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Bürgerinitiative „BI-B49 Pro Süd“: Nordumgehung gefährdet das Trinkwasser von Reiskirchen

Richtigstellung von "BI-B49 PRO SÜD"
Richtigstellung von "BI-B49 PRO SÜD"
Reiskirchen | Die jüngste Hauswurfsendung der Gegner der B49-Südumgehung für Reiskirchen und Lindenstruth erbost die Befürworter vom „Bündnis Pro Süd“. Zum Bündnis "Pro Süd" haben sich alle Reiskirchener Parteien zusammengeschlossen - mit Ausnahme der Grünen, die gegen eine Südumgehung votieren. Die Parlamentarier von CDU, CSWU, FDP, FWG und SPD haben sich mit 90-prozentiger Mehrheit in der Gemeindevertretersitzung für eine Südumgehung ausgesprochen, die sich derzeit im Planfeststellungsverfahren beim Regierungspräsidium in Gießen befindet und mit deren Planfeststellung Ende diesen, Anfang kommenden Jahres zu rechnen ist.

Die vor 18 Jahren (1991) beschlossene Südumgehung ist daher jetzt in greifbarer Nähe und könnte gebaut werden, wenn nicht wieder einige Wenige weiter verzögern wollten, die deshalb ein Bürgerbegehren initiiert haben. Einen dreiminütigen Bericht der "Hessenschau" über diesen Sachverhalt gibt es hier im Hessenschauarchiv

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Die Gegner der Südumgehung glauben, dass eine Nordumgehung für Reiskirchen die bessere Lösung sei. Diese führt jedoch einer Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) zu Folge direkt an den Wasserschutzgebieten der Stufe II und III entlang, aus denen Reiskirchen sein Trinkwasser gewinnt. Daraus resultiert eine besonders hohe Gefährdung für das Trinkwasser von Reiskirchen.

In dem Flugblatt der Initiatoren des Bürgerentscheids, die für die Nordumgehung votieren, werden einige Behauptungen aufgestellt. Die Bürgerinitiative "BI-B49 Pro Süd" möchte dazu einiges bekannt geben und äußert sich Punkt für Punkt zu den Aussagen auf dem Flugblatt. Zunächst wird immer die Aussage vom Flugblatt wiedergegeben. Dann äußert sich die Bürgerinitiative „BI-B49 Pro Süd“ zu diesen Aussagen.

