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Gewaltexzesse bei der Räumung des Occupy Camps in Frankfurt

beschädigte Kamera
beschädigte Kamera
Reiskirchen | Frankfurt ...gab es gestern keine! Alles lief bis auf ein wenig Wasserfarbe ganz entspannt ab.

Nachdem Dienstag Abend die Konzernsicherheitsabteilung meines Arbeitgebers die Schließung des Silvertowers (ehem. Dresdener Bank Turm) ab 12 Uhr verfügt hatte, begab ich mich gestern nur mit der Kameratasche zur Arbeit um nach der Arbeit ein wenig auf Bilderjagd zu gehen.

Alle gerichtlichen Einsprüche gegen das Verbot der Aktionen der Blockupy-Bewegung waren vom Landes-Verwaltungsgericht Hessen letztendlich abgewiesen worden. Damit verfügt worden war auch die Schaffung einer Sicherheits-Sperrzone rund um die Europäische Zentralbank anlässlich der Sitzung des EU-Zentralbankrates.

Auch das schon seit Monaten bestehende Protestcamp der Occupy-Bewegung wurde geräumt. Die Camp-Bewohner leisteten lediglich passiven, gewaltfreien Widerstand. Einige von ihnen hatten sich in ein Plastik-Planschbecken voller Wasserfarbe zurück gezogen und bespritzten von dort aus die Polizisten und auch Presse-Vertreter.

Gemäß Angaben der Polizei wurden insgesamt 13 Festnahmen durchgeführt.

Insgesamt sind an diesem Wochenende mehr als 5000 Polizeibeamte aus allen Bundesländern zusammen gezogen worden um die gerichtlich angeordneten Verbote und Maßnahmen in und um Frankfurt durchzusetzen.

Mehr über...
Occupy (10)EZB (17)Blockupy (11)
Mehrere befragte Polizeibeamte äußerten die Hoffnung, die Gewaltfreiheit möge doch das ganze Wochenende über Bestand haben!

Trotz allem haben an der Taunusanlage und im Bankenviertel gelegene Firmen und Geldinstitute Vorbereitungen auf Ausschreitungen getroffen und z.B. ihre Ladenfenster mit Sperrholz und Spanplatten verbarrikadiert.

@alle unsere anderen Freizeitreporter der GZ:

Nachdem ich es leid war, mich immer lang und breit erklären zu müssen, warum ich Pressearbeit mache und keinen Presseausweis habe, habe ich mir einen besorgt (es muss ja kein deutscher Presseausweis sein!!!). Nach Vorzeigen dieses Ausweises war es gestern überhaupt kein Problem, durch Polizeisperren durchgelassen zu werden, direkt an Orte des Geschehens zu gelangen und mich allgemein ziemlich frei zu bewegen.

Für hektischere Umstände habe ich mir für wenige Euro auch noch eine Warnweste mit der Aufschrift "PRESSE" besorgt.

Ein Presseausweis ist kein offizielles oder gar behördliches Dokument. Die Anerkennung eines Presseausweises ist einzig und allein Sache desjenigen
Aufmarsch
Aufmarsch
der ihn anerkennen will. Die meisten Menschen und auch Behördenvertreter kennen keinen Unterschied zwischen einem Presseausweis eines deutschen Journalistenverbandes, für den man mindestenes 50 Prozent seines Einkommens aus Pressearbeit nachweisen muss und den Presseausweisen anderer oder internationaler Presseverbände oder sonstiger ausgebenden Stellen. Hauptsache es steht "Presseausweis" drauf, er hat ein Passfoto vom Inhaber drauf und ist unterschrieben.

Für den kleinen Ausflug zum Platz vor der EZB war der Ausweis jedenfalls sehr nützlich.

Die Beschädigung von Kamera-Equipment der Fernsehberichterstatter zeigt aber auch, dass man sich als Hobbyreporter vielleicht doch nicht gar zu weit vor wagen sollte - die Fernsehkameras werden von den Bildagenturen oder Fernsehsendern ersetzt, beschädigtes Equipment von Hobbyreportern wird von niemand ersetzt...

beschädigte Kamera
Aufmarsch
Presse"camp" vor dem Occupy-Camp
easy going - so entspannt wünscht man sich als Polizist und Bürger eine Strassensperre
vor der EZB
Groß Reinemachen nach der Räumung
Abmarsch
luftiger Zeltplatz
Schutzmaßnahmen
vernaget

Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 17.05.2012 um 11:43 Uhr
Danke für den interessanten Bericht. Ich aber muss sagen ich finde diese Hetzt gegen die friedlichen Akteure des Camps und aller anderen Blockupy-Aktivisten in den kapitalistischen Mainstreamedien, die versuchen diese zu kriminalisieren und von den eigentlich mehr als berechtigten Zielen abzulenken unerträglich! Die Verbote sind rein politisch motiviert, weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf. Nämlich öffentliche Diskussion und Protest über und gegen diese neoliberale Gesellschaftsmodell des Finanzmarktkapitalismus. Die Nazis von der NPD mit ihren menschenverachtenden Ideologie lässt man allwöchentlich dank entsprechend freundlicher Rechtsprechung und massiver Polizeiunterstützung laufen, während Gegner der herrschenden Zustände massiv kriminalisiert werden und ihnen die angeblich so hohen Grundrechte (vgl. die Gerichtsurteile zu Nazi-Aufmärschen) wie Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht verwehrt werden.
Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 17.05.2012 um 11:44 Uhr
Danke für den interessanten Bericht. Ich aber muss sagen ich finde diese Hetzt gegen die friedlichen Akteure des Camps und aller anderen Blockupy-Aktivisten in den kapitalistischen Mainstreamedien, die versuchen diese zu kriminalisieren und von den eigentlich mehr als berechtigten Zielen abzulenken unerträglich! Die Verbote sind rein politisch motiviert, weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf. Nämlich öffentliche Diskussion und Protest über und gegen diese neoliberale Gesellschaftsmodell des Finanzmarktkapitalismus. Die Nazis von der NPD mit ihren menschenverachtenden Ideologie lässt man allwöchentlich dank entsprechend freundlicher Rechtsprechung und massiver Polizeiunterstützung laufen, während Gegner der herrschenden Zustände massiv kriminalisiert werden und ihnen die angeblich so hohen Grundrechte (vgl. die Gerichtsurteile zu Nazi-Aufmärschen) wie Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht verwehrt werden.
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 17.05.2012 um 11:57 Uhr
So ähnlich sehe ich das auch - wobei ich mittlerweile die Nazis bei der hohen Durchseuchung mit V-Leuten schon fast als "Hilfstruppen des Innenministeriums" ansehe.

