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Die Berjer geche die annern

Damalige Treiser Schülermannschaft
Damalige Treiser Schülermannschaft
Rabenau | Fußball von der Pike auf bis in die 1. oder 2. Mannschaft

In den 50er und 60er Jahren war der Besitz eines Balles eine kleine Glückseligkeit. Hatte er die richtige Größe, dann gab es nur eins: Fußball. Zu Weihnachten oder zum Geburtstag war ein Ball -möglichst ein Fußball- immer ein Wunsch. Für ein Spielchen auf der „Gass“ wurde damals der Spielball aus Gummi oder Plastik -mit unberechenbarer Flugeigenschaft- hergestellt. War er aus Leder, war dies schon etwas ganz Besonderes, mit ihm spielten „die Großen“ von der 1. und 2. Mannschaft. Die Knirpse von damals waren auch die Bewunderer, die im Training und sonntags auf dem Sportplatz die Idole des Dorfes anfeuerten. Sie waren Vorbilder, ihnen wurde nachgeeifert. Fußball -als mehr oder weniger einzige Freizeit- und Mannschaftssportart- war beliebt und man war versucht in die jeweilige Schüler-, Jugend- und Aktiven Mannschaft zu kommen. Besonders die heutigen Funktionäre reiben sich die Augen, wenn an diese Zeit erinnert wird. Größte Schwierigkeiten bestehen heute bei einer Mannschaftsbildung; das fängt schon im Schülerbereich an und endet mit Spielgemeinschaften aus Vereinen von zwei/drei Dörfern. Die Zeiten haben sich geändert.
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In Treis an der Lumda war zur damaligen Zeit -neben dem Turnen und der Leichtathletik- natürlich auch der Fußball vertreten. Die Zusammensetzung der Mannschaften wurde in aller Regel durch „wählen“ ermittelt -es wurde im Wechsel dazu gewählt. Bei den „Träsern“ gab es da eine Besonderheit. Denn hier wurde nicht lange gewählt, man spielte

„die Berjer geche die annern“.

Die „Berjer“, das waren vom Jahrgang 1939/40 die Buben aus einer kleinen Straße -der Pfarrstraße- oberhalb des Pfarrhofes, am oberen Rand des Oberdorfes. In den knapp 20 Häusern waren die sportlichsten Typen der beiden Jahrgänge konzentriert. Sie spielten -auch in Unterzahl- gegen den Rest des Dorfes. Das war vergleichsweise einfach. Die Frage wer einen Ball hat, war schon schwieriger zu klären. Irgendwo kam immer einer her.
Zum Sportplatz war es „eine Weltreise“. Einen halben Kilometer berghoch und ständig den Ball suchen, wenn dieser in das benachbarte undurchdringliche Gestrüpp flog. Aber es gab ja noch „die Ellwiss“. Das war der Platz vor dem „Ellhaus“ (Edelhaus), wo sich heute der Kirmesplatz bzw. Schulhof befindet. Dort wurde gebolzt, wenn auch das Gelände zum Teil ein bisschen „schepp“ war. Immerhin der Untergrund war Gras. Ein anderes Ballspielchen war der „Kopfball“, der meistens vor dem Haus auf der „Gass“ gespielt wurde. Zwei Steine waren das Tor und mit dem Kopf, anstatt dem Fuß, wurde ein Torerfolg versucht.
Die „Berjer“ aus dem Vierzigerjahrgang waren Winfried Amend, den alle nur unter „die Ameis“ kannten und auch so nannten- seine quirlige Art gab ihm den Namen. Er war auch über viele Jahre der spätere Torwart der Treiser ersten Mannschaft. Vom gleichen Jahrgang hinzu kam noch Rudi Ehmig. Der Rest bestand aus dem 39erjahrgang. Horst Kratz, Klaus Römer (Jammersch Klaus), Rudi Theis (de Enjer), Gerhard Weimar (Preiße Gerhard), und Horst Bergen (de Korwer). Diese waren auch das Gerippe der damaligen und späteren Schülermannschaft des TSV Treis. Verbandsspiele der Schüler- und Jugendmannschaften waren damals noch in der Entwicklung, es gab noch nicht den geregelten Wettbewerb, wie er heute vorhanden ist. Die Gegner wurden regelmäßig in Absprachen ermittelt und beschränkten sich auf das Lumdatal. Es war eine Zeit ohne Telefon, erst recht kein Handy, in denen Absprachen mit einem Fahrradbesuch im anderen Dorf und auf „gut Glück“ getroffen wurden. Trikots waren nicht vorhanden, meistens spielte man in der Turnhose und im Unterhemd. Fußballschuhe hatte durchweg niemand, es wurde in den damaligen -leichten- Turnschuhen gespielt. Diese Ausrüstung war in dieser Zeit Standard.

Die Walter-Elf in Watzenborn-Steinberg

Aber auch diese Zeit hatte ihre fußballerischen Leckerbissen: 1952 gastierte mit dem 1. FC Kaiserslautern, bekannt unter den Namen „die Walter-Elf“ ein oftmaliger Deutscher Meister an der Neumühle in Watzenborn-Steinberg. Die Mannschaft um den späteren Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft Fritz Walter sowie weitere vier Mannschaftsmitglieder wurden später Fußballweltmeister. Sie gewann haushoch und man war volksnah mit den zahlreichen Zuschauern in Kontakt. Mit dem Fahrrad waren einige Treiser vor Ort. Zwei Jahre später -1954 „das Wunder von Bern“- wurde Deutschland Fußballweltmeister. In Treis gab es zu dieser Zeit nur drei Fernseher. Einer war in der Gaststätte beim „Jammersch Karl“. Mitgefiebert wurde am Schwarz-Weiß-Fernsehbild mit zweistündiger vorheriger Platzsicherung. Immer in der Hoffnung, dass die Bildstörungen sich im Rahmen halten werden. Ein einschneidendes Erlebnis- nicht nur für „die Berjer“.
Nach der Schulzeit verstreute man sich in alle Richtungen und es bestand wenig Gelegenheit für ein Zusammentreffen. Rudi Theis blieb in Treis sesshaft, Rudi Ehmig fand in Londorf sein Eheglück und ist heute noch ein „halber Treiser“. Rückblickend saßen Rudi Theis und Rudi Ehmig zusammen und erinnerten an die „ale Zeire“. Anekdoten aus dieser Zeit- der Jahrgänge 1939 und 40- wurden ausgekramt. „Das wäste noch“ war öfters der Hinweis auf eine bestimmte Gegebenheit oder ein haftendes Ereignis. Vor allen Dingen wurden die Stärken und Eigenheiten der einzelnen Kameraden in Erinnerung gerufen.

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von:  Rudolf Ehmig

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