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Umfangreiche Fenstererneuerungen auf Burg Gleiberg

Fenster Burg Gleiberg (GSchmidt)
Fenster Burg Gleiberg (GSchmidt)
Wettenberg | (gs) Der vor einigen Wochen begonnene Austausch aller 52 Fenster im Nassauer-Bau steht unmittelbar vor dem Abschluss. Die Maßnahme war dringend erforderlich, denn insbesondere die außenliegenden bleiverglasten Wappenfenster im Obergeschoss waren vor etwa 135 Jahren eingebaut worden, seither der Witterung ausgesetzt und deshalb besonders stark gefährdet. Andere Fenster stammen vermutlich aus den 1920-er Jahren. Alle sind einfachverglast und wurden höchstwahrscheinlich in den 1960-er Jahren aus Wärmeschutzgründen zu Kastenfenstern „aufgedoppelt“. An zahlreichen Stellen drang Regenwasser in das Gebäude ein. Manche Fenster ließen sich nicht mehr öffnen, die meisten befanden in einem sehr schlechten Zustand. Die jetzt eingesetzten Fenster erfüllen die aktuellen Wärmeschutzvorschriften, die Kastenfenster entfallen, sodass die Sandsteinleibungen wieder sichtbar werden und im Obergeschoss werden die bisher außenliegenden Wappenfenster nach innen verlegt und sind somit geschützt. Eine besondere Herausforderung stellte der jetzt vollzogene Einbau der neuen Fenster dar, da er bei laufendem Gastronomiebetrieb erfolgen
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musste. Burgwirt Axel Horn und Vorstandsmitglieder des Gleiberg-Vereins äußerten sich übereinstimmend sehr lobend über die Arbeit der beauftragten Fachfirma aus der heimischen Region, die auf die Anfertigung und denkmalgerechte Restaurierung von historischen Fenstern spezialisiert ist.

Die beiden Vereinsvorsitzenden Andreas Kraft und Gerhard Schmidt, Schriftführer Dr. Jürgen Leib, Schatzmeister Karlfried Philipp und Burgbaumeister Ulrich Homberger hatten sich unter Einbeziehung von Charlotte Bairstow von der Unteren Denkmalschutzbehörde im vergangenen Jahr eingehend mit der Thematik beschäftigt. Als die Kosten erkennbar wurden und klar war, dass keine Zuschüsse aus Mitteln der Denkmalpflege zu erwarten waren, wurde ein groß angelegter Spendenaufruf unter den Vereinsmitgliedern und heimischen Firmen gestartet.

Kürzlich fand ein Dankeschön-Abend für diejenigen Vereinsmitglieder, Firmen und Institutionen statt, die für jeweils 2.500 € die Patenschaft für ein Fenster übernommen und somit maßgeblich dazu beigetragen hatten, dass alle Fenster im Erd- und Obergeschoss des Nassauer-Baus seit Anfang dieses Jahres erneuert werden konnten.

Andreas Kraft zu diesem Anlass, dass die Erneuerung der Fenster rund 130.000 € kosten würde. Dann gab er den aktuellen Stand des Spendenaufrufs bekannt. Für 37 Fenster konnten Paten gewonnen werden. Außerdem ging eine Vielzahl von kleineren bis mittleren Spenden ein. Unter dem Strich hat der Spendenaufruf stolze 110.000 € erbracht, davon 60.000 € von Vereinsmitgliedern und 50.000 € von heimischen Firmen. Mit diesem Ergebnis habe man nicht im Traum gerechnet. Der geschäftsführende Vorstand habe zwar sehr viel Zeit in die Aktion investiert, sei aber mit einem überwältigenden Ergebnis für den Aufwand belohnt worden. Kraft betonte auch, dass die Resonanz auf den Spendenaufruf zeige, wie stark der Verein im Bewusstsein der heimischen Bevölkerung verankert sei. Außerdem werde auf diese Weise ein weiteres Mal dokumentiert, dass man sich nicht nur auf öffentliche Zuschüsse verlasse, sondern sehr viel Eigeninitiative entwickelt habe, um Geld für die Burgerhaltung zu generieren. Das komme auch durch zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und die in fünfjährigem Abstand durchgeführten Gleibergfeste zum Ausdruck.

Dr. Jürgen Leib zog einen interessanten Vergleich. Im Rittersaal, Vorstandszimmer und Luxemburger Zimmer gibt es 24 bleiverglaste und mit Wappen versehene Fenster, die alle aus den 1880 er Jahren stammen. Damals wurden 18 gespendet, und zwar meistens von Gießener Bürgern, aber auch von Personen aus ganz Deutschland, die einen Bezug zur Burg hatten. Beteiligt waren u. a. Prinz Hermann von Solms-Braunfels, Prof. Dr. Karl Gareis aus Königsberg, von 1879 bis 1888 Vorsitzender des Gleiberg-Vereins und ab dann an der ostpreußischen Universität tätig war, ein Oberpräsident von Tieschowitz aus Hannover, offenbar ein Verwandter des gleichnamigen Wetzlarer Landrates, der 1879 im Auftrag des Königreiches Preußen die Burg dem Verein schenkte, ein Oberschulrat aus Darmstadt und die Familie von Rabenau-Friedelhausen. Aktuell konnten für 17 bleiverglaste Fenster im Rittersaal und in den angrenzenden Räumen Fensterpaten gewonnen werden. Entgegen landläufiger Meinung wiederholt sich Geschichte manchmal eben doch.

Auf einem Rundgang konnten sich die Fensterpaten davon überzeugen, dass an den von ihnen ausgesuchten Fenstern Plaketten mit ihrem Wunschtext angebracht worden waren. Einen besonderen Blickfang stellte ein beleuchtetes Muster-Wappenfenster im Rittersaal dar. Sobald die derzeit ausgebauten Wappenfenster restauriert worden sind, werden sie alle mit LED-Beleuchtung versehen und dürften dem Raum insbesondere bei abendlichen Veranstaltungen ein besonderes Gepräge verleihen.

Aus unterschiedlichen Gründen konnten nicht alle Fensterpaten an dem Dankeschön-Abend teilnehmen. Auch ihnen möchte der Vorstand natürlich Dank sagen.

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