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Die Kelten - 6. Himmel, Erde und Unterwelt

Rekonstruierter Glauberg Grabhügel
Rekonstruierter Glauberg Grabhügel
Reiskirchen | Um die kleine Reihe über die Kelten abzurunden, hier noch ein kleiner Exkurs zum Aufbau der spirituellen Welt.

Wie immer gibt es wenige Belege, aus dem kontientalkeltischen noch weniger als aus dem inselkeltischen Bereich. Also müssen wir dort ein paar Anleihen nehmen, die insularen Besonderheiten heraus nehmen und auf die guten Nachrichtenverbindungen hoffen, die quer durch ganz Europa Informations- und Kulturaustausch möglich gemacht haben.

Die keltische "Anderwelt", wie sie auch genannt wird, war gedacht als eine Parallelwelt zur physischen Welt. Die Grenze zwischen den Welten ist mal dicker und mal dünner, besonders dünn ist sie aber zu den Festen "Samhain" (Ende Oktober, Allerheiligen, Allerseelen) und "Beltane" (1. Mai, Walpurgis). Zu diesen Zeiten ist auch der Austausch zwischen den Welten möglich. Hier berichten Sagen, dass sich Menschen die sich verirrten auch schon mal in der Anderwelt herauskamen und dort nur eine Nacht verbrachten, auf der Erde aber mittlerweile 300 Jahre vergangen waren.

Man kann auch bei uns noch Anklänge in alten Volksbräuchen finden. Ausdrücklich ausnehmen möchte hier die importierten "Halloween-Bräuche", die zwar ihre Wurzeln bei den keltischstämmigen irischen Auswanderern nach Amerika haben, aber in ihrer heutigen Form so gut wie gar nichts mit alten hiesigen Bräuchen zu tun haben.

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Kelten (30)
Wie ist war diese Anderwelt nun in den Augen der Kelten aufgebaut?

Ich beziehe mich im Folgenden vorwiegend auf einen Text von Searles O'Dubhain der dieses Thema hervorragend aufbereitet und auch grafisch dargestellt hat. Es ist nochmals zu betonen, dass auch dies eine Herleitung ist, die aus dem Zusammentragen und Ergänzen vieler anderer Texte entstanden ist. Es gibt keine originär keltische Beschreibung der spirituellen Welt die bis heute erhalten geblieben wäre.

Der Himmel
Neben den im Teil 5 schon behandelten dort heimischen himmlischen Göttern war der Himmel auch Synonym für den sehr abstrakten "Geist der Zukunft" und stand für das was noch kommen würde. Er stand auch für Sonne, Mond und Sterne und all die vielen Himmelserscheinungen, für die die Menschen damals noch keine Erklärung hatten. Im Griechischen wäre die Entsprechung der Olymp, der ja auch spirituell viel mehr als nur ein Berg war.

In der bildlichen Vorstellung war der Himmel auch "Die große Ebene" die in verschiedene Bereiche eingeteilt war:

Die Ebene des weißen Silbers stand für Licht und Hoffnung und Güte. Hier ließe sich am ehesten noch eine Verbindung zum christlichen "Paradies" finden. Allerdings nicht statisch sondern dynamsch auf die Zukunft ausgerichtet. Auch für den Begriff "strahlende Zukunft" ließen sich hier wohl Anleihen nehmen.
Die Ebene der Freude Heimat von Inspiration und Kreativität. Sie war direkt auf die Zukunft ausgerichtet. Um neues zu schaffen musste man Inspirationen haben und kreativ sein. Hier wurden Ideen geboren.
Die Ebene der Wunder Durch göttliches und menschliches Wirken wurden hier Wunder vollbracht. Dies war der Bereich des Unvorstellbaren. Hier wurde von Menschen Magie gewirkt.
Die alte Ebene Sie war dem Ursprung und der Weisheit gewidmet. Hier schloß sich der Kreis, dass die Zukunft auch wieder auf die eigene Vergangenheit zeigt. Dass es Weisheit braucht um in die Zukunft zu gehen. Dass man sich seiner Vergangenheit bewußt sein muss, um eine authentische Zukunft aufzubauen.

Die Mittelwelt
Sie war das spirituelle Gegenstück zu der physischen Welt in der die Kelten lebten. Sie repräsentierte die Erde und den "Geist der Gegenwart". Ihre Einteilung erfolgte in Himmelsrichtungen. Die Zuordnungen hatten viel mit den Dingen des alltäglichen Lebens zu tun.

Der Osten Dieser war Wohlstand und Veränderungen gewidmet.
Der Süden war der Musik und Dichtkunst gewidmet.
Der Westen war dem Wissen, der Wissenschaft und der Magie gewidmet. Die Magie galt damals noch als Wissenschaft.
Der Norden war der Schlacht und der Enstschlossenheit gewidmet. Es war halt eine Kriegergesellschaft.

Die Unterwelt
Sie war bei den Inselkelten "Das Land unter dem Meer", für die kontinentalen Kelten dürfte das wohl am ehesten in der Unterwelt der Griechen, dem Hades, gehabt haben. Es war das reich der Höhlen und unterirdischen Flüsse. Die christliche Hölle taugt nur sehr begrenzt als Vergleich.
In der Unterwelt ist auch der "Geist der Vergangenheit" beheimatet.

Tir na n'og, Das Land der ewigen Jugend Beinahe würde ich sagen "Bekannt aus Presse, Funk und Fernsehen". Hier her kommen zunächst alle Toten. Hier werden alle ihre Verletzungen geheilt, hier sind alle wieder jung und niemand muss hungern. In manchen Sagen ist nachzulesen, dass dort auch möglicherweise ein ewig andauerndes Festgelage gefeiert wird.
Tir na m'beo, Das Land der Ewigkeit und der Überlieferungen Hier werden alle Geschichten die jemals auf der Erde erzählt wurden gesammelt und aufbewahrt. In wichtiger Ort in einer Gesellschaft, die den größten teil ihres Wissens mündlich überliefert.
Tir na m'ban, Das Land der Frauen Wenn sie schon im Leben keine großen Freiheiten genossen, hier hatten sie eine Ecke der Unterwelt ganz für sich allein. Diese war der Schönheit und dem Vergnügen gewidmet. Posthumer Feminismus?
Tir fo Thuinn, Das Land von Furcht und Ausblick Dies war bei den Inselkelten das Land unmittelbar unter den Wellen - möglicherweise geprägt durch Erlebnisse von Seeleuten, die ertranken und "ihr Leben vor sich ablaufen" sahen.

Es lagen der Mythologie Irlands zufolge auch noch vier Städte in der Anderwelt: Falias im Norden, Gorias im Osten, Finias im Süden, und Murias im Westen, in denen mythische Gegenstände aufbewahrt wurden. Der Königsstein in Falias, das Schwert des Lugh in Gorias, der Speer des Lugh in Finias und der Kessel des Dagda in Murias. Eine kontinentalkeltische Entsprechung dazu ist nicht bekannt.

Schluss
Nach diesem sechsten Teil möchte ich die Mini-Serie über die Kelten und ihre Mythologie beenden. Vielen werden die Namen die hier oder in den verlinkten englischen Texten genannt wurden aus vielen Filmen und Romanen bekannt sein. Ja die keltische Mythologie ist ein unerschöpflicher Topf voll von Anregungen und Ideen, die von Romanschreibern und Drehbuchautoren nur zu gerne durchstöbert und genutzt werden. Seien es nun Klassiker wie Tolkien und seiner Mittelerde wie auch Schreiber der Neuzeit wie Herr Cameron, der in seinem Monumentalfilm "Titanic" eine Mutter in herzerweichender Weise die Geschichte der "Kinder des Lyr", die nach Tir na n'og gelangen, ihren Kindern erzählen lässt... alle bedienen sich gerne aus diesem Schatz.

Viele andere Dinge werden auch den Lesern durchaus bekannt vorkommen - vieles hat sich auch bei uns noch unterschwellig in Volksbräuchen über viele Jahrtausende erhalten. meist ist es im Laufe der zeit bis fast zur Unkenntlichkeit abgewandelt worden und doch blinkt die Vergangenheit hie und da uns recht hell entgegen.

Ich hoffe es war für die Leser unterhaltsam. Ich habe versucht, nicht immer nur die reine Wissenschaft in den Vordergrund zu stellen sondern auch die eigene Interpretation mit einzuflechten. Nach allem was ich bislang über die Kelten gelernt habe, waren sie ein überaus praktisches Volk und auch eines das gerne feierte und die eigenen Taten pries...

So unterschiedlich von uns waren sie eigentlich garnicht... oder?

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von:  Ulrike J. Schepp

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