Bürgerreporter berichten aus: Reiskirchen | Überall | Ort wählen...

Das Steinkistengrab von Muschenheim

Blick Richtung Norden
Blick Richtung Norden
Reiskirchen | Um letztes Wochenende das schöne Wetter noch ein wenig auszunutzen habe ich mal wieder das Steinkistengrab von Muschenheim besucht.

Etwa 30m oberhalb des Flüsschens Wetter in Richtung Wetterbergskopf findet sich dieses Megalithgrab, das ungefähr 5000 Jahre alt ist. In seiner Bauart erinnert es an Gräber, die man in Burgund gefunden hat... aber europaweiter Handel seit der Steinzeit ist ja nun bereits an vielen Stellen belegt und mit den Waren wanderten auch die Menschen und ihre Ideen quer durch Europa.

Das Grab ist aus ortsfremden Steinen gebaut, die über mehrere Kilometer von der Umgebung Münzenbergs heran geschafft wurden.

1892/93 wurde es, damals noch von Erde bedeckt, von Friedrich Kofler entdeckt und er begann mit der Freilegung. Um 1900, nachdem 100 Gespanne Erde abgefahren waren, ließ er es als Denkmal der Urgeschichte herrichten.

Dieses "Herrichten" und auch eine spätere "Rekonstruktion" von Eduard Anthes nach 1913 geschahen nicht wie heute unter sorgfältiger Beachtung wissenschaftlicher Grundsätze sondern nach den Ideen der Restaurateure, wie sie sich so "die Steinzeit" vorstellten. Durch diese Maßnahmen wurde an diesem Grab leider sehr viel herum gepfuscht, sodass es später wenig wissenschaftliche Beachtung fand, da der originale Zustand weitgehend beseitigt war.

Mehr über...
Obendrein waren die Decksteine im Laufe der Jahrtausende unter dem sie bedeckenden Erdhügel stark beschädigt und teilweise durchgebrochen.

In den Jahren 1989 bis 1998 fand die Grabanlage doch wieder die ihr gebührende wissenschaftliche Beachtung und wurde von Prof. Dr. Manfred Menke von der Universität Gießen nochmals eingehend untersucht. Auf seinen wissenschaftlichen Ergebnissen beruht die in den Jahren 2000 bis 2003 vorgenommene Restaurierung.

Eine besondere Herausforderung war die Wiederherstellung der zerbrochenen Decksteine mittels Stahldübeln und einem Spezialkleber. In 2003 war es dann so weit und ein Kran hievte die Decksteine wieder auf die Grabkammer. Auch ein vor Ort gefundener Menhir wurde neben dem Grab wieder aufgerichtet. Ursprünglich hatte er wohl die Spitze des Grabhügels als Hinweis und Wegmarke geziert.

Selbst mit modernem schweren technischen Gerät eine echte Herausforderung. Man kann nur ahnen, welche Anstrengungen unsere Altvorderen vor 5000 Jahren dort mit einfachen Rollen, Böcken, Hebeln, Seilen und Rampen vollbracht haben.

Die Anlage wird heute anscheinend wieder zu Kultzwecken von heidnischen Gruppen besucht. Leider hinterlassen sie und auch andere Besucher dort Müll, der das Erscheinungsbild verschandelt....

Da bleibt mir allen Besuchern dieses Ortes nur zu sagen:
Hinterlasst bitte nichts außer euren Fußspuren und nehmt nichts mit außer euren Eindrücken!"

Blick Richtung Norden
Blick Richtung Norden 
Blick Richtung Süden 1
Blick Richtung Süden 
Blick Richtung Nordosten
Blick Richtung Nordosten 
Der Müll vor Ort - hinterlassen von gedankenlosen Menschen
Der Müll vor Ort -... 

Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
9.624
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 18.02.2012 um 18:27 Uhr
Hallo Frau Schepp,
sehr interessant und informativ !!!
Es erfreut mich immer wieder aufs Neue, dass dieses Forum durchaus lehrreiche Berichte beinhaltet und bedanke mich bei allen, die Ihr Wissen mit uns Unwissenden etwas teilen.

Traurig die Tatsachen, dass auf Ehre und Achtung dieser historischen Denkmäler hingewiesen werden muss - notwendig, wenn man den festgehaltenen Müllhaufen sieht.
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 19.02.2012 um 12:58 Uhr
Das war die gleiche Kultur, die in England Stonehenge erbaute, auf Sizilien die Nuragen, in Irland die Portal Dolmen... Es mußten schon richtig gute Kenntnisse in der Mechanik vorhanden gewesen sein...
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Ulrike J. Schepp

von:  Ulrike J. Schepp

offline
Interessensgebiet: Reiskirchen
Ulrike J. Schepp
1.180
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
AfD-Chef Bernd Lucke: "Entartungen der Demokratie"
Im Siegestaumel, der aber noch nicht in belastbaren 5% oder mehr...
Wahlwerbung kennzeichnen?
Nachdem hier so nolens volens von manchem Bürgerreporter und all den...

Veröffentlicht in der Gruppe

Geschichte und Geschichten

Geschichte und Geschichten
Mitglieder: 22
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
Adventkalendertür Nummer 4
Heute hat das Adventkalendertürchen eine Geschichte der Brüder Grimm...
Tür Nummer 3 des Adventkalender 2016
Ein Gedicht zum eventuell lernen. Knecht Ruprecht von Theodor...

Weitere Beiträge aus der Region

Eiszeit in Gießen
Auf dem Weg in die Gießener Innenstadt machte ich heute Morgen halt...
Kalter Morgen in Reiskirchen
Ein wunderschöner,klarer und kalter Morgen begrüßte Mittelhessen und...
Das ist ja irre!
Ein Buch das gelesen werden sollte. Einer der wenigen Autoren der...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.