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“Mennyböl az angyal” - oder die Voice Factory in Ungarn

von Petra Fehlam 16.12.20081301 mal gelesenkein Kommentar
Die Voice Factory vor dem Dom von Esztergom
Die Voice Factory vor dem Dom von Esztergom
Staufenberg | Vom 04. – 07.12.08 machte sich die Voice Factory des Gesangvereins Mainzlar auf den Weg nach Ungarn, genauer gesagt nach Tarján der Partnerstadt von Staufenberg. Gerald Hinz vom Freundeskreis Tarján hatte bereits im Sommer 2007 die Idee und alle waren sofort begeistert. Schnell war klar, das alljährliche Adventskonzert würde den richtigen Rahmen für dieses Vorhaben bilden. Chorleiterin Daniela Werner hatte ein buntes Programm zusammengestellt und mit deutschen und ungarischen Weihnachtsliedern im Gepäck konnte die Fahrt beginnen.

Die fast 50 Personen zählende Reisegruppe startete am 04.12.08 mit dem Bus aufgrund der unsicheren Wetterlage bereits um 09.00 Uhr zum Frankfurter Flughafen. Die Flüge erfolgten dann in 2 Gruppen. Die erste Gruppe startete pünktlich um 15.00 Uhr stand jedoch nach einem schweren Unfall in Budapest solange im Stau, dass die geplante Besichtigung Budapests sprichwörtlich ins Wasser viel, und dass nicht nur weil der Reisebus ein Lüftungsproblem hatte und das Wasser von der Decke tropfte. Die Scheiben waren so beschlagen, dass leider niemand etwas sehen konnte. Die Reiseleiterin Maria Miskovitcs kümmerte sich jedoch rührend und versorgte alle mit selbst gemachtem Glühwein und Fettebroten. Die zweite Gruppe startete nach 8 ½ stündigem Aufenthalt auf dem Flughafen mit 1 ½ stündiger Verspätung und landete um 20.00 Uhr endlich in Budapest. Von dort ging es dann direkt nach Tarján. Nach dieser Anreise mit einigen Hindernissen waren am späten Abend dann endlich alle Sängerinnen und Sänger mit Partnern und Freunden müde aber bester Laune angekommen. Maria hieß die komplette Gruppe noch einmal ganz herzlich willkommen und nach einem leckeren Abendessen im Hotel Sziget ging der erste erlebnisreiche Tag zu Ende.

Am 05.12.08 begrüßte Bürgermeister Janosch Jelli bei frisch gebackenem ungarischem Weihnachtsgebäck dem sogenannten „Vajas Pogácsa“ seine Gäste und erzählte einiges zur bewegten Geschichte Tarjáns. In der übrigens schuldenfreien Gemeinde leben ca. 2000 Einwohner – die meisten als so genannte „Donauschwaben“ mit deutscher Herkunft. Auch heute noch lernen die Kinder bereits im Kindergartenalter Deutsch und in der Grundschule wird dies weiter fortgeführt. Das Thema Musik wird in Tarján sehr groß geschrieben. Es gibt alleine 10 Musikkapellen und alle Kinder lernen ein Instrument. Vielleicht entstand ja auch bei dem alljährlich im Sommer stattfindenden großen Musikfest bei Gerald Hinz die Idee zu der Konzertreise. Janosch Jelli jedenfalls gab seiner großen Freude Ausdruck, die Voice Factory nun zu zwei Konzerten begrüßen zu dürfen. Der kleine Rundgang durch das Dorf endete auf dem eigens für die Besucher aus Staufenberg geöffneten Weihnachtsmarkt. In drei kleinen Buden wurde Gebasteltes von den Kindergarten- und Schulkindern sowie Glühwein verkauft.

