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Petition - Den 8. Mai zum Feiertag machen!

von Jonas Seileram 04.05.20201300 mal gelesen17 Kommentare
Staufenberg | Am 8. Mai 1945 wurde die vollständige militärische Niederlage des Nazi-Regimes gegen die Sowjetunion und die restlichen Alliierten offiziell. So wurde Deutschland nach 12 Jahren endlich vom Faschismus befreit.

Dadurch wurde der 8. Mai zu einem Tag von historischer Bedeutung, an dem es nur richtig ist all der Opfer der Nazi-Diktatur zu gedenken und Täter, die Hauptverantwortlichen für das Elend des 2. Weltkriegs, die Faschisten und ihre Wegbereiter, beim Namen zu nennen. Aber es ist auch ein Tag, vielleicht wie kein anderer, den man Feiern sollte, so wie man auch das menschliche Freiheitsideal und die Hoffnung nach einer befreiten Gesellschaft, ohne Ausbeutung und Unterdrückung, feiern sollte.

Esther Bejarano, Auschwitz-Überlebende, und die VVN-BdA fordern deswegen in einer Petition an die Bundeskanzlerin: Der 8. Mai muss gesetzlicher Feiertag werden!

Hier ein Link zur Online-Petition:
https://www.change.org/p/8-mai-zum-feiertag-machen-was-75-jahre-nach-befreiung-vom-faschismus-getan-werden-muss-tagderbefreiung-bkagvat-bundesrat

Mehr über...
Esther Bejarano schreibt dazu unter anderem in einem offenen Brief an "die Regierenden und alle Menschen die aus der Geschichte lernen wollen":

"...

Wo stehen wir – dieses Land, diese Gesellschaft – 75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee?

... Die Menschen trauerten um Verlorenes: um geliebte Menschen, um geliebte Orte. Wer aber dachte über die Ursachen dieser Verluste nach, ... ? Wen machten sie verantwortlich für Hunger, Not und Tod?

Dann brach die Eiszeit herein, der Kalte Krieg, der Antikommunismus. Es war ein langer Weg vom kollektiven Beschweigen ... über die Auschwitz-Prozesse in Frankfurt am Main zu den Studentenprotesten in den 1968ern ... . Nur zögerlich entwickelte sich ... die Wahrnehmung des NS-Unrechts. Aber auch die Rechten, die Alt- und Neonazis und Auschwitzleugner formierten sich.

... Ich fordere entschlossenes Handeln gegen das Treiben der Neonazis, denn trotz Grundgesetz und alledem konnten Abgeordnete einer neurechten Partei vom NS als “Vogelschiss in deutscher Geschichte” und vom Holocaust-Gedenkort in Berlin als “Denkmal der Schande” sprechen, konnte der NSU ein Jahrzehnt lang ungestört morden und die Neonazi-Gruppe “Combat 18” frei agieren.

Ich fordere, dass die Diffamierung von Menschen und Organisationen aufhört, die entschlossen gegen rechts handeln. Was ist gemeinnütziger als Antifaschismus? Es ist auch unerträglich, wenn ein paar Antifa-Aufkleber in Schulen Anlass für Denunziationen über Petzportale von neurechten Parteien sind. Niemand sollte für antifaschistisches Handeln, für gemeinsame Aktionen gegen den Hass, gegen alte und neue Nazis diskreditiert und verfolgt werden!

Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschla­gung des NS-Regimes. Wie viele andere aus den Konzentrationslagern wurde auch ich auf den Todesmarsch getrieben. Erst Anfang Mai wurden wir von amerikanischen und russischen Soldaten befreit. Am 8. Mai wäre dann Gelegenheit, über die großen Hoffnungen der Menschheit nachzudenken: Über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und Schwesterlichkeit.

..."

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Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
4.799
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.05.2020 um 22:29 Uhr
Eigentlich halte ich nicht viel von Petitionen, da wird oft das eigene Gewissen beruhigt "ich hab ja was gemacht, ich hab doch unterschrieben...", und das Ganze landet dann mehr oder weniger im "Papierkorb"...
Wenn jedoch ein solch wichtiges Anliegen auf der einen Seite mit einer Petition ( immerhin schon über 80.000 Unterschriften ) verbunden wird mit einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit, dann sollte man dies unterstützen.
Dazu gehört natürlich auch, die Forderung nach dem Feiertag mit weiteren konkreten politischen Forderungen zu füllen, und natürlich auch den 08. Mai gebührend zu würdigen und zu feiern.