Die Festnahmen ergaben sich wohl aus der Sachlage, dass das Bespritzen von Polizisten mit Wasserfarbe als "Widerstand gegen Polizeibeamte" angesehen wurde. Sonst lief alles sehr friedlich ab.

Allerdings muss ich auch sagen, wenn ich die Personen aus dem Camp so sehe, dann traue ich keinem von diesen die Lösung aller Probleme des Neokapitalismus zu, geschweige denn die Etablierung und Umsetzung eines neuen "gerechten" Gesellschaftsmodells.

Im Gegensatz zum Tahrir-Platz in Kairo versammelt(e) sich vor der EZB nicht die junge geistige Elite...
Antje Amstein
5.961
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 17.05.2012 um 12:15 Uhr
danke für die gute Pressearbeit!

Die 81 Uniformen sind wieder sauber und die befreundeten Polizisten aus Niedersachsen können wieder teilnehmen!
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 17.05.2012 um 12:21 Uhr
Na ja, besser solche Kindereien mit Wasserfarbe als Stahlkugeln in der Zwille
Stefan Walther
3.934
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.05.2012 um 12:36 Uhr
Mit Ihrem Kommentar haben Sie eine sehr gute Frage aufgeworfen Frau Schepp! Dies geht ja mittlerweile fast unter = "was wollen die Demonstranten überhaupt, was sind das für Menschen, die in diesem Camp ausharren, usw."?
Bei allem Verständnis für den Protest, nur habe ich den Eindruck, dass viele gar nicht wissen für welches Ziel sie eigentlich streiten ( sollen ). Es ist ja zur Zeit schon fast "in" kapitalismuskritische Äußerungen zu machen, das reicht mittlerweile bis zu Vertretern der bürgerlichen Parteien, die dann selbst für die Aufrechterhaltung des Kapitalismus Politik machen....
So richtig ernst kann ich da vieles nicht nehmen, "die Macht der Banken / des Finanzkapitals einschränken", das unterschreibt fast jede(r) ohne mit der Wimper zu zucken..... nur, ist das kapitalismuskritisch? ist das nicht allenfalls eine etwas "bessere" SPD-Politik ohne jegliche Folgen für die Herrschenden?
Wenn man den Kapitalismus kritisiert, dann muss man auch Antworten darauf geben ( können ) was man denn anstelle des Kapitalismus will, sonst bleibt es halbherzig, ggf. eine spontane Bewegung.... ohne Strategie und Konsequenzen.... und wo ist eigentlich der Hauptgegner der Kapitalisten, die Arbeiterschaft???
Martin Wagner
2.107
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 17.05.2012 um 19:16 Uhr
Herr Walther, ihr Frage "wo bleibt die Arbeiterschaft?" kann ich ihnen nicht beantworten.

Aber vielleicht hilft etwas, was ich Frau Schepp in einen anderen Beitrag vor ein paar Tagen glaubte schreiben zu müssen: Wenn die Gewerkschaften von der Partei der Arbeiterverräter nicht mehr beherrscht wird, dann sind sie sicher auch bei dem Kampf gegen das Kapital dabei.

Denn das ist doch die inoffizielle Aufgabe des Apparates, die Arbeiter von diesem absolut notwendigen Kampf durch vielerlei Geschwaffel und Tricks abzuhalten.

Herr Walther, was die Einschätzung der Frankfurter Demonsranten betrifft, wär ich etwas geduldiger. Sicherlich "wird im Moment dieses Schwein durch das Dorf getrieben" (sprich ist es hipp oder modern ...) aber das heisst doch lange nicht, dass daraus sich Nichts entwickeln kann ... (zugeben hier steht bewusst ein "kann" und nicht ein "muss").
Bernhard Kröger
377
Bernhard Kröger aus Gießen schrieb am 17.05.2012 um 20:47 Uhr
Livestream dabei sein!
Diese Möglichkeit gibt's bei Facebook. Bitte dort meinen Namen eingeben.

Bis demnächst. Vielleicht sieht man sich Samstag ((< : !
Stefan Walther
3.934
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.05.2012 um 22:34 Uhr
Frage evt. falsch verstanden / ausgelegt Martin?
Ich meinte "...und wo ist eigentlich der Hauptgegner der Kapitalisten, die Arbeiterschaft.. JETZT in Frankfurt? Warum sehen sie in der überwältigenden Mehrheit diese Form des Protestes vielleicht nicht als "ihren" Kampf gegen das Kapital an? Darüber muss man auch nachdenken wenn man die führende Rolle der Arbeiterschaft ernst nimmt!

Damit wollte ich keineswegs ausdrücken, dass die Arbeiterschaft nicht den Kampf gegen das Kapital ( auch derzeit! ) führen würde! Das Gegenteil ist der Fall, weltweit wehren sich die Arbeiter gegen Sparmaßnahmen, Arbeitsplatzvernichtung, Lohnraub, Werksschliessungen usw., ob in Griechenland, der Türkei, in Spanien.... oder auch die Opelaner in Bochum oder Rüsselsheim usw. Ja, darüber erfährt man sehr wenig, diese Kämpfe treffen auch viel mehr den Nerv des Machtgefüges des Kapitals, dies soll ja nicht Schule machen....
wer sich trotzdem informieren möchte, wer trotzdem wissen will wo und wie gerade die Arbeiterschaft kämpft, der/die kann sich z.B. täglich unter dem Newsletter von = http://www.labournet.de
auf dem laufenden halten....
Oliver Egginger
298
Oliver Egginger aus Gießen schrieb am 17.05.2012 um 22:55 Uhr
Hallo Stefan!

