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Der 100-kmLauf von Biel/Bienne

Staufenberg | „Irgendwann musst du nach Biel“, sagte vor vielen Jahren Werner Sonntag (Jahrgang 1926). Der 100-km-Lauf- und Marsch in Biel (Schweiz) ist der älteste ununterbrochen bestehende Ultramarathon in Europa und feierte letztes Jahr sein 50. Jubiläum.
Werner Sonntag nahm an 32 dieser Läufe teil, hat auf ihnen gelitten und triumphiert, so der Buchautor von „Bieler Juni-Nächte“.

Dirk Dick und mein Mann Hans-Joachim hatten sich diesen Lauf als „Jahresziel“ vorgenommen. Im Januar begann das zeitaufwendige Training. Einen sehr guten Berater hatten sie mit Rainer Rachowski (SV Staufenberg), er hat den 100 km Lauf schon 10x gefinisht und entsprechende Erfahrungen sammeln können. Aber zum Ende des Trainings stellten sich bei beiden Wadenprobleme und später bei Hans noch Rücken- und Oberschenkelschmerzen ein. Salben, Eis, Ultraschall- und Tensgerät sowie Physiotherapie kamen zum Einsatz, so dass sich die Probleme wieder besserten.

Mit je ca.1800 Trainingskilometern in den Beinen und vielen guten Ratschlägen und Tipps fuhren wir am 11. Juni nach Biel. Am Abend holten wir die Startunterlagen ab und schauten uns
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Ultralauf (1)
auf der kleinen Marathonmesse um. Am Freitag besichtigten wir einen Teil der Strecke, Dirk und Hans bekamen einen leichten Vorgeschmack was sie bei km 77 an Berg noch erwarten würde. Nach einem kohlehydratreichen Mittagessen war Ausruhen angesagt. Um 19:30 Uhr machten wir uns auf zur Eisporthalle in Biel, wo Start und Ziel war. Die Spannung stieg, die Läufer/innen bereiteten sich sehr individuell auf das große Ereignis vor. Um kurz vor 22:00Uhr verabschiedete ich die „Jungs“ mit vielen guten Wünschen. Auch Familie Rachowski, welche am Staffellauf unter „Franzi Runner’s“ teilnahm, ließ es sich nicht nehmen, den beiden alles Gute zu wünschen. Und dann ging es los, ca. 1500 Läufer/innen liefen hinaus in die sternenklare etwa 20 Grad warme Nacht.
Für die Marathon- und Halbmarathonläufer fiel der Startschuss um 20:30 Uhr. Die Staffeln waren dann um 23:00 Uhr an der Reihe. Ich hatte mich für den Marathon angemeldet. In einigen Dörfern, welche wir passierten, wurden wohl extra kleine Feste und Feiern organisiert. Hier war natürlich klasse Stimmung und der Applaus tat den Athleten gut. Denn kilometerlang führte die Strecke durch Landschaften, die man logischerweise im Dunklen nicht sehen konnte. War vielleicht auch gut so. Die Berge kamen einem dann nicht so steil und lange vor.
Hier wollen Dirk und Hans in etwas 10 1/2 Stunden ankommen
Hier wollen Dirk und Hans in etwas 10 1/2 Stunden ankommen
Für mich war dann in Oberramsen nach 42,195km Schluss. Mit einer Zeit von 3:44.35 beendete ich das Rennen und fühlte mich super gut. Hätte ich doch vielleicht die 100km laufen sollen???
Mit einem Shuttle-Bus wurden die Läufer/innen wieder nach Biel gebracht. Mittlerweile war es recht frisch geworden und ich freute mich auf die warme Dusche.
Dann ließ ich mir die Urkunde ausdrucken und erfuhr, dass ich 4. Frau und 1. in der W50 geworden bin. So langsam wurde der erste 100km-Läufer erwartet. Die Prognose war, dass Jenni Walter gewinnen könnte. Im Zielbereich war es um kurz von 5 Uhr noch recht ruhig und tatsächlich kam Jenni in 6:59:14 nach seinem Sieg im letzten Jahr auch diesmal als erster ins Ziel. Ich staunte nicht schlecht, der sah noch richtig locker aus. Die erste Frau von insgesamt 180 war Balz Debora, die in 8:34:51 das Ziel erreichte.

Um halb sechs nahm das Massage-Team seine Arbeit auf, was ich natürlich gerne in Anspruch nahm. Wie wird es Dirk und Hans wohl gehen, waren unentwegt meine Gedanken. Nach einem gutem „Läufer-Frühstück“ zog ich mich um und lief den beiden entgegen. Jetzt ging langsam die Sonne als riesiger Feuerball hinter den ins Ziel kommenden Läufern/innen auf. Teilweise musste ich am Wegrand stehen bleiben, um Läufer und Radbegleiter nicht zu behindern.