Ich hoffe, dass auch hier in der GZ noch ein Aufruf zur Kundgebung in Gießen eingestellt wird!?
Martin Wagner
2.698
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 05.05.2020 um 11:15 Uhr
Ganz am Anfang des Artikels steht:

(......) "Am 8. Mai 1945 wurde die vollständige militärische Niederlage des Nazi-Regimes gegen die Sowjetunion und die restlichen Alliierten offiziell. So wurde Deutschland nach 12 Jahren endlich vom Faschismus befreit." (........)

Das ist die völlig korrekte Tatsachenbeschreibung.

Für meinen Geschmack leider etwas kurz, denn es fehlt der entscheidende Zusatz, dass die antifaschistischen Kräfte in Deutschland (egal welcher politischen Richtung) nicht in der Lage waren Deutschland selber zu befreien.

Deswegen war es logisch, dass zuerst die Armeen der Antihitlerkoalitionen (und dann etwas später deren willfährigen Handlanger in der Zivilbevölkerung) in ihren Besatzungsgebieten das politische Regime errichtete was ihnen in das Konzept passte. Also in den so genannten drei Westzonen den Kapitalimus a la USA und in der "SBZ" den "Sozialismus" nach dem Muster der UdsSr. Nur vier Jahre nach dem 8. Mai 1945 war es dann soweit, dass aus dem Übergangsmodus dann die BRD und die DDR entstand - exakte Klone der zwei Siegerblöcke.

Egal, wie jemand diese "Endprodukte" findet, es gilt festzuhalten: die sind von den "Siegern" (es ist gut dass sie gesiegt haben) aufgestülpt. Wie so oft in der Geschichte haben die Waffen auch nach dem Krieg weiter "geherrscht". Für mich heisst das: Wir müssen alle Armeen abschaffen, denn so lange diese existieren hat die Bevölkerung letztendlich keine Chance ihre Form des Zusammenlebens selbst zu bestimmen.

(Also die Forderung "BRD raus aus der Nato!" bleibt aktuell!)

Weil ich "global gesehen" den 8. Mai so sehe, finde ich die "Zusammenfassung": "8. Mai 1945 - Tag der Befreiung" problematisch.

Von aussen / vom Ausland gesehen ist das eine korrekte Beschreibung. Aber aus Sicht der Besiegten (also aus unserer Sicht) gesehen wird da viel zu viel "zugeschüttet". Denn natürlich ist der US-Kapitalismus und der UdSsR-Sozialismus keinesfalls mit dem Hitlerfaschismus in seiner Unmenschlichkeit zu vergleichen; aber für mich gehört zur Befreiung auch dazu, dass der Befreite nach dem Akt der Befreiung frei seine Gesellschaftsordnung wählen kann.

Und das haben sie nachweislich nicht gekonnt. In der BRD wurde z.B. in den 50er die KPD verboten. Formal zwar nicht deswegen, aber faktisch, weil sie ein Gesellschaftssystem a la DDR anstrebte.* In der DDR sollen zu dieser Zeit auch politische Kräfte jenseits der Staatsdoktrin "nicht gerade günstige Bedingungen gehabt haben".

*Einmal davon abgesehen, dass die KPD offensichtlich ihre Massenbasis unter den BRD-Arbeitern verloren hatte (das ist eine andere Geschichte), das Verbot wurde meiner Meinung nach auch deswegen "durchgezogen", weil im Falle von "bewaffneten Demonstrationen" der Arbeiterklasse genügend westallierte Militärs in der BRD standen (Bundeswehr gab es noch nicht bzw. noch kein Notstandsgesetz was den Einsatz der Bundeswehr im Inneren legetimieren soll).
47
Jonas Seiler aus Staufenberg schrieb am 06.05.2020 um 00:27 Uhr
Danke für das Kommentar, Martin.
Auf alles einzugehen fällt mir tatsächlich ein wenig schwer aber auf einen Punkt will ich auf jeden Fall antworten:

"Egal, wie jemand diese "Endprodukte" findet, es gilt festzuhalten: die sind von den "Siegern" (es ist gut dass sie gesiegt haben) aufgestülpt. Wie so oft in der Geschichte haben die Waffen auch nach dem Krieg weiter "geherrscht". Für mich heisst das: Wir müssen alle Armeen abschaffen, denn so lange diese existieren hat die Bevölkerung letztendlich keine Chance ihre Form des Zusammenlebens selbst zu bestimmen."

