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So wird heute mit älteren kranken Menschen umgegangen.

Staufenberg | Meine Mutter ist 82 Jahre alt und dement. Ich fahre jeden Tag bei ihr vorbei und schaue nach ihr, erledige alle Einkäufe und sonstige anstehenden Arbeiten. Am 23.02. vormittags bekam ich einen Anruf der Hausarztpraxis, dass man meine Mutter nicht erreichen kann, weil Blut abgenommen werden soll. Ich fuhr sofort hin und traf sie in einem schlechten Zustand an. Seit diesem Zeitpunkt war meine Mutter fast nur am Schlafen. Am Samstagmorgen verständigte ich den Notdienst. Es wurde Blutdruck gemessen, die Lunge abgehört und alles für gut befunden. Als am Montag die Hausärztin zum Routinebesuch vorbei kam und den schlechten Zustand meiner Mutter sah, rief sie gleich im Balserischen Stift an und meldete uns für Mittwochmorgen dort an, mit der Zusicherung, dass für meine Mutter ein Bett bereit steht wenn wir kommen.
Als wir dann am Mittwoch dort ankamen wurden wir in den Aufenthaltsraum verwiesen. Nach einer kurzen Untersuchung begann meine Mutter blutig zu brechen und die Ärztin meinte, dass sie am gleichen Tag noch eine Magenspiegelung veranlassen wird. Nur nach Intervention der Hausärztin bekam dann meine Mutter
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ein Bett. Zur Mittagszeit kam der Pfleger mit Essen. Ich sagte, dass meine Mutter eine Magenspiegelung bekäme und sie deshalb nichts essen und trinken solle nach Anweisung der Ärztin. Plötzlich stellte sich heraus, dass die Magenspiegelung am Donnerstag gemacht werde.
Donnerstagnachmittag sprach ich mit dem behandelnden Arzt und mir wurde gesagt, meine Mutter hätte Schatten auf der Lunge und von der Magenspiegelung war noch kein Ergebnis da. Der Arzt meinte, dass es eine Weile dauern würde und sie für die Behandlungen Zeit brauchen. Als ich ihm sagte, dass meine Mutter alleine lebt und ich mich um eine Betreuung kümmere, meinte er, ob für mich keine Alternative in Frage käme. Darauf hin fragte ich nach, welche Alternative er meine, und er sagte mir: Pflegeheim. Ich möchte aber meine Mutter solange wie möglich in häuslicher Umgebung lassen. Am Samstagmorgen war ich dann zufällig bei der Visite anwesend und der Arzt erklärte mir, dass meine Mutter eine Lungenentzündung hätte, außerdem eine Magenschleimhautentzündung und ein Magengeschwür. Bei weiterer Nachfrage am Montag wurde mir gesagt, dass man meine Mutter evtl. Mittwoch oder Donnerstag entlassen könne, da die Behandlung sehr gut angeschlagen hätte. Bei meinem Besuch am Dienstagnachmittag war noch keine Rede von Entlassung.
Als ich dann mit meiner Frau am Mittwochmittag ins Krankenzimmer kam, war ein anderer Patient im Zimmer. Auf meine Nachfrage im Stationszimmer wurde überlegt ob sie entlassen worden sei. Eine Schwester konnte dies bestätigen, die anderen wußten noch nichts davon, da gerade Schichtwechsel war. Wir bekamen die Auskunft, dass meine Mutter mit dem Taxi nach Hause gefahren sei. Auf dem Nachhauseweg fiel uns dann ein, dass sie ja gar keinen Haustürschlüssel dabei hat und so nicht rein kann. Zu Hause bei ihr angekommen, stand die Tasche vor der Tür und von meiner Mutter keine Spur. Nachdem wir sie rund um´s Haus gesucht und nicht gefunden hatten, klingelte ich bei der Nachbarin, die zufällig mitbekommen hatte, dass sie nach Hause kam und nicht rein konnte.
Ich meine, so kann man mit älteren kranken Menschen nicht umgehen. Es wäre eine Kleinigkeit gewesen, mich anzurufen und mir Bescheid zu geben, da ich bei der Aufnahme meine Festnetz- und Handynummer auf der Station hinterlassen habe. Hier kann man feststellen, dass die Krankenhäuser heute nicht mehr um das menschliche Wohl besorgt sind, sondern dass es nur noch um Provit geht.
Man hätte die 200 000€ die unser Ex-Präsident nun bis an sein Lebensende erhält, behalten sollen und in das Gesundheitssystem stecken sollen. Damit wäre etwas sinnvolles erreicht worden.

Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
9.634
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 07.03.2012 um 19:43 Uhr
Das ist für mich ein besonders "heißes Thema",
gerne würde ich meine Erfahrungen mit Ärzten und vor allem Betreuung alter Menschen niederschreiben. Sie kämen Ihrer gleich.

Wie können die denn eine demente Frau in ein Taxi "stecken".
Sicher haben Menschen mit Demenz auch teilweise die Kraft (!), den Eindruck eines noch normalen Menschen zu machen -aber ein Arzt oder Pflegekraft müßte das erkennen.
Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, in einem Akutfall den Notarztwagen zu rufen, eine solch begleitete Einweisung in ein KH wird ganz anders behandelt - koste es, was es wolle.

Das alles sind aber auch die Auswirkungen von Personalknappheit in den KH und Kliniken, die UKGM tendiert akut immer mehr zur Unterversorgung der Patienten.

Keine Ahnung, wie und wo das Gesundheitssystem endet.

Ihrer Mutter wünsche ich gute Besserung. Genießen Sie sie.
Hugo Gerhardt
6.681
Hugo Gerhardt aus Gießen schrieb am 07.03.2012 um 19:43 Uhr
Ich finde es auch unverantwortlich was mit deiner Mutter passiert ist.
Nun sind zum Glück nicht alle Krankenhäuser gleich, gelle.
Ilse Toth
33.257
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 07.03.2012 um 19:47 Uhr
Helmut, das ist ungeheuerlich! Das würde ich auch nicht auf sich beruhen lassen sondern mit dem Chefarzt sprechen. Wie kann man einen alten, an Demenz leidenden Menschen überhaupt alleine mit dem Taxi wegschicken?
Ich war bisher stationär im Ev. wie auch im Kath. Krankenhaus und bin nicht nur sehr gut behandelt und operiert worden, sondern auch die Pflege war liebevoll und aufmerksam. Ich bin wirklich empört über soviel Unmenschlichkeit.
Jutta Skroch
11.634
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 07.03.2012 um 20:14 Uhr
Das würde ich auch nicht auf sich beruhen lassen. Ich denke, hier wurde die Sorgfaltspflicht aufs sträflichste verletzt. Das darf nicht vorkommen.
Christiane Pausch
5.636
Christiane Pausch aus Gießen schrieb am 07.03.2012 um 23:05 Uhr
Wir haben ja vorhin darüber gesprochen Helmut. Es ist wirklich eine Frechheit von der Klinik Deine Mutter die ja auch dement ist einfach in ein Taxi zu setzen und heim zu schicken.Du kannst eine Aufsichts/Fürsorgepflichtsverletzung geltend machen.Ich würde es nicht unter den Tisch fallen lassen.
Ähnliches habe ich in Frankfurt bei einer Untersuchung Anfg.d.Jahres erlebt.
Hermann Menger
2.136
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 08.03.2012 um 10:45 Uhr
Lieber Helmut, danke für den aufrüttelnden Bericht. Ich kann Dir nur voll zustimmen, dass man so nicht mit Deiner 82-jährigen dementen Mutter umgehen durfte. Wie gut, dass die Nachbarin sie aufgenommen hat, sonst wäre sie wo möglich hilflos in der Gegend umhergeirrt.
Meine Schwiegermutter ist auch 82 Jahre alt und dement. Wir besuchen sie einmal in der Woche im Pflegeheim in Rennerod/Westerwald. Dort wird sie sehr gut und liebevoll versorgt, das ist eine große Beruhigung für meinen Schwiegervater und für uns.
Ich wünsche Euch, dass Deine Mutter schnell wieder gesund wird und dass so etwas nicht noch einmal passiert.
Dir und Marianne wünsche ich viel Kraft und Ausdauer für die tägliche Betreuung Deiner Mutter! LG Hermann
Jenny Burger
1.588
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 08.03.2012 um 12:21 Uhr
Das ist mal wieder ein schreckendes Beispiel, das dem Fass den Boden aus haut. Aber man sollte von solchen Vorkommnissen nicht gleich auf die gesamte Einrichtung schließen.
Auf jeden Fall darf diese Vorgehensweise nicht runter gespielt werden, sondern muss unbedingt mit den zuständigen Verantwortlichen geklärt werden.
Nicht auszudenken, was der alten Dame zu Hause bei verschlossener Türe alles hätte passieren können.
Ilse Toth
33.257
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 08.03.2012 um 12:47 Uhr
Hier hat jemand so fahrlässig gehandelt, dass es fast ein Vorsatz zur Körperverletzung darstellt.
Helmut, es wäre lieb, wenn Du uns auf dem Laufenden hälst.
Aber ich stimme Jenny zu, es wird überall auch gute Arbeit geleistet.
Dennoch ist jeder einzelne Fall ein Fall zu viel und darf nicht passieren.
Ingrid Wittich
18.895
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 09.03.2012 um 12:26 Uhr
Ich möchte auch gerne wissen, wie das weitergeht. Zumindest eine Entschuldigung von Seiten des Krankenhauses müsste m.E. kommen.
Rita Jeschke
2.807
Rita Jeschke aus Gießen schrieb am 09.03.2012 um 19:01 Uhr
Lieber Helmut, das ist ja unglaublich! Ich rufe euch morgen mal an.
Astrid Wetzel
122
Astrid Wetzel aus Pohlheim schrieb am 13.03.2012 um 10:25 Uhr
Ich bin erschüttert. Ihr Bericht ähnelt stark einem Erlebnis, das eine Freundin mit ihrer Mutter hatte.

