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Das Abenteuer Wörthersee-Trail

von Rosi Hausneram 17.10.2011683 mal gelesen1 Kommentar
Staufenberg | Bei meinem Start in Biel, ist mir der Infostand vom Wörthersee Trail aufgefallen. Ein netter, älterer Herr (Alfred, Streckenwart) machte dort Werbung für seinen Lauf, welcher in diesem Jahr in die 3. Auflage ging. Die schöne Landschaft, ließ die Idee in mir keimen dort teilzunehmen. Die 57km würde ich schon schaffen, die 1800 Höhenmeter ignorierte ich erst einmal und dachte an ein paar Tage Urlaub am Wörthersee.

Ja so stand ich am 24.September um 7:30 Uhr in Klagenfurt (Strandbad) und wartete mit 230 anderen Teilnehmern auf den Start. Die letzte Nacht hatte ich schlecht geschlafen, aber das geht vielen so. Die Stimmung ist super, ich fühle mich gut und bin froh, dass es gleich los geht. Viele der Teilnehmer haben Trinkgürtel und sogar Rucksäcke dabei, von den Trailschuhen mal ganz abgesehen. Diese Ausrüstung habe ich nicht, aber es gibt genug Verpflegung unterwegs und ich vertraue meinen Asiccs Nimbus 13.

Pünktlich um 8:00 fällte der Startschuss, mit dem Wörthersee Trail Lied „Hero on this Way“ und viel Applaus rennt die „Meute“ los.

Hans, der nicht so viel trainieren konnte, startete in Velden um 10:30 Uhr über die 30km, ebenso mit dem Ziel in Klagenfurt. Er meinte, dass ich schon vorbei bin wenn er startet. Ja 27 km, in 2,5 Stunden, das sollte machbar sein. Ich freue mich darauf.

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Aber nach ca. 10km war mir klar, das würde sehr schwer werden. Die ersten 1,5km waren flach, dann ging es auf schmalen Wanderweg bergauf. Wie an einer Perlenkette aufgereiht schlängelt sich das Teilnehmerfeld nach oben. Immer wieder gibt es kurze Staus, wenn ein Hindernis oder gar ein paar Treppenstufen im Weg waren.

Ich genieße einen Abschnitt auf der Landstraße, leider geht es wieder bergauf. Streckenwart Alfred steht dort und feuert uns an. Später geht es auf gut befestigten Wegen weiter, vorbei an weiten Wiesen, Feldern, einem Schloss und immer wieder Wald, Wald, Wald. Ich musste schon öfters gehen, weil die Anstiege zu steil waren und da ich ja noch einiges vor mir hatte, war ich sehr vorsichtig.

Das war natürlich für meinen Kilometerschnitt ganz und gar nicht dienlich. Nach 11km begrüße mich wieder Alfred: „Du bist super. Respekt! Vergiss nicht zu trinken. Gleich kommt der Einstieg zum Birkenkogel, das sind ein paar Höhenmeter“. Es kam mir vor, als hätte ich meinen Trainer dabei. Einfach genial dieser sportliche Herr mit seinem Mountenbike, wie er die Läufer/innen motiviert. Ja und nun geht es richtig zur Sache.

Über Stock und Stein, immer wieder Wurzeln dicht beieinander, man muss sehr aufpassen um nicht zu stolpern. Ich bin ängstlich, aber es macht mir Spaß. Als es endlich wieder bergab geht, komme ich auch nicht richtig vom Fleck. Ich habe Angst hinzufallen, bin halt keine Bergziege. Teilweise gehe ich zur Seite und lasse meine Hintermänner vorbei. Die springen förmlich über die Wurzeln den Berg hinunter. Ich schleiche, so kommt es mir jedenfalls vor. Viele Kilometer führt die Strecke durch den Wald, hier ist es angenehm kühl. Es geht immer steil hoch und runter, scharfe Kurve nach rechts oder links. Ich bin froh über die wenigen Abschnitte die halbwegs flach sind um mal in einen gleichmäßigen Rhythmus zu kommen. Plötzlich mitten im Wald taucht Streckenwart Alfred wieder auf und warnt uns vorsichtig zu sein, es geht recht steil bergab. Ich setzte mich kurz auf den Hosenboden und weiter geht es.

Ja und eines ist klar, Hans werde ich nicht treffen, denn für die 27km bis nach Velden brauche ich schon fast drei Stunden.

Die Zeit geht schnell vorbei, man ist so sehr auf die Strecke konzentrier und gespannt war einem hinter der nächsten
Kurve erwartet. Ab und zu hat man einen schönen Ausblick auf den See, welchen ich auch genieße. Ein paar Kilometer laufe ich mit einem Läufer zusammen, der auch in Biel war. Er meinte er wolle unter 7 Stunden bleiben, ich träume noch von unter 6 Stunden. In der Zwischenzeit habe ich meinen Kilometerschnitt von 6:33 auf 6:17 senken können, aber das reicht noch nicht.

