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Zurück in Zsámbék. Rund 1000 Kilometer, zwei Länder, eine Heimat

Das Gemälde, was an die Vertreibung erinnert.
Das Gemälde, was an die Vertreibung erinnert.
Wettenberg | „Jetzt bin ich in Ungarn. Jetzt bin ich zuhause“, freut sich die 90-jährige Wettenbergerin.
Nicht weit von der ungarischen Landeshauptstadt Budapest liegt Zsámbék, ein kleines Dorf, was zwar groß aussieht, aber doch einen ländlichen Charme beweist. Liesel Schnepp, eine gebürtige Ungarin, erfreut sich über den Anblick ihres Wohnortes, in dem sie 19 Jahre ihres Lebens verbracht hat. Unfreiwillig wurden sie und ihre Familie im Jahre 1946 nach dem zweiten Weltkrieg aus Ungarn vertrieben. Der Grund: Bei der Volkszählung 1939 gaben sie an, dass sie der deutschen Sprache mächtig seien. Als ungarische Staatsbürger wurden sie dennoch gezwungen nach Deutschland umzusiedeln. Auch in anderen Ländern mussten viele Bürger und Bürgerinnen ihre Ausreise antreten.


Besuch bei Gedenkstätte in Zsámbék

Liesel Schnepp trifft mitten im Dorf auf eine Gedenkstätte, die an die Vertreibung von 3700 „Schambeckern“ erinnert. In die Wand gemeiselt, zeigt das Gemälde „Schambecker, die mit einem kleinen Säckchen, gefüllt mit ihrem Hab und Gut, und ihren Kindern an der Hand die Stadt verlassen.
Ergreifend – nicht nur für Liesel
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– ein Mädchen, das dem Betrachter direkt in die Augen schaut. „Man meint, dass das Mädchen gleich anfängt zu weinen. Genau, wie ich damals. Nur, dass ich an der Hand meiner Mama war.“ Ihre Namen waren auf Tafeln ausgeschrieben, wie bei einem Viehtransport mussten sie in Waggons acht Tage bis nach Deutschland reisen. „Freiwillig wären wir nicht weg. Wir hätten in unserer Heimat gut leben können. Wir hatten alles“, bestätigt Liesel Schnepp. Die Familie siedelte sich in Wißmar an und baute sich hier ein Leben in einem fremden Land auf. In den ersten 25 Jahren durften sie nicht mehr zurück in die Heimat. Kaum war die Sperre aufgehoben, reisten sie nahezu jedes Jahr nach Ungarn. Auch wenn sich in Zsámbék viel getan hat, findet die 90-jährige Frau, dass es doch so geblieben ist, wie es vor 70 Jahren war.
Im Moment denkt sie noch öfter an ihre Heimat. Mit dem Alter, werde es sogar schlimmer. Sie vermisse den familiären Umgang sehr, den sie mit ihren letzten Verwandten genießt. „Die Mentalität in Ungarn ist ganz anders. Es ist ein fröhliches Volk. Wenn einer feiert und Musik spielt, kommen alle zusammen und singen ungeniert.“ An ihrem 90. Geburtstag hat sie ihre ungarischen Verwandten in Wettenberg sehr vermisst. Bei Liesel Schnepps
Die Freude ist groß beim ersten Wiedersehen.
Die Freude ist groß beim ersten Wiedersehen.
Besuch in Ungarn entschied sich ihre Familie kurzerhand den Geburtstag nachzufeiern und überraschte die Dame mit einer Torte und einem Musiker, der Akkordeon spielte. Es wurde bis tief in die Nacht alte Lieder gesungen, bis alle schließlich müde ins Bett fielen. „Bussi“ wurde gerufen und man gab sich Küsschen auf beide Wangen.
Eine andere Vorliebe der Ungarn ist das Essen. Als Vorspeise wird eine Suppe serviert. „Suppe essen alle gerne“, so Agnes, die Tochter von Liesels verstorbenen Cousin. Hühnerfleisch, ungarische Salami, ungarische Paprika und Pfirsiche waren nicht zu übertreffen von deutschen Produkten. Diese mussten natürlich auch mit nach Deutschland als der Kurzurlaub in der Heimat zu Ende ging. In Deutschland angekommen ist die ältere Dame immer noch überwältigt von den Erlebnissen. Das Heimweh ist groß, dennoch Wißmar ist auch ihr Zuhause. Sie hat hier eine schöne Zeit verbracht: „Man will auch wieder heim, dort, wo man sich etwas aufgebaut hat“. Wettenberg und Zsámbék sind seit 29 Jahren durch eine Städtepartnerschaft miteinander verbunden. Beide Orte sind für die 90 jährige Frau ihre Heimat.

Das Gemälde, was an die Vertreibung erinnert.
Die Freude ist groß beim ersten Wiedersehen.
Eine gelungene Überraschung
Miteinander Singen
Liesel Schnepp ist überwältigt von dem traurigen Gesichtsausdruck des Kindes.
Romtemplon, die Kirche, die durch ein Erdbeben und den Kriegen zerstört wurde.
Die Aufmerksamkeit sorgte für Tränen.
Das schöne Wahrzeichen von Zsámbék
Liesel Schnepp findet ihren Opa auf einer Gedenktafel wieder, der im zweiten Weltkrieg erschossen wurde.
"Das darf doch nicht wahr sein. Wo ist das Wasser?" fragt Liesel Schnepp erstaunt, als sie den Türkenbrunnen sieht.

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Kommentare zum Beitrag

Bernd Zeun
10.433
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 27.09.2017 um 21:01 Uhr
Gut geschrieben; die Vertreibung der Ungarn-Deutschen ist viel weniger im öffentlichen Bewusstsein, als die der Sudeten-Deutschen.
Nicole Freeman
8.796
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 28.09.2017 um 06:18 Uhr
stimmt. ich hatte davon zwar gehört, aber das es reichte deutsch zu verstehen um ausgewiesen zu werden war mir neu. man spricht kaum über die vertriebenen ungarn deutschen. daher finde ich diesen bericht wichtig und auch sehr gut geschrieben. man kann regelrecht mit der alten dame mitfühlen wenn man sich darauf einlässt.
Peter Herold
26.527
Peter Herold aus Gießen schrieb am 04.10.2017 um 10:10 Uhr
Die Mentalität hat sich nicht geändert. Nur lassen sie jetzt keinen(Migranten)mehr einreisen :-(
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von:  Sarah Klinnert -Mitarbeiterin der GZ-Redaktion-

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Sarah Klinnert -Mitarbeiterin der GZ-Redaktion-
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