Bürgerreporter berichten aus: Wettenberg | Überall | Ort wählen...

Wie der Weihnachtsbaum von Gießen nach Amerika kam

Wettenberg | Vor 200 Jahren lebte in Gießen die Familie Follenius, einer der Söhne war Karl Follen, der 1796 in Romrod bei Alsfeld geboren wurde, wo seine Mutter wegen der französischen Besetzung von Gießen zu dieser Zeit vorübergehend lebte. Karl Follen war ein unruhiger Geist, der sich gegen die Herrschaft der Fürsten und für Demokratie engagierte. In einem Lied Follens, das Studenten in Gießen sangen, Gießen gehörte 1815 zu den unruhigsten Universitäten Deutschlands, heißt es zum Schluss: "Nieder mit Thronen, Kronen, Frohnen, Drohnen und Baronen! Sturm!."

Zur Zeit der sogenannten Demagogenverfolgung, die sich gegen die Freiheitsbestrebungen richtete, musste Follen aus Deutschland fliehen. Zunächst floh er 1819 nach Frankreich, wurde ausgewiesen und ging 1821 nach Basel, wo der studierte Jurist eine Professur erhielt. Als ihm 1824 Verhaftung und Ausweisung nach Preußen drohte, floh er nach Amerika.

1825 arbeitete Charles Follen, er hatte seinen Namen übersetzt, als Professor für Deutsch an der Harvard Universität, der bekannten amerikanischen Elite Universität, die eine Gründung von christlichen Dissidenten
Mehr über...
war. 1828 heiratete er die amerikanische Schriftstellerin Eliza Lee Cabot und wurde 1830 eingebürgert. 1831 schloss sich Charles Follen der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei in den USA an und verlor deswegen 1832 seine Anstellung an der Harvard University.

Follen engagierte sich auch für Religionsfreiheit und gründete später sogar eine Unitarische Kirche in Lexington, die heute noch seinen Namen trägt. Diese Bewegung hielt es eher mit der Wissenschaft, glaubte nicht an Jungfrauengeburten, hielt Jesus aber für historisch verbürgt und einen vorbildlichen Menschen. In Deutschland war so etwas noch nicht erlaubt, da dauerte es noch bis 1848 bis man überhaupt aus der Kirche austreten durfte, eine Errungenschaft von Freireligiösen und der 48er Revolution.

Weihnachten 1832 stellte Follen für seinen 2 jährigen Sohn einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer auf und schmückte ihn und gehörte damit zu den ersten deutschstämmigen Auswanderern, die diese Tradition nach Amerika brachten. Er gilt bis heute als derjenige, der den Weihnachtsbaum nach Neu-England, das sind die Staaten im Nordosten der USA, brachte.

Follen blieb bis zu seinem Lebensende ein Rebell und als er 1840 bei einem Schiffsunglück verbrannte, verweigerte ihm das konservative Boston die Beerdigung und es dauerte über drei Monate, bis er seine letzte Ruhestätte fand.

 
 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Abwechslungsreicher Weihnachtsweg am Hangelstein
„Liebe Entdecker und Entdeckerinnen, herzlich willkommen auf dem...
Kinder-Wunschzettel-Aktion mit dem Christkind der GIEßENER ZEITUNG
Liebe Kinder, in diesem Jahr könnt ihr eure Wunschzettel fürs...
Weihnachtszeitraum vom 21.-23.12.2020 täglich von 18-20 Uhr St. Thomas Morus Kirche, Grünberger Straße 80
Kein Lockdown der Kirche! St. Thomas Morus Kirche vom 21. - 23. Dezember täglich von 18 bis 20 Uhr offen.
Lockdown hin, Lockdown her - die Kirchen bleiben offen. Weihnachten...
Bietet Inspiration für Kunstliebhaber und in diesen Tagen auch für Weihnachtsgeschenk-Suchende: Die „Galerie23“ der Lebenshilfe Gießen im Seltersweg 55.
„Was soll ich schenken? Kunst!“ - „Galerie23“ wartet zur Wiedereröffnung mit vielen neuen Werken und Geschenkideen auf
Giessen (-). Die „Galerie23“ der Lebenshilfe Gießen hat ihre Pforten...
Brief an den Weihnachtsmann...
von Erich Kästner in der "Weltbühne" 1930. Kästner hat ja eine ganze...
Nur ein paar wenige Beispiele, welche schönen Dinge man bald im Lumdatal-Weihnachtsmarkt finden kann...
Online-Weihnachtsmarkt im Lumdatal findet statt – Aussteller können sich noch bewerben
Um zumindest virtuell doch ein bisschen Weihnachtsstimmung zum...

Kommentare zum Beitrag

Nicole Freeman
11.087
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 20.12.2020 um 13:19 Uhr
scheint so als ob wir viele dinge nach amerika gebracht haben.
Kurt Wirth
3.500
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 20.12.2020 um 17:41 Uhr
und die dann etwas verändert wieder zurückkamen, z.B. Halloween.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Dieter Bender

von:  Dieter Bender

offline
Interessensgebiet: Wettenberg
68
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Gießen, Rodheimer Straße: Man stelle sich so eine Verkehrsführung für Autos am Oswaldsgarten vor. Der verantwortliche Planer würde umgehend auf seine Dienstfähigkeit überprüft. Das ist ein stark frequentierter Radweg mit überörtlichem Durchgangsverkehr.
Radwege in und um Gießen – peinlich, peinlich!
Ich habe von Krofdorf aus 15 europäische Länder mit dem Fahrrad...
Gießen, Schottstraße 34: Hier wohnte Marianne Krombach
Schottstraße 34: Hier wohnte Marianne Krombach…
76 Jahre nach der Befreiung der Häftlinge des Vernichtungslagers...

Weitere Beiträge aus der Region

Infoangebot für zukünftige Schüler*innen
Die Aliceschule, Berufliche Schule der Universitätsstadt Gießen,...
Nächste KuKuK Online-Vernissage "fünf" verschoben
Vor 4 Tagen wurde von der nächsten Ausstellung im KuKuK in dieser...
Cornelia Hollaender
Nächste Ausstellung im KuKuK „fünf“ ab dem 13. März 21
Ein KuKuK-Ausstellungsprojekt mit Werken von Liesel Haber, Cornelia...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.