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Die Sache mit der Abwrackprämie

Rabenau | Eigentlich dachten wir, ist die Sache mit der Abwrackprämie eine prima Sache. Neues Auto kaufen, Antrag stellen, sich über die Umweltprämie freuen. Aber oftmals ist es ja ganz anders, als man denkt…
Gelockt von den 2.500 Euro fassten auch wir den Entschluss, unser altes Auto verschrotten zu lassen und gegen ein funkelnagelneues einzutauschen. Ein geeigneter Wagen war relativ schnell gefunden, wenn man davon absieht, dass mein Mann immerhin von Mittelhessen bis an die Nordsee gereist ist, um sein Wunschauto in Empfang zu nehmen. Aber darum geht es jetzt gar nicht.
Die Damen und Herren vom Autohaus waren sehr freundlich und zuvorkommend, prüften die Unterlagen für das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (kurz „BAFA“) und schickten unseren kompletten Antrag auf Umweltprämie per Einschreiben nach Eschborn. Das war am 21. März 2009. An diesem Tag verschickte das Autohaus im Übrigen nicht nur unseren Antrag, sondern noch einen ganzen Schwung weiterer Unterlagen anderer Autokäufer. Aber egal.
Ja, und dann begann das Warten. Laut Zeitungsberichten und der Internetseite der BAFA solle man sich etwas gedulden.
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Umweltprämie (1)Eschborn (4)BAFA (1)Abwrackprämie (3)
Die Mitarbeiter der BAFA seien wegen des hohen Antragsaufkommens überlastet. Man solle von Nachfragen absehen, weil sich sonst alles noch mehr verzögert. Wir beherzigten dies. Langsam bekamen Verwandte und Bekannte, die sich ebenfalls einen umweltprämientauglichen Neuwagen angeschafft hatten, ihre Bescheide und ihre Prämie. Wir nicht. Aber wir sahen eine ganze Weile von einer Nachfrage ab. Es sollte sich ja nicht alles noch mehr in die Länge ziehen. Als es dann in den Nachrichten hieß, der Topf der Fördergelder sei so langsam dem Ende nahe, wurden wir doch unruhig und wählten Mitte Juli 2009 die Nummer der eigens von der BAFA für eventuelle Fragen eingerichtete Hotline. Recht schnell waren wir mit einem netten „Hotliner“ verbunden. Beunruhigend war allerdings seine Antwort auf unsere Nachfrage, wie denn der Status unseres Antrages sei. Es lag nämlich gar kein Antrag von uns bei der BAFA vor! Wir sollen noch ein paar Tage abwarten. So bis Ende Juli. Es könne ja sein, dass unsere Unterlagen noch „auftauchten“. In diesem Fall würden wir dann entsprechend Bescheid und die Prämie bekommen. Uns war nicht ganz klar, wie unser Antrag in Eschborn einfach so hatte „untertauchen“ können. Aber wir kamen wieder dem Wunsch der BAFA nach und warteten ab. Wir erhielten keinen Bescheid von der BAFA.
Anfang August 2009 stellen wir dann wie empfohlen einen Nachforschungsauftrag. Die Rückmeldung auf unseren Nachforschungsauftrag erfolgte erfrischend zügig. Auf unser Fax hin erhielten wir ein Schreiben mit der Auskunft, es seien keine Antragsunterlagen von uns in Eschborn zu finden, wir sollen den Antrag komplett neu stellen. Beigefügt eine Liste mit allen erforderlichen Dokumenten – zu unserer größten Verwunderung zum Teil im Original (!!!). Tja, die hatten wir ja schon mit unserem Erstantrag einreichen müssen. Jetzt hexen zu können, wäre ein Idealfall gewesen. Trifft aber bei uns nicht zu.
Glücklicherweise hatte „unser“ Autohaus von allen Unterlagen Kopien gemacht und stellte uns diese ohne große Umschweife zur Verfügung. Wir sammelten also alles Erforderliche zusammen, bestätigten der BAFA in unserem Zweitantrag „rechtskräftig“, dass alle Originale bereits mit dem Erstantrag eingereicht wurden und schickten die Unterlagen per Einschreiben mit Rückschein (man lernt ja dazu) nach Eschborn. Das war am 13. August 2009. Der Rückschein kam dann ein paar Tage später mit dem Vermerk, dass das Einschreiben am 14. August 2009 von der BAFA angenommen wurde. Wir entspannten uns daraufhin ein wenig.
In den Nachrichten wurde berichtet, dass die Fördermittel nun wirklich bald ausgeschöpft seien und nur noch für einige wenige Tausend Anträge ausreichen würden. Naja, wir hatten ja immerhin schon zweimal den Antrag eingereicht und dass etwas mit einem angenommenen Einschreiben schief geht, passiert ja wohl auch nicht zweimal. Dachten wir.
