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Winterheimat

Reiskirchen | Teil 6/6
Zu guter Letzt hatte sie auch noch viele Geschichten aus ihrem Leben erzählt, was auf großes Interesse gestoßen war. Sie fühlte sich hier fast wie zuhause. Doch nun forderte die Müdigkeit ihren Tribut. Sie war jetzt seit fast 36 Stunden auf.

Nantosvelta richtete das Wort an sie: "Soll ich Dich wieder zurück bringen nach hause?"

Johanna schaute erschrocken zu ihr. "Nicht dass Du mich nach Tir na n'Og bringst..."

"Keine Angst, wir begleiten Dich dass Du sicher zu hause ankommst" warf Epona ein

"Es bleibt vorher noch etwas zu tun" Taranis richtete sich auf seinem Stuhl auf. "Du wirst alles vergessen was Du hier gesehen und erlebt hast aber als Gastgeschenk hast Du einen Wunsch frei, den wir Dir soweit als möglich erfüllen werden. Schönheit, Reichtum, Berühmtheit ist alles kein Problem. Mit Unsterblichkeit wäre ich sehr vorsichtig, menschliche Unsterbliche tendieren nach ein paar Jahrhunderten zu schweren Depressionen"

"Das kommt jetzt sehr plötzlich" Johanna überlegte, doch dann huschte ein Lächeln über ihr Gesicht.

"Ich weiß jetzt was ich mir wünsche!" eine freudige Erwartung hatte alle Müdigkeit vertrieben.

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Winter (560)wilde (1)
"Nun was hast Du Dir so schnell ausgewählt?" Taranis schmunzelte in Erwartung eines der üblichen Menschenwünsche.

"Ich wünsche mir, dass ich die Begegnung mit Euch, den Ritt und diesen Besuch hier niemals in meinem Leben vergesse und so in Erinnerung behalte."

"Hm... da müssen wir uns was überlegen, damit Du Dich später nicht um Kopf und Kragen redest." Steile Falten zeigten sich auf Taranis' Stirn. "Wir müssten verhindern, dass Du mir jemandem darüber redest oder schreibst."

"Das ist mir egal, so lange ich nur die Erinnerung an diesen fantastischen Tag behalte!"

"Was haltet ihr davon?" fragte Epona in die Runde. Zustimmendes Nicken und Gemurmel antworteten ihr.

"Dann sei es so!" Epona ergriff über den Tisch hinweg Johannas Hände und schaute ihr in die Augen. Johanna spürte ein leichtes Prickeln, dann kehrte die Müdigkeit zurück.

"Lass uns gehen!" Epona stand auf und mit ihr Morrigan, Nantosvelta, Brigantia und Meduana. Auch Johanna stand auf und ging um die Tafel herum. Das Mädchen eilte herbei und brachte ihre Jacke.

Die vier Frauen stellten sich um Johanna herum wie eine Eskorte.

"Nicht mit dem Pferd?" fragend blickte Johanna in die Runde.

"Nein, dazu bist Du jetzt zu müde und es gibt einen direkteren Weg" antwortete Epona. Sie gingen durch eine Tür, die Johanna vorher noch garnicht aufgefallen war.

Nach einer Gangbiegung standen sie vor einer weiteren Tür die sich wie von Geisterhand öffnete. Dahinter sah Johanna den vertrauten Anblick ihrer Wohnung. Hell erleuchtet.

"Damit Du Dich immer daran erinnern kannst, dass es kein Traum war!" Nantosvelta reichte ihr einen Muff aus dem gleichen Pelz wie ihr Umhang gewesen war. Innen und an den Seiten das seidigweiche Fell und auf der Außenseite reich bestickt.

"Wenn Du jetzt hier durch gehst, dann mache erst fünf Schritte auf der anderen Seite, bevor Du dich umdrehst." riet ihr Epona. Wie ein Spalier standen die 4 Frauen jetzt.

Johanna wäre gerne noch geblieben doch ihre Wohnung und damit ihr Bett und Schlaf waren zu verlockend. Sie blickte die Frauen an und alle lächelten ihr zu. Sie trat an die Türschwelle und ging weiter.

1.... 2.... 3.... 4.... 5.... sie drehte sich um doch außer ihrer normalen Flurtüre war nichts zu sehen. Auch hinter der Tür war nur der leere nächtliche Hausflur.

Erst einmal schlafen dachte sie.

Der nächste Tag fand sie nur langsam erwachend. War alles nur ein schöner, spannender Traum gewesen? Da spürte sie ein Kitzeln am Handgelenk. Eine Hand steckte noch in dem Muff.

Ein feines Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht, ein Lächeln, das nie mehr vergehen sollte.

