Bürgerreporter berichten aus: Pohlheim | Überall | Ort wählen...

Deutscher Michel zwischen Homöopathie, Diamond Loops und Double Rolls: Wo der Himmel voller Jets und Geigen hängt!

Rote Pfeile auf dem Weg ins Ziel. Ladies and Gentlemen: The Red Arrows!
Rote Pfeile auf dem Weg ins Ziel. Ladies and Gentlemen: The Red Arrows!
Pohlheim | „Jetnoise“, wie ihn sich der passionierte Luftfahrtfreak bei Airshows gerne durch die Gehörmuscheln blasen lässt, gibt es bei uns nur in kleinen homöopathischen Dosierungen. Da ist der deutsche Michel genauso zaghaft wie es der ihn repräsentierende Außenminister Guido W. bei der Abstimmung im Weltsicherheitsrat über den Libyeneinsatz war. Strahlgetriebene „Lötlampen“ (aber auch deren kolbengetriebene Brüder und Schwestern) sind schließlich Teufelswerk – zumindest in der Diktion unserer Luftfahrtbürokratie. Die läuft immer dann zu Höchstform auf, wenn es gilt, Flugsportlern das Leben schwer zu machen. Vor allem dann, wenn sich die aero-tischen Herrenreiter der Lüfte auch noch erdreisten, ihr faszinierendes Hobby einem breiteren Publikumskreis präsentieren zu wollen. Spätestens an dieser Stelle ist Schluss mit lustig. Jeder, der schon mal versucht hat, eine Pommesbude oder ein Dixi-Klo auf einem Flugplatz einzurichten, kann ein Lied davon singen. Da hört für die Damen und Herren in den auch „Flugverhinderungsbehörden“ genannten Luftfahrtdezernaten der Regierungspräsidien der Spaß auf. Da wird der brave, biedere
Mehr über...
Beamte zum wilden Stier und wächst über sich und seine Paragrafenwelt hinaus. Rambo, Agent Tripple X und der Terminator nehmen sich dagegen wie eine Vorschulgruppe aus. Dass es auch anders geht, zeigen unsere europäischen Nachbarn, und zwar ohne dass die einschlägigen und EU-genormten hohen Sicherheitsstandards darunter leiden. Ein Blick über den Rand unseres kleinen nationalen Tellers hinaus, und man könnte vor Neid erblassen. Während aktive und passive Flug-Fans hier zu Lande quasi entmündigt und am Gängelband kleinmütiger, wichtigtuerischer Verwaltungsapparatschiks zappeln, leben unsere Nachbarn in Saus und Braus und können aus dem Vollen schöpfen.

(Achtung! Dies ist ein durch und durch subjektives Feature, ein Essay, der nicht den allgemein verbindlichen journalistischen Regeln gerecht wird – und es ganz bewusst auch nicht soll. Er überspitzt und überzeichnet, enthält Elemente der Satire und macht vielleicht auch ein paar Anleihen bei der Kabarett-Fraktion. Von „political correctness“ keine Spur. Diese Zeilen sollen provozieren, zur Diskussion anregen und diese beflügeln. Ich bin gespannt auf die Reaktionen. )

