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Klaus Lowitz – Surfer, Christ, Familienmensch

Klaus Lowitz mit Surfbrett, Foto und Teleskop. (Foto: privat)
Klaus Lowitz mit Surfbrett, Foto und Teleskop. (Foto: privat)
Reiskirchen | Man muss schon sehr, sehr genau hinhören, um zu erkennen, dass er kein „waschechter“ Mittelhesse ist. Klingt das „R“ ein wenig zu „gerollt“? Tatsächlich; Klaus Lowitz stammt nicht aus Ettingshausen; dort wohnt er seit zehn Jahren und es gefällt ihm in seiner Wahlheimat. Davor gab es in seinem Leben viele andere Stationen. Geboren wurde der 37-Jährige als Angehöriger der Deutschen Minderheit in Rumänien. Dort hat er Kindheit und Jugend verbracht und ging in Arad aufs Gymnasium. Dann kam die erste große Veränderung in seinem Leben: Der Ausreiseantrag der Eltern wurde bewilligt und plötzlich findet sich der 17-Jährige in Ingolstadt wieder. Fern der Heimat und in einem eigentlich fremden Land. Er hat sich aber an der Ingolstädter Fachoberschule durchgebissen, gar nicht so einfach, denn in Rumänien war Französisch die erste Fremdsprache und nun wurde er mit Englisch konfrontiert. Seine Grundkenntnisse reichten da nicht, aber ein Lehrer hat ihn unterstützt. Ihm ist er heute noch dankbar. Gesagt hat er das dem Pädagogen noch nie, aber vielleicht trifft er ihn ja doch mal in Ingolstadt, schließlich besucht der amilienmensch regelmäßig seine Eltern und die Großmutter. Nach dem Fachabitur wechselt er erneut seinen Standort: Er geht nach
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München. In der bayerischen Landeshauptstadt hat er nicht nur sein Ingenieurs-Studium und Master abgeschlossen, sondern auch seine Frau kennengelernt. Und damit ist die Verbindung zu Ettingshausen hergestellt, denn sie stammt aus Mittelhessen. Sie heiraten und ziehen nach Ettingshausen in ihre alte Heimat. Der Empfang im Ort sei herzlich gewesen. Obwohl der Sprung von der Großstadt München nach Mittelhessen nicht so einfach gewesen sei; manchmal vermisse er das große kulturelle Angebot Münchens, aber die Nähe zu Gießen – was ihm übrigens durch die GZ erst näher gekommen sei - und Frankfurt mache das wett. Doch noch wichtiger: In Ettingshausen habe sich, im Gegensatz zur Münchner Großstadteinsamkeit, inzwischen ein wunderbarer Freundeskreis gebildet – alles Menschen, die er mag, die sich auf ihn verlassen können und auf die er zählt. Dazu gehört auch seine Frau, die genau betrachtet inzwischen seine Exfrau ist. Die Ehe hat zwar nicht gehalten, aber es ist den beiden gelungen, aus der Trennung keinen Rosenkrieg zu machen. „Wenn das Scheidung ist, dann hätte ich das auch gern!“ hat mal ein Freund geflachst, als Lowitz mit Tochter und Exfrau zum Feuerwehrfest gegangen ist, einträchtig und fröhlich.
Mit Tochter Lara startet der begeisterte Surfer auch immer wieder grandiose Urlaubsreisen, die eine nicht nur in Deutschland weit verbreitete engstirnige, eurozentrische Weltsicht bei der 10-Jährigen erst gar nicht aufkommen lassen. Die beiden haben in Japan einen Freund besucht und sind begeistert in die asiatische Kultur eingetaucht. Auf Hawaii ist er auch eingetaucht, aber diesmal waren es Riesenwellen. Gemeinsam mit einem Freund ist er 2008 dorthin geflogen,
ohne vorher jemals gesurft zu haben. Aber er war sich sicher, dass das „sein Ding ist“. Recht hat er behalten; seit dem ist er ein leidenschaftlicher Surfer, dieses Lebensgefühl habe schließlich schon vorher in ihm gesteckt. Es gebe eine hohe Affinität zu Wasser, Wind und Wellen. Doch er hat auch Respekt davor. Es habe zwei kritische Momente in seinem Surferleben gegeben. Manchmal sei er eben zu draufgängerisch und da sei ein solcher „Weckruf“ ganz gut.
