Bürgerreporter berichten aus: Staufenberg | Überall | Ort wählen...

Monika Bernges: von Eulen, Schuhen und Handarbeiten

Monika Bernges in Verona.
Monika Bernges in Verona.
Staufenberg | Sie gehört zu den Sammlern, nicht zu den Jägern. Monika Bernges sammelt fast alles, was ihr vor die Flinte kommt. Sie sammelt Eulen, Kameras, Uhren, Fotos, Bücher und Urlaubsreisen. Irgendwie. Denn wenn sie lächelnd sagt, dass sie in diesem Jahr etwa 10 mal unterwegs sein wird, kann man schon von Sammeln sprechen. In dem besonders „ertragreichen“ Jahr 2008 war sie sogar in jedem Monat mindestens einmal im Urlaub. Und die Ziele, die sie ansteuert, sind vielfältig: Safari in Afrika, Wandern in den Bergen, schwelgen in Südfrankreich, auf den Spuren Kafkas in Prag. Selbst bis zum Nordkap gehen ihre Reisen. Und egal, wo sie gerade ist: sie stromert gern abseits der Touristenwege umher, sucht ungewöhnliche Plätze. Das liege daran, dass sie so wissbegierig sei. Wie praktisch, dass sie jetzt Zeit dafür hat, denn nach einem langen Berufsleben ist sie inzwischen in Rente.

Ja, ihr Beruf, das war erstmal gar nicht so einfach. Eigentlich hatte sie Goldschmiedin werden wollen, das war ihr großer Kindheitstraum - und der ist geplatzt. Nichts ungewöhnliches, so mancher Kindheitswunsch erfüllt sich schließlich nicht.
Mehr über...
Wir stellen vor (1)Bürger-Reporter (128)
Doch bei ihr hatte es einen besonderen Grund: die Optik stimmte nicht, die gebürtige Gießenerin kann auf Grund eines Sehfehlers – ihr fehlt das dreidimensionale Sehen – diesen Beruf nicht ausüben, musste die begonnene Lehre nach einigen Monaten abbrechen. Nun beschließt ihre patente Mutter: „Dann wirst du eben Kaufmann!“. Und dank eines sehr guten Chefs habe sie schon bald diesen Beruf lieben und schätzen gelernt. „Sonst hätte ich das auch nicht so lange gemacht!“ Und vermutlich auch nicht so erfolgreich. Schon 1971 wurde sie zur Geschäftsleitung in einem großen Gießener Schuhgeschäft ernannt. Und obwohl sie dort arbeitete, sammelte sie das, was Frauen immer wieder unterstellt wird, eben nicht, nämlich Schuhe.

Übrigens, die bereits erwähnte Mutter lebt heute noch, ebenso wie der Vater, der inzwischen 93 ist. Vielleicht die ostpreußischen Gene. Monika Bernges sieht/merkt man ihre 69 Jahre auch nicht an und sie hofft, das gleiche biblische Alter wie ihre Eltern zu erreichen. Sie ist glücklich darüber, dass sich in ihrer Familie 5 Generationen treffen können, inzwischen gibt es nämlich auf der einen Seite noch ihre Eltern und auf der anderen Seite die Urenkelin Larissa. Monika Bernges, seit 50 Jahren verheiratet, ist ein Familienmensch, ohne dabei eine Glucke zu sein. Mit Larissa verbringt sie gerne ihre Zeit und zeigt der knapp 8-Jährigen Dinge, die heute vielleicht nicht mehr en vogue sind, wie Briefe schreiben. Dieses alte, aber aus der Mode gekommene Kulturgut möchte sie ihr nah bringen. Übrigens, bei „falschem Deutsch“ zeigt sich eine Seite an ihr, die ihr sonst gar nicht eigen ist: Dann wird sie pingelig und zählt in Ruhe ihre Erbsen. „Fehler tun mir in den Augen weh!“, sie kann sie schlichtweg nicht ertragen und wünscht sich Fehler aus der Welt. Dann betritt sie auch schon mal ein Geschäft und erläutert, warum der Text auf der Werbetafel in die Irre führt. Ansonsten ist sie sehr gelassen und großzügig.

Diese Frau steckt voller guter Laune, diese Lebensfreude platzt förmlich aus ihr heraus. Sie sei leicht zu händeln und begegne anderen mit Toleranz. Soll doch jeder nach seiner Facon glücklich werden.

Zu ihrem Glück gehören unterschiedliche Menschen, Tiere und Hobbys. Sie unternimmt gerne lange Spaziergänge mit ihrem Mann Heinz und dem ebenso riesigen, wie knuffigen Hund Vasco-Semijon und besucht gern VHS-Kurse, vor allem solche rund um die Fotografie. 1952 hatte sie ihre erste Kamera bekommen; eine „Agfa-Klack“, wie sie lachend erklärt. Seit dem habe sie das Fotografieren nicht mehr los gelassen und deshalb freut sie sich nun auch über das Angebot der Gießener Zeitung, denn hier stellt sie oft ihre Schnappschüsse ein, beteiligt sich an Diskussionen und freut sich, wenn sie den ein oder anderen Beitrag in der Zeitung wiederfindet.