Der deutsche Michel hat Angst vor der eigenen Courage

Es gibt genügend Beispiele, dass man den Gaul auch
Da passt kaum mehr ein Handtuch dazwischen. Zwei F-16-der amerikanischen „Thunderbirds“ in der Missionarsstellung.
Da passt kaum mehr ein Handtuch dazwischen. Zwei F-16-der amerikanischen „Thunderbirds“ in der Missionarsstellung.
anders aufzäumen kann: Duxford, Old Warden, Zeltweg, Ebenfluh, Roskilde, Zeltweg, Fairford, Diyarbakir. Das sind nur einige klingende Namen aus der himmlischen Hall of Fame. Allein bei deren Nennung bekommt der Eingeweihte schon feuchte Hände – und Flugzeuge im Bauch. Das sind magische Orte auf der Landkarte der Fliegerwelt. Hier gibt es die Formel-1-Läufe der Luftfahrt. Gegen das, was dem Besucher dort geboten wird, nimmt sich die hoch gepriesene und deutlich über Wert verkaufte Internationale Luftfahrtausstellung in Berlin wie ein lahmer, schlapper Kindergeburtstag aus. Die anerkannt besten Piloten und Staffeln der Welt geben sich lieber an den anderen, weltoffeneren und legendären Schauplätzen die Steuerknüppel in die Hand. Spree-Athen versinnbildlicht für die global agierenden Top-Stars der Aeronautik eher provinzielles Hinterwäldler-Gehabe. Das wird man auch bei der Patrouille Suisse so sehen. Denn: Um bei der nächsten Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung im September 2012 überhaupt antreten zu können, müssen die Eidgenossen ihr seit jahrelang bewährtes Display komplett umstellen. Das gilt auch für etwaige andere Auftritte des Teams in Deutschland. Ob der Verzicht auf Eingespieltes und Bewährtes jetzt gleich der Sicherheit dient, darüber müsste man mal in einer Stillen Stunde meditieren.

Smoke on! Die amerikanischen Donnervogel-Piloten in ihren auffällig lackierten „Fighting Falcons“ zählen zu den Besten der Welt.
Smoke on! Die amerikanischen Donnervogel-Piloten in ihren auffällig lackierten „Fighting Falcons“ zählen zu den Besten der Welt.
Auch die Airbase im belgischen Koksijde, von Gießen 550 Kilometer entfernt, hat beim Internationalen Airshow-Publikum einen exzellenten Ruf, den es in diesem Jahr nicht nur zu verteidigen, sondern auch zu zementieren und zu erhöhen galt. Anlass: Das 65-Jährige Bestehen der hiesigen Luftstreitkräfte. Die zweitägige Geburtstagsparty Anfang Juli toppte alles bisher hier Dagewesene. Hunderttausende Zaungäste reckten die Hälse in den teils Regen verhangenen Himmel. Für die aus Deutschland angereisten Aero-Pilger (Ich bin dann mal weg) muss es wie Ostern und Weihnachten an einem Tag gewesen sein. Der bekannte Marburger Luftfahrt-Journalist und -Fotograf Christian Bramkamp (er ist Herausgeber des Internet-Magazins „airshow-reportagen.de“) stand mit seinen Kollegen im Westflandrischen in der ersten Reihe – und hat faszinierende, packende Aufnahmen mitgebracht. Sie zeigen und beweisen, dass Germanien im Flugtag-Ozean eine Insel der Ahnungslosen ist, eine vom prallen Airshowleben umspülte und eben von jenem ausgeschlossene Enklave, bewohnt von einem administrativ klein und kurz gehaltenen Flieger-Prekariat . Oder, um es allegorisch auszudrücken: Während die TV-Zuschauer
Begegnungsverkehr: Die zwei Solisten der „Reds“ gehen auf Tuchfühlung. Zwischen den beiden Maschinen des britischen Top-Teams ist auch nicht mehr soooo viel Platz….
Begegnungsverkehr: Die zwei Solisten der „Reds“ gehen auf Tuchfühlung. Zwischen den beiden Maschinen des britischen Top-Teams ist auch nicht mehr soooo viel Platz….
in Belgien, den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Italien, der Türkei, Österreich oder der Schweiz zwischen 150 Fernsehsendern und mehr hin und her zappen können, gibt’s dahingehend bei uns nur das dritte Hessische Regionalprogramm und den Kinderkanal über die Dachantenne.

