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Lumdatalfeuerwehren starten einzigartige Untersuchung von Zukunftsfähigkeit

Staufenberg | „Ist das Blaulicht-Ehrenamt und damit der Brandschutz und die allgemeine Hilfe in unserer Kommune in Gefahr? Wird es personell kritisch, wenn ja: ab wann? Welche konkreten Maßnahmen müssen wir ergreifen um frühzeitig dagegen zu wirken?“ – Diese Fragen bewegen landauf, landab die Bürgermeister und Leiter der Feuerwehren. Sie sind nämlich persönlich dafür verantwortlich, dass alle Bügerinnen und Bürger in ihrer Kommune im Notfall eine schnelle und wirksame Hilfe erhalten. Im Lumdatal ist man zu der Überzeugung gekommen, dass einer jahrelangen Diskussion nun auch Taten folgen müssen. „Es ist nicht Art von Führungspersonal in der Gefahrenabwehr, sehenden Auges nichts zu tun, obwohl man weiß, dass unverzügliche Aktivität gefordert ist. Was uns an demografischem Wandel im Lumdatal bevorsteht, ist zum Teil dramatisch, in manchen Ortsteilen werden dort in 15 Jahren zum Beispiel nur noch halb so viel 20jährige leben, wie heute. Es sind Fakten statt Fiktionen gefragt.“ erklärt Stadtbrandinspektor Michael Klier entschlossen die Entscheidung, hier nun interkommunal tätig zu werden. Jetzt will man es im Lumdatal genau
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wissen und untersucht in einer Studie die Zufriedenheit und Haltung aller freiwilligen Feuerwehrangehörigen gegenüber ihrer Feuerwehr. Außerdem werden die Austritte der vergangenen Jahre untersucht. Ziel ist es, mit dieser erstmaligen Datenbasis frühzeitig Entwicklungen zu erkennen und gegebenenfalls gegensteuern zu können. Diese Umfrage wird im März starten.
Nun wurden alle Wehrführer der vier beteiligten Kommunen bei einer Veranstaltung in Allendorf zu dieser wichtigen Maßnahme frühzeitig informiert und eingebunden. Als Vertreter der vier Bürgermeister, die diese Aktion gemeinsam mit ihren Leitern der Feuerwehr initiiert haben, war Bürgermeister Kurt Hillgärtner, sowie die vier Leiter der Feuerwehr Stadtbrandinspektor Michael Carl, Gemeindebrandinspektor Lothar Kaufmann (Rabenau), Stadtbrandinspektor Marco Kirchner (Lollar) und Stadtbrandinspektor Michael Klier (Staufenberg) anwesend. Als fachlich Verantwortlicher führte der Ehrenamtspezialist Martin Lutz in das Thema ein und erläuterte die Umsetzung, aber auch die Notwendigkeit dieses Projektes: „Ich garantiere Ihnen, dass im Jahre 2020 kein Stein im Ehrenamt mehr so auf dem anderen stehen wird, wie heute. Und in der Gefahrenabwehr unseres Landes werden sich bis dahin grundlegende strukturelle Veränderungen vollzogen haben. Beides betrifft insbesondere das Ehrenamt bei Feuerwehren. Gewinnen wird, wer unverzüglich beginnt, aktiv zu gestalten. Wer meint, die tief greifenden gesellschaftlichen Veränderungen untätig aussitzen zu können, läutet das Ende seiner Strukturen ein. Das ist eine Aufgabe höchster politischer Priorität, denn der wählende Bürger wird einen vermeidbaren Verlust an konkreter persönlicher Sicherheit bestimmt nicht belohnen.“ Hierbei fand Lutz für alle Anwesenden offenbar die richtigen Informationen und die richtigen Töne, denn nach einer regen Diskussion unter den Beteiligten herrschte zum Schluss ein breiter Konsens: „Die Durchführung der Studie ist ein sehr guter Plan“.
Für Marco Kirchner aus Lollar war das Erlebnis der breiten Zustimmung ein positives Signal: „Ich hatte den Eindruck, dass allein die Tatsache, dass nun alle Angehörigen jetzt erstmalig mal nach Ihrer Befindlichkeit und ihrer Zufriedenheit befragt werden, schon einen Motivationsruck durch den Raum hat gehen lassen. Alle haben begriffen, dass das, was wir hier vorhaben, richtig wichtig für unsere Zukunft ist.“ Auch darüber, dass solche Maßnahmen nicht mit Bordmitteln darzustellen seien und dass hierfür externe Sichtweise und Sachverstand benötigt wird, wurde ganz offen gesprochen. „Wir sind Profis in der Gefahrenabwehr, wenn ein Bürger oder eine Bürgerin Hilfe benötigt, wählt er die 112 und wir kommen. Genauso professionell ist es von uns, fach- und sachkundige Hilfe zu holen, wenn wir außerhalb unserer Kompetenzen vor Aufgaben gestellt werden. “ erläutert Stadtbrandinspektor Michael Carl die Vorgehensweise. Die Untersuchung führt ein Team von Soziologen und Gesellschaftswissenschaftlern durch unter der Leitung des Spezialisten Martin Lutz. Die Gruppe beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragen rund um Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement, untersucht Strukturen und unterstützt bei der konkreten Umsetzung gebotener Maßnahmen, zum Beispiel bei Generationswechsel, sowie Neuanfang oder Auflösung ehrenamtlicher Strukturen.
Lutz informierte an diesem Abend auch darüber, dass zwar an vielen Orten die Verantwortlichen im Blaulicht-Ehrenamt, zum Beispiel bei Freiwilligen Feuerwehren oder Hilfsorganisationen, über sinkende Zahlen klagen würden, wissenschaftlich anerkannte Studien, wie die Freiwilligensurveys der Bundesregierung, aber beweisen, dass diese Phänomene keineswegs flächendeckend stattfinden und dort, wo sie stattfinden, hausgemacht sind. Tatsächlich ist das ehrenamtliche Engagement in der Bundesrepublik nämlich in den vergangenen Jahren gestiegen, in den ehrenamtlichen Blaulichtdiensten sogar überdurchschnittlich stark. Es gilt mittlerweile von Fachleuten als anerkannt, dass dort, wo Ehrenamt stirbt oder nicht voran kommt, stets strukturelle Mängel und fehlerhafte Rahmenbedingungen verantwortlich sind, wenig zeitgemäßer Führungsstil von Vorgesetzten, eine fehlende Öffentlichkeitsarbeit oder eine fehlerhafte Anerkennungskultur zum Beispiel.
Nachdem nun alle Wehrführer vollständig ins Bild gesetzt wurden, ist der nächste Schritt, dass alle Angehörigen der Einsatzabteilung direkt informiert werden. Hierzu wird das Projekt auf den Jahreshauptversammlungen der vier Kommunen vorgestellt. Nach der letzten dieser Vorstellungen werden die Umschläge mit Fragebögen und Rückumschlag an alle Feuerwehrangehörigen ausgeteilt. Für die Beantwortung der Fragen und die Abgabe der Bögen ist ein Zeitfenster von 14 Tagen vorgesehen. Danach erfolgt die Erfassung, Auswertung und Interpretation der insgesamt mehr als 20.000 Einzelantworten. Mit dem Messen allein ist es nicht getan: Von den Ergebnissen werden die folgenden Maßnahmen, die bereits skizziert sind, abhängen, zum Beispiel strukturelle Veränderungen, zusätzliche Fortbildungsangebote und eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit.

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