Ich bekomme da ein unruhiges Gefühl, wenn ich daran denke, dass ich auch einmal älter werde.
Helmut Heibertshausen
6.115
Helmut Heibertshausen aus Staufenberg schrieb am 14.03.2012 um 12:26 Uhr
Der neueste Stand der Dinge:
Gestern erhielt ich einen Anruf vom Oberarzt der Klinik. Er entschuldigte sich tausendmal bei mir, dass dies so gelaufen sei. Er könne mich gut verstehen, da er auch eine demente Mutter habe.
Birgit Hofmann-Scharf
9.634
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 14.03.2012 um 13:42 Uhr
Hallo Herr Heibertshausen,
ich hoffe, dass diese Entschuldigung Ihre Adrenalinstöße wieder etwas wett macht, denn Sie haben bestimmt Unglaubliches durchgemacht, bis Sie Ihre Schwiegermutter wohlauf in die Arme schließen konnten.

Sicher war das von dem Doc auch ernst gemeint, wenn er selbst mit dieser tragischen, unberechenbaren , nicht heilbaren Krankheit konfrontiert ist.
Ilse Toth
33.257
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 14.03.2012 um 15:45 Uhr
Die Entschuldigung ist leider heute keine Selbstverständlichkeit. Ein wünschenswerte Geste von dem Arzt. Hoffentlich gab es eine Ermahnung für die Verantwortlichen.
Ingrid Wittich
18.895
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 14.03.2012 um 16:45 Uhr
Das gibt es sicher. Niemand will schlechte Publicity. Hoffentlich nützt es auch.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Helmut Heibertshausen

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