Aber die Daubringerin hat noch mehr zu bieten: Sie liest gern, zu ihren Lieblingsbüchern gehören die Romane John Steinbecks, aber auch viele andere finden den Weg in eines der Regale und dann auf ihren Nachttisch, denn sie liest gern abends im Bett. Sie kann sogar noch Sütterlin-Schrift entziffern und zu Schulzeiten wurde sie in Lollar noch eine Stunde pro Woche in Dialekt unterrichtet.
Auch künstlerisch hat sie schon einiges gemacht. Betritt man ihr Grundstück, grüßt seitlich aus dem Blumenbeet Edward. Das ist ein großes, schlankes Steinmännchen und solche zimmert sie in ihrer Freizeit mit großer Begeisterung zusammen. In der Wohnung findet man Mosaikbilder, ihre Fähigkeiten in der Bauernmalerei haben sogar für einige Milchkannen und Truhen gereicht.

Bei dieser Vielseitigkeit ist man fast erleichtert, dass es auch Fertigkeiten gibt, die sie nicht beherrscht, oder die sie nicht mag. Während die meisten Frauen ihrer Genration noch der Handarbeit, also stricken und häkeln, anhängen, gibt sie offen zu: „Das macht mir keinen Spaß“ und deshalb lässt sie es eben. Außerdem sei sie der „Prototyp eines unmusikalischen Menschen“. Schlimmer geht’s wohl kaum, denn in der Schule ist sie sogar vom Musikunterricht befreit worden. Denn Monika erreichte in diesem Fach keine wirklich gute Note, egal, wie sehr sie sich gequält hat und schließlich befreite der Vater durch ein Gespräch in der Schule seine Tochter von diesem Grauen. Was sie aber heute nicht davon abhält, nach Verona zu reisen – der Musik wegen. Aber vielleicht auch nur, um ihrer Sammlung eine weitere Reise hinzuzufügen.

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Rückblick auf die BUGA Koblenz
Scharfer Vogel
Der Beobachter
Besuch im Opelzoo

Kommentare zum Beitrag

Hugo Gerhardt
6.681
Hugo Gerhardt aus Gießen schrieb am 28.03.2010 um 11:09 Uhr
Monika, interessant mehr von dir zu erfahren.
NA da haben wir ja neben dem "vom Musikunterricht befreit worden zu sein" noch viele Gemeinsamkeiten.
Zitat:
"Diese Frau steckt voller guter Laune, diese Lebensfreude platzt förmlich aus ihr heraus."

Dies konnten wir beim Fotostammtisch und auf unserer gemeinsamen Wanderung zur Sennhütte mit Freude festellen.
Wo Monika ist, da geht es rund.
Danke Monkia, dass ich dich kenne lernen durfte.
Ich hoffe ich habe in meinem Kommentar nicht allzuviel Fehler drin.
In Hochachtung!!!!
Hugo
Ingrid Wittich
18.894
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 28.03.2010 um 13:07 Uhr
Ein schöner Bericht und wir beide haben einige Gemeinsamkeiten. Eine ist z.B. die "Agfa Klack.". Das war auch meine erste Kamera. Sie hatte nur die Einstellungen "Gutes Wetter" oder "Schlechtes Wetter" und der Auslöser ging so schwer runter zu drücken, dass ich leider oft verwackelte Bilder hatte.
Regina Appel
4.738
Regina Appel aus Gießen schrieb am 28.03.2010 um 19:05 Uhr
Immer wieder interessant, Menschen hier etwas näher vorgestellt zu bekommen.
Ganz viel Freude bei all deinen Hobbys, Monika.
Adelbert Fust
5.284
Adelbert Fust aus Gießen schrieb am 12.04.2010 um 19:56 Uhr
Ich kenne kaum eine(n) Hobbyfotografin(en) dieser Generation die oder der nicht mit einer Agfa-Klack seine ersten Fotos gemacht hatte. Der Beitrag ist eine Interessante Lebensgeschichte. Es ist sehr schön so viel über Monika Bernges zu erfahren.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Simone Linne

von:  Simone Linne

offline
Interessensgebiet: Gießen
Simone Linne
5.040
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Erschienen bei dtv für 9,90 Euro.
Buchtipp: Michel Bergmann "Die Teilacher"
Die Geschichte beginnt mit dem Tod. In Michel Bergmanns Roman „Die...
Das Buch ist erschienen bei Fischer und kostet 7,95 Euro.
Buchtipp: Geisterfjord von Yrsa Sigurdardóttir
Wenn Sie dieses Buch anfangen zu lesen, prüfen Sie zunächst, ob Sie...

Weitere Beiträge aus der Region

Maria Löbel (2.v.r.) überreichte die großzügige Spende an die Gießener Tafel
Staufenberger Seniorin spendet zum sechsten Mal an die Gießener Tafel
Bereits in die sechste Runde geht die Spendenaktion von Maria Löbel...
Bürgermeister Peter Gefeller, Landrätin Anita Schneider, Staatsminister Prof. Dr. Helge Braun und der Vorsitzende des Fördervereins der Diakoniestation Lumdatal, Horst Münch, eröffneten die 1. Gesundheitsmesse in Staufenberg.
Gesundheitsvorsorge und medizinische Versorgung waren zentrale Themen bei der 1. Gesundheitsmesse in Staufenberg
Wie bleibe ich bin ins hohe Alter gesund? Welche Vorsorgemaßnahmen...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.