Geht doch! Was uns die Nachbarn voraus haben

An der belgischen Küste waren solche Spitzenteams wie die „Red Arrows“, die „Patrouille de France“, die „Thunderbirds“ der US-Luftwaffe, die „Saudi-Hawks“ und die „Turkish-Stars“ mit ihren NF 5 am Start und zauberten grandiose Bilder und Figuren an den Himmel - in schier unglaublicher Präzision. Aber auch viele rare und prächtige Oldies hatten Startfreigabe bekommen, ebenso Hubschrauber und Zivilmaschinen aus der Champions League der nationalen und internationalen Aerobatic-Szene Geht also doch! Die Voraussetzungen für derartige publikumswirksame Shows zu schaffen und solche Ambitionen zu fördern, ist in unseren Nachbarländern eine Frage der nationalen Ehre und ganz nebenbei gesellschaftlicher Konsens. Quasi eine Selbstverständlichkeit. Bei uns hingegen regiert dahingehend Klein-Klein. Dafür verantwortlich sind ja nicht die Sesselfurzer in den Regierungspräsidien. Das sind allenfalls administrative
Aber das können die „Saudi-Hawks“ auch.
Aber das können die „Saudi-Hawks“ auch.
Erfüllungsgehilfen, verbeamtete und pensionsberechtigte Büttel ministerieller, ideologisch indoktrinierter Gralshüter mit Dienstsitz in Wiesbaden und Berlin. Aber sie nehmen ihren Job sehr ernst, weil: „Wir tun doch nur unsere Pflicht!“


Lady Horrors Table-Dance

Schwöre einen deutschen Beamten auf ein Gesetzeswerk ein, spendiere ihm einen Packen Ausführungsbestimmungen und statte ihn mit etwas Ermessenspielraum aus - er passt in keinen Anzug mehr. Das ist ja auch bei uns hier in Mittelhessen zu beobachten. Zuständig für alle die Luftfahrt betreffenden Angelegenheiten ist für diese Region der RP Kassel. Wem sich je die grenzwertige, zweifelhafte Gelegenheit eröffnete, bei den Vorbereitungen hinter die Kulissen eines Flugtages oder eines Flugplatzfestes kiebitzen zu dürfen, den packt das große Grausen. Da macht Lady Horror Tabledance und Miss Piggy lässt die Hüllen fallen! Und dabei wollte sich der Epileptiker, der in der angesagten Dorf-Disco überraschend den Breakdance-Wettbewerb gewonnen hatte, an der Theke doch nur eine Cola-Light bestellen ….Und es geht da ja nicht so sehr um die allgemein verbindlichen und allseits sowieso akzeptierten Sicherheitsstandards - Sicherheitszonen, Kunstflugräume, No-Go-Areas, Flucht-
Westflandern-Tango: Ein Helicopter und eine F-16 der belgischen Gastgeber  üben das Huckepack-Verfahren.
Westflandern-Tango: Ein Helicopter und eine F-16 der belgischen Gastgeber üben das Huckepack-Verfahren.
und Rettungswege inklusive. Aber in deren Gepäck tauchen oft die abenteuerlichsten und abstrusesten Verfügungen, Vorbehalte und Maßgaben auf. Dahingehend sind die Inspektoren nämlich ungemein kreativ, vergleichbar allenfalls mit ihren Kollegen von der Bauaufsicht. (Die tun ja bei der Errichtung einer genormten Fertiggarage auch so, als stünde jeder Kanaldeckel im Umkreis von 100 Metern als Weltkulturerbe auf der UNESCO-Liste.)

