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Streitkultur weicht Ignoranz

von Hardy Riedelam 29.07.20111573 mal gelesen7 Kommentare
Wir-Bewegung
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Staufenberg | „…deshalb bitten wir um Ihr Verständnis…bla , bla, bla…“
Wenn eines Tages die Gesellschaft für deutsche Sprache auch mal einen „Unsatz“ des Jahres bzw. des Jahrzehnts kürt, dann sollte es dieser sein.
Ist doch dieser Satz völlig unangebracht, wenn sich ein Bürger bzw. Verbraucher über einen Missstand beschwert weil er eben kein Verständnis mehr für diesen Missstand hat? Wenn dieser Missstand schon zu lange währt. Wenn der Beschwerdeführer schon zunächst Verständnis aufbrachte, sich jedoch niemand um die Aufhebung einer solch unbefriedigenden Situation kümmert oder zu kümmern scheint. Dennoch findet man diesen Satz nur allzu oft auf völlig unpersönlichen, nichtssagenden vorgefertigten Antwortschreiben auf Beschwerden von Bürgern bzw. Verbrauchern.
Dieser Satz wurde als universeller Schlüssel entdeckt, berechtigte Beschwerden von Mitbürgern abzuwimmeln, sie hinzuhalten ohne sich um Verbesserung bzw. Ausgleich bemühen zu müssen.
Nur zu oft wäre eine Rücksichtnahme auf die berechtigten Bedürfnisse Dritter ein zu „teures“ Unterfangen. Es könnte ja den erwarteten Profit schmälern. Deshalb will man sich erst gar nicht um Rücksichtnahme bemühen.
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Wutbürger (2)WIR-Bewegung (2)WIR Zeitung (1)Unwort des Jahres (1)Streitkultur (7)Politikverdrossenheit (3)Ignoranz (2)
Die „Schrödersche Basta Politik“ machte es möglich. Unsere sogenannten Volksvertreter sind schon lange nicht mehr für das Volk erreichbar. Aber nicht nur die. Die Beschwerderesistenz von Behörden, Unternehmen etc. hat sich auf allen Ebenen durchgesetzt.
Wenn man beispielsweise versucht, sich schriftlich bei der Bahn über die ständige und weiter zunehmende Unpünktlichkeit zu beschweren, wird man einen vorgedruckten Brief erhalten in dem mit Sicherheit der Satz „….wir bitten um Ihr Verständnis…“ vorkommen wird. Damit ist die Beschwerde für die Bahn erledigt. Dass man möglicherweise des Öfteren Schwierigkeiten mit seinem Arbeitgeber bekommt, weil man auf Grund der Bahnverspätung zu spät auf Arbeit kommt, kümmert die Bahn gar nicht.
Dies soll nur mal ein Beispiel sein um deutlich zu machen, dass Streitkultur in dieser Gesellschaft durch Ignoranz ersetzt worden ist. Hierfür gibt es noch mehr Beispiele.
Streitkultur (ZITAT) wird ähnlich wie der Begriff politische Kultur nicht nur als sozialwissenschaftlicher Terminus verwendet, sondern ist mittlerweile auch alltagssprachlich und politisch besetzt.[1] Streitkultur zu besitzen bedeutet: mit Worten und Medien den eigenen Standpunkt vertreten zu
Dem Deutschen Volke
Dem Deutschen Volke
können, ohne dem Anderen abzusprechen, dass auch er einen abweichenden Standpunkt besitzt und besitzen darf.[2] Streitkultur schließt ferner die Überzeugung ein, dass der Streit grundsätzlich Positives bzw. Bedeutendes hervorbringen kann, da er alte Normen und Fakten in Frage stellt und nach der Möglichkeit von Alternativen Ausschau hält, unabhängig davon wie nützlich oder angemessen das Bewährte auch ist.(ZITAT ENDE)
“…. nach der Möglichkeit von Alternativen Ausschau hält….“
Das Unwort des Jahres 2010 ist das Wort „Alternativlos“. Dieses Wort wird nur allzu gern und allzu oft von der Bundeskanzlerin Angela Merkel benutzt. Genau dies ist ein Indiz dafür, wo die Reise hingehen soll. Sie und Ihre Partei sind einfach nicht bereit nach Alternativen zu suchen oder andere Meinungen gelten zu lassen.
In der Praxis heißt das: Der Bürger, der sich nicht mit der leeren Worthülse „…deshalb bitten wir um Ihr Verständnis…“ abspeisen lässt, bekommt schon gar keine weitere Antwort mehr. Erst recht nicht wenn er zugkräftige und richtige Argumente ins Feld führt. Dies läuft auf Bundes-, wie aber auch auf Kommunalebene so. (Ein Beispiel hier) Bürger, die sich gegen diese Ignoranz zu recht zur Wehr setzen, werden als „Wutbürger“ verunglimpft. Gerade diese Wortschöpfung sollte für unsere volksfernen Politiker eine große Warnung sein. Dort hat man schon erkannt, dass der Bürger bzw. Verbraucher wütend ist. Doch man reagiert nicht bzw. man reagiert falsch. Man will nicht sehen woher diese Wut kommt.
So nimmt die Politik dieser Tage auch das grausame Attentat von Oslo zum Anlass, um sich vor dem eigenen Volk noch mehr abzuschotten. Das ist so erbärmlich.
Man wird noch mehr Hürden, Abgeordnetentunnel und Personenkontrollen aufbauen damit die sogenannten Volksvertreter ihrem Volk nicht begegnen müssen. Bilder von einem offenen, jedem Bürger zugänglichen, Reichstagsgebäude werden für immer der Vergangenheit angehören.