> Es ist ja zur Zeit schon fast "in" kapitalismuskritische Äußerungen zu
> machen, das reicht mittlerweile bis zu Vertretern der bürgerlichen
> Parteien, die dann selbst für die Aufrechterhaltung des Kapitalismus
> Politik machen....

Ich weiß nicht wieso, aber diese Occupy-Leute erinnern mich irgendwie an die Piraten.

Ach lebten wir doch nur im Kapitalismus! Im Sinne einer marktwirtschaftlichen Geldordnung. Ich habe gerade eine 10 Euro-Schein in der Hand. Da steht "EZB" drauf. Was heisst denn das?

Das einzige kapitalistische (d.h. freie) Währungssystem, das ich kenne, nennt sich "Bitcoin". Aber das ist derzeit nur eine Nischenwährung für Nerds:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1547682#/beitrag/video/1547682/Burger%2C-Bier-und-Bitcoins

Das Euro-System dagegen, mit seinen vielfältigen "Wachstumsprogrammen" und "Rettungsschirmen", ist doch wohl eher hiermit vergleichbar:
http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/329478_weltspiegel/8428002_china-eine-geisterstadt-als-wirtschaftliches

Ich würde das als "Staatskapitalismus" bezeichnen. Freie Marktwirtschaft ist dagegen etwas komplett anderes. Leider werfen das die Menschen immer durcheinander und rufen nach noch mehr Staat. Aber unser ganzes Geld ist bereits staatlich. Schaut mal auf die Scheine drauf! Kapitalismus sähe so aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Free_Banking

Wann immer der Staat ins Bankensystem eingegriffen hat, endete das in einer Katastrophe. Heute sind die Eingriffe so vielfältig, dass diesen Gordischen Knoten niemand mehr zu entwirren vermag. Die Geld und Schuldenlawine rollt. Niemand kann sie mehr aufhalten.

Langfristig helfen nur freie Komplementärwährungen, die irgendwann unser jetziges System nach und nach ablösen. Das ist meine ehrliche Meinung. Wenn der Staat weiterhin an seinem Geldmonopol klebt, werden unsere Nachfahren wohl wieder Zigaretten tauschen, oder vielleicht Bitcoins. ;-)
Antje Amstein
5.961
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 17.05.2012 um 23:06 Uhr
Wir haben schon eine neue Währung! MINUTO – ZEITGUTSCHEINE Ein neues Zahlungsmittel, selbst geschöpft und für alle Regionen
http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/64263/minuto-zeitgutscheine-ein-neues-zahlungsmittel-selbst-geschoepft-und-fuer-alle-regionen/
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 18.05.2012 um 00:35 Uhr
@Martin Wagner: Die Gewerkschaften sind doch längst Teil des Systems -spätestens seit sie in Aufsichtsräten von Firmen sitzen... die werden den Teufel tun gegen den Kapitalismus zu kämpfen... höchstens um die Höhe der eigenen Bezüge und Incentives...
Stefan Walther
3.934
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.05.2012 um 11:06 Uhr
@ Frau Schepp = warum gehen Sie nicht auf die differenzierte Betrachtung von Martin Wagner ( und mir ) bezüglich der Gewerkschaften ein? Brauchen wir keine Gewerkschaften? Wie würde es ohne Gewerkschaften aussehen? Ist es nicht richtig, dass gefordert wird, die Gewerkschaften wieder zu Kampforganisationen zu machen? Spielen Sie nicht in letzter Konsequenz mit Ihrer Argumentation den Kapitalisten in die Karten? Allein ist der Arbeiter nichts, organisiert ist die Arbeiterschaft eine Macht!?
Es ist schon lange her, aber grundsätzlich hat sich an der Richtigkeit dieser Aussage nichts geändert = "Nicht in den reaktionären Gewerkschaften arbeiten heißt, die ungenügend entwickelten oder rückständigen Arbeitermassen dem Einfluss der reaktionären Führer, der Agenten der Bourgeoisie, der Arbeiteraristokratie oder der verbürgerten Arbeiter zu überlassen" ( Zitat Friedrich Engels, aus einem Brief an Karl Marx 1858 )

@ Oliver = ja, sicher leben wir nicht mehr im Kapitalismus der freien Konkurrenz ( was für den Arbeiter aber auch Massenverelendung bedeutete! ), wir leben heute im staatsmonopolistischen Kapitalismus, indem das Finanzkapital die alleinherrschende Macht darstellt, Wirtschaft und Politik sind verflochten, das System ist morsch und verfault, Kapital wird milliardenfach vernichtet, die Umwelt rücksichtslos zerstört, die internationale Konkurrenz der Monopole ist mörderisch, die Krisenlasten ( die nächste Krise steht schon vor der Haustür ) werden auf die Volksmassen abgewälzt, Kriege um Rohstoffe und Transportwege geführt usw. usw. = das ist das wahre Gesicht des Kapitalismus, Profitstreben um JEDEN Preis!
Der Staat? = der Staat ist der Überbau, der Staat ist immer der Staat der Herrschenden, also ist es auch z.B. völlig logisch, dass gerade die Unternehmen nach ( ihrem ) dem Staat schreien wenn es um Subventionen und Hilfe geht, da sind sich ihre Handlanger, die bürgerlichen Parteien, auch relativ einig, mal mehr, mal weniger, mal die Branche, mal jene, aber grundsätzlich in der Richtung immer!
Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 18.05.2012 um 11:13 Uhr
Stefan, Du hast recht, mit dem was Du schreibst. Auch ich bin gegen Regionalwährungen und was da so alles von manchen als Ausweg immer wieder mal postuliert wird. Ebenso bin auch ich gegen den freien Kapitalismus. Für mich gilt, erst wenn der Mensch wieder vor dem Profit steht, dann kann es erst für Alle besser werden. Daher sollten wir alle gemeinsam Kämpfen, egal wer in welcher Organisation ist.
Bernd Zeun
9.536
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 18.05.2012 um 11:26 Uhr
Schöner Bericht von einer "akkredidierten" Reporterin (mein Ehrgeiz geht allerdings nicht so weit, dass ich mir einen Presseausweis besorgen möchte).