Da wird, selbst bei einer normalen Segelflugveranstaltung ohne Vorführung (aber mit Kinderhüpfburg und Softeis-Verkauf) der Standort des Müllcontainers zur Frage der nationalen Sicherheit, da ist, übertrieben formuliert, die behördliche Zertifizierung des Absperrbandes abhängig davon, ob selbiges mindestens zu 70 Prozent aus biologisch abbaubarem Material besteht. Die Veranstalter stehen, bis zum Beweis des Gegenteils, erst einmal per se unter dem anfänglichen Generalverdacht, vorsätzliche Körperverletzung begehen zu wollen. (Im Vorfeld der Love-Parade in Duisburg war man dahingehend weniger zimperlich Auch die schwäbischen Stuttgarter hatten keine Hemmungen, eine martialisch auf- und hochgerüstete Polizeiarmee mit schwerem Gerät unter den Gegnern des unterirdischen Bahnhofs wüten zu lassen. So viel
Die „Patrouille de France“ wäre vergangenes Jahr gerne auch in Breitscheid aufgetreten, doch ein hohes Tier aus dem Verteidigungsministerium wollte die Franzmänner an die Kette legen.
Die „Patrouille de France“ wäre vergangenes Jahr gerne auch in Breitscheid aufgetreten, doch ein hohes Tier aus dem Verteidigungsministerium wollte die Franzmänner an die Kette legen.
zur Sorge um Leib und Leben). Apropos Loveparade: Das beliebte Westflug-Festival in Aachen-Merzbrück ist für dieses Jahr schon abgeblasen worden. Grund: Nach dem Duisburger Techno-Freak-Desaster (hinterher ist man ja immer klüger) haben die Behörden die Vorgaben für Großveranstaltungen exorbitant erhöht und im Gegensatz zu den Vorjahren auch das Aachener Aero-Fest als ein solches Mega-Event klassifiziert. Die damit verknüpften Auflagen sind für die Organisatoren jedoch nicht zu stemmen – weder in finanzieller, noch in personeller Hinsicht.

Zwischen Mönchsgraswespe und ölendem R4

Etwas normalisiert hat sich inzwischen das Verhältnis zwischen fliegenden Volk und Naturschützern, den tatsächlichen wie den selbst ernannten. Letztere pflegten die Ablehnung einer Flugshow früher schon mal damit zu begründen, dass der Landeplatz schließlich das Balzrevier der selten vorkommenden, halbseitig längs gestreiften, einäugen Mönchsgraswespe (Lateinisch: Coenobita Graminis Vespa) sei, die man nicht stören dürfe. Mittlerweile haben sie erkannt, dass gerade Flugplätze zu wichtigen Rückzugsrefugien rarer und bedrohter Arten gehören. Und grüne Vertreter des politischen Nabu-Arms hinterließen schon mal nach einer Ortsbesichtigung, bei der
Viva la France! Die Aushängeschilder der Armée de l’Air servieren in ihren Alpha-Jets Präzisionskunstflug vom Feinsten.
Viva la France! Die Aushängeschilder der Armée de l’Air servieren in ihren Alpha-Jets Präzisionskunstflug vom Feinsten.
die Umweltverträglichkeit des Siegerlandflughafens auf dem Prüfstand lag, auf dessen Parkplatz metergroße Öllachen aus den porösen Wannen ihres aus vierter Hand stammenden R 4, während die aus der löchrigen Benzinleitung der "Ente" eines Parteifreundes stammenden Spuren auf dem Asphalt auch nicht zu übersehen waren.

