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Mit dem Bagger im Naturschutzgebiet

Rabenau | Ein eher ungewöhnliches Szenario für ein Naturschutzgebiet war in den vergangenen Wochen am Sickler Teich bei Londorf zu beobachten. Mitten auf dem Grund des sonst so ruhigen und idyllischen Teiches wühlte sich ein großer Bagger durch den Schlamm. Um den Lebensraum zahlreicher geschützter Arten zu erhalten, wurden mehr als 2500 Kubikmeter Schlamm aus dem Gewässer entfernt. Wie Regierungspräsident Dr. Lars Witteck berichtet, war die Maßnahme notwendig geworden, nachdem sich über mehrere Jahrzehnte abgestorbenes Pflanzenmaterial auf dem Teichboden angesammelt hatte. Dadurch geriet die Ökologie des Gewässers zunehmend aus dem Gleichgewicht. Bereits im Jahr 2006 hätten Gutachter der Oberen Naturschutzbehörde beim Gießener Regierungspräsidium (RP) darauf aufmerksam gemacht, dass sich aus dem Schlamm am Teichboden Blasen von Schwefelwasserstoff bildeten. Dieses stark giftige Gas werde von Bakterien produziert, die abgestorbenes organisches Material unter extremer Sauerstoffarmut abbauten. Das sei ein negativer Indikator für den Zustand des Gewässers und raube den Tieren wichtigen Lebensraum. Gemeinsam mit dem Forstamt Wettenberg traf die Behörde daher die Entscheidung, das Gewässer zu sanieren.
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Zunächst wurde im Spätherbst 2008 mit dem Ablassen des Wassers aus dem Teich begonnen und ein neuer Damm mit Ablassbauwerk – ein so genannter Steckmönch – für die künftige Regulierung des Wasserstandes errichtet. Nachdem im Jahr darauf der Teichboden abgetrocknet war, konnte der belastende Schlamm aus dem Gewässer entfernt werden, was sich als nicht ganz einfaches Unterfangen darstellte: Im Gegensatz zu den sonst üblichen, mit dem Lineal gezogenen Baumaßnahmen, sollte am Sickler Teich eine vielfältige, geschwungene Uferlinie gestaltet werden, mit Buchten, Landzungen und einzelnen Inseln. Von allen Vegetationstypen der vorhandenen Sumpf- und Röhrichtvegetation sollte außerdem mindestens eine Fläche erhalten bleiben, um als Ausgangpunkt für die Wiederbesiedlung zu dienen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Standorte des dunkelrot blühenden Sumpfblutauges gelegt, eine Pflanze, die in Hessen stark gefährdet ist (Foto). Die komplexe Maßnahme fand unter Aufsicht von Eckhard Richter und Michael Zohner vom Forstamt Wettenberg und mit Hilfe der ehrenamtlichen Schutzgebietsbetreuerin Astrid Lehner statt.
Seit Ende September ruht der Teich nun und soll sich, so RP-Biologin Ulrike Brockerhoff, im Laufe des Winters und Frühjahrs wieder mit Wasser füllen. Spätestens zur Amphibienlaichzeit nach Ende der Frostperiode erhoffe man sich wieder ein reges Treiben am Teich. „Die Entwicklung des Sickler Teiches wird auch weiterhin beobachtet werden“, betont Brockerhoff abschließend. Bedrohte Artengruppen sollten hier auch künftig hochwertigen Lebensraum vorfinden.

 
Ein Sumpfblutauge.
Ein Sumpfblutauge. 

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