Bürgerreporter berichten aus: Reiskirchen | Überall | Ort wählen...

Rückbau statt Abdichten: Die Mülldeponie als Rohstofflager

Kaum zu erkennen, dass der grüne Berg eine Mülldeponie ist
Kaum zu erkennen, dass der grüne Berg eine Mülldeponie ist
Reiskirchen | Von 1972 bis 2001 war die Mülldeponie zwischen Reiskirchen und Winnerod in Betrieb. Heute erinnert nur noch ein großer gegrünter Berg direkt an der Autobahn 5 an das Potential, das dort schlummert. Um den Bürgern den Reichtum an lebensnotwendigen, aber endlichen Ressourcen, wie Kupfer und Phosphor, aufzuzeigen, lud Prof. Dr. Stefan Gäth von der Justus – Liebig – Universität zu einem Sonntagsspaziergang auf der stillgelegten Mülldeponie ein. Rund 60 Interessierte folgten dem Ruf des Professors für Abfall- und Ressourcenmanagement.
Seit der Stilllegung lagern dort rund 2,1 Milliarden Kubikmeter Abfälle, darunter Gewerbemüll, Haus- und Sperrmüll sowie Schutt und Erde. Gäth betonte die Wichtigkeit von Kupfer und Phosphor für den Menschen. Jeder Einzelner benötige rund 150 kg Phosphor in seinem Leben. Schätzungen zufolge werde aber nur noch 100 Jahre natürliches Phosphor in der Umwelt vorkommen. Auch der steigende Bedarf an Kupfer müsse kompensiert werden. Der Mensch brauche durchschnittlich 1,1 Tonnen Kupfer in seinem Leben. Da die Weltbevölkerung weiter steigen werde und die Ressourcen immer knapper, müssen
Mehr über...
andere Wege erforscht werden, um Materialien für den Bedarf der Menschen zu gewinnen. Stillgelegte Mülldeponien seien deshalb reiche Rohstofflager, mit denen die Endlichkeit der Ressourcen ein wenig hinausgezögert werden könne. Allein in Deutschland gibt es rund 500 Deponien dieser Art, die besonders reich an Metallen sind. Im Moment ist die Mülldeponie nur mit einer 1,5 Meter dicken Schicht aus Erde abgedeckt. Da von der Deponie aber immer noch Emissionen und Gefahren ausgehen, kann sie noch nicht abgedichtet werden. „Wenn die organischen Prozesse im Inneren abgeschlossen sind, kann mit der Abdichtung begonnen werden“, erklärte Gäth. Die Kosten würden bei ca. 10 Millionen Euro nur für die Abdichtung liegen. Hinzu kommt eine Nachsorgephase, die zeitlich und finanziell nicht abschätzbar ist, und ein Berg, der 200 bis 500 Jahre vorhanden sein wird. Die andere Möglichkeit ist der Rückbau der Deponie. Allein der Wert an Metallen liegt bei geschätzten 150 Millionen Euro. Zurzeit würden die Kosten für den Rückbau bei 200 Millionen Euro liegen. „Noch lohnt sich der Rückbau nicht, aber in 10 bis 20 Jahren können die Preise für Metalle gestiegen sein, so dass sich die Arbeit lohnen würde“, sagte Gäth. Bereits jetzt wird die Mülldeponie genutzt. Im Inneren arbeitet sie wie eine Biogasanlage, die Methangase produziert. Zu 90% werden die Gase genutzt und mit Hilfe eines Blockheizkraftwerkes in Strom umgewandelt. Die Aktivitäten gehen allerdings langsam zurück, so dass immer weniger Methan entsteht und weniger Strom in das Fernwärmenetz eingespeist werden kann.

Kaum zu erkennen, dass der grüne Berg eine Mülldeponie ist
Kaum zu erkennen, dass... 
Hoch oben auf der Deponie mit Blick auf die A5
Hoch oben auf der... 
Prof.Dr. Stefan Gäth erklärt vor dem Rundgang die Fakten
Prof.Dr. Stefan Gäth... 
Ein Auffangbecken für Wasser unterhalb der Deponie
Ein Auffangbecken für... 
Jede Deponie hat eine Wetterstation (im Hintergrund)
Jede Deponie hat eine... 

Kommentare zum Beitrag

Heike Nocker-Bayer
330
Heike Nocker-Bayer aus Gießen schrieb am 17.10.2011 um 20:44 Uhr
Liebe Frau Splanemann,

danke für den schönen Beitrag, den ich um einige Informationen ergänzen und aktualisieren möchte. Nicht das ich Sie schulmeistern möchte, aber ich bin persönlich in das Projekt, das an der Mülldeponie Reiskirchen entstehen soll, involviert.
Ein niedersächsisches Unternehmen wird direkt auf dem Gelände der Deponistraße eine 900kW- Biogasanlage bauen und damit auch die Problematik des nachlassenden Methangases und der Abdichtung in den Griff bekommen. Soweit ist auch schon der Kreis Giessen und die Großgemeinde Reiskirchen informiert worden.
Was den Rückbau angeht, das sogenannte urban mining, mit den wiederverwertbaren kostbaren Metallen, haben Ingenieure ausNorddeutschland ein kostengünstiges Systemverfahren entwickelt, das für Professor Dr. Gäth ganz hilfreich wäre.
Gerne kann er mich kontaktieren.
Sandra Splanemann
682
Sandra Splanemann aus Gießen schrieb am 19.10.2011 um 09:02 Uhr
Liebe Frau Bayer,
vielen Dank für die weiteren Informationen. Falls Prof. Gäth das hier nicht liest, können sie ihn bestimmt auch über seine öffentlich zugängliche email Adresse über die Uni erreichen, wenn sie das möchten. Ich denke, dass er an neuen Möglichkeiten und Verfahren interessiert sein wird.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Sandra Splanemann

von:  Sandra Splanemann

offline
Interessensgebiet: Gießen
Sandra Splanemann
682
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Dr. Undine Samuel und Dr. Daniela Watzke informieren im UKGM über lebensrettende Organspende
Organspende kann Leben retten – Infotour am Klinikum
Viele Menschen haben beim Thema Organspende immer noch Ängste und...
Aufstellen des Storchennestes auf dem Gelände der Jugendwerkstatt
Nest für Meister Adebar aufgestellt
Bereits seit einigen Jahren sind immer wieder Weißstörche im Gießener...

Weitere Beiträge aus der Region

Der Chor der Kirschbergschule (Hintergrund) und Musiker des örtlichen Musikvereins traten beim diesjährigen Weihnachtsmarkt in Reiskirchen gemeinsam auf.
Musikalische Einstimmung auf die Weihnachtszeit
Bei einem gemütlichen Weihnachtsmarkt und einem klangvollen Konzert...
Hungen, Ausbildungsort für orientalische Trainerinnen
Von April bis November 2016 waren die Clubräume des Hungener Tanzclub...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.