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Schlamm und giftige Faulgase sollen dem "Sickler Teich" nicht den Garaus machen: Entschlammung notwendig

Der Sickler Teich im Winter nach dem Ablassen des Wassers. (Foto: Georg Granzer)
Der Sickler Teich im Winter nach dem Ablassen des Wassers. (Foto: Georg Granzer)
Rabenau | Seit 1984 ist der „Sickler Teich“ nordöstlich von Londorf wegen seiner sehr artenreichen Tier- und Pflanzenwelt Naturschutzgebiet. Hier wachsen und gedeihen mehrere Rote Liste-Arten wie etwa der Große Wasserfenchel oder das Sumpfblutauge, wie Ulrike Brockerhoff vom Regierungspräsidium (RP) Gießen (Obere Naturschutzbehörde) berichtet. Einige der gefährdeten und empfindlicheren Arten, wie der Zwergtaucher und der Laubfrosch, der medizinische Blutegel und die in Hessen äußerst seltene Speer-Azurjungfer, eine Libelle, sind dort seit einiger Zeit verschwunden. Der Grund: In dem stetig zuwachsenden und verschlammenden Gewässer fanden die Tiere keinen Lebensraum mehr. Im Schlamm bildeten sich Blasen aus Schwefelwasserstoff, berichteten Gutachter der Oberen Naturschutzbehörde 2006 - ein sicheres Zeichen für extreme Sauerstoffarmut infolge starker organischer Belastung des Gewässers. Schwefelwasserstoff entsteht, wenn Bakterien am Teichboden fast ohne Sauerstoff abgestorbene Pflanzenteile abbauen. Das Gas ist stark giftig für höheres Leben und tötet zum Beispiel Fische und Krebse, so die Biologin.
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Damm des "Sickler Teiches" undicht geworden war und dringend saniert werden musste, entschieden sich RP und Forstamt Wettenberg, im Spätherbst 2008 das Wasser abzulassen und einen neuen Damm zu bauen. Ein neues Ablassbauwerk - ein sogenannter Steckmönch – sollte zudem ein künftiges „Teichmanagement“ ermöglichen. Nach dem Ablassen des Wassers zeigte sich allerdings, dass die Verlandung und Verschlammung des Teiches bereits extreme Ausmaße erreicht hatte. Um das Problem wirksam zu lösen, ist daher in diesem Jahr ausnahmsweise eine längere Trockenphase notwendig, heißt es aus RP und Forstamt. Dies ermögliche einen besseren Abbau und die Mineralisierung des organischen Materials, so dass im August/September möglichst viel Schlamm- und Wurzelmasse aus dem See entfernt werden kann.
Bereiche mit seltenen oder gefährdeten Pflanzen der artenreichen Ufervegetation sollen dabei erhalten und der gesamte hintere Teil des "Sickler Teiches" unberührt bleiben, da sich dort aufgrund der Verlandung und des starken Wurzelwerks weiterhin Wasser einstaut. Dies bietet die Chance, dass hier im Wasser lebende Kleintiere überdauern und später den vorderen Teichkörper wieder besiedeln können. Amphibien können als ausgewachsene Tiere ausnahmsweise auch eine Saison ohne Laichgewässer überdauern und sich in verbliebene kleinere Nasslebensräume zurückziehen.
Der Zwergtaucher braucht klares Wasser und viel tierisches Plankton als Nahrung, welches der Sickler Teich künftig wieder bieten soll. (Foto: Dietmar Jürgens)
Der Zwergtaucher braucht klares Wasser und viel tierisches Plankton als Nahrung, welches der Sickler Teich künftig wieder bieten soll. (Foto: Dietmar Jürgens)
Durch Entschlammung und Entlandung sollen Zwergtaucher, Laubfrosch & Co. wieder einen Lebensraum im "Sickler Teich" finden, so die begründete Hoffnung in RP und Forstamt. Die Artenvielfalt werde wieder erhöht, der freie Wasserkörper vergrößert und das Wasser wieder klar und sauber. Begleitende Untersuchungen im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Gießen sollen zudem die Entwicklung am "Sickler Teich" dokumentieren.

Dessen Entwicklung kann künftig mit dem neuen „Steckmönch“ gesteuert und ein derart großer Eingriff in das Gewässer, wie jetzt notwendig, vermieden werden. Im Abstand von einigen Jahren soll dann eine sogenannte Winterung des Teichbodens durchgeführt werden: nach Ablassen des Wassers im Spätherbst bleibt der Teichboden im Winter für einige Zeit trocken liegen und der Schlamm kann unter Luftsauerstoff mineralisieren. Anschließend wird der Teich wieder mit Wasser „bespannt“, so dass er im Frühjahr zur Amphibienlaichzeit wieder zur Verfügung steht, heißt es abschließend aus dem RP.

Der Sickler Teich im Winter nach dem Ablassen des Wassers. (Foto: Georg Granzer)
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Der Zwergtaucher braucht klares Wasser und viel tierisches Plankton als Nahrung, welches der Sickler Teich künftig wieder bieten soll. (Foto: Dietmar Jürgens)
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