsten Zörb (links) gratuliert seinem Mitbewerber Thomas Brunner zum Sieg.
Carsten Zörb hatte sich nach den ersten drei Ergebnissen mit seiner Niederlage sichtlich gefasst abgefunden. „Klar, ein paar Prozente mehr hätte ich erwartet. Es ist aber kein Grund zur Enttäuschung.“ Zugegeben: Als Gießen-Lützellindener hatte er einen schweren Stand gegen Brunner, der seit 15 Jahren im Wettenberger Rathaus tätig ist. Doch Zörb fügte hinzu: „Es hat Spaß gemacht. Bis zum Schluss ist alles ganz fair abgelaufen. Jetzt werde ich ein paar Tage Urlaub machen. Das bin ich meiner Familie schuldig.“ Zörb wird nun weiterhin in seiner bisherigen Firma tätig bleiben („Da werde ich gebraucht“) sowie sein Amt als Abgeordneter im Gießener Stadtparlament weiterführen.
Erst knapp zwei Stunden nach dem ersten Teilergebnis stand das eingangs erwähnte vorläufige Endergebnis fest. Den größten prozentualen Erfolg erzielte Brunner im Wahlbezirk Krofdorf-Nord (77,5 Prozent). Am geringsten fiel das Ergebnis für ihn im wählerstärksten Wahlbezirk Wißmar II ( 1099 Wähler) mit 64,4 Prozent der Stimmen aus.
„Das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen“, bescheinigte SPD-Gemeindeparlamentarier Hans-Peter Steckbauer dem Wahlausgang, den er vorab auf das Verhältnis 60:40 eingeschätzt hatte. Dies hatte auch Wettenbergs früherer
Die beiden Bürgermeisterkandidaten Cartsen Zörb (Mitte links) und Thomas Brunner (Mitte rechts) mit ihren Ehefrauen
Die beiden Bürgermeisterkandidaten Cartsen Zörb (Mitte links) und Thomas Brunner (Mitte rechts) mit ihren Ehefrauen
Bürgermeister Günter Feußner so prognostiziert und spricht nun von einem „überzeugenden Ergebnis“. „Thomas Brunner ist ein ausgesprochener Fachmann und ein sehr guter Nachfolger von Gerhard Schmidt. Menschlich ist er ein sehr angenehmer Zeitgenosse“, lobte er den zukünftigen Rathauschef.
Gerhard Schmidt selbst stellte an einem „Tag voller Freude“ im Nachhinein einen fairen und sehr argumentativen Wahlkampf beider Kandidaten fest. „Thomas Brunner hat es geschafft, eine hohe Mobilisierung zu erzeugen. 70 bis 80 Vereine hatte er unmittelbar aufgesucht.“ Acht Monate haben Schmidt und Brunner nun Zeit für die Übergabe des Amtes. In dieser Zeit, so Schmidt, wollen sie noch einige gemeinsame Projekte bearbeiten. Ins Detail wollte er nicht gehen, doch fielen die Stichwörter „Kunstrasenplatz“ und weitere Vermarktung des Gewerbeparks Krofdorf. Andererseits hat Brunner ja die Wirtschaftsförderung - er ist bisher neben seiner Tätigkeit als Hauptamtsleiter auch Geschäftsführer der Wettenberger Wirtschaftsförderung - zur zukünftigen Chefsache erklärt. Deshalb werde der in naher Zukunft neu zu besetzende Hauptamtsleiter diese Funktion nicht übernehmen müssen.
Darüber hinaus ist sich Schmidt sicher, dass Brunner mit allen Fraktionen vertrauensvoll
Freude über den Wahlsieg Thomas Brunners
Freude über den Wahlsieg Thomas Brunners
zusammenarbeiten werde. Zwar stehe seiner Ansicht nach eine allgemeine absehbare schwierige kommunale Finanzlage bevor, jedoch sei Wettenberg mit einer guten Finanzsituation gut gerüstet. „Aber das ist sein Geschick“, beschreibt Schmidt Brunners zukünftiges Handeln.

Thomas Brunners Einschätzung des Wahlergebnisses: „Die Wettenberger haben feinfühlig entschieden. Das hat den Ausschlag gegeben. Letztendlich war es eine Personenwahl, das ist mir wichtig. Ich bin zwar Sozialdemokrat, das war hierbei aber nicht der Grund. Ich habe eine hohe Zufriedenheit gespürt. Carsten Zörb danke ich für den fairen Wahlkampft, der nie unter die Gürtellinie ging.“ Brunner werde ohne Pause seine Arbeit fortsetzen; Urlaub mit seiner Frau Andrea und Tochter Elena (11) stehe erst in den Sommerferien an. Neben seiner Schreibtischarbeit möchte Brunner weiterhin die Wetterberger Vereine für Gespräche aufsuchen. Zudem werde er sich schrittweise aus der Biebertaler Kommunalpolitik herausziehen. „Ich mache meiner Familie und mir aber keinen Druck, nach Wettenberg zu ziehen.“

Als Vertreter der Wettenberger Fraktion von Bündnis90/Die Grünen, die sich im Vorfeld für Brunner ausgesprochen hatte, gratulierte Matthias Schulz dem neuen Bürgermeister. Er hoffe, dass Brunner den engagierten ökologischen Kurs fortführe.
Etwas wortkarg gab sich der Wettenberger CDU-Fraktions- und Ortsverbandvorsitzende Gerhard Noeske. Erst einen Kommentar abwinkend, äußerte er sich später gegenüber den Pressevertretern: „Thomas Brunner hat gezeigt, dass er auf Leute zugehen kann. Ich sage ihm weiterhin eine konstruktive Mitarbeit zu.“

Carsten Zörb (links) gratuliert seinem Mitbewerber Thomas Brunner zum Sieg.
Carsten Zörb (links) gratuliert seinem Mitbewerber Thomas Brunner zum Sieg.
Die beiden Bürgermeisterkandidaten Cartsen Zörb (Mitte links) und Thomas Brunner (Mitte rechts) mit ihren Ehefrauen
Freude über den Wahlsieg Thomas Brunners
Thomas Brunner freut sich mit seiner Tochter Elena über seine Wahl zum Bürgermeister.
Zukünftige Bürgermeisterfamilie: Andrea, Thomas und Elena Brunner.
Glückwünsche für Thomas Brunner trudeln auch per Mobiltelefon ein.
Carsten Zörb beobachtet mit seiner Ehefrau die eintreffenden Wahlergebnisse.
Thomas Brunner (links) und Bundestagsabgeordnete Helga Lopez freuen sich über den Wahlausgang.
Thomas Brunner mit Ehefrau Andrea
Noch-Bürgermeister Gerhard Schmidt (SPD) überreicht Glückwünsche an Thomas Brunners Ehefrau Andrea.
Wer freut sich denn da auf die Wahlergebnisse?
Applaus für den künftigen Bürgermeister Thomas Brunner (Mitte).
Drei Bürgermeistergenerationen von Wettenberg: Noch-Bürgermeister Gerhard Schmidt, zukünftiger Bürgermeister Thomas Brunner und früherer Bürgermeister Günter Feussner vor dem Wettenberger Rathaus.

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