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„Projekt Chancengleichheit“ im Überblick Frauenbeauftragte der Justus-Liebig-Universität Gießen legt Studie vor

Autorin Dr. Irene Häderle (li.) und JLU-Frauenbeauftragte Marion Oberschelp (re.) stellen die Publikation „Projekt Chancengleichheit“ vor.
Autorin Dr. Irene Häderle (li.) und JLU-Frauenbeauftragte Marion Oberschelp (re.) stellen die Publikation „Projekt Chancengleichheit“ vor.
Reiskirchen | Vom „Pilotprojekt“ zur Querschnittsaufgabe: Vor mehr als zwei Jahrzehnten wurde Frauenförder- und Gleichstellungspolitik an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) institutionalisiert. Das Ziel, Chancengleichheit für Frauen und Männer auf allen Ebenen der Hochschule herzustellen, ist nach wie vor aktuell und gehört mehr denn je zum Selbstverständnis und zu den zentralen Aufgaben der Gießener Universität, wie JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee betont. Was als umstrittenes „Pilotprojekt“ mit der Bestellung der ersten Frauenbeauftragten an der Universität Gießen im Februar 1989 begann, hat sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem wichtigen Handlungsfeld entwickelt, das als Querschnittsaufgabe auf allen Leitungsebenen der Universität verankert ist.



Eine spannende Darstellung der Geschichte dieses Politikfeldes an der JLU liegt jetzt mit einer im Auftrag der JLU-Frauenbeauftragten Marion Oberschelp verfassten Studie vor: Irene Häderle, Projekt Chancengleichheit. Zur Geschichte der institutionalisierten Frauenförder- und Gleichstellungspolitik an der Justus-Liebig-Universität Gießen 1989 bis 2010.

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In seinem Grußwort wünscht Prof. Mukherjee dem Buch eine „breite Leserschaft“ und betont: „Gerade in der heutigen Zeit, in der sich aufgrund der Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) immer mehr Personengruppen – auch und gerade in der Wissenschaft – mit der Gleichstellungspolitik der JLU vertraut machen und eigene Ideen dazu entwickeln müssen (etwa im Rahmen von Verbund-projektanträgen und Begutachtungen), kann dieser Band eine wichtige Orientierungshilfe bieten.“



„Die Studie habe ich 2009 anlässlich des 20. Jahrestags der Bestellung der ersten Frauenbeauftragten an der JLU in Auftrag gegeben“, sagt die Frauenbeauftragte. Im Vorwort erläutert sie ihre Beweggründe näher: „Meine Absicht war es, einen allgemein verständlichen Überblick über die Entwicklungslinien und Inhalte der Frauenförder- und Gleichstellungspolitik an der JLU vorzulegen, um auch Personen ohne Vorkenntnisse einen Zugang zu diesem komplexen Politikbereich zu ermöglichen.“ Und sie fügt hinzu: „Natürlich ist es auch eine Gesamtschau all unserer Arbeit und der Leistungen der Gießener Universität auf diesem Gebiet“.



Der Weg von den Anfängen der institutionalisierten Frauenförderung bis zur heutigen Gleichstellungspolitik war keine geradlinige Erfolgsgeschichte, sondern auch von Rückschritten und Stagnation geprägt. Die Autorin Dr. Irene Häderle, Historikerin mit Schwerpunkt Frauen- und Geschlechtergeschichte und wissenschaftliche Mitarbeiterin der JLU-Frauenbeauftragten, zeichnet diesen Weg nach. Sie beschreibt die sich wandelnden Ansätze und Instrumente der Frauenförder- und Gleichstellungspolitik vor dem Hintergrund staatlicher Initiativen und Gesetzgebungen, zeigt kritisch Probleme und Erfolge bei deren Umsetzung an der Universität Gießen auf und führt der Leserin/dem Leser die unterschiedlichen Rollen der beteiligten Akteurinnen und Akteure vor Augen. „Frauenförderung und Gleichstellung haben sich von den Forderungen der autonomen Frauenbewegung der 1970er und 1980er Jahre zu einem etablierten institutionalisierten Aufgabenfeld der Hochschulen entwickelt. Mir war es als Historikerin wichtig, die Chronologie der Ereignisse darzustellen, aber auch, sie zu interpretieren, so dass die wichtigsten Entwicklungsstränge in ihrer Bedeutung verständlich werden“ erläutert Dr. Häderle.


Die Rückschau beginnt mit den noch stark von der autonomen Frauenbewegung geprägten Jahren, die zur Bestellung der ersten Frauenbeauftragten führten (1985 bis 1989) und beschreibt die Zeit einer sehr lebendigen und recht gemeinschaftlich angegangenen Frauenförderpolitik an der JLU vor dem Inkrafttreten des Hessischen Gleichberechtigungsgesetzes (1989 bis 1993). Es folgen die Phase der Professionalisierung der Frauenförder- und Gleichstellungspolitik in den 1990er Jahren (1994 bis 2000), die Zeit der Hochschulreformen und ihre Auswirkungen (2001 bis 2006) sowie die letzten drei bis vier Jahre (2007 bis 2010), in denen Frauenförder- und Gleichstellungspolitik auch an der JLU mit veränderten Inhalten und Strategien neue Aktualität und Brisanz erreicht.



Die zeithistorische Darstellung wird durch Interviews mit drei Personen, die maßgeblich an dem Erfolg von Frauenförderung an der Universität Gießen beteiligt waren, ergänzt: der ehemalige Präsident der JLU, Prof. em. Dr. Heinz Bauer, die zentrale Frauenbeauftragte Marion Oberschelp und die ehemalige zentrale Frauenbeauftragte Gerda Weigel-Greilich.

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