So wird die Innschrift: „Dem Deutschen Volke“, wie schon in vergangenen Tagen, wieder zur leeren Phrase.
Auch die Wirtschaft hat diese Ignoranz inzwischen schon für sich entdeckt. Erst recht in den Wirtschaftszweigen, die schon monopolistische Züge haben (Bahn, Mineralölkonzerne, Energieversorger etc.).
Natürlich ist es für die sogenannten „Entscheidungsträger“ bequem, Streitkultur gegen umfassende Ignoranz auszutauschen. Ist doch in diesem Falle die Ignoranz, die Lizenz zum uneingeschränkten Geldverdienen.
Doch dies ist auch ein Spiel mit dem Feuer. Politikverdrossenheit und Resignation sind da die harmlosesten Ausdrucksformen des nicht ernst genommenen Bürgers.
Inzwischen erscheint der Kampf des Bürgers um sein Recht, wie ein Kampf zwischen David und Goliath. Den Ausgang dieses ungleichen Kampfes nimmt allerdings die Bibel schon vorweg.
In diesem Zusammenhang sollte man sich diesen Aufruf einmal durchlesen.


Aufruf
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

In Erfüllung meines eidesstattlichen Wahlversprechens möchte ich Ihnen eine Möglichkeit bieten, Bürgermobbing, Korruption und Amtsmissbrauch aufzuzeigen.
Oftmals sind Sie bei Anzeige und Veröffentlichung selbst in Ihrer Existenz bedroht und werden somit unfreiwillig zum Teil des Systems.
Daher biete ich Ihnen die Möglichkeit, mir dezidiert und nachvollziehbar zu berichten, mir eventuell vorliegende Daten zu übergeben und Missbrauch anzuzeigen, ohne sich selbst oder die Existenz Ihrer Familien zu gefährden.
Ich werde ohne Nennung meiner Quelle entsprechende rechtliche Schritte einleiten und auch die öffentliche Diskussion auf die von Ihnen aufgezeigten Missstände richten.
Bitte tragen Sie mir Ihre erlebte Behördenwillkür vor. Keine leeren Worte! - Überzeugen Sie sich selbst!
Ich bin Peter Klis, Burgackerweg 21,35460 Staufenberg, Telefon (06406) 5000 und mache da weiter wo andere aufhören!

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Dem Deutschen Volke
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Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
3.931
Stefan Walther aus Linden schrieb am 29.07.2011 um 15:29 Uhr
Bravo, sehr guter Beitrag!