Die Fragen, die sich dann jeweils stellen sind doch, wie und warum sollte man die Armee überhaupt abschaffen.

Einerseits, wenn die Armee dazu da ist die Macht
der Herrschenden gegenüber den Massen zu behaupten, die eben nicht die Macht innehaben, wie schafft man denn dann die Armee ab? Die Herrschenden werden ja wohl nicht freiwillig auf ihr wichtigstes Machtmittel verzichten.

Andererseits, wenn die Massen die Macht innehaben, dann brauchen sie ebenfalls notwendigerweise ein Instrument zur durchsetzung dieser Macht gegenüber den alten Unterdrückern und denen, die gerne Neue werden wollen. Klar ist zumindest, dass die Armee, die den Massen dient, nicht die alte Armee sein kann. Natürlich muss es solange der Imperialismus besteht auch Aufgabe so einer Armee sein, diese neu errungene Macht gegen aggressoren von außen zu verteidigen.

In diesem Sinne müssen die Armeen der jetztigen Herrschenden durch revolutionäre Gewalt abgeschafft werden, das auf jeden Fall. Doch es wäre ja Fatal, wenn man sich sogar selbst der reaktionären Gewalt schutzlos ausliefert.

Ich bin jedoch auch der Meinung, dass diese herkömmliche Art von Berufsarmee nicht dauerhaft und vielleicht auch nur sehr kurz und übergansweise die Interessen der Massen vertreten kann. Nur die bewaffneten Massen selbst können das.

Wie sinnvoll die Losung "Bewaffnet die werktätigen Massen" momentan ist kann ich tatsächlich kaum einschätzen.
Stefan Walther
4.799
Stefan Walther aus Linden schrieb am 06.05.2020 um 10:36 Uhr
@ Martin
Vorab: sehr gut dass du hier kommentiert hast und auch viele Punkte aufgegriffen hast!
Es ist wirklich nicht einfach - kurz - so dass die Leser nicht ermüden, auf alles in einem Kommentar einzugehen, ggf. versuche ich es in mehreren Kommentaren.

1. deine Kritik "leider etwas zu kurz..." halte ich für nicht angebracht, im Beitrag steht die Petition im Mittelpunkt und nicht die ausführliche Analyse der Herrschaft und des Sturzes der Faschisten ( ja man kann und sollte das in Kommentaren und Diskussionen aufgreifen, das stimmt )

2. den Punkt den ich aufgreifen will, ist deine Einschätzung zur Frage der Gesellschaftssysteme ( ob das dann tatsächlich allen Deutschen "übergestülpt" wurde, das wäre noch ne andere Diskussion )
- um was ging es den westlichen Allierten? um die Niederlage des Faschismus ( nicht nur des deutschen Faschismus! ) als Gesellschaftssystem? Das ist ein Irrtum: die beiden Gesellschaftssysteme hießen "Sozialismus und Kapitalismus", Faschismus ist lediglich eine von verschiedenen Herrschaftsformen im Kapitalismus, das darf man nie unterschlagen ansonsten begibt man sich auf die Schiene der bürgerlichen Geschichtsschreibung. Auch die Faschisten haben nichts an den kapitalistischen Verhältnissen geändert, im Gegenteil sie haben diese ( Ausbeutung der Arbeiter, Macht der Monopole... ) weiter verschärft. Und selbst die demokratischste bürgerliche Demokratie ist immer noch Kapitalismus! Man darf nicht einseitig den politischen Überbau ( faschistische Herrschaftsform ) betrachten, sondern immer auch die ökonomische Basis analysieren...
- also haben die Allierten gemeinsam und selbstlos gegen die Faschisten ( auch nicht nur gegen die deutschen ) gekämpft? Auch das zu behaupten wäre bürgerliche Geschichtsschreibung / Geschichtsrevisionismus: das Hauptziel aller kapitalistischen und imperialistischen Länder war die Vernichtung der Sowjetunion! Nur so ist auch zu erklären warum die kapitalistischen Länder erst sehr spät, erst als klar wurde dass die Sowjetunion die Faschisten besiegen würde, aktiv und offensiv in den Krieg eingriffen um ihre eigenen Pfründe zu sichern. Davor hatten sie alle eine gemeinsame Front ( vor allem Frankreich und England ) mit der Sowjetunion gegen die Faschisten mehrfach abgelehnt, in der Hoffnung Deutschland würde sich selbst schwächen aber auch die sozialistische Sowjetunion vernichten können...