Kurz vor dem Start um 22:oo Uhr
Kurz vor dem Start um 22:oo Uhr
An einer Stelle wo ich den Weg weit einsehen konnte, verharrte ich eine Weile und versuchte die Läufer/innen mit „bravo, super“ anzufeuern.
Teilweise bedankten sie sich mit einem kurzen Kopfnicken und einem schwachen Lächeln. Sie haben jetzt noch etwa 4km zu laufen und für mich sind es alle Helden. Voller Hochachtung und Ehrfurcht schaue ich zu und meine Gedanken schweifen hin und her zwischen: Schade, dass ich nicht dabei bin. Oder: Gott sei Dank bin ich nicht dabei. Zu Ende gedacht habe ich dies bis jetzt noch nicht.

Aber jetzt endlich erkenne ich von weitem Hans.  Seine typische schiefe Kopfhaltung ist noch schiefer als sonst. Er sieht ganz schön fertig aus, stelle ich erschrocken fest. Aber wie soll man nach 96 km schon aussehen?? „Das mache ich nicht mehr wieder“, war sein erster Satz. Ich glaube den hat er schon wieder überdacht. Aber dann konnte er mir doch gleich von seinen Erlebnissen unterwegs erzählen und dass Dirk wieder Wadenprobleme hatte.
Bei etwa Kilometer 50 haben sich die beiden getrennt. Er erzählt von dem letzten steilen Berg bei km77 aber noch viel schlimmer war die Bergabpassage. Da schrie
Rainer gibt noch die letzten Ratschläge
Rainer gibt noch die letzten Ratschläge
jeder einzelne Muskel vor Schmerzen und wollte aufhören zu laufen. Aber der Wille, das Abenteuer „Bieler-Nächte“ durchzustehen war natürlich viel größer und die letzten 4km schafft man dann auch noch. Wir werden von Rainer Rachowski (Schlussläufer der Franzi Runners) überholt. Er feuert Hans noch mal an und teilt uns mit, dass Dirk noch im Rennen ist. Das freut uns sehr.

Der letzte Kilometer wird angezeigt und hier mache ich natürlich ein Foto. Nur noch einen Kilometer, eine Frau mit ihrem Fahrradbegleiter überholt uns. Alle Hochachtung. Aber jetzt biegt Hans auf die lange Ziellinie mit dem „blauen“ Teppich ein, für ihn werden 10:14:16 gestoppt. Er wird von den doch inzwischen zahlreich anwesenden Zuschauern und dem Moderator ganz herzlich mit Namen und viel Applaus empfangen. Glücklich und geschafft sieht er aus. Rainer ist auch schon bei ihm und gratuliert. Wir gehen in die Halle, wo Hans erst mal die Dusche und eine Massage genießen möchte. Ich gehe wieder zum Ziel und warte auf Dirk und dann kommt auch er in den Zielkanal gelaufen. Ob er den Zieleinlauf so richtig genießen konnte, kann ich nicht sagen. Er hatte doch massive Probleme mit der Wade und auch unterwegs noch mit Magenproblemen zu kämpfen. Aber jetzt hat er es geschafft und das in 10:56:14 eine ganz tolle Zeit. Auch er „eiert“ jetzt zum Duschen. In der Zwischenzeit hole ich die Finisher-Shirts und lasse die Medaillen gravieren. Nachdem sich die Jungs etwas erholt haben gehen wir ins Zelt. Dort treffen wir Familie Rachowski und Fam. Wolf. Bei einem kühlen Bier unterhalten wir uns noch einige Zeit und lassen die Nacht der Nächte noch mal Revue passieren.

Fazit: Dieser Lauf ist einzigartig, nicht nur wegen der Länge, sondern der Landschaft wegen, dem Wechsel zwischen hell und dunkel, dem Trubel an den Verpflegungsstellen, der Stille in der Nacht.

 
Hier wollen Dirk und Hans in etwas 10 1/2 Stunden ankommen
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Kurz vor dem Start um 22:oo Uhr
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Rainer gibt noch die letzten Ratschläge
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Nur noch einen Kilometer
Nur noch einen Kilometer 
Glücklich im Ziel nach 10Stunden und 14 Minuten
Glücklich im Ziel nach... 
Rainer als erster Gratulant
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von:  Rosi Hausner

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