Ja, ja, "Der Stil" das ist das worauf es ankommt, wie "verkaufe" ich es am besten..."Der Inhalt"??? Wen interessiert schon der Inhalt, so was altmodisches....und verletze ja keiner die Spielregeln, der Stil muss immer gewahrt bleiben, wir sind doch keine Urwaldmenschen, wir leben doch zivilisiert...nun ja, dem einen geht`s halt etwas besser wie dem anderen, so ist das nun mal, aber deshalb doch nicht gleich aufregen, oder sogar ausflippen....nee, Wut ist doch aber völlig unangebracht...hier habe ich ein schönes Buch von Prof. Dr. Dr. "....", ach den kennen Sie gar nicht, und das Buch können Sie sich auch nicht leisten....dann jetzt aber mal Ruhe hier, sonst lasse ich Sie hier entfernen.....Sie werden es schon noch lernen, auf den "Stil" kommt es an, aber ich merke schon, bei Ihnen ist Hopfen und Malz verloren....klar, eine schriftliche Antwort erhalten Sie umgehend, schauen Sie sich die in Ruhe an, da können Sie sich was abschauen, ganz kostenlos, denn das hat "Stil"....ach so, Ihr Anliegen? Mündlich kann ich Ihnen da jetzt noch keine Antwort geben, da kommen Sie einfach nächste Woche vorbei, dann habe ich auch diesen Lehrgang hinter mir :-))))
Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 30.07.2011 um 00:54 Uhr
Ich schließe mich dem Lob an. Ein wirklich sehr guter und gelungener Beitrag! Ich mag ihm nur zustimmen.
Dr. Mathias Knoll
7.529
Dr. Mathias Knoll aus Gießen schrieb am 30.07.2011 um 13:15 Uhr
Es ist wieder so weit:
Wieviele Menschen machen in ihrem Lebensraum ( Beruf, Verein usw) nicht mehr den Mund auf, weil man sich im vorrauseilenden Gehorsam vor vermeintlichen Konsequenzen fürchtet? Arbeitgeber sind schon bei banalen Vergehen ihrer Angestellten schnell mit der Abmahnung dabei.
Schleichend, aber stetig, hat sich in den letzten Jahren so die Atmosphäre in der Bundesrepublik geändert. Da wird das Wort „Streitkultur“ zu einem Unwort, das nur noch Quärulanten benutzen. Dabei sollte man in jeder Demokratie die „Streitkultur“ fördern, in der man nicht als „Sieger“ oder „Besiegter“ das Feld verlässt, sondern um die „Eukrasia“, die Gute Mischung von Möglichkeiten ringt. Denn eine prosperierende, offene Gesellschaft lebt nicht von der ungeprüften, abgenickten Übereinstimmung.
Letztlich wäre diese so verstandene „Streitkultur“ ein Beitrag zum inneren Frieden einer Gesellschaft. Und somit auch eine Exportidee für die Länder, in denen wir militärisch nichts verloren haben.
Nicht nur in diesem Sinne ein großes Lob für Herrn Jean Ziegler, den Globalisierungskritiker!!!!
Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 30.07.2011 um 13:18 Uhr
Absolut Herr Knoll! Ein wirklich sehr, sehr guter und lesenswerter Kommentar, dem nichts hinzuzufügen ist!
Stefan Walther
3.931
Stefan Walther aus Linden schrieb am 30.07.2011 um 14:09 Uhr
Hallo Herr Dr. Knoll,
Sie beschäftigen sich mit Jean Ziegler, das finde ich klasse!
Es/er passt auch hervorragend zum Thema, ein Mann mit "Rückgrat",
- über Jahre UN-Sonderberichterstatter (für das Recht auf Nahrung)
- Derzeit Vize-Präsident des beratenden Ausschußes des UN-Menschenrechtsrates

Er sollte die Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen halten, wurde aber "ausgeladen"
Er hat aber seine beeindruckende (geplante) Rede in verschiedenen Medien veröffentlicht = eine einzige Anklage gegen das internationale Finanzkapital!
Er endet mit den Worten Bert Brecht´s (aus Mutter Courage):
"Es kommt der Tag, da wird sich wenden
Das Blatt für uns, er ist nicht fern.
Da werden wir, das Volk, beenden
Den großen Krieg der großen Herrn.
Die Händler, mit all ihren Bütteln
Und ihrem Kriegs- und Totentanz
Sie wird auf ewig von sich schütteln
Die neue Welt des g`meinen Manns.
Es wird der Tag, doch wann er wird,
Hängt ab von mein und deinem Tun.
Drum wer mit uns noch nicht marschiert,
Der mach` sich auf die Socken nun."

Ich hoffe, Herr Riedel, Sie verzeihen mir das kleine abschweifen, aber dies hat schon mit "Obrigkeitsdenken" und "Spiessertum" und vor allem auch mit "Rückgrat" zu tun.
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 01.08.2011 um 14:20 Uhr
Zunächst mal: Dem Artikel kann ich nur meine vollste Zustimmung aussprechen!!!

Etwas bedenklich stimmt mich der Aufruf am Ende des Artikels: Whilstleblowing ist ja toll und auch notwendig, doch wie wird der Informatenschutz gehandhabt? Sind alle Kommunikationswege entsprechend abgesichert, eine sichere Verschlüsselung vorhanden, alle Festplatten verschlüsselt, alle Firewalls konfiguriert und alle Virenscanner aktuell?

Wenn es nicht nur um nachbarschaftliche Eierdiebe und Schlaglöcher in der Dorfstraße gehen soll, dann kann man nur sagen, die beste Methode ist, von Angesicht zu Angesicht etwas weiter zu geben und schon bei der Anreise das Mobiltelefon ausgeschaltet zu lassen oder besser noch erst garnicht mit zu nehmen.

Wie einfach so eine Verfolgung von Personen ist zeigen die aufbereiteten Abrechnungsdaten des Grünenpolitikers Malte Spitz...
Hardy Riedel
28
Hardy Riedel aus Staufenberg schrieb am 03.08.2011 um 19:42 Uhr
Vielen Dank für die guten Kommentare. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Aufruf von Peter Klis (Ihnen möglicherweise bekannt) ganz in seinem Sinne und mit ihm abgestimmt ist. Eine verlinkte Version dieses Artikels finden Sie hier: http://wir-zeitung.blogspot.com/2011/07/streitkultur-weicht-ignoranz.html
Hallo Lieber Leser
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