Übrigens, in einer der Situationen war er weit raus geschwommen, um Fotos zu machen. Für ein gutes Bild riskiert er manches, Fotografieren gehört zu seinen großen Leidenschaften und wenn er sich für etwas begeistere, dann gehe er „in die Vollen“. Das sieht man auch an den Beiträgen, die er als Bürgerreporter bei der GZ einstellt. Die Bilder sind so brillant, dass sie immer wieder viele Kommentare erhalten und in der Printausgabe auftauchen. Eine Art „Best of“ seiner Bilder findet sich übrigens an den Wänden der GZ-
Geschäftsstelle. Wenn er nicht gerade surft oder fotografiert, liest er vielleicht; Eco, Coelho, Saint-Exupery oder blättert in einer Gedichtsammlung. Plötzlich rezitiert er die „Mondnacht“ und bedauert, dass Gedichte auswendiglernen so aus der Mode gekommen ist. Ihn begeistert die Schönheit der Sprache, er erfreut sich an Storm, Grillparzer und Eichendorffs wunderbarer Dichtung. In dieser Tradition steht auch seine Liebe zur Natur. Er ist gern draußen und – guckt in die Sterne. Mit seinem Teleskop wandert er ins Weltall. Dann denkt über
„die unendlichen Weiten“ nach und ist ganz fasziniert. Erzählt er von seinen Ausflügen ins All, wird er euphorisch: „Da sieht man ganz deutlich die Saturnringe, selbst einzelne Krater auf dem Mond sind zu erkennen!“ Ihm ist natürlich klar, dass das eine wirtschaflich schwierige Forderung ist, doch er ist fordert, dass das All weiter erforscht wird. Nun spricht wieder der Ingenieur: „“Die Entwicklung muss weiter gehen! Aber viele Staaten geben dafür im Moment einfach kein Geld aus.“ Dann denkt er einen Augenblick nach und grinst: „Na, vielleicht China.“
Und was macht den Menschen Klaus Lowitz noch aus? Er ist gläubig, geht regelmäßig in den Gottesdienst in Laubach, ist hoffnungslos dem Optimismus verfallen, einer, der Erfolgsgeschichten mag und dessen zweites zu Hause das Internet ist. Ein Fußballfan, ein Hobbygriller, ein politisch Interessierter. Außerdem ist er begeisterter Vater, der die Zeit mit Lara genießt, sich aber sehr wohl darüber bewusst ist,
dass sie sich langsam von den Eltern löst. Das ist nicht immer
einfach, aber normal. Und – er hat ein unsichtbares Haustier: seinen inneren Schweinehund, den er manchmal Gassi führen muss. Doch immer mag er ihm nicht nachgeben, schließlich will er nicht zur „Couchpotatoe“ mutieren. Aber die Gefahr ist wohl nicht allzu groß: Sitzt er auf seiner Couch, bedarf es nämlich nur weniger Schritte, um auf seinem geliebten Surfbrett zu stehen, denn das ziert das große, sonnige Wohnzimmer. Sofort ist wieder die Lust da, raus zu gehen
und etwas zu unternehmen - vielleicht sup-surfen auf dem Inheider See. Und wenn Sie sich jetzt fragen, was das ist, hier sein Link, der es erklärt: http://sites.google.com/site/supsurfgi/.

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Kommentare zum Beitrag

Ilse Toth
33.292
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 23.02.2010 um 15:48 Uhr
Ein sehr interessanter Bericht über einen angenehmen und netten Menschen!
Ingrid Wittich
18.911
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 23.02.2010 um 16:31 Uhr
Ich stimme Frau Toth zu.
Hugo Gerhardt
6.681
Hugo Gerhardt aus Gießen schrieb am 23.02.2010 um 16:48 Uhr
So wie wir Klausibabe kennen und ihn lieben.
Ein echter Freund und Kumpel.
Klaus, schön, dass es dich gibt.
Hugo
Hallo Lieber Leser
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Herzlichst, Ihr(e) Simone Linne

von:  Simone Linne

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Interessensgebiet: Gießen
Simone Linne
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