Lewis Hamilton im Bobby-Car

Erreicht beispielsweise eine Flug-Veranstaltung Quantität und Qualität wie die im Breitscheid, potenziert sich die Auflagenflut. Sie steigt ins Unermessliche. Nebenbei bemerkt: Für die Internationale Airshow im vergangenen Jahr hatte die „Patrouille de France“, die zu den besten Staffeln der Welt zählt, von sich aus angefragt, ob sie nach langer Abstinenz wieder bei ihren Westerwälder Freunden auf- und antreten dürfe. Ein hohes Tier im Bundesverteidigungsministerium befand „Ja“, aber nur unter der Prämisse, dass die Trikoloren-Artisten allenfalls taktische Manöver fliegen würden – also schön gerade aus, keine Kunstflugfiguren. Das war den Franzmännern dann doch zu trist und zu langweilig. Verständlich: Man würde Lewis Hamilton, Fernando Alonso oder Sebastian Vettel ja auch nicht zumuten wollen, mit dem Bobby-Car auf dem Schleichweg zwischen Pohlheim und Petersweiher um die Pool-Position beim nächsten Grand-Prix-Laufs zu ringen….
Wie gemalt: Die „Thunderbirds“ der US-Air Force.
Wie gemalt: Die „Thunderbirds“ der US-Air Force.
Ex-Lahn-Dill-Landrat Gerhard Bökel, ein begnadeter Selbstdarsteller mit Showmaster-Talent, hatte Anfang der 90-er Jahre in einer eigens und dem tagesaktuellen Geschehen geschuldeten kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Wetzlarer Karl-Kellner-Ring plastisch und wortgewandt vor den großen, unvorstellbaren Risiken gewarnt, die eine Teilnahme der Düsenstaffel „XY“ aus „Z“ an einem geplanten Flugtag auf der Breitscheider „Hub“ für die Bevölkerung darstellen würde. Das von dem späteren hessischen Innenminister gemalte Szenario treibt einem noch heute die Angstschweißperlen auf die Stirn. Dass es sich bei dem inkriminierten Team um keine Jets, sondern lediglich um drei schlappe 180 PS starke Motorflugzeuge handelte, verschwieg er – oder wusste es vielleicht nicht besser. So wird auch Politik und Stimmung gemacht.
.
Bei zivilen Flugtagen in Deutschland reicht es heuer allenfalls für ein paar zahme Überflüge von Militär- oder Privatjets. Mehr ist (meist) nicht drin. Da ist alles strengstens reglementiert und restriktivsten Auflagen unterworfen. Selbst bei einem harmlosen „Fly-In“, also einer Art Familientreffen gleich gesinnter Piloten, drehen die präsidialen Luftaufsichtler
Osmanischer Steigflug: Die „Turkish-Stars“ genießen in ihrer Heimat einen ähnlichen Kultstatus wie die Frecce Tricolori in Berlusconistan.
Osmanischer Steigflug: Die „Turkish-Stars“ genießen in ihrer Heimat einen ähnlichen Kultstatus wie die Frecce Tricolori in Berlusconistan.
auf Geheiß oder mit Duldung ihrer Vorgesetzten in den übergeordneten Ministerien inzwischen total am Rad – und hin und wieder auch durch. Stichwort Marburg-Schönstadt am letzten Juli-Wochenende. Da gewinnt man den Eindruck, als wollten die „Russian Knights“ dort mit ihren hoch gezüchteten SU-27 –Jabos für ihr neues Saison-Programm experimentieren oder die vereinigten Luftstreitkräfte der Nato (natürlich ohne deutsche Beteiligung) auf Ersuchen von Vatikan-Chef Ratz-Fatz für den nächsten Luftschlag gegen Gaddafis Zentral-Harem am Stadtrand vom Tripolis üben…Dabei versammeln sich hier nur etwa 80 harmlose Oldtimer-Piloten aus ganz Deutschland und dem benachbarten europäischen Ausland zur geselligen zur Grillparty und zum Erfahrungsaustausch. Würden sie mit dem Auto anreisen, kein Problem. Aber so …..

Kein Sex für den Landvogt


Überhaupt sind die Damen und Herren aus den Mittelbehörden bei derlei Veranstaltungen die wichtigsten Personen am (Flug-)Platz - und gebärden sich auch so. Die Hauptakteure, die Piloten, oder der „Kunde“, die Zuschauer, haben wenig zu melden. Letztere bekommen ja von dem Tauziehen im Hintergrund auch nichts mit. Von der Tagesform der umschmeichelten Beamten- RP’ler, die vielleicht auch durch den Umstand,
Die Heli-Zauberer der belgischen Luftwaffe wissen, wie man sich in Szene setzt.
Die Heli-Zauberer der belgischen Luftwaffe wissen, wie man sich in Szene setzt.
dass die Gattin am Abend zuvor den ehelichen Beischlaf verweigert hat, beeinflusst wird, ist es mitunter auch abhängig, ob die Aktion wie geplant über die Bühne gehen kann oder nicht. Geht der Daumen nach unten, waren Monate lange Vorbereitungen für die Katz, sind vielleicht Tausende von Euronen in den Sand gesetzt. Klar, die Entscheidungen der Inspektoren müssen letztlich schon gerichtsfest und begründet sein, was aber im akuten Fall, spätere Genugtuung unbenommen, zunächst mal nichts nutzt. Insofern verfügen diese Herrschaften schon über eine immense und Angst machende Machtfülle, der es zu huldigen und zu entsprechen gilt. Und da muss sich manch gestandener Vereinsfunktionär hin und ab schon mal etwas verbiegen und katzbuckeln. Das ist kein partnerschaftliches, vertrauensvolles Verhältnis, sondern entspricht eher dem zwischen einem mittelalterlichen Landvogt und den fürstlichen Untertanen.

