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Die beste KiTa der Welt

Reiskirchen | Heute wird immer wieder diskutiert, ob KiTas nun gut oder schlecht seien, ob Eltern, die ihre Kinder "abgeben" nun Rabeneltern sind oder ihre Kinder fördern... das veranlasste mich mal, mir ein paar Gedanken über meine eigene Kindheit und Jugend zu machen.

Ich wuchs in Lindenstruth auf, einem kleinen Ort mit damals rund 500 Einwohnern, einer eigenen Grundschule, die Klassen ab der 5. waren schon in die "Mittelpunktschule" in Reiskirchen ausgelagert.

Wie damals üblich, war meine Mutter zu hause, die einen Großeltern mit im Haus, die anderen Großeltern im Dorf.

Ab ungefähr 3 Jahren trafen wir uns zunächst mit Nachbarskindern, machten schon kleinere selbständige Ausflüge in die Nachbarschaft. Noch vor der Einschulung wuselten wir in Gruppen ("Banden" genannt) durch das ganze Dorf.

Bald erkundeten wir auch die weitere Umgebung , die umliegenden Wälder, Felder, Sümpfe und Steinbrüche.

Wir turnten als Kinder durch alle Scheunen, halfen auf dem einen oder anderen Bauernhof mit, machten unsere ersten Sprengstofferfahrungen mit WKII Munitionsresten vom ehemaligen Feldflughafen Ettingshausen und
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mit Spraydosen und Verdünner-Resten auf der lokalen Müllkippe, bauten uns Hüttchen im Wald, rauchten heimlich, gingen schwarz angeln, klauten Kirschen auf dem Kirschberg, führten Bandenkriege mit vielen blauen Flecken, lernten bei alledem den Umgang mit Tieren, Technik, Handwerk, Landwirtschaft und Sozialverhalten und die Regeln für das faire Kämpfen.

Als wir älter waren, kauften wir den Bauern die alten WKII Motorräder, die wir als Kinder schon entdeckt hatten, aus ihren Scheunen und Hühnerställen für ein Bier und 10 Mark ab und fuhren damit ohne Führerschein durch die Gegend. Mopped fährt schließlich mit Benzin und ned mit Führerschein. Wo im Wald nachts ohne Licht oben der helle Streifen war musste unten der Weg sein... na ja... meistens zumindest...

Und unseren Zeltcamps (ohne Erwachsene natürlich) in den Ferien auf dem Kirschberg, im Steinbruch oder zwischen den Hecken am Burgwald sind heute noch eine tolle Erinnerung.

Bei alledem hatten die meisten Erwachsenen im Dorf immer ein halbes Auge auf uns, damit wir es nicht gar so doll trieben und wenn doch und wir uns erwischen ließen, dann gab es auch mal eine schmerzhafte Gedächtnisstütze... aber da mussten wir schon arg über die Stränge schlagen. Meist wurden wir von den Erwachsenen mit einer Art milder Nachsicht behandelt "...sind doch Kinder..." zumindest so lange wir nicht ihre Sachen zerstörten und alle über unsere Streiche lachen konnten.

Und außer den erwähnten blauen Flecken, ein paar Verrenkungen und Prellungen, Abschürfungen, blutigen Knien und Händen und einem gebrochenen Schlüsselbein ist bei diesen oft nicht ungefährlichen Aktivitäten nie was ernsthaftes passiert... ganz ohne alles mit Sicherheitsbestimmungen zu regulieren.

Eine bessere 24/7-KiTa gibt es einfach nicht!

p.s.: Das hier oft gebrauchte "wir" ist eine Gruppe von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Jungs und auch manche Mädels. deren Mitglieder im Laufe der Zeit immer mal wieder wechselten, je nach Alter und den aktuellen Interessen und natürlich den jeweiligen Freundschafts- und Bandenkonstellationen

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Kommentare zum Beitrag

Nicole Freeman
7.225
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 15.01.2013 um 07:33 Uhr
im kindergarten festigten sich die kleinen gruppen und wurden eine grosse gegen das nachbardorf ;-) schoen war die zeit. aber ohne kindergarten waere es doch auch langweilig gewesen. im haus mindestens 3 generationen und alle im dorf hatten einen im auge. gemerkt hat man das wenn es einen leichten rueffel vom uropa gab. mit dem nachsatz lass dich doch einfach nicht erwischen.
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 15.01.2013 um 08:22 Uhr
:-D
Später ging es dann ab und zu nach Lich... Klopperei garantiert :-D

Irgendwann mit Arbeitsaufnahme und Heiraten lief dann alles auseinander.
Birgit Hofmann-Scharf
9.624
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 15.01.2013 um 08:41 Uhr
Die Großfamilie / Dorfgemeinschaft war ohne Frage die beste KiTa -
gibt es aber leider kaum noch.
Hinzu kommt, Kirschklau, Schwarzangeln, Waldhütte bauen etc.
sind heute strafbare Handlungen, wird heute gleich kriminalisiert.

Aber unbedingt lieber die KiTa, als als Einzelkind von der geliebten Mama zu Hause erzogen ( "durch Betreuungsgeld ja nun wieder ermöglicht ")
Peter Herold
24.447
Peter Herold aus Gießen schrieb am 15.01.2013 um 09:40 Uhr
Also bis auf den Abschnitt mit den Motorrädern und dass meine Jugend 5 - 7 ausgebomt in Ulm auf einem Dorf im Allgäu stattfand, dann in den reichlich Trümmerresten in meiner Geburtsstadt Ulm wo ich dann die Grundschule bis zur 4, dann Gymnasium bis zur 5. besuchte mit anschließender Lehre. In der Lehre dann mein schwerer Mopedunfall, fast deckungsgleich mit Ihrem Beitrag Frau Schepp.
Zum Umgang mit Wehrmachtsmunition. Mein Onkel damals 14 bis 15 wir anderen Jungs 5 - 7 hatten in einer Kiesgrube reichlich Munition bis zu Handgranaten gefunden. Damit trieben wir gefährlichen Unsinn. Nichts passiert, da musste oben im Himmel wohl einer Überstunden gemacht haben.

Heute würde man sagen no risk no fun. Es war eine schöne Zeit, die wesentlich dazu beitrug, dass wir ein soziales Verhalten in unserer "Bande" lernten. Durch den Wegzug aus Ulm und wechselnde Klassen ;-( habe ich leider fast allen Kontakt verloren. Weiß aber, dass bis auf meinen Busenfreund alle ihren Weg gemacht haben.
Karl-Ludwig Büttel
3.216
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 15.01.2013 um 12:14 Uhr
Sehr gut Frau Schepp, so war es auch bei mir. Es gab noch keinen Kindergarten aber eine bestens funktionierende Dorfgemeinschaft. In dieser konnten wir Kinder uns bestens entwickeln. Schaden hat auch keiner genommen bis auf die üblichgen Blesuren. Mit unseren Banden ging es gegen das Nachbarort Trais-Horloff. Heute gehen unsere Kinder dort in den Kindergarten.
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