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Unsichtbare Grenze der ehemaligen DDR

Ehemaliger Wachturm an der Ostseeküste in Kühlungsborn
Ehemaliger Wachturm an der Ostseeküste in Kühlungsborn
Wettenberg | Endlich Urlaub, endlich ohne Zeitplan, endlich wieder Ostsee. Der weite Blick gleitet zum Horizont, der Geruch von Muscheln, weiter Ferne und Salzwasser steigt in die Nase und das Rufen der Möwen vermittelt das Gefühl von Freiheit. Die Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern bietet ausreichend davon.

Diese Genüsse konnte man natürlich auch schon zu DDR-Zeiten genießen, vorausgesetzt, man ergatterte einen der raren Ferienplätze oder hatte sich im Jahr zuvor einen Ostseezeltschein gesichert, was ohne Beziehungen oder Bestechung nur alle drei Jahre möglich war.

Umso größer das Glück, wenn man endlich da war. Zwei oder drei Wochen Wasser, Wellen und Wind genießen. Jedenfalls so lange man sich mit der Natur begnügte. Gelegentlich starrte man auf das Wasser: Dort hinter dem Horizont liegt Schweden – oder Dänemark. Keine Mauer davor, kein Stacheldraht. Nur Wasser. Da saß man am Rand der DDR und schaute raus. In den Westen. Schnell an etwas anderes denken. Allenfalls abends Geschichten erzählen von abenteuerlichen Fluchten, von denen man so gehört hat.

Aber die Sehnsucht nach der großen weiten Welt oder auch
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nur der kleinen Welt nebenan blieb schmerzhaft spürbar, jedenfalls für viele – und erst recht hier, wo man aus der DDR rausgucken konnte. Da standen sie (mit oder ohne Badehose) im Wasser und beobachteten die großen Schiffe am Horizont, oder sahen am Hafen von Warnemünde der nach Dänemark auslaufenden Fähre hinterher. Manche trauten sich, den hoch oben auf dem Deck stehenden Passagieren zuzuwinken. Wo die wohl heute Abend sein würden? Beim Winken war eine gewisse Zurückhaltung angebracht. Allzu heftige Grüße wurden aufmerksam registriert und notiert. Das ahnte man damals – heute wissen wir es aus den Stasi-Akten.

Wenn wir über das Eingesperrtsein in der DDR und ihr unmenschliches Grenzsystem reden, meinen wir zumeist nur die Berliner Mauer und die sogenannte grüne Grenze. In der Tat vergessen wir, dass es auch oben im Norden, jenseits der Idylle von Rügen, Usedom, Boltenhagen oder Kühlungsborn ein engmaschiges, nach innen, also gegen die eigene Bevölkerung gerichtetes Sperrsystem gab. Der Blick auf das offene weite Meer war trügerisch.

Anders als in Berlin oder an der DDR-Westgrenze gab es keine so offensichtlichen Kennzeichen des Eingesperrtseins wie hohe Mauern oder Stacheldrahtverhaue mit vorgelagertem Sperrgürtel. Die
Das Grenzsicherungssystem der ehemaligen DDR an der Ostsee
Das Grenzsicherungssystem der ehemaligen DDR an der Ostsee
SED und ihre Helfer wagten nicht, den Strand zu sperren – das taten sie nur an wenigen Stellen. Die Bevölkerung musste wenigstens im Urlaub bei Laune gehalten werden. Millionen liebten das Badevergnügen am Ostseestrand. Ein Zudrehen auch dieses Ventils hätte im Kessel „DDR“ womöglich schon viel früher Überdruck erzeugt.

So überwachte man den Durchschlupf auf andere, weniger offensichtliche, aber nicht minder perfide Art. Auf See und an der Küste durch die Volksmarine, die Grenzbrigade Küste, die Volkspolizei, durch so genannte „gesellschaftliche Kräfte“ und freiwillige Denunzianten, im Landesinneren vor allem durch die Stasi.

Wie diese Grenze an der Küste abgeriegelt wurde und wie dennoch nach Selbstbestimmung und Freiheit drängende DDR-Frauen und -Männer versuchten, über die „nasse Mauer“ zu entkommen, davon berichtet die Ausstellung, die unweit der Seebrücke in Kühlungsborn gezeigt wird.

Die Bilder zeigen den Wachturm und einige Schautafeln, auf denen die Organisation der „Grenzsicherung“ und einige Fluchtversuche – die meist erfolglos verliefen – dargestellt werden.

(Text: teilweise zitiert aus einer Rede von Marianne Birthler)

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