Nachdem wir bis Ende August immer noch keinerlei Rückmeldung von der BAFA bekommen hatten (laut Hotline sollte es diesmal etwa zwei Wochen vom Eingang bis zum Bescheid dauern), fassten wir uns erneut ein Herz und riefen bei der BAFA Hotline an. Diesmal hatten wir allerdings Pech. Die Hotline war ständig besetzt oder die automatische Ansage lief. Keine Chance. Anscheinend kämpften noch mehr Menschen mit der Umweltprämie. Wir versuchten es mehrere Tage, bis wir am 2. September 2009 über die Nummer der Pressestelle der BAFA mit einem netten Pressestellen-Mitarbeiter sprachen. Es war unfassbar: es lagen immer noch keine Antragsunterlagen von uns in Eschborn vor. Und das, obwohl wir den unterschriebenen Rückschein des Einschreibens zu Hause liegen hatten!
Das sind die Momente im Leben, in denen man nur noch ungläubig mit dem Kopf schüttelt und die Kinnlade nicht mehr zu bekommt.
Der Herr von der Pressestelle erwies sich als sehr hilfsbereit, tat sein Bestes, um uns irgendwie mit der entsprechenden Sachbearbeiterin zu verbinden und sprach uns Mut zu. Nach etlichen Versuchen hatten wir nun die richtige Dame am Telefon und verabredeten mit ihr, dass wir noch am selben Tag die Antragsunterlagen per Fax an ihre Durchwahl schicken sollten. Sie würde uns dann umgehend Rückmeldung zum Antragseingang geben. Gesagt, getan.
Wie schwierig es ist, sich ein Faxgerät zu organisieren, wenn man selbst keines besitzt, möchte ich hier nur am Rande erwähnen und mich nochmals für die spontane Hilfsbereitschaft eines Bekannten bedanken. Der Sendebericht des Faxes mit immerhin 15 Seiten war „ok“. Also alles im grünen Bereich, die Dame der BAFA würde sich sicherlich umgehend bei uns melden. War ja klar, dass das nicht geschah. Warum auch? Wenn einmal der Wurm drin ist... Wer kennt das nicht?
Am selben Tag erreichten wir bei der BAFA niemanden mehr. Am nächsten Tag dauerte es wieder fast eine Stunde, bis wir jemanden telefonisch in Eschborn erreichen konnten. An dieser Stelle sei die Person gelobt, die die Taste „Wahlwiederholung“ am Telefon erfunden hat. Wir hatten wieder den netten Herrn von der Pressestelle dran. Seine Auskunft war niederschmetternd: Unser Antrag auf Umweltprämie sei „unvollständig“, so zumindest die Info aus dem „System“.
Nach zwei postalischen Anträgen war nun also auch unser Antrag per Fax nicht bei der BAFA eingegangen. Uns wunderte an dieser Stelle nichts mehr. Auch nicht, dass Anträge, die eigentlich angeblich gar nicht eingegangen waren, „unvollständig“ sein können. Wie auch immer das möglich ist.
Wir kamen mit dem Herrn überein, dass wir die Antragsunterlagen nun eingescannt per E-Mail an die BAFA senden sollten. Eine weitere Möglichkeit gab es ja im Prinzip auch gar nicht mehr. Wie das Leben so spielt, streikte just in dem Moment unser Scanner. Wir wurden wirklich auf eine harte Probe gestellt. In solchen Momenten fragt man sich, wie viel 2.500 Euro eigentlich wirklich wert sind. Aber egal. Augen zu und durch. Irgendwann funktionierte der Scanner wieder, die Unterlagen wurden gescannt, an die E-Mail angehängt und zur BAFA geschickt. Geschafft, alles gut. Nein. Eben nicht. Die E-Mail kommt Retoure: zu groß, wurde vom Server der BAFA abgelehnt. Also nochmal, aber auf mehrere E-Mails verteilt, damit der BAFA-Server zufrieden ist. Die angeforderte Empfangsbestätigung für die gesendete E-Mail bleibt aus. Wahrscheinlich klicken die Mitarbeiter der BAFA solche Anfragen einfach weg. Warum auch nicht. Die vereinbarte Rückmeldung des Herrn von der Pressestelle, ob und das unsere Nachricht mit den Anhängen angekommen ist, bleibt allerdings auch aus. Wieder einmal sind wir beunruhigt. Also schicken wir dem Herrn eine weitere E-Mail, erinnern ihn an sein „Versprechen“ und fragen nach dem Eingang unserer Unterlagen. „Alles angekommen“, ist die erlösende Antwort. „Die Dokumente wurden zur weiteren Bearbeitung weitergeleitet“.
Sechs Tage später teilte uns auch die entsprechende Sachbearbeiterin per E-Mail mit, dass unsere Unterlagen eingegangen seien und weiter bearbeitet werden würden. Immerhin. Wir sind einen Schritt weiter. Entspannt sind wir deshalb trotzdem noch nicht. Wer weiß, was unserem Antrag noch passieren kann.
Eines steht für uns aber fest: sollte es noch einmal eine Umweltprämie geben, die wir beantragen, würden wir den Antrag persönlich nach Eschborn bringen, um sicher zu gehen, dass er nicht drei Mal auf dem Weg „verloren“ geht.
Moment mal – sind nicht „aller guten Dinge drei“? Na, dann müsste unser Bescheid ja in den nächsten Tagen im Briefkasten liegen. Wir sind da mal ganz zuversichtlich!

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von:  Kirsten Collins

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Interessensgebiet: Rabenau
Kirsten Collins
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