So ein Trail hat einfach anderer Gesetzte und solche Wege bin ich natürlich nicht gewohnt. Der ständige Tempowechsel macht mir zeitweise Probleme mit dem Kreislauf. Einem Mitstreiter geht es ähnlich, er fragt mich ob ich etwas zu Essen hätte. Habe ich. Wir sind auf dem Weg zum Pyramidenkogel 5km ständig hoch. Zum Glück auf einen besfestigten SChotterweg. Hier kommen mir dann auch Läufer/innen entgegen. Also geht es oben angekommen, auf gleichen Weg wieder hinunter. Das finde ich klasse. Nach 40km bin ich oben und trinke erst mal zwei Becher Cola. Hier oben ist richtig Stimmung, die Leute feiern jeden, der sich den Berg hoch „gequält“ hat. Jetzt kann ich mal etwas Tempo machen und überhole jede Menge Läufer. Die Muskulatur ist schon recht müde, es wird einen ordentlichen Muskelkater geben.
Ich denke an Hans, er kann besser hoch als runter laufen. Hoffentlich stolpert er nicht über eine der „tausend“ Wurzeln. Aber es geht alles gut.

Unterwegs überhole ich noch jemanden aus Schotten, wir unterhalten uns kurz, bevor ich weiterziehe. Obwohl ich auch nicht mehr frisch bin, überhole ich nur noch, was natürlich ein positives Gefühl war. Auch laufe ich jetzt mutiger die Berge hinunter, aber hoch muss ich gehen. Vielleicht werde ich doch noch eine Bergziege. Die letzten 2 Kilometer sind flach und ich kann das Ziel schon fühlen. Die Sonne scheint, mir geht es gut und mit einem tollem neuen Lauferlebnis erreiche ich in 6:08:27 als 5. Frau das Ziel.

Hans wartet im Ziel, mit einem kühlen Erdinger, auf mich. Er hat sich schon Gedanken gemacht wo ich bleibe. Verlaufen? Gestürzt? Nein es ging einfach nicht schneller, 1800 Höhenmeter darf man doch nicht einfach ignorieren.
Auch Hans ist gut durchgekommen, es hat ihm ebenso viel Spaß gemacht wie mir. Er benötigte 3:04:44 und landete damit im Mittelfeld von 107 Teilnehmern.

Bis zur Siegerehrung erholten wir uns im schönen Strandbad von Klagenfurt. Die Siegehrung wurde richtig groß aufgezogen. Zunächst wurden die AK, 10er Wertung, geehrt. Leider hat man mich vergessen. Als ich dies der Moderatorin mitteilte, meinte sie: „Es ist noch jemand
nach dir ins Ziel gekommen und die Platzierung hat sich geändert“. Komisch wie soll das bei einer Zeitmessung mit Chip gehen. Sie war natürlich wegen der Siegerehrung sehr im Stress und bat mich das später zu klären. Ja und dann stellte sich heraus, dass sie die AK 51-60 vergessen hat. Die Ehrung wurde nachgeholt. Sie entschuldigte sich mehrmals. Ja auch bei solch großen Veranstaltungen können Fehler passieren, auch wenn alles so perfekt scheint.

Eine besonders schöne Ehrung wurde Alfred zuteil, er ist wohl die gute Seele des Wörthersee Trail und des dortigen Lauftreffs. Für ihn wurde eigens ein Lied gedichtet und mit Federschmuck wurde er zum Häuptling vom Wörthersee Trail gekürt.

Unser Fazit: So ein Lauf abseits befestigter Wege und fast ohne Publikum hat schon einen besonderen Reiz. Von super Zeiten sollte man sich aber verabschieden. Uns hat das großen Spaß gemacht und war bestimmt nicht der letzte Lauf über Stock und Stein.

Dies gilt wohl nicht für den Sieger, Thomas Bosnjak . Er hatte vor vier Wochen erst einen Ultra mit Streckenrekord gewonnen und auch hier lief er mit 4: 31:13 neuen Streckenrekord. In zwei Wochen läuft er 162km und 2200 Höhenmeter. Beeindruckend. Bei den Frauen siegte zum 3. Mal Ulrike Striednig in 5:22:04.

 
 
 
 
 
 
 
 

Kommentare zum Beitrag

Jutta Skroch
11.635
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 20.10.2011 um 22:44 Uhr
Hut ab, vor soviel Leistung. Der schöne Bericht dazu rundet das Ganze ab.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Rosi Hausner

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