1) Die Südumgehung führe zu einer Einkesselung der Kerngemeinde.
Dies sei falsch. Schon in der UVS 1990 wurde deutlich, dass die Kessellage von Reiskirchen durch die Nordumgehung entsteht. Während im Süden und Norden durch das geologisch höher liegende Gelände und im Westen durch den Autobahndamm bereits eine Kessellage existiert, wird diese durch den Bau der Nordumgehung vollständig. Diese Umgehung ist nämlich mit dem Bau eines acht Meter hohen Damms im Osten von Reiskirchen verbunden, der den einzig noch vorhandenen Frischluftaustausch dann blockiert. Damit wird Reiskirchen zum Smogloch und die Autoabgase bleiben noch stärker im Ort, als dies ohnehin schon jetzt der Fall ist.
2) Die Südumgehung erzeugt eine erhebliche Lärm- und Schadstoffbelastung für mehrere Reiskirchener Ortsteile.
Dass es zu einer Verlagerung von Verkehr und den damit verbundenen Schadstoffen kommt, liegt im Wesen einer Ortsumgehung. Gerade mit diesem Ziel werden Umgehungsstraßen gebaut. Dass jedoch an der Südumgehung sämtliche Immissionsbelastungen den strengen gesetzlichen Vorschriften entsprechen, die heute bei einem Straßenneubau eingehalten werden müssen verschweigen die Gegner. Die Belastungen, die Innerorts erheblich sind, sind daher bei der Südumgehung nur in weit geringerem Umfang vorhanden.
3) Die Südumgehung würde die Reiskirchener Grundschule verlärmen ist eine weitere Behauptung, die allen Tatsachen widerspricht, so die Bürgerinitiative.
Fakt sei, dass die Grundschule einer voraussichtlichen Lärmbelastung von 49 Dezibel (A) ausgesetzt sein wird, was im Untersuchungsbericht zur schalltechnischen Berechnung nachzulesen ist, der auch den Gegnern bekannt sei. 49 db(A) als eine Verlärmung zu bezeichnen ist angesichts von über 70 db(A) im Ortskern eine Unverschämtheit und zeigt einmal mehr die Unsachlichkeit der Umgehungsgegner. Ein Unterschied von rund 20 db(A) wird übrigens als eine Verachtfachung des Lärms empfunden. Wenn 49 db (A) als Verlärmung bezeichnet werden, wie soll man den heute real existierenden Lärm von über 70 db(A) an der B49 dann noch nennen?
4) Die Südumgehung würde ein Wohn- und Pflegeheim stark beeinträchtigen.
Fakt sei, dass auch hier alle strengen Grenzwerte, die beim Straßenneubau gelten, eingehalten werden. Die Beeinträchtigungen auf die gesamte Wohnbevölkerung von Reiskirchen und Lindenstruth ist bei einer Nordumgehung um ein vielfaches höher. Der Variantenvergleich beim Faktor „Mensch“ fällt bei allen Gutachten für die Südumgehung weit besser aus als für die Nordumgehung.
5) Die Südumgehung würde nur zu einer Entlastung von 39 Prozent in der Grünberger Straße führen.
Dies sei glatt gelogen. Die Verkehrszählung von 2005 habe ergeben, dass auf der Grünberger Straße im Ortskern von Reiskirchen 64 Prozent weniger Autos fahren und in Lindenstruth sogar 87 Prozent weniger Verkehr entstehen werde. Dies kann man in der Verkehrsstudie "VERTEC", die einen Umfang von über 250 Seiten, hat nachlesen. Diese Zahlen wurden nach allen gesetzlich vorgeschriebenen Vorgaben ermittelt und sind eine zuverlässige aussagekräftige Zahlenbasis, die im Übrigen auch von den Gegnern bei der Aufzählung der Mehrbelastungen verwendet wird.
6) Die Südumgehung bringt 59 Prozent mehr Verkehr in die Burkhardsfelder Straße.
Auch dies sei falsch. Am 6. Februar hat Rolf Tobisch in einer öffentlichen Infoveranstaltung der Südumgehungsgegner in Ettingshausen gesagt, er wisse, dass die Angabe 59 Prozent falsch sei und es sich um einen Schreibfehler in den weitergegebenen Auszügen aus der Verkehrsstudie handele. Wenn Tobisch, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens wisse, dass diese Zahl falsch ist und er diese falsche Zahl dann wider besseren Wissens in der gesamten Großgemeinde publiziere, sei dies gelogen und die Bürger von Reiskirchen sollten dies auch wissen, wenn sie am 22. März beim Bürgerentscheid ihre Wahl treffen.
7) 147 Prozent mehr Fahrzeuge auf der Reiskirchener Straße
