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50 Jahre Lebenshilfe Gießen – Festvortrag über Rechte behinderter Menschen

Staufenberg | Zum 50. Geburtstag der Lebenshilfe Gießen hat Peter Masuch, Präsident des Bundessozialgerichts, am Donnerstag in der Aula der Justus-Liebig-Universität einen Festvortrag gehalten. Rund 100 Menschen waren gekommen, um den Vortrag mit dem Thema 'Sozialrecht: Geschichte und aktuelle Herausforderungen' anzuhören. Die Begrüßung der Gäste übernahm die Vorsitzende der Lebenshilfe Gießen, Maren Müller-Erichsen, die auch die Ziele der Lebenshilfe vorstellte und das Wichtigste in einem einfachen Satz ausdrückte: “Wir gehen auf den Menschen selber zu und fragen ihn, was für einen Bedarf er hat“. Anschließend begann der Festvortrag von Peter Masuch. Masuch, der seit dem 1. Januar 2008 Präsident des Bundessozialgerichts ist, ist gleichzeitig seit 2004 Mitglied im Vorstand der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und setzt sich dort als studierter Jurist vor allem für die Rechte behinderter Menschen ein.
Den Vortrag nutzte er, um den aktuellen Stand und die Geschichte des Sozialrechts vorzustellen. Sein Vortrag diene dazu, „Mut zu machen für die aktuellen Herausforderungen“, erklärte Peter Masuch und
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stellte gleich die wichtigste Neuerung im Sozialrecht vor, die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen. Die Konvention, die von über 80 Staaten unterzeichnet wurde, ist Ende März in Deutschland in Kraft getreten und ist die „erste, verbindliche, universelle Menschenrechtsquelle“, wie Masuch betonte. Die Konvention regelt international den Umgang mit und die Rechte von behinderten Menschen. Artikel 1 der Konvention sagt, dass alle Menschenrechte und Grundfreiheiten auch für behinderte Menschen gelten. Wichtig ist auch, dass alle behinderten Menschen nicht nur rechtsfähig sondern auch handlungsfähig sind. Sie dürfen selber entscheiden, wie sie leben und wo sie wohnen oder arbeiten möchten. Sie sollen gleiche Chancen haben wie nicht behinderte Menschen. Dazu gehört auch, dass Barrieren, die es behinderten Menschen schwer machen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, beseitigt werden.
Weitere Änderungen im Sozialrecht wurden auf der letzten Arbeits- und Sozialministerkonferenz beschlossen. Dazu gehört, dass Hilfe in Zukunft auf die Person bezogen wird, jede Person also individuell eingestuft wird. Diese personenzentrierte Hilfe soll die bisherige Unterscheidung zwischen ambulant, teilstationär und stationär ablösen. Außerdem sollen die Wünsche behinderter Menschen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, sie sollen idealerweise ein eigenes Wahlrecht haben, ob sie zum Beispiel lieber zu Hause oder stationär behandelt werden möchten. Aber Peter Masuch sagte in seinem Vortrag gleich, dass es eine „Herkulesaufgabe“ sei, die „nicht von heute auf morgen zu machen“ sei. Für ihn seien die neuesten Entwicklungen trotz aller möglichen Schwierigkeiten ein wichtiger Schritt und er hoffe, dass behinderte Menschen nicht erst in einem halben Jahrhundert vollkommen in die Gesellschaft integriert sind.
Nach dem Vortrag wurden die Zuhörer noch zu einem kleinen Imbiss eingeladen, wo das eben Gehörte noch einmal diskutiert werden konnte. Die Vorsitzende Müller-Erichsen hatte Verständnis dafür, dass einige es vielleicht schwer fanden, dem Vortrag zu folgen. Sie wüsste, dass das „Thema nicht jedermanns Sache war“, sie fände es aber trotzdem schön, auch solche Themen mal anbieten zu können. Der Festvortrag war nur eine der Veranstaltungen, mit denen die Lebenshilfe Gießen dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Am 25. Juni findet in der Aula der Justus-Liebig-Universität, Ludwigstraße, eine Feier mit weiteren Vorträgen und Festreden statt. Vom 25. bis 27. Juni ist außerdem ein großes Geburtstagsfest in der Innenstadt von Gießen geplant.
Die Lebenshilfe Gießen hat sich vor 50 Jahren als Elterninitiative entwickelt. Inzwischen ist die Lebenshilfe ein eingetragener Verein und hat über 750 Mitarbeiter. Die Lebenshilfe möchte Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft integrieren und setzt sich besonders in den Bereichen Fördern, Lernen, Arbeiten, Wohnen und Betreuung ein.

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