Manchmal sagt ein künstlerischer Beitrag, hier ein Lied, auch mehr als "tausend Worte":
http://www.youtube.com/watch?v=8S0I0J_fXLo/
Martin Wagner
2.698
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 06.05.2020 um 11:35 Uhr
Stefan, mir ist dein Standpunkt zu "Kapitalismus kontra Sozialismus" hinlänglich bekannt. (Ich denke dem regelmäßige Leser der Kommentare auch.)

Mir ging es in meinem Kommentar auch nicht in erster Linie um die (früher hiess das so) Systemkonkurrenz. Es ging mir um die Tatsache, dass kein Besiegter das "Recht" hat gegenüber seinem Sieger ein anderes Gesellschaftssystem einzufordern, als der jeweiliger Sieger für richtig erkennt.

Fordern kann er das schon, aber mit welcher Logik?

Nazi-Deutschland hat bekanntlich den Krieg nicht an den damaligen Reichsgrenzen beendet. Die Besetzung hat allen Allierten die größten Opferzahlen unter ihren Soldaten (im Vergleich zu den Kämpfen ausserhalb der Grenzen) gefordert. Sollen diese Opfer (so die Logik der Allierten) sinnlos dadurch gemacht werden, dass den Besiegten "erlaubt" wird ein Gesellchaftssystem zu errichten, was der Sieger überhaupt nicht will?

So gesehen, stimmt mein Satz: Wie so oft in der Geschichte haben "die Waffen" auch nach dem Krieg weiter "geherrscht".

Unter anderem deswegen müssen alle Armeen weg - fangen wir damit an, dass die BRD aus der Nato raus geht und seine Armee abbaut! Dann wäre auch mehr Geld für Soziales da.
Stefan Walther
4.799
Stefan Walther aus Linden schrieb am 06.05.2020 um 12:03 Uhr
Martin, habe jetzt noch kurz Zeit: na ja "mein Standpunkt ist hinlänglich bekannt", widerlege ihn doch bitte oder gehe konkret auf meinen Kommentar ein, das würde Sinn machen... oder willst du nur über deine Ansichten / Kommentarinhalte diskutieren? Und meine Antwort war ja auch eine konkrete Teil-Antwort auf deinen Kommentar.
Und diese "Systemkonkurrenz" ist heute aktueller denn je, kein Relikt aus früheren Tagen...
Ich werde dann auch noch auf den Punkt "Aufgezwungen, übergestülpt..." in einem späteren Kommentar eingehen, ich versuche ja zumindest immer alles zu beantworten...

Jetzt aber hier, wurde ja auch schon von Jonas aufgegriffen, aber auch da antwortest du nicht konkret auf Einwände, sondern wiederholst ausschließlich deinen Standpunkt, ist das ne Diskussion?
- die Armee, genauso wie die Polizei, die Justiz usw., sind Instrumente der herrschenden Klasse mit der Hauptaufgabe "Erhaltung ihrer Herrschaft", das ist Fakt, egal um welche herrschende Klasse, egal um welches Gesellschaftssystem es sich handelt
- deswegen ist es auch völlig utopisch und illusionär - und wenn auch noch so gut gemeint - zu fordern "alle Armeen müssen weg". Ja, einzelne konkrete Forderungen sind evt. durchsetzbar, vielleicht sogar "BRD raus aus der NATO" oder "Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr" oder "Kein Einsatz der Bundeswehr im Innern" usw. - das ist kein Widerspruch.
- aber anzunehmen man könnte der herrschenden Klasse ihre Machtinstrumente aus der Hand nehmen oder sie gar abschaffen ohne das Gesellschaftssystem zu überwinden, das sind nichts weiter als pazifistische Träumereien und haben mit der Realität nichts zu tun
- und immer wieder die gleiche ( falsche ) Behauptung: dann wäre auch mehr Geld da für Soziales. Denkst du ernsthaft, dass auch nur ein Cent mehr in den Bereich Soziales gesteckt würde wenn es weniger oder gar keine Ausgaben mehr für`s Militär geben würde? Geld war und ist schon immer genug da, es wird aber auch immer nur im Interesse der Herrschenden verteilt.. oder durch die Ausgebeuteten erkämpft auf Kosten der Profite, alles andere ist reines Wunschdenken - schau dir doch einfach nur mal an, wie die Milliarden und Millionen jetzt locker gemacht werden "zur Rettung der Wirtschaft"...
Kurt Wirth
3.004
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 06.05.2020 um 13:24 Uhr
Die im Beitrag erwähnte Petition "8.Mai ein Feiertag" hat inzwischen 90.000 Unterschriften erreicht.
Am 9.Mai kann man sich ab 20.30 Uhr ein Online-Live-Konzert anhören/ansehen mit Konstantin Wecker, Esther Bejerano und vielen anderen:
https://www.br.de/kultur/konstantin-wecker-livestream-100.html
https://wecker.de/
Kurt Wirth
3.004
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 06.05.2020 um 19:02 Uhr
Damit es etwas schneller geht mit dem Anklicken:
http://www.br.de/kultur/konstantin-wecker-livestream-100.html
http://wecker.de/
Martin Wagner
2.698
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 06.05.2020 um 19:33 Uhr
Stefan, ich bin etwas enttäuscht von dir.

Ich habe den Eindruck Du diskutierst konsequent an der von mir aufgeworfenen Frage vorbei. (Damit will ich nicht sage, dass deine Positionen in deinen Fragestellungen falsch sind.)

Es geht um den 8. Mai 1945. Ich habe bis heute nicht verstanden, dass die amerikanische Regierung / die US-Kapitalisten nicht auf das von ihnen beauftragten Memorandum von Morgenthau * gesetzt haben. Also eine konsequente Deindustralierung Deutschlandes / Zulassung von überwiegend nur Agrarwirtschaft im besiegten Land!

Damit hätte wir bei uns keine ernst zu nehmende Kapitalisten; zumindest keine Konkurrenten zu den US-Kapitalisten. Wir bräuchten auch keine fremde oder eigene Armeen, denn wen interessiert schon ein solches Land.

Okay, das haben die Amis 1945 versemmelt. Aber die haben doch nichts aus der Kriegstreiberei der deutschen Kapitalisten innerhalb einer Generation gelernt (erst unter dem Kaiser - dann bei den Nazis). Spätestens mit der Aufstellung der Bundeswehr wurden "die Deutschen" wieder in die Gemeinschaft der Völker, welche ein Selbstbestimmungsrecht zugestanden wird, aufgenommen.
Warum hat die Weltgemeinschaft nicht damit gewartet bis drei oder vier Generationen vorbei sind. (Da wäre Logik drin gewesen, bei der Unmenschlichkeit der Nazis nach innen - aber auch nach aussen - und der Unfähigkeit der deutschen Bevölkerung die Nazis spätestens bei der Situation "Kriegsgegner an den Grenzen" diese zu vertreiben.)

Was ist denn bei diesen Überlegungen "pazifistische Träumereien". Armeen werden überwiegend gebraucht im Systemkonkurrenzen und teilweise in der Konkurrenz zwischen einzelnen Kapitalistenländern. Ich sage es noch einmal: Agrardeutschland interessiert keinen Nachbarn und ein solches Deutschland braucht keine billige Rohstoffe (für seine eigenen Kapitalisten).

Stefan, jeder kapitalistische (aber auch die ehemals realsozialistische) Staat braucht bewaffnete Kräfte für die Bekämpfung von innergesellschaftliche Kräfte, welche den "anderen Block anstreben". Müssen das - immer in deren Logik gesehen (die nicht meine sind) - stehende Armeen sein? Bewaffnete Polizeikräfte reichen dafür auch.

Natürlich bin ich für die Überwindung des Kapitalismus. Ich mache mir keine Illusionen, dass gegebenenfalls bei "inneren Unruhen" die Bundeswehr per Notstandsgesetz im Inneren zum Einsatz kommt. Davon habe ich aber nicht gesprochen, denn ich redete von 1945 bis zur Gründung der DDR / BRD 1949 (Bundeswehr kam erst 1956!).

Stefan: (........) wie die Milliarden und Millionen jetzt locker gemacht werden zur "Rettung der Wirtschaft" (.........) - eine spannende Frage! Mir ist nur klar, dass da ein Riesenschuldenberg angehäuft wird. Ja, auch mir ist klar, dass die "Kleinen" in der Zukunft die kaum vorstellbaren Schuldenberg abtragen sollen.

Werden sich das die "Kleinen" ohne Murren gefallen lassen? Ich denke nicht. Ich hoffe dann werden "die Karten neu gemischt" (und dann wird sicher die Auflösung der Bundeswehr auf die Tagesordnung gesetzt).



* https://de.wikipedia.org/wiki/Morgenthau-Plan
Stefan Walther
4.799
Stefan Walther aus Linden schrieb am 06.05.2020 um 22:23 Uhr
Lieber Martin, darauf soll ich wirklich alles eingehen, während du sowohl die Einwände von Jonas als auch von mir als Nebensächlichkeit abtust? Willst du hier diskutieren, einen Meinungsaustausch... oder einfach doch nur Statements abgeben?

nur ein paar Schlagworte, ne Diskussion führe ich erst dann wieder wenn du auch auf konkrete Fragen und Kritiken konkret antwortest:
- ich bin auf deinen Beitrag eingegangen ( nicht daran vorbei ) weil du falsche Begriffe verwendest die zu falschen Schlussfolgerungen führen
- jeder Staat braucht eine Armee, Jonas hat die Gründe aufgeführt
- es ging, vor allem auch den USA, nie ernsthaft um ein Agrarland Deutschland, die BRD sollte ( und wurde ) zum Bollwerk gegen den Sozialismus in Europa aufgebaut werden
- Faschismus ist keine deutsche Besonderheit, kein Alleinstellungsmerkmal in der Geschichte
- genauso wenig ist Kriegstreiberei eine deutsche Erfindung
- "die" Deutschen gibt es nicht, genauso wenig wie "die" Amis
- die Auflösung der Bundeswehr wird "auf die Tagesordnung gesetzt"? In welcher Welt lebst du denn?
Stefan Walther
4.799
Stefan Walther aus Linden schrieb am 06.05.2020 um 22:58 Uhr
@ Jonas
Es dürfte ja bekannt sein, wie Martin schon im anderen Zusammenhang was meine Meinung betrifft schrieb :-), dass Jonas und ich aktive Mitstreiter im Internationalistischen Bündnis sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir immer der gleichen Meinung sind, nicht debattieren und auch hin und wieder solidarisch streiten:

also hier dein Zitat Jonas:
"Ich bin jedoch auch der Meinung, dass diese herkömmliche Art von Berufsarmee nicht dauerhaft und vielleicht auch nur sehr kurz und übergansweise die Interessen der Massen vertreten kann. Nur die bewaffneten Massen selbst können das.

Wie sinnvoll die Losung "Bewaffnet die werktätigen Massen" momentan ist kann ich tatsächlich kaum einschätzen." ( Zitat Ende )