mit Zahlen könne man vortrefflich Unwissende beeinflussen. Wenn auf einer Straße ein Auto fahre und nach dem Bau der Südumgehung dann dort drei Autos fahren, so entspriche dies einer Mehrbelastung von 200 Prozent. Was bedeuten nun die 147 Prozent. Es sind genau 1.831 Autos mehr, die von und nach Hattenrod über die verbleibende Reiskirchener Straße fahren werden. Diese Autos fahren jedoch nicht durch einen Ort sondern wie im Fall von Hattenrod wenn überhaupt daran vorbei. Denn schon auf der Licher Straße in Hattenrod wird es eine erhebliche Verkehrsentlastung geben, weil die Menschen aus Ettingshausen und Harbach eben gerade nicht mehr durch Hattenrod und Burkhardsfelden fahren sondern diese die Südumgehung benutzen. Genau dies sind auch die 1831 Autos, die auf der Straße zwischen Hattenrod und dem Anschluss auf die Südumgehung (Reiskirchener Straße) dann mehr fahren werden, weil sie nicht mehr durch Hattenrod und Burkhardsfelden müssen. Der hier genannte Nachteil wird damit zum Vorteil von Hattenrod. Es gibt eine deutlich verbesserte infrastrukturelle Anbindung und man kann ohne durch Reiskirchen oder Burkhardsfelden/Oppenrod fahren zu müssen den Autobahnanschluss der A5 oder Gießen auf kürzestem Weg erreichen.
8) Mehrbelastung der Hauptstraße (Burkhardsfelden).
Es ist richtig, auf der Hauptstraße in Burkhardsfelden werden 270 Autos je Richtung mehr fahren, weil die Burkhardsfelder selbst die Auffahrt auf die Südumgehung benutzen werden, wenn sie etwa auf die A5 oder zum Einkaufen wollen. Dem entgegen verschweigen die Gegner jedoch, dass es auf der Wasserstraße über 1000 Autos weniger werden, was im selben Verkehrsgutachten steht aus dem die 22 Prozent Mehrbelastung stammt. Die 22 Prozent glaubt man folglich, wenn man die Zahl veröffentlicht. Die weit höhere Entlastung der Wasserstraße wird jedoch angezweifelt, bestritten oder wie hier sogar verschwiegen. Dabei bedeutet diese Zahl für Burkhardsfelden: rund 1000 Autos weniger am Spielplatz und über 1000 Autos weniger am Kindergarten, der ebenfalls an der Wasserstraße liegt.
9) Die UVS weist die Nordumgehung (Variante Ib) als die beste Lösung für Reiskirchen und Lindenstruth aus.
Warum hier plötzlich die Variante Ib genannt wird und nicht die Variante Ia, die die Initiatoren auf dem Bild darüber abgebildet haben und jetzt erneut diskutieren wollen ist offensichtlich. Da die Südumgehung in der UVS besser war als die Variante Ia nimmt man mal eben die Variante Ib, die aber gar nicht zur Diskussion steht. Unwissende werden hier für dumm verkauft, weil diese den Unterschied der Trassenvariante Ia und Ib gar nicht kennen. Es wird hier so getan, als sei die Variante Ib, die auf dem Bild dargestellte Variante. Dies nennt sich Vorspiegelung falscher Tatsachen was gemeinhin als Betrug bezeichnet wird.
10) Die angepriesene Bahn-Tunnel-Lösung.
Jeder weiß, dass ein Tunnel immense Kosten verursacht, die der Bund nicht bezahlen wird und auch gar nicht bezahlen darf, weil für den Bundesfernstraßenplan ein Kosten-Nutzen Verhältnis ermittelt wird. Nach diesem Kosten-Nutzen Verhältnis wird entschieden, welche Straßen in die Stufe „Planung“ und welche in die Stufe „vordringlicher Bedarf, finanzierbar“ kommen. Bei den Kosten eines Tunnels fällt die Ortsumgehung in die Stufe Planung zurück, was nicht bedeutet, dass man diese weiterplant sondern, dass man in etwa zehn Jahren erneut prüft, ob sie geplant werden soll. Dies wäre dann der Schritt zurück in die Jahre 1964 bis 1984, in der die große Südumgehung (ab Oppenrod mit zusätzlicher Autobahnuntertunnelung) im Bundesfernstraßenplan immer nur die Stufe „Planung“ erreichte, weil sie zu teuer war und daher nie realisiert wurde. Dies ist genau das, was die Gegner wollen. Es soll alles so bleiben und am liebsten überhaupt keine Umgehung gebaut werden.
11) Eine andere Lösung sei kurzfristig zu haben.
Diese Aussage gleicht mehr einem Märchen als einer ernstzunehmenden Wahrheit. Sämtliche Pläne (Raumordnungsplan, Flächennutzungsplan, Bundesfernstraßenplan) müssen neu erstellt werden. Dies hat seit dem Beschluss für die Südumgehung 1991 bis heute 18 Jahre gedauert. Selbst mit Beschleunigungsverfahren wären diese Pläne in der notwendigen Gründlichkeit nicht unter zehn bis 15 Jahren zu erstellen und aufeinander abzustimmen.

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Kommentare zum Beitrag

7
Stefan Fink aus Reiskirchen schrieb am 12.03.2009 um 20:33 Uhr
Also treffender kann man doch die Wahrheit nicht schreiben. Endlich mal jemand, der das "kleine Lügenblättchen" der Nulllösungsbefürworter, sprich der Naturfreunde Josollertal und Bündnis Grüne, richtig stellt. Wer dem halbwaren Flyer glauben schenkt, der verschenkt auch die Möglichkeit auf ein schöneres Reiskirchen!!
Gehen Sie also bitte am 22.03. zum Bürgerentscheid und stimmen mit NEIN, damit eine zügige Realisierung der Südumgehung stattfinden kann. Gruss aus dem Zentrum Reiskirchens
Michael Ranft
211
Michael Ranft aus Reiskirchen schrieb am 13.03.2009 um 14:36 Uhr
Wer sich die Mühe gemacht hat, die Bürgerversammlung in Reiskirchen zu besuchen, konnte anhand der Darstellung der anwesenden Experten feststellen, dass die Argumente gegen den Bau der Südumgehung alle samt nicht haltbar sind und jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren.

Bei der Abwägung der beiden Varianten stellte sich die Südumgehung als die sinnvollste und ökologischste heraus, entgegen den Behauptungen der Initiatoren des Bürgerbegehrens, die den Ausbau mit allen Mitteln verhindern wollen.

Für die Entwicklung der Gemeinde Reiskirchen wäre es schädlich und unverantwortlich, wenn die Südvariante nicht gebaut werden würde. Die Planung einer anderen Variante, wie z. B. der Nordumgehung, würde wieder mindestens 20 Jahren dauern und hätte erhebliche Nachteile für die Gemeinde Reiskirchen und damit für die Bürger.
742
D. Theiß aus Lich schrieb am 15.03.2009 um 10:32 Uhr
Das schlimme an der Sache ist eigentlich, dass die Gegner der Südumgehung allesamt reine Egoisten sind, alles unter dem Deckmäntelchen des angeblichen Naturschutzes tun.
Das aber gleichzeitig MENSCHEN welche direkt an der B 49 wohnen durch die andauernde Lärm, und Umweltbelastung leiden, das ist den Gegnern der Südumgehung scheinbar egal, die Hauptsache ist doch man ist in aller Munde und kann sich Selbstdarstellen.
Wenn diese Personen Charakter hätten dann würden Sie mit den Anwohnern der B49 doch einfach mal die Wohnung im Hochsommer tauschen und danach könnten Sie wenn Sie es dann noch wollten, ihre Grundstücke mit den Betroffenen tauschen und so hätten Sie Gelegenheit das ganze Tag für Tag Live zu erleben.
Da könnte man dann sagen Jawohl den Personen war uns ist es Ernst da hätte man auch Respekt vor diesen Personen, aber so kann man nur über diese Personen lachen und man darf doch hoffentlich hoffen dass der Mündige Bürger der Großgemeinde Reiskirchen den Widerständlern am 22.03.09 eine deutliche Absage erteilt.
PS:. Die mit Farbe beschmierten Ballen die man zurzeit überall in der Landschaft sieht das ist Naturschutz Pur oder????????????
Ansonsten kann ich meinen Vorkommentatoren inhaltlich nur zustimmen.
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