Unter diesen Voraussetzungen verwundert es sowieso, dass sich immer und nach wie vor Unentwegte finden, die all die Mühen und den behördlich verursachten Ärger auf sich nehmen, um Flugtage zu organisieren. Dagegen ist und war der Stress-Test für Stuttgart 21 ein Klacks. Seien wir dankbar dafür – und genießen es. Ready for Take Off!

Rote Pfeile auf dem Weg ins Ziel. Ladies and Gentlemen: The Red Arrows!
Da passt kaum mehr ein Handtuch dazwischen. Zwei F-16-der amerikanischen „Thunderbirds“ in der Missionarsstellung.
Smoke on! Die amerikanischen Donnervogel-Piloten in ihren auffällig lackierten „Fighting Falcons“ zählen zu den Besten der Welt.
Begegnungsverkehr: Die zwei Solisten der „Reds“ gehen auf Tuchfühlung. Zwischen den beiden Maschinen des britischen Top-Teams ist auch nicht mehr soooo viel Platz….
Aber das können die „Saudi-Hawks“ auch.
Westflandern-Tango: Ein Helicopter und eine F-16 der belgischen Gastgeber  üben das Huckepack-Verfahren.
Die „Patrouille de France“ wäre vergangenes Jahr gerne auch in Breitscheid aufgetreten, doch ein hohes Tier aus dem Verteidigungsministerium wollte die Franzmänner an die Kette legen.
Viva la France! Die Aushängeschilder der Armée de l’Air servieren in ihren Alpha-Jets Präzisionskunstflug vom Feinsten.
Wie gemalt: Die „Thunderbirds“ der US-Air Force.
Osmanischer Steigflug: Die „Turkish-Stars“ genießen in ihrer Heimat einen ähnlichen Kultstatus wie die Frecce Tricolori in Berlusconistan.
Die Heli-Zauberer der belgischen Luftwaffe wissen, wie man sich in Szene setzt.

Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
3.906
Stefan Walther aus Linden schrieb am 24.07.2011 um 11:47 Uhr
Nun ja Jürgen,

nichts, aber auch gar nichts, habe ich gegen den Segelflugsport! Und wenn da "Sesselfurzer und Bürokraten" sich zu Wichtigtuern aufschwingen, dann ist das ein klasse Beitrag!

Diese Zurschaustellung des Militärs lehne ich jedoch grundsätzlich ab!
Nicht nur, aber auch, wegen der katastrophalen Unfälle, die es da schon gegeben hat, schon vergessen???
Jürgen Heimann
2.590
Jürgen Heimann aus Gießen schrieb am 24.07.2011 um 14:48 Uhr
Hallo Stefan,