@Stefan: Ist es eigentlich noch zeitgemäß von Arbeiterschaft zu sprechen oder benutzt du den Begriff als Synonym für Arbeitnehmer? Selbst die Rentenversicherung macht ja keinen Unterschied mehr zwischen Arbeitern und Angestellten. Das Verhältnis Arbeiter / Angestellte hat sich in den letzten 50 Jahren von 70 / 30 % auf etwa 50 / 50 % verändert http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter und wenn man die Beamten dazu nimmt sind die "klassischen" Arbeiter inzwischen in der Minderheit. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Mehrzahl der sowohl Arbeiter wie Angestellten immer noch lieber ins Fußballstadion geht, als auf eine Demo.
Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 18.05.2012 um 11:30 Uhr
Bernd, an Deinen Aussagen ist was dran, sowohl was die Anteile der einzelnen Gruppen als leider auch Deinen letzten Satz betrifft. Gerade da muss sich endlich was ändern, aber das ist nicht sehr einfach.
Stefan Walther
3.934
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.05.2012 um 11:53 Uhr
Was ist dran an den Aussagen von Bernd?
- das Industrieproletariat wächst(!) weltweit, allein in der Automobilindustrie von ca. 7,88 Millionen im Jahr 2000 auf ca. 9,14 Millionen im Jahr 2010, dazu kommen noch die Millionen Arbeiter der Zuliefererbetriebe usw.
- die Taktik " wir reden jetzt mal hier und da von Angestellten, wir machen auch keinen Unterschied mehr ( z.B. in der Rentenversicherung ) zwischen den Arbeit"nehmern"...., die ändert rein gar nichts daran, dass es die Unterschiede natürlich nach wie vor gibt!
- das heißt doch nicht, dass die Interessen dadurch unterschiedliche sind
- warum ist es trotzdem wichtig, die unterschiedlichen Schichten zu benennen, zu kennen? Es hat sich auch hier nichts geändert = vor allem die millionenfache Industriearbeiterschaft sitzt am entscheidenden Hebel, sie hat die Macht etwas zu verändern....
- erst informieren, dann urteilen :-)), du kennst dich aus Bernd, mit den auch aktuellen Kämpfen der Arbeiterschaft? Fussball gehört dazu, logisch, das muss dem Arbeiter auch gegönnt sein! Genauso wie er ins Fussballstadion geht, genauso gehen zur Zeit zehntausende Metaller auf die Strasse, streiken ( zum Teil selbständig ) für höhere Löhne und gegen Arbeitsverdichtung usw.
- warum sie nicht massenweise bei den Demos der occupy-Aktivisten zu finden sind, das wäre zu analysieren, richtig. Aber nicht unter dem Motto "das interessiert die Arbeiterschaft nicht", sondern "geht es da überhaupt in erster Linie um die Interessen der Arbeiterschaft", oder warum ist dies kein "Magnet" für die abhängig Beschäftigten ( um es mal allgemein auszudrücken :-))
742
D. Theiß aus Lich schrieb am 18.05.2012 um 18:47 Uhr
Zu einer Demo zu gehen und mitzumachen ist eines, wenn da nicht die Kopfkranken wären, die eine Sinnvolle Demo dazu benützen um ihre geistige Disqualifizierung zu zeigen und Randale machen.
Zu meiner Jugendzeit gab es schon die so genannten Ostermärsche die waren nicht halb so gewaltträchtig wie Heute.
Ich bin der festen Meinung dass sich viel mehr Menschen an einer Demo beteiligen würden wenn es nicht das oben genannte Problem geben würde und ich persönlich habe keine Lust in meinem Alter wegen irgendwelchen ... auf einer Polizeiwache zu übernachten.
Bernhard Kröger
377
Bernhard Kröger aus Gießen schrieb am 18.05.2012 um 18:56 Uhr
Das muss man keineswegs, aber es ist nun mal so, dass Großveranstaltungen - seien es Demos, Sportveranstaltungen wie Fußballspiele etc. - gern von Randalierern (manchmal sogar eigens angestiftet) missbraucht werden, um sich auszutoben und/oder das gute Anliegen der Veranstalter und Teilnehmer in Misskredit zu bringen. Was wäre dieses Land ohne Versammlungsfreiheit? Lassen Sie uns dieses grundgesetzlich verbürgte demokratische Grundrecht gemeinsam mit allen Gutwilligen entschlossen verteidigen. Bei Strafe des Untergangs dieser BRD mit ihren noch vorhandenen demokratischen Entwicklungsmöglichkeiten!
Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 18.05.2012 um 19:01 Uhr
Und ich bin der Meinung, die Staatsmacht ist an der "Gewalt" nicht unschuldig. Denn - da bin ich mir sicher- der Staat (Verfassungsschutz, Polizei) verfügt über Agents Provokateur. Und ohne diese bleibe so manche Aktion 1000%ig friedlich. Aber das Ziel ist ja, alles fortschrittliche zu diskreditieren und Angst und Abschreckung zu erzeugen, damit die Bürger ja nicht noch mehr aufbegehren, sondern brav zu Hause bleiben. Auch bei Blockupy wird diese Masche wieder gefahren.

