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„Der Deppenkaiser“ oder „Lieber glücklich hinterm Mond als zerstritten in die Zukunft" - Vorstellungen in Garbenteich machten Lust auf mehr

Freiherr Franz von Zossenheim auf seinem Esel.
Freiherr Franz von Zossenheim auf seinem Esel.
Pohlheim | Vergangenes Wochenende gastierte in der Sport- und Kulturhalle Garbenteich gleich an zwei Abenden das Kikeriki-Theater aus Darmstadt. Das legendäre Puppentheater konnte mit seinem Programm „Der Deppenkaiser“ mehr als 1000 Besucher anlocken. „Wir hätten sogar noch eine weitere Vorstellungen füllen können, so groß war die Nachfrage“, erklärte Susann Balser-Hahn vom Organisations-Team Kultur in Mittelhessen, durch deren Initiative die Gastspiele überhaupt möglich wurden.
Begeistert waren die Zuschauer von den Protagonisten, die von der ersten Sekunde an kein Blatt vor den Mund nahmen. Dem Volk aufs Maul zu schauen und mittels der charismatischen Puppen zu überzeichnen, ist eine Kunstform, die wenige in dieser Qualität beherrschen. Vorgetragen in breiter, südhessischer Mundart, stand einem vergnüglichen Abend also nichts im Wege.
So wirkte zunächst alles außerordentlich harmonisch in dem kleinen, feinen Dorf mit feinen Häusern und mit lieben netten Leuten. Herbert, der Bäcker Schorsch und Ingeborg waren glückliche Nachbarn. Da passte „nix dezwische“ und die gehörten zusammen wie „ Huhn, Arsch un Ei“. So sollte
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selbst das Frühstück ein Gemeinschaftswerk der drei Dorfbewohner sein. An jedem Tag das gleiche Szenario: d´Schorsch lieferte backfrische Brezzelscher, die Ingeborg en ordentliche Stinkadores (Handkäs´ mit Musik, ordentlich Musik!) und Herbert für jeden des Äbbelwoi-Bembelsche. Doch schon bald sollte die Idylle des vermeintlich rückständigen Dorfes ein jähes Ende finden. Als nämlich ein etwas heruntergekommener Adliger, seines Namens Freiherr Franz von Zossenheim, mit einem Esel und angeschlossener Zeltstation um ein Nachtlager ersuchte, war es mit der Ruhe vorbei. Bei recht deftigen Dialogen zwischen dem selbsternannten Missionar von Zossenheim und den Dorfbewohnern blieb bei den Zuschauern kein Auge trocken.
So stiftete bereits die verunglückte Einführung eines Wertgutscheins als gültigen Zahlungsmittels wegen plötzlich galoppierender Preise erste Streitereien zwischen den Dorfbewohnern. Ein schöner Seitenhieb auf die Probleme in den Finanzmärkten. Als schließlich der Bäcker Schorsch zum „Ortsversteher“ gekürt wurde und Strafen wegen Beleidigung und auch noch Steuern erheben wollte, war es endgültig aus mit dem dörflichen Frieden. Letzter Ausweg: der Freiherr sollte es richten. So ließ er sich zum Kaiser der Oberdeppen ernennen und regierte mit außerordentlicher Opulenz. Lange ließen sich das die Bewohner allerdings nicht gefallen. Herbert hatte als erster den Durchblick. Vermutlich wegen regelmäßigem Genuss seines selbstgekelterten Stöffchens. Denn der Äbbelwoi sei in der Lage, „die Gehirnmasse von heut´auf moie zu verdoppeln“. Allerdings fanden seine mahnenden Worte zum ungebremsten Fortschritt („…hier wird gebembelt und net gebeamt“) erst spät Gehör. Schließlich blieb dem „Ortsversteher“ Schorsch nichts anders übrig, als den „Kaiserschitt“ zu machen und den „Führer in den Fortschritt“ zu stürzen.
Wer an einem dieser vergnüglichen Abende, bei aller rhetorischen Hausmannskost und gezielt überdrehter Inszenierung, auf der Suche nach einem Fünkchen Wahrheit war, konnte mehr als fündig werden. Die Tücken des Alltags, die kleinen menschlichen Schwächen wurden dabei zur Zielscheibe besten komödiantischen Vortrags.
Mit diesem deftig frechen Puppenspiel geht ein bewegtes Jahresprogramm für „Kultur in Mittelhessen“ mit vier mehr als gelungenen Veranstaltungen zu Ende. Mit dem Musical „Hair“ vom Theater Traumstern, Konstantin Wecker und Georg Ringswandl ist es der KIM-Initiative gelungen, hochkarätige Künstler auf die Bühne zu bringen. Das Kikeriki-Theater gehörte in jedem Fall dazu und unbedingt eine Reise in nahe gelegene Darmstadt wert.
Das Programm für die nächste Monate finden Sie unter: www.comedyhall.de.

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