In der Nachbargemeinde Vértestolna wurden die Sängerinnen und Sänger am Nachmittag in der Schule empfangen. In Ungarn kommt bereits am 05.12.08 der Nikolaus und dieser Tag ist ein Feiertag. Die Kinder feierten eine Nikolausparty und trugen deutsche Gedichte vor und sangen zur Freude des Chores auch einige Lieder. Im Gemeindehaus brachte der Seniorenchor der Voice Factory ein Ständchen und die Gäste wurden mit Plätzchen und heißen Getränken bewirtet. Um 17.00 Uhr konnte dann in der gut besuchten Kirche das erste Konzert beginnen. Deutsche und auch fünf ungarische Weihnachtslieder kamen bei den Zuhörern sehr gut an und bei den gemeinsamen Liedern sangen alle kräftig mit. Der Einstand auf ungarischem Boden war somit mehr als gelungen. Am Abend ging es dann zum Weinbauer „Bula“. In der gemütlichen Hütte gab es zur Begrüßung erst einmal einen selbst angesetzten Obstbrand auch „Haszi“ genannt. Der Empfang durch Josef Eibl, den 1. Vorsitzenden des Freundeskreises in Tarján, war sehr herzlich. Bei leckerem ungarischen Essen und vor allem ungarischem Wein aus dem eigenen Weinkeller stieg schnell die Stimmung und es wurde bis spät in die Nacht gesungen und getanzt.

Der nächste Tag begann mit einem Ausflug nach Esztergom. Dort steht der drittgrößte Dom Europas und der größte Ungarns. Völlig überraschend kam nun eines der Highlights der gesamten Reise. Gerald Hinz hatte keine Mühen gescheut und sogar mit dem Erzbischof Kontakt aufgenommen, um es der ausgebildeten Kirchenmusikerin und Orgelvirtuosin Daniela Werner zu ermöglichen, auf der außergewöhnlichen Orgel zu spielen. Als sich die Basilika mit der unglaublichen Akustik zu den Klängen von J.S. Bach´s „Tokkata“ in d-moll füllte, lauschten alle ehrfürchtig und hatten Tränen in den Augen. In dieser bezaubernden Atmosphäre haben es sich dann auch die Sängerinnen und Sänger nicht nehmen lassen, noch zwei Lieder zu singen. Einmal mehr war allen klar, die Musik schafft solche intensiven Momente und rührt die Herzen.

Am frühen Nachmittag traf sich der Chor dann in der Kirche in Tarján zur Stimmprobe für das zweite Konzert. Gegen die doch ungewohnt niedrigen Temperaturen in der Kirche half das Lampenfieber und um 17.00 Uhr begrüßte die Voice Factory die Gäste rund um Bürgermeister Jelli zu ihrem letzten Auftritt in Ungarn. Am Ende waren die Zuhörer begeistert und nach zwei Zugaben bedankte sich Janosch Jelli sehr herzlich. Er übersetzte den Titel des meist gesungenen ungarischen Weihnachtsliedes „Mennyböl az angyal“ und übertrug ihn auf die Sängerinnen und Sänger: „Ihr seid wie Engel vom Himmel gestiegen“. Diese rührenden Worte klangen allen noch nach, als die Gruppe zum letzten Abendessen in den „Holzhacker“ aufbrach. Dieses zünftige und gemütliche Ambiente bildete den Rahmen für eine fröhliche und ausgelassene Abschiedsfeier. Nicht zuletzt dieser Stimmung war es zu verdanken, dass nach einem schnell entfachten Wettkampf nun der Gesangverein Mainzlar e.V. zwölf und der Freundeskreis Tarján sage und schreibe siebzehn neue Mitglieder zählt.

Am Sonntag gab es noch Gelegenheit, ein paar Stunden in Budapest zu verbringen. Mit Maria besichtigten beide Gruppen getrennt voneinander die Fischerbastei, die Andreaskirche, das Parlament und den Weihnachtsmarkt. Es gibt hier jedoch noch so viel zu entdecken, und so war klar, dass alle unbedingt noch einmal wieder kommen müssen. Erfüllt von all diesen wunderschönen Eindrücken genossen die Teilnehmer der Konzertreise noch die Fahrt durch das stimmungsvoll weihnachtlich beleuchtete Budapest zurück zum Flughafen. Gegen 21.00 Uhr landete dann auch die 2. Gruppe in Frankfurt und trat erschöpft aber glücklich den Heimweg an. Viel zu schnell war es Sonntagabend und der Ausflug war vorbei. Aber die tollen Erinnerungen halten ewig!

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