Nach der wilden Jagd hielt sie nicht mehr Ausschau.

Epilog

Viele, viele Jahre später klingelte es an Johannas Tür. Es war spät in dieser langen Mittwinternacht. Mühsam erhob sich Johanna aus ihrem Sessel. Sie war eindeutig nicht mehr die Jüngste.

Als sie die Haustüre aufmachte sah sie ein vertrautes Gesicht.

"Nantosvelta..." sie wusste was das bedeutete. "Ist es jetzt soweit?"

"Ja, es ist soweit" Nantosvelta streckte die Hand aus und sie gingen los. Hinter ihnen fiel die Tür ins Schloss, die Lichter in der Wohnung verlöschten.

Aller Schmerz fiel von Johanna ab, die Last des Alters, ihr Rücken richtete sich auf. Elastischen Schrittes trat sie Hand in Hand mit Nantosvelta aus der Haustüre. Schnee knirschte unter ihren Füßen aber sie spürte die Kälte nicht.

"Los!" juchzte Nantosvelta. Sie rannten los... immer schneller bis die Umgebung vor ihren Augen verwischte.

...

Johannas Enkelin fand ihre Großmutter am nächsten Morgen in ihrem Sessel mit für immer geschlossenen Augen und einem seeligen Lächeln auf dem Gesicht. Beide Hände steckten in einem Muff aus Pelz, den sie noch nie bei ihrer Großmutter gesehen hatte.

--- The end ---

Ich bedanke mich für den freundlichen Zuspruch, den ich von vielen Seiten erhalten habe!

Mehr würde eindeutig den Rahmen einer Kurzgeschichte sprengen und auch einer größeren Vorbereitung bedürfen als nur einfach so in die Tastatur zu tippen.

Vielen Dank auch für die Inspirationen von Brigantia, Lugh, Ogmios, Raimund Karl, Taliesin, Marion Zimmer Bradleys Darkover, W.G., Piers Anthony, Jörn, Irina, Aengus und dem Celtic Café

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Kommentare zum Beitrag

Karl-Ludwig Büttel
3.215
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 14.12.2012 um 14:19 Uhr
Ein riesen Kompliment. Schade das es eine Kurzgeschichte ist. Machen Sie weiter so und denken Sie vielleicht auch an eine Druckausgabe....
Vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
Birgit Hofmann-Scharf
9.624
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 14.12.2012 um 18:55 Uhr
Ovationen von mir - ganz besonders schön geschrieben.
Welche Begabung !!!

Ja, ich finde auch, evtl. drucken lassen ;-) ,
evtl. meeeehr.

VIELEN DANK
Ingrid Wittich
18.892
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 14.12.2012 um 19:42 Uhr
Ach, war das schön.
Nicole Freeman
7.209
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 14.12.2012 um 22:34 Uhr
danke fuer die tolle geschichte. ueber einen druck sollten sie wirklich nachdenken. einfach super gemacht .
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 15.12.2012 um 00:39 Uhr
Danke für die Blumen! Freut mich natürlich sehr dass die Geschichte gefallen hat.

Mehr solche Geschichten gibt es auf Pen&Paper Rollenspieltagen oder -abenden, wo ich als Spielleiterin Abenteuergeschichten spinne und meine Spieler mit in die Geschichte hinein nehme und sie die Geschichte mit gestalten können.

Meine bevorzugten P&P Spielwelten sind Castle Falkenstein als Fantasy-Welt mit Elben und Zwergen, Drachen und Magie und Private Eye als ganz und gar an der Realität orientiertes Detektiv-Rollenspiel zu Zeiten eines Sherlock Holmes
Birgit Hofmann-Scharf
9.624
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 15.12.2012 um 19:57 Uhr
Liebe Autorin,
ich möchte gerne noch erwähnen, was für mich der schönste Passus Ihrer phantastisch brillanten Geschichte ist:
das mit dem freiem Wunsch, weder Reichtum noch Berühmtheit wünschte sich die Dame, sondern die Erinnerung an einen einzigartigen Tag.
Genial ! Das hat mir seeehr gut gefallen :-)
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 15.12.2012 um 20:42 Uhr
Ich bin der Meinung, dass Reichtum und Schönheit nicht alles sind. Zwischen reich und alles vergessen auf der einen und so eine fantastische Erinnerung zu haben auf der anderen Seite, würde ich mich vermutlich auch eher für die Erinnerung entscheiden.
Peter Herold
24.438
Peter Herold aus Gießen schrieb am 04.03.2013 um 08:33 Uhr
Den Epilog finde ich besonders schön. Auch für mich persönlich würde ich es mir so wünschen
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von:  Ulrike J. Schepp

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Interessensgebiet: Reiskirchen
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