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Erste historische Kneipenwanderung in Daubringen

Das Haus mit der Gaststätte "Zum Ludwig" früher
Das Haus mit der Gaststätte "Zum Ludwig" früher
Staufenberg | Dass man für ein Bier in gemütlicher Runde keine Kneipe benötigt, bewies am vergangenen Freitag der Verein Impuls. Kulturpolitischer Arbeitskreis e.V. aus Staufenberg. Im Vorfeld entstand aus einer Bierlaune heraus die Idee, in einem abendlichen Rundgang die Standorte ehemaliger Kneipen, Gaststätten und Diskotheken zu besuchen, dort ein Bier zu trinken und sich die Geschichten der Wirte oder Anekdoten aus den Reihen der Gäste zu erzählen. Da es sich zunächst um einen Testlauf handeln sollte, der evtl. als öffentliche Veranstaltung im Rahmen des Dorfjubiläums 2018 angeboten werden soll, beschränkte sich die Teilnehmerzahl auf knapp 30 Vereinsmitglieder und Freunde. Beginnend beim „Blauen Hecht“ an der Lumdabrücke, zog die Gruppe bei strahlendem Sommerwetter durch die Straßen Daubringens, vorbei am ehemaligen Kirmesplatz an der Bleiche, an der Kneipe „Zum Ludwig“ (Mellersch), am „Daubringer Eck“ (Schreinerkappersch) in der Gießener Straße, am „Café Schneider“, der Sportkneipe Reutersch und der „Futterkrippe“ in der Altenbusecker Straße, am „Schuppe“ im Mittelweg (heute Am Hammelstein), am „Tannenhof“ im
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Tannenweg über den ehemaligen Getränkemarkt im Steingarten Ecke Friedhofstraße bis zum Abschluss auf dem neu gestalteten Platz am Wiegehäuschen. Die Organisatoren hatten Bier und Brezeln besorgt, die sie auf einem alten Bollerwagen mitzogen. An jeder Station wurde Halt gemacht und kurz über die Geschichte der Kneipe berichtet. Manche Gebäude wurde zeitweise auch als Metzgerei, Lotto-Annahmestelle oder Lebensmittelgeschäft genutzt, es fanden Jugendtreffs, Tanzveranstaltungen, Kirmes- und Faschingsveranstaltungen statt, da den Kneipen teilweise Festsäle angeschlossen waren (Saalbau). Bei Mellersch (die Vorfahren der Besitzer stammen aus der Daubringer Mühle, daher der Dorfname Mellersch) gab es eine Kegelbahn mit „Handbetrieb“, hier verdiente sich die Dorfjugend ein Taschengeld (laut Manfred Hein häufig lediglich eine Limo), indem sie den Keglern die Kugel über eine Rinne zurückrollten. Auch trafen sich Laienschauspieler oder Musikgruppen zum Proben und natürlich Stammtische. Die Ortspolitik wurde ebenfalls hier gemacht, bei einem Bier am Stammtisch wurden dem Bürgermeister die Anliegen vorgetragen und war damit zwar nicht so eine trockene Angelegenheit wie heute in den Stadtverordnetensitzungen, aber trotzdem eine ernste. Nachbarschaftsstreits
"Zum Ludwig" heute
"Zum Ludwig" heute
mussten beigelegt und Eigentumsverhältnisse geklärt werden. 1988 holte der damals neu gegründete Verein Impuls die bekannte Mundartgruppe Fäägmeel in die Kneipe „Zum Ludwig“, leider war damals die Resonanz der Dorfbevölkerung nicht so hoch.
Einer der Stammtische nannte sich „Radiologen“, hier traf man sich samstags zum Hören der Fußball-Übertragungen im Radio, mal im „Hecht“, mal beim „Künzel“. Bereits in den 60er Jahren gab es in manchen Kneipen die ersten Fernseher, dort ging man dann Samstags abends hin, um Sportsendungen, Filme oder Shows zu sehen.
Im „Daubringer Eck“, in dem sich außer der Kneipe auch eine Metzgerei und ein Lebensmittelladen befand, konnte man auch tanzen. Es heißt, dass der Tanzboden durch exzessives Twist tanzen eingestürzt ist und damit das Ende der einzigen Daubringer Diskothek herbeigeführt wurde.
Das „Café Schneider“ wurde im Volksmund auch das „Café Hemdhoch“ genannt, da es in dem Ruf stand, man könne dort willige Damen antreffen. Leider konnte oder wollte dies keiner der Anwesenden aus eigener Erfahrung bestätigen.
Die Sportkneipe Reutersch lag gegenüber des damaligen Sportplatzes, an dessen Stelle später die „Futterkrippe“ entstand und nacheinander einen Baustoffhändler, ein Lebensmittelgeschäft, ein Speiselokal und eine Kneipe beherbergte. Bei Reutersch gab es Weilburger Pils, während in den meisten anderen Kneipen Licher oder Gießener Bier ausgeschenkt wurde.
Unterwegs zur nächsten Station
Unterwegs zur nächsten Station
Im „Schuppe“ im Mittelweg gab es damals Henninger Bier, das die Organisatoren extra für die Kneipenwanderung besorgt hatten. Hier war erwähnenswert, dass der Weg zur Toilette über eine lange Treppe führte, den Hang hinunter Richtung Altenbusecker Straße, die für manche nach einem durchzechten Abend schwer zu bewältigen war.
Am ehemaligen Getränkemarkt im Steingarten konnten die Wanderer dann noch das Gießener Schlammbeiser Bier probieren, bevor die erste historische Kneipenwanderung in Daubringen am Wiegehäuschen zum Abschluss kam. Dort saß man noch einige Zeit bei einem Bier zusammen und erzählte sich die alten Dorfgeschichten. Und man war sich einig: Diese Veranstaltung muss wiederholt werden!

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"Zum Ludwig" heute
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Unterwegs zur nächsten Station
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An der ehemaligen Sportkneipe
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von:  Susanne Rotter

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