Und es würde sich mehr Menschen beteiligen, wenn sie nicht Angst vor der Staatsmacht bzw. den potentiellen gesellschaftlichen Konsequenzen einer Demoteilnahme befürchten müssten. Ich sage nur z.B. Radikalenerlass oder eben andere Kriminalisierungsversuche von friedlichen Aktionen bzw. Teilnahmen daran.

Die Ostermärsche, Herr Theiß, sie sind auch heute noch absolut friedlich. Vielleicht sollten sie mal wieder zu einem hingehen. ;-)
Antje Amstein
5.961
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 18.05.2012 um 23:11 Uhr
Na da haben wohl einige vergessen das die Ostermärsche auch nicht genehmigt waren, sogar an mancher Stelle verboten und mit Polizeischutz! Und trotzdem sind tausende maschiert und haben ihre Meinung Kund getan!
742
D. Theiß aus Lich schrieb am 19.05.2012 um 00:31 Uhr
Aber ohne verbrannte PKW...
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 19.05.2012 um 00:44 Uhr
@Stephan Walther: Ich habe mich bislang im Arbeitsleben immer selbst vertreten und bin nicht schlecht dabei gefahren.

Aber Sie haben schon Recht: Eine menge Leute können das nicht und brauchen eine Organisation wie z.B. die Gewerkschaften. Nur halte ich die Gewerkschaften in ihrer heutigen Ausprägung nicht mehr für "die Vertretung der Arbeiterklasse" sondern bestenfalls noch für die Vertreter eigener Interessen.

Nur wäre es Sache der vertretenen Arbeiterschaft, die Gewerkschaftler in Aufsichtsräten und die Gewerkschaftssekretäre mit Versorgungsmentalität endlich mal davon zu jagen und wieder eine echte Arbeitervertretung zu etablieren. Das sind meiner Meinung nach die Gewerkschaften in Deutschland nämlich schon lange nicht mehr...
Martin Wagner
2.107
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 19.05.2012 um 08:28 Uhr
Eine prima Diskussion, welche mir so manche neue Ansatzpunkte liefert. Da ich nicht auf alle Einzelheiten eingehen kann / will, greife ich mir (ungerechterweise zugegeben) einen Satz heraus, der meinen besonderen Widerspruch ausgelöst hat.

Herr Zeun schrieb:
"Das Verhältnis Arbeiter / Angestellte hat sich in den letzten 50 Jahren von 70 / 30 % auf etwa 50 / 50 % verändert http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiter und wenn man die Beamten dazu nimmt sind die "klassischen" Arbeiter inzwischen in der Minderheit."

Keine Ahnung wie gut recherchiert diese Zahlen sind. Für mich als Arbeiter heisst das aber nicht, dass damit der Arbeiter das Recht verloren hat, zu sagen "wo es lang geht".

Auch wenn Herr Walther als Vielbelesener jetzt sicher die Hände über den Kopf zusammen schlägt: Es geht doch darum, dass derjenige der die Wert schafft (und nicht nur verwaltet oder den Rahmen drumherum organisiert ...) auch die politische Macht hat. Für mich ist es nun einmal ein Unterschied, ob ich mit meinen Händen (natürlich brauche ich auch etwas Kopf dazu ...) etwas mit Hilfe von diversern Werkzeugen (welche wiederum irgendeinmal Arbeiter gemacht haben) erschaffe oder ob ich mich nur in irgendeiner Weise an der Wertschöpfung nach (!!!) der kreativen ursprünglichen Schöpfungsvorgang durch Verwaltung, Verkauf, Spekulation ...... "dranhänge".

Wir leben nicht mehr wie vor ein paar Jahrhunderten, wo der Arbeiter auch nach dem Schöpfungsvorgang noch - mehr oder weniger - Einfluss auf die Verwertung seiner Arbeit hatte (das gerade ist ja der Unterschied des Kapitalismus zu den vorherigen Wirtschaftssystemen ...). Aber genau da möchte ich wieder hin ... und dazu muss der Kapitalismus weg.

Zugegeben eine unzulässigerweise sehr verkürzte Darstellung der Realität, aber (zumindest hoffe ich das) es "kommt rüber" was für Trittbrettfahrer heutzutage die "ganze Blase" der Angestellten, Beamten, Selbständigen und natürlich die Kapitalisten sind.

Nicht falsch verstehen, wir leben in einer weltweit Handel treibenden Welt (was ja auch Fortschritt bedeutet) und brauchen ein Minimum an solchen Trittbrettfahrern. (Ich kann mir nicht vorstellen, dass z.B. der Arbeiter so nebenher auch noch die Materialbestellung mit einer Firma in einem weit weg liegenden Land am Feierabend regeln kann.)

In der Gesellschaft für die ich kämpfe, wird es diese (ich glaube Herr Walther nennt sie) Zwischenklasse nicht mehr so groß geben. Dort wird dem Produzent von Werten das ihm zustehende Mass an (ich glaube Marxisten sprechen da von) Mehrwert auch (dann endlich) zufliessen. Auch weil dieser zur Zeit zahlenmässig völlig aufgeblähter Bereich auf das unbedingt notwendige Mass zurück gefahren wird und diese Bevölkerungskreise politisch entmachtet werden.

Für mich als Arbeiter ist es schon frustierend zu sehen, dass die Anzahl der Menschen, welche mit der Verwaltung und dem Verkauf des Egebnisses "meiner Hände Arbeit" (und der Organisation aller Lebensbereiche, welche für das Arbeitsleben gebraucht werden) stark gestiegen ist. Ist doch auch kein Wunder. Die Arbeiter waren und sind politisch nicht besonders mächtig. Wohlgemerkt in der Realität (durch die jahrzehntelangen Politik der Partei der Arbeiterverräter.....). Natürlich sind sie potentiell nicht aufzuhalten (wenn sie sich einig sind ...)!