Diesen Absatz verstehe ich nicht Jonas:
- was soll das für eine Berufsarmee herkömmlicher Art sein? Die Armee des Volkes ( der ehemals Unterdrückten und Ausgebeuteten ) hat mit einer "herkömmlichen Berufsarmee" nichts gemein, weder was ihre Aufgaben betrifft ( dem Volke dienen gehört da unbedingt auch praktisch dazu ) noch was die Struktur angeht ( Demokratie statt "hirnloser" Befehl und Gehorsam ) und vieles mehr wie z.B. keinerlei Sonderrechte aufgrund von Dienstgraden, Pflicht zur Rechenschaftslegung usw. usf.
- du kannst nicht einschätzen wie sinnvoll momentan eine Losung "bewaffnet die werktätigen Massen" ist? Das verwundert mich etwas: in welcher Situation leben wir heute, in welcher Phase des Klassenkampfs? Was würden die werktätigen Massen heute darauf sagen wenn solch eine Losung aufgestellt werden würde, falls sie überhaupt etwas dazu sagen würden? Rechte und "linke" Fehler und Einschätzungen sind beide schädlich und führen beide im Endeffekt zur Isolierung von den werktätigen Massen... und nutzen lediglich dem Klassenfeind.
Martin Wagner
2.698
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 07.05.2020 um 08:32 Uhr
ganz kurz (also nur plakativ) zu Stefan am 6.5. um 22:58h

Nein; kein Staat braucht eine (zumindest keine "stehende") Armee. Sollten Besatzer über die Grenzen kommen, kann die (nottfalls bewaffnete) Bevölkerung den Besatzer wieder aus dem Land jagen. Es gibt neben militärischen Mitteln auch wirksame Methoden Besatzer ins Leere laufen zu lassen.

Krieg ausserhalb der eigenen Grenzen führen - nur im absoluten Ausnahmesituation! (Z.B. hatte meiner Meinung nach die von den Nazis überfallene Nationen * 1944 / 1945 das Recht / die Pflicht auf das Reichsgebiet einzumarschieren, denn die Deutschen hatten nicht die Kraft die Nazis aus eigenem Interesse zu entmachten und es war zu erwarten, dass beim "Stopp an der Grenze" die Nazis nach ein paar Jahren "Kraftschöpfen" wieder versuchen würden in Nachbarländer einzufallen.

"USA wollten 1945 Deutschland als Bollwerk gegen die UdSSR aufbauen" - heisse These - bitte Belege nachliefern.

Nein; sie wollten den kapitalistischen Konkurrenten auf Dauer (Deutschland erstarkte wirtschaftlich nach dem 1. WK sehr schnell) zerschlagen. Das haben sie sehr stümperhaft gemacht.
(Mir fällt dazu nur die Zerschlagung des Konzerns IG Farben ein.)

Anstatt Deutschland zum Agrarland zu machen und dies durch Gründungen von schwachen Vasallenstaaten abzusichern (etwa jede Besatzungszone ein Staat und dann noch wichtige Industriegebiete (z.B. Oberschelesien) an andere Länder (wie Polen und Tschechei) haben sich die "Ideologie-Köppe" durchgesetzt (aber nicht 1945, sondern erst um 1947 und 1948 - nachdem die praktische Zusammenarbeit im Bezug auf das besetzte Gesamtgebiet schlecht funktionierte) und Deutschland an der ideologische Grenze geteilt.
Folge der West- (aber auch der Ost-) Teil wurden innerhalb von zwei bis drei Jahrzehnten genau das, was die US-Kapitalisten überhaupt nicht wollten: ein wirtschaftlich potenter Industriestaat.
Ironie der Geschichte (Dummheiten wirken sich eben langfristig aus) bei der Zerschlagung des "sozialistischen Blockes" konnten die BRD-Kapitalisten eine ganze Staatsindustrie für wenig Geld übernehmen. Das waren keine Peanuts, denn die damalige DDR war im Club der 10 stärksten Industrienationen.
Für mich völlig unverständlich, dass die ehemaligen (westlichen) Besatzungsregierungen (die mussten dem "Diebstahl" ja völkerrechtlich zustimmen) da mit gemacht haben.

Doch; die Forderung: Bundeswehr auflösen, war, ist und bleibt auf der Tagesordnung. (Auch wenn das im Moment nicht bei den politkern des herrschenden Blockes" auf der Agenda" steht.)


* Hat ein deutscher Soldat je in der USA gekämpft?
Stefan Walther
4.799
Stefan Walther aus Linden schrieb am 07.05.2020 um 22:20 Uhr
also unter "ganz kurz" verstehe ich was anderes :-), was sind dann erst "lange" Kommentare?
willst du uns / mir ne Geschichtsstunde aus deiner Sicht geben Martin? Ich mache es wirklich "ganz kurz":

1. Zur nochmaligen Wiederholung: schau dir den Kommentar von Jonas an und die Realität
2. Es ist nicht wichtig was sie "sagen", es ist nur wichtig was sie "tun" = Marshallplan wäre ein Beispiel, Bruch des Potsdamer Abkommens ( bzw. nicht-Umsetzung ) ein anderes. Und nur das sind die Fakten.
3. es waren keine "Dummköpfe, die stümperhaft vorgegangen sind", sie wussten ganz genau was sie taten
Kurt Wirth
3.004
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 08.05.2020 um 13:10 Uhr
Die Petition hat mittlerweile 102.000 Unterschriften überschritten.
Martin Wagner
2.698
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 08.05.2020 um 19:21 Uhr
Stefan; es stimmt ich habe nicht explizit (steht aber sinngemäß in meinem "kurzen" Kommentar) auf den Kommentar von Herrn Seiler geantwortet.

Ich habe nicht widersprochen, dass die Kapitalisten höchstwahrscheinlich nicht kampflos die Macht an die Arbeiter abgeben werden. Ob sich deswegen die Arbeiter in der Zukunft bewaffnen müssen oder nicht; dazu habe ich keine Zeile geschrieben. (Schwierige Frage, weil die Notstandsgesetze den Einsatz von der Bundeswehr im Inneren erlauben.) Das war ja nicht mein Thema.

Es geht um Armeen, welche den Einmarsch von fremdem Truppen über die Grenzen verhindern / nicht in andere Länder einfallen sollen.

Bundeswehr schleunigst abschaffen:

Denn (kleine Auswahl)

1.
An keiner Grenze steht eine feindliche Armee, wo zu erwarten ist, dass die einfällt.

2.
Wir brauchen keine Armee zur Sicherung des Nachschubs von Rohstoffen. Die BRD ist so reich, die braucht nicht Armee / oder Drohungen mit militärischen Mitteln um den Preis von Rohstoffen gewaltig zu drücken - die kann die kaufen.

3.
Die BRD ist mit rund 80 Millionern Bewohner zwar überbevölkert, aber die Zeiten, wo Armeen "zur Gewinnung von neuem Lebensraum" los geschickt werden sind vorbei.
Stefan Walther
4.799
Stefan Walther aus Linden schrieb am 08.05.2020 um 21:43 Uhr
Martin, gut dann führen wir noch ein wenig unser Zwiegespräch :-)

1. Doch, Jonas ist auch auf die Aufgabe der Armeen "zur Sicherung des eigenen Landes" eingegangen, zumindest was sozialistische Länder betrifft ( so lange es noch imperialistische geben wird )

2. Was Deutschland ( oder auch jedes andere imperialistische Land betrifft ): ob jetzt eine feindliche Armee an der Grenze steht oder nicht, das spielt doch hier gar keine Rolle. Imperialistische Staaten verfolgen - immer - das Ziel ihre Macht und ihren Einfluss, auch militärisch, zu vergrößern, der alte Satz gilt immer noch: "Krieg ist lediglich die Fortsetzung der Politik, nur mit anderen Mitteln"

3. Wer ist denn "wir" Martin? Nee, so einfach ist das nicht ( mehr ), Infrastruktur, Handelwege usw. "müssen" doch sogar aus deutschem Interesse am Hindukusch verteidigt werden

4. Schon wieder "Überbevölkerung"? Wieso sollte Deutschland "überbevölkert" sein? Was soll das denn für eine Logik sein, dass man dann - aufgrund von angeblicher Überbevölkerung - neuen Lebensraum gewinnen muss? Vorsicht Martin, du begibst dich hier ganz schön auf`s Glatteis!

5. Warum willst du dich in den Kopf der herrschenden Klasse begeben und dann vom "wir" brauchen das und das nicht aus beurteilen? Ich verstehe dich da nicht, alles muss vom Klassenstandpunkt aus analysiert und beurteilt werden, auch Friedenskampf ist Klassenkampf!
Martin Wagner
2.698
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.05.2020 um 11:28 Uhr
Korrekt Stefan - Zwiegespräche bringen nichts.
Hallo Lieber Leser
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Herzlichst, Ihr(e) Jonas Seiler

von:  Jonas Seiler

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