nö, ich habe Ramstein natürlich noch nicht vergessen. Das Thema wird ja immer wieder gerne, reflexartig und gebetsmühlenhaft bemüht, um Flugsportler im Allgemeinen und Militär- sowie Showflieger im Besonderen zu diskreditieren. Mein Gedächtnis funktioniert also in dieser Beziehung noch einwandfrei. Deins auch? Machen wir die Probe aufs Exempel. Die Deinem Kommentar zu Grunde liegende Logik konsequent und stringent bis zum Ende gedacht, ergibt ein Persönlichkeitsprofil, aus dem sich wiederum gewisse Verhaltensmuster ableiten lassen. Sagt zumindest meine Oma. Die muss es wissen. Sie hat ein Semester Psychologie an der Volkshochschule von Klein-Krotzenburg belegt.
Also, Du rauchst natürlich nicht. Weil pro Jahr in Deutschland 140.000 Menschen ihre Nikotinsucht mit dem Leben bezahlen. Du trinkst auch keinen Alkohol, weil jährlich weltweit 2,5 Brenner dem Suff erliegen. Du hast keinen Hund, weil jeder fünfte Deutsche schon mal vom Bello gebissen worden ist. Da lässt sich die Haltung eines solchen Köters moralisch nicht rechtfertigen. Du fährst kein Auto, weil allein in 2010 3651 Verkehrsteilnehmer bei Unfällen das Zeitliche haben segnen müssen. In dieser Zahl sind die tödlich verunglückten Fußgänger, Radfahrer und Mofafahrer enthalten. Also kommen auch diese drei Fortbewegungsarten für Dich nicht in Frage. Du bleibst deshalb schön zu Hause. Aber auch die eigenen vier Wände sind ein ziemlich heißes und gefährliches Pflaster. 1650 Menschen brechen sich Jahr für Jahr durch Unfälle daheim das Genick – oder andere lebenswichtige Teile.
Also doch raus ins pralle Leben. Aber wohin und wie? Zugfahren ist nicht. Nach dem ICE-Desaster von Eschede im Juni 1998 mit 101 Toten scheidet die Bahn als Reisemittel schon mal von vornherein aus. Wie gefährlich der Schienenverkehr ist, hat ja eben an diesem Wochenende erst wieder das schlimme Zugunglück in China mit mindestens 32 Toten gezeigt. Busse kommen auch nicht in Frage, weil deren Passagiere ebenfalls einen hohen (in der oben genannten Zahl 3651 bereits enthaltenen) Blutzoll entrichten müssen. Aber die eingeschränkte Mobilität ist für Dich ja kein Manko. Mit dem Fußball hast Du spätestens im Mai 1985 gebrochen, als im belgischen Heysel-Stadion beim Europapokal-Finale zwischen Liverpool und Turin 39 Fans totgetrampelt wurden. Vier Jahre später ereilte 96 Menschen in der Hillsborough-Arena in Sheffield das gleiche Schicksal. Seitdem meidest Du Kickerplätze. Mit der Formel-1 hast Du angesichts der Berge toter Fahrer, Streckenposten und Zuschauer aber auch nix am Hut.
Ich unterstelle mal, Du bis kein Moslem. Deshalb brauchst Du auch nicht auf die Haddsch nach Mekka zu gehen, wo am 12. Januar 2006 362 Pilger bei einer Massenpanik zerquetscht wurden. Und mit der Love-Parade hast Du, so, wie Dich einschätze, ebenfalls keinen Vertrag. Die Techno-Sause soll ja ebenfalls ziemlich ungesund sein.
Und was machen wir jetzt unter Berücksichtigung all dieser Einschränkungen und Vorbehalte mit dem angebrochenen Tag? Wir setzen uns in den Garten und trinken Dioxin belastete Milch und futtern Gammelfleisch. Ein vom Baum herabfallender Ast kann uns nicht erschlagen, weil da kein Baum ist. Aber der Himmel könnte uns auf den Kopf fallen – oder ein Flugzeug!

In diesem Sinne: Hals und Beinbruch!
Stefan Walther
3.906
Stefan Walther aus Linden schrieb am 24.07.2011 um 15:31 Uhr
Gut und schön, Jürgen,
nur mit Ironie allein lässt sich meines Erachtens nicht an jedes Problem herangehen,
leider rauche ich, Alkohol brauche ich nicht, ja, ich fahre viel zu viel mit dem Auto usw. usw., und bin auch nicht besonders ängstlich also mitten im "prallen Leben"

nur, Militär bewundere ich nicht, auch nicht bei einer Flugshow, ja, da bin ich etwas empfindlich (für dich vielleicht überempfindlich?), ich kämpfe sogar gegen die Militarisierung des Gesellschaft an, deshalb bin ich auch in der Gießener Friedensinitiative, deshalb schrieb ich auch:
"nicht nur, aber auch, wegen den katastrophalen Unfällen", und Ramstein war nur der Katastrophalste!

ich will aber nicht von deinem eigentlichen Anliegen, dem Segelflugsport, mit meinem Einwand ablenken, DAFÜR wünsche ich Euch/DIR weiterhin viel Erfolg und Spass an der Sache!
Jürgen Heimann
2.590
Jürgen Heimann aus Gießen schrieb am 24.07.2011 um 16:56 Uhr
Hallo Stefan,
nur damit sich hier kein falscher Zungenschlag einschleicht. Es geht doch gar nicht um eine Bewunderung des Militärs oder des/allen Militärischen, auch nicht um eine Heroisierung oder Verherrlichung des Kriegshandwerks. Der Fokus liegt (für mich und die meisten anderen) einzig und allein auf der Ästhetik und der Faszination des Fliegens. Und da ist es mir erst einmal auch völlig Wurscht, ob in den (schnittigen) Jets Offiziere, Realschullehrer oder tibetanische Wandermönche den Steuerknüppel bzw. Sidestick rühren. Hauptsache, sie verstehen ihr Job. Dafür, dass es nun mal zumeist Soldaten und seltener Wandermönche sind, die solche Dinger fliegen, kann ich ja auch nix. Aber das ändert nichts daran, das so etwas einfach schön anzuschauen ist. Selbst für Pazifisten.
Stefan Walther
3.906
Stefan Walther aus Linden schrieb am 24.07.2011 um 18:08 Uhr
Damit sich kein falscher Zungenschlag einschleicht = ich bin kein Pazifist, also Vorsicht, ich werde nicht die "rechte Wange hinhalten" :-))

Danke für die Klarstellung!

Mich würde trotzdem, über die Satire hinaus, interessieren, was da so genau bei Euch abläuft, welche Steine man Euch konkret zwischen die Beine wirft...und vor allem, wie geht`s weiter, habt Ihr resigniert? oder habe ich das alles nicht kapiert?
Peter Lenz
432
Peter Lenz aus Mücke schrieb am 24.07.2011 um 20:14 Uhr
Bauz, das hat mal gesesssen!!!
Mit "Hans-Dampf-Oberlehreren" ist es manchmal nicht einfach...
Stefan Walther
3.906
Stefan Walther aus Linden schrieb am 24.07.2011 um 22:11 Uhr
Jürgen, kapierst du was "Peter Lenz" uns sagen will???

er hat an anderer Stelle schonmal einen etwas seltsamen, mir unverständlichen Kommentar geschrieben, da hat er den "Oberlehrer" gespielt :-))
Peter Lenz
432
Peter Lenz aus Mücke schrieb am 25.07.2011 um 09:11 Uhr
da ist er der "wunde Punkt".. lächel
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Jürgen Heimann

von:  Jürgen Heimann

offline
Interessensgebiet: Gießen
Jürgen Heimann
2.590
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Brüder, zur Sonne, zum Freifall: Magische Augenblicke, aber vom Boden aus nicht zu sehen. Da muss schon ein Skydive-Paparazzi mit von der Partie und ganz dicht am Motiv sein.
Saison-Endspurt: Kehraus am Himmel Breitscheids – Nur noch wenige Tage bis zum Zapfenstreich
Von der "Worscht" mal abgesehen: Alles hat (einmal) ein Ende. Und ein...
Angler-Fantasien: So etwas würde mancher Würmerbader gerne mal am Haken haben. Da ist die Rute bis zum Sollbruch gespannt… Petri geil!
Dicke Brüste und Fische mit Schnappatmung: Petri geil! Der Angler von Welt findet den sexy Karpfen-Kalender total erotisch
nicht nachstehen. Für den Angler von Welt gibt es jetzt, Petri geil,...

Weitere Beiträge aus der Region

Der Vorsitