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Die Kelten - 1. Aus dem Dunkel der Geschichte

Keltentor am Dünsberg
Keltentor am Dünsberg
Reiskirchen | Nachdem die Germanen weitgehend als Identifikation ausgedient haben, seit sie von den Nationalsozialisten für einen (historisch falschen) Ahnenkult vereinnahmt wurden, sind in der letzten Zeit zunehmend die Kelten als Identifikationsvolk in den Blickpunkt gerückt. Hier soll in mehreren Artikeln ein wenig erhellt werden, was die Kelten waren und wie sie lebten.

Wer waren die Kelten eigentlich?

Die ersten schriftlichen Belege über die Kelten stammen aus griechischer Zeit. Da wurden Völker an der nördlichen Peripherie des griechischen Einflussbereiches als "Keltoi" benannt und als kriegerische Völker beschrieben. Auch die aus den Briefen des Apostel Paulus kurz nach der Zeitenwende bekannten Galater in Zentralanatolien waren keltische Volksstämme, die dort eingewandert waren, ebenso wie die Ibero-Kelten auf der iberischen Halbinsel, deren Traditionen teilweise bis heute fortbestehen.

Die Kelten waren also über ganz Mitteleuropa und Vorderasien verbreitet. Sie lebten allerdings nicht in einem zusammenhängenden Staatsgebilde sondern in einer Unzahl von Stämmen und Fürstentümern, zu denen
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Kelten (30)
auch das Fürstentum des "Keltenfürsten vom Glauberg" gehört haben mag, das ca. 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung (v.u.Z.) existiert hat ebenso wie die Siedlung (Oppidum) am Dünsberg, das in den vergangenen Jahren ausgegraben wurde, das im 1. Jh. v.u.Z. aufgegeben wurde.

Zusammengehalten - und damit für uns identifizierbar - wurden die keltischen Völker durch ihre Kultur, durch Kunsthandwerk und durch ihre Sprache. Ihre Gewandverschlüsse - Fibeln genannt - und ihr Kunsthandwerk mit seiner Symbolik zeigen starken Austausch und auch Handel quer durch ganz Europa und eines der berühmtesten Stücke, Der Kessel von Gundestrup wurde sogar in Dänemark gefunden.

Wo kamen die Kelten her?

Die Kelten, so wie sie heute identifiziert werden, tauchen etwa um 1000 v.u.Z. im Bereich des heutigen Tschechien und Süddeutschland auf. Hier begünstigten fruchtbare Ebenen und das metallreiche Erzgebirge und die Alpen die technische und kulturelle Entwicklung, die sich dann durch Wanderungen aber vor allem auch durch Handel und den damit verbundenen Austausch von Informationen nach und nach weiter verbreitete.

Zu Zeiten des Glaubergfürsten, ca. 500 Jahre v.u.Z, waren
Relief der keltischen Göttin Epona
Relief der keltischen Göttin Epona
sie schon über ganz Mittel- und Westeuropa, vom Don bis an die Küsten des Atlantiks und von den Alpen bis zu den Mittelgebirgen verbreitet. In historischer Zeit wanderten dann einige Stämme noch in Norditalien und in die Zentraltürkei ein. Auch gab es verschiedene Auswanderungswellen auf die britischen Inseln, wo sie zu Beginn der Bronzezeit die Megalithleute, die Erbauer von Stonehenge, ablösten.

Entgegen mancher Darstellungen auf Karten war das Siedlungsgebiet nicht scharf abgegrenzt, es lief keine Linie durch das Gelände wo beispielsweise auf der einen Seite Germanen und auf der anderen Seite Kelten siedelten.

Die Fundlage der Archäologen ergibt, dass vor der Zeitenwende in Süddeutschland eher vorwiegend keltische Stämme daheim waren, zwischen Main und dem Nordrand der Mittelgebirge lebten Kelten und Germanen in unterschiedlichen Mischungen miteinander und erst in der norddeutschen Tiefebene ist ein vorwiegend germanischer Bevölkerungsanteil zu erkennen. Hier in Mittelhessen sind wir also mitten im Mischgebiet.

Siedlungsentwicklung

Durch die beginnende Expansion des römischen Reiches ab ca. 100 v.u.Z. kamen die Kelten von Süden her unter Druck. Gleichzeitig versuchten auch Germanenstämme aus Norden und Osten in den keltischen Siedlungsraum einzudringen. Dies führte dazu, dass große Teile der Kelten romanisiert wurden und andere bis auf die britischen Inseln auswichen, also quasi zwischen den beiden damals bestehenden Machtblöcken "herausgequetscht" wurden.

In Mittelhessen endete die keltische Epoche mit der Umsiedelung der Ubier vom Dünsberg, dem nördlichen Taunus und dem Westerwald nach Köln, früher Oppidum Ubiorum, später Colonia Agrippensis. Dies fand durch den römischen Statthalter Marcus Vipsanius Agrippa etwa 39/38 v.u.Z. statt. Dies war sicher kein punktuelles Ereignis sondern zog sich über einen längeren Zeitraum hin.

Woher wir das alles wissen und wie die Kelten so lebten, dass soll Inhalt der nächsten Artikel sein.

Keltentor am Dünsberg
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Relief der keltischen Göttin Epona
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Kommentare zum Beitrag

Hugo Gerhardt
6.681
Hugo Gerhardt aus Gießen schrieb am 27.01.2011 um 15:00 Uhr
Sehr schöner Bericht aus längst vergangenen Zeiten. Danke, hat mich sehr gefreut.
Hallo Lieber Leser
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von:  Ulrike J. Schepp

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Ulrike J. Schepp
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