Dazu kommt noch, obwohl über die Jahrzehnte gesehen mein Lohn zwar nominell gestiegen ist, dass diese Leutchen (in der Regel viel) besser verdienen als ich. Mit welcher Begründung eigentlich. Sie erschaffen doch Nichts. Sie jagen ein paar Ideen durch ihren Kopf, beschriften Papier, "füttern" Computer ..... aber was machen sie mit ihren Händen?

Können sie mit einer Feile, einer Säge, einer Schippe .... umgehen? Viele vielleicht in ihrer Freizeit, aber einen verkaufbaren Gegenstand herzustellen dazu reicht ihre Fertigkeit oder die Ausbildung nicht.

(Ohne Scherz, ich kenne Menschen, welche so vergeistigt sind, die klopfen einen Nagel in die Wand mit der falschen Seite eines Hammers ....!)

Oder einmal anders rum die Sache betrachtet: Hätten wir nur solche Mitbürger müssten wir regelrecht verhungern, da mit Bits bespielte Computerfestplatten eben nicht essbar sind.

Gut - wie gesagt - wir Arbeiter brauchen sie. Sie sollen auch meiner Meinung nach etwas mehr Lohn bekommen. Sie haben in der Regel eine längere Ausbildungszeit und da sie in etwa ein gleichen Lebenslohn erhalten sollten müsste eben der Monatslohn ganz leicht höher sein. Die Realität sieht aber anders aus. Meine Vorgesetzten auf der Ebene der Angestellten hatten mindestens 50 Prozent mehr Geld am Ende des Monats in der Tasche.

Nicht falsch verstehen, natürlich brauchen wir Arbeiter in den Firmen die Angestellten als Mitkämpfer (und all die anderen Trittbrettfahrer in der politischen Arena in der politischen Auseinandersetzung ....), aber es sollte schon klar sein: Wir Arbeiter sagen wo es lang geht. Und nicht nur weil wir die Mehrheit in der Bevölkerung stellen, sondern weil wir als einzige Bevölkerungsgruppe Werte durch unsere Hände Arbeit schaffen. Das ist für mich die inhaltliche Begründung um den Kapitalismus zu beseitigen.

Ich sehe natürlich auch, dass dieses Wirtschaftssystem aus anderen Gründen zu verurteilen ist. Habe damit keinerlei Probleme mit all diesem Kräften - auch aus der Zwischenklasse / anderen gesellschaftlichen Schichten - zusammen zu arbeiten. Aber es sollte schon klar sein: Sturz des Schweinesystems heisst Errichtung der Arbeitermacht!
Stefan Walther
3.934
Stefan Walther aus Linden schrieb am 19.05.2012 um 10:18 Uhr
Kaum Widerspruch Martin!

warum sollte ich jetzt die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, deine Erklärungen ( zwar etwas einseitig, nicht dialektisch ) sind doch gar nicht so schlecht = ja, diejenigen die die Werte schaffen, die sollten auch die Macht haben, logisch!
und jetzt kommt ein bißchen Dialektik :-) = haben deshalb die Angestellten, die so genannten "Kopfarbeiter" andere ( zukünftige ) Interessen, sind sie Gegner der Arbeiter? Nein, sie haben auch nur eine Zukunft wenn sie sich mit den Arbeitern zusammenschliessen, auch wenn sie ein paar Brotkrumen mehr abbekommen, trotzdem müssen sie genauso ihre Arbeitskraft verkaufen und werden ausgebeutet!
der ( größte ) Unterschied ist = nur die Arbeiter haben die Macht etwas zu verändern, sie haben die Aufgabe die Zwischenschichten auf ihre Seite zu ziehen

Lehren? = eine der wichtigsten Lehren aus der Geschichte ist = Aufhebung der Trennung von Hand- und Kopfarbeit! Kontrolle der Bürokraten, die Verwaltung wird notwendig sein, Ziel muss sein, dass die Arbeiter ( nach und nach ) selbst die Verwaltung übernehmen. Keinerlei Privilegien ( das fängt mit der Bezahlung an ) für Menschen, die überwiegend in der Verwaltung tätig sein werden ( ausschliesslich in der Verwaltung, das wird es nicht geben! ) und erst recht keine für Parteimitglieder!
und dann wird auch deutlicher was Arbeitermacht bedeutet = es werden alle, außer denen, die den Arbeitern wieder die Macht entreissen wollen, Arbeiter sein, sie werden gleichzeitig Produzenten, Verwalter, Kulturschaffende, Studierende usw. usw. sein, ja, die Zwischenschichten werden nach und nach verschwinden.... bis hin dazu, dass der Staat überflüssig wird und abstirbt....
Christian Momberger
10.830
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 19.05.2012 um 14:07 Uhr
Martin, Dein Beitrag ist sehr gut zu lesen. Deine Beispiele sind köstlich. Und ich denke Du hast nicht unrecht. Daher kann ich auch Stefan eigentlich nur zustimmen.
Antje Amstein
5.961
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 20.05.2012 um 09:44 Uhr
Herr Theiß, in Gießen werden laufend Autos beschädigt, wer war das? Sind das etwa alles nur Kapitalismusgegner oder linke die so etwas tun?

Das ganze ist eine Falsche Verdächtigung!
Da wurde die Kriminalitätsstatistik falsch verstanden!
742
D. Theiß aus Lich schrieb am 20.05.2012 um 19:58 Uhr
Frau Amstein,
sie verstehen mich scheinbar, gewollt oder ungewollt verkehrt, ich bin nicht gegen die Demo, ich bin ein Gegner von dummer Gewalt und ich bin dagegen wenn sich Gewaltbereite gegen das Vermummungsverbot stellen, sie zeigen doch damit schon im Vorfeld dass sie unlautere Absichten haben, eine Bekannte von mir war auch auf der Demo und die die ist derselben Meinung.
Mit Gewalt geht nichts.
Ein Sprichwort besagt: Mit Gewalt hebt man einen Ochsen rum, aber man erreicht sonst nichts.
Stefan Walther
3.934
Stefan Walther aus Linden schrieb am 20.05.2012 um 22:35 Uhr
B.Brecht "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?"
Wollte er, will man, deshalb Gewalt verteidigen? Nein, aber man sollte schon relativieren, und nicht vor lauter Gewalt-Debatte das Anliegen der Demonstranten und die tägliche Gewalt derer die hier angeprangert werden unter den Tisch kehren:
- 30.000 Kinder verhungern täglich
- 1 Milliarde Menschen haben kein sauberes Wasser zum trinken
- der Raubbau an der Natur schreitet weltweit voran
- Spekulanten spekulieren mit allem was es gibt, sogar mit Lebensmitteln...
usw. usw.

Nichts verharmlosen, richtig, aber auch nicht Ursache mit Wirkung vertauschen!
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 21.05.2012 um 00:32 Uhr
Also da gruselt es mich schon, wenn jemand daher kommt und nur die Anerkennung der Handarbeit fordert, weil Kopfarbeit ja keine Werte schafft und jeder auch dass herstellen können muss, was er benutzt...

@Martin Wagner: Können Sie den Computer selbst herstellen, den sie zum Schreiben ihres Postings benutzt haben? Oder überhaupt einen Computer? Wenigstens theoretisch auf dem Papier? Ihrer Logik folgend dürften sie den Computer garnicht benutzen...

Können Sie die Nahrungsmittel selbst herstellen, die Sie verzehren? Wenigstens ansatzweise? Wie? nicht? warum essen Sie dann was andere Leute mit ihrer Hände Arbeit hergestellt haben?

Und auch wenn ich mein Geld mit der in Ihren Augen wertlosen Kopfarbeit herstelle, kann ich nicht nur einen Computer herstellen sondern auch Drehen, Fräsen, Schmieden, Schweine schlachten, von Hand Kühe melken, Dreschen und Säen, mit dem Kuhgespann pflügen etc etc etc und berhaupt mein gesamtes Leben mit eigener Hand bestreiten.

Glücklicherweise haben wir heute Arbeitsteilung, sodass ich das nicht muss und mir etwas mehr Zeit verbleibt um mich meinen Hobbies zu widmen... wie z.B. hier Artikel zu schreiben...

Und von wegen früher war alles besser: So negativ ich auch manche Auswüchse des Kapitalismus sehe, in die Zeit der Weberaufstände als die Gewerkschaftsbewegung begann oder in die Zeit des Mittelalterlichen Ständewesens möchte ich nicht zurück!
Antje Amstein
5.961
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 21.05.2012 um 01:24 Uhr
zum Thema Vermummungsverbot: http://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/Vermummungsverbot

Gerade das Filmen wegen befürchteter Vermummung scheint zudem nicht dazu geeignet, Straftaten zu verhindern. Vermummen sich die meisten doch gerade wegen der polizeilichen Überwachung. „Je weniger Kameras da sind, desto eher verzichten Demonstrationsteilnehmer auf Vermummung“, sagte der Demonstrationsleiter Ricardo Cristof Remmert-Fontes vom Aktionsbündnis Freiheit statt Angst. „Und leider haben wohl einzelne Kamerateams der Polizei viel mehr gefilmt, als nötig.“ Nach Auffassung des Bündnisses stellt das Vermummungsverbot an sich bereits einen schweren Eingriff in das Versammlungsrecht dar. http://www.taz.de
Karl-Ludwig Büttel
3.227
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 21.05.2012 um 15:47 Uhr
Nur wer etwas zu verbergen hat vermummt sich. Wenn ich demonstrieren will, dann stehe ich für die Sache ein und zeige mein Gesicht. Das Vermummungsverbot mit einem unserer freien Rechte in diesem Fall mit dem Recht auf Versammlung gleichzusetzen grenzt für mich an falsche Wahrnehmung der Rechte in unserer Gesellschaft. Die wahren Demonstranten verzichten sowieso auf Vermummung und sind friedlich.
Martin Wagner
2.107
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 21.05.2012 um 17:46 Uhr
Kurz zu Frau Schepp

1.
Ich bestritt nicht, dass es so etwas wie "Kopf"arbeiter geben muss. Auch ich nutze die nützlichen Dinge, welche der technische Fortschritt in den letzten Jahrhunderte geschaffen hat. Was ich nicht einsehe ist, dass die Arbeiter als (wie ich es etwas blumig formulierte) "Schöpfer" nicht das Sagen darüber haben, was aus dem von ihnen Geschaffenen im weiteren Verwertungsprozess geschieht (übrigens das ist nicht nur eine Frage der gerechten Entlohnung, sondern so kann ich mir auch sehr gut vorstellen, dass "wenn die Arbeiter weltweit an der Macht sind" die Produktion jeglicher Kriegswaffen eingestellt wird ...).

2.
Ich bleibe dabei, da Arbeiter etwas erschaffen, sollten sie berechtigt sein mehr sagen zu haben, als alle die Menschen welche nach dem Schöpfungsakt mit der Verwaltung, Vermarktung, ... des geschaffenen Produktes beschäftigt sind.

In den Parlamenten sitzen bekanntlich weit mehr Beamte, Selbständige .... usw. als sie nach dem Bevölkerungsdurchschnitt sein dürften, also Menschen welche erstmal nicht direkt mit der Produktion einbunden sind, welche aber natürlich auch (in viel kleinerer Zahl natürlich) gebraucht werden. Wer reagiert also (ich will das mal versuchen lustig zu beschreiben): Wir werden also anstatt von den Hennen von den Küken regiert.

3.
Frau Schepp sie schreiben sie möchten ihren Hobbies nachgehen. Das werden sie zeitlich gesehen viel besser machen können, wenn wir Arbeiter weltweit regieren, denn dann halbiert sich schlagartig (das ist wissenschaftlich bewiesen) die jetzige Wochenarbeitszeit. Übrigens ohne den Stand des Fortschrittes zu mindern. Denn dann sind die Kapitalisten, welche sich jetzt den größten Teil des Gewinns aus der Produktion in die Tasche stecken weg. D.h., wir Arbeiter müssen nicht mehr für irgendwelche Leutchen unseren Rücken krumm machen. Wir erhalten endlich den wahren Lohn unserer Arbeit .
Stefan Walther
3.934
Stefan Walther aus Linden schrieb am 21.05.2012 um 19:09 Uhr
Was mir hier einfach nicht in den Kopf will = wo bleibt die Empörung mancher Kommentatoren über die tägliche Gewalt - und ihren tödlichen Folgen - die weltweit von den Kapitalisten/Imperialisten ausgeht?
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 22.05.2012 um 01:45 Uhr
@Martin Wagner:

Nochmal: Auch das Organisieren der Verteilung von erzeugten (anfassbaren) Produkten ist selbst ein Produkt... und auch der selbständige Handwerker, der die Arbeit seiner Gesellen organisiert verrichtet eine Arbeit, ebenso wie der Lastwagenfahrer, der die Güter von A nach B transportiert. Sie alle erzeugen ein nicht anfassbares Produkt Dienstleistung.

Das wirklich problematische sind Personen und/oder Firmen, die ein leistungloses Einkommen aus dem Zins- und Zinseszins-System erzielen und das in einer Höhe, gegen die jede Einkommenserzielung durch Arbeit im wahrsten Sinne des Worte Peanuts sind.

Das Schüren des Konflikts der Arbeiter gegen die Selbständigen, des Handarbeiters gegen die Kopfarbeiter liegt vorzüglich in deren Interesse denn sie handeln nach dem Prinzip "Teile und herrsche"

Und warum nicht mehr Arbeiter in den Parlamenten sitzen? Na ja, es müssten sich halt mehr bereit finden, sich in Parteien zu engagieren. Noch wählt das Volk und noch kann sich jeder frei in Parteien engagieren.
Antje Amstein
5.961
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 22.05.2012 um 09:22 Uhr
Repression ist die mediale Vorverurteilung von AktivistInnen, die gegen die neoliberalen Wirtschaftspolitik eines WEFs auf die Strasse gehen wollen und denen schon Wochen vorher Gewalttätigkeit und Zerstörungswut auf die Fahnen geschrieben wird. Repression ist die Personalkontrolle im Vorfeld einer Demonstration, die einzig und allein deshalb passiert, weil mensch ‚links’ ausschaut, also vermutlich grüne Haare hat oder schwarz gekleidet ist, und die den Zweck erfüllt, den Polizeicomputer mit Daten über uns zu füttern, damit sie in 20 Jahren noch wissen, wer wann an dieser und jener Demo teilgenommen hat. Repression sind Schlagstock, Wasserwerfer, Tränengas und andere grausame Waffen, die sich die Herrschenden einfallen lassen, um sich vor ‚ChaotInnen’ oder einem rebellierenden Volk zu schützen. Repression ist die willkürliche Verhaftung auf einer Demo, egal ob zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort oder "auf frischer Tat ertappt" ( siehe 400 Jugendliche in Gießen ausgesetzt), die anschließende Schikane durch die PolizeibeamtInnen im Knast, beim Verhör, bei der erkennungsdienstlichen Behandlung.
Repression ist Macht.
Repression ist Unterdrückung.
Repression ist Einschüchterung.
Repression hat den Zweck uns Angst einzujagen, uns klein zu kriegen, uns paranoid zu machen, uns zum Aufgeben zu zwingen, uns wegzusperren, stillzuhalten, maßgeblich in unser Leben einzugreifen, es zu dominieren und zu guter Letzt unsere Gedanken zum Stillstand zu bringen.


Es ist darum wichtig, das System der polizeilichen und juristischen Arbeit zu kennen, damit Mensch sich nicht einer fremden Macht ausgesetzt fühlt, wenn Mensch sich gegen die herrschenden Verhältnisse auflehnt. Darum ist eine Auseinandersetzung mit dem, was an Repression uns allen passieren kann, ein wichtiger Teil unserer Widerstandshandlungen.
http://www.anarchismus.at/
Stefan Walther
3.934
Stefan Walther aus Linden schrieb am 22.05.2012 um 18:37 Uhr
Es gibt sie immer noch, die Anhänger von Bakunin? Zig-fach in der Geschichte widerlegt, jedesmal wenn es "drauf ankam" in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.... wo waren sie als die Bolschewiki die Revolution mit der Arbeiterklasse machten?
Der Anarchosyndikalismus und z.B. die deutsche FAU, sind das die radikalen Vertreter der Arbeiter, die den Rückhalt in der Arbeiterschaft haben? Lächerlich, "die" Massenorganisation der deutschen Arbeiter und Angestellten, das sind die DGB-Gewerkschaften, wer sich davon "scheinradikal" abwendet, radikale Sprüche klopft, von der Revolution "hier und jetzt" schwafelt, den politischen Streik als Allheilmittel des Kampfes um die Machtübernahme ansieht ( dadurch u.a. auch Tagesforderungen unterschätzt ), immer noch von der sofortigen Abschaffung des Staates träumt ... der hat, wenn man es gut mit ihm meint "nix kapiert", wenn man es schlecht mit ihm meint, dann könnte man behaupten "er führt die Arbeiter bewußt in eine Sackgasse und in vermeidbare Niederlagen"

Antje, lies mal nach bei Lenin "Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus", dort wird u.a. ( mit zahlreichen Belegen! ) mit den für die Arbeiter schädlichen Handlungen der Anarchisten abgerechnet.
Man muss sich den Erfahrungen der Geschichte stellen, den Realitäten, der absoluten Notwendigkeit der ( als Übergangsphase ) Errichtung des Staates der Arbeiterklasse ... nicht in Fantastereien verlieren, das nützt im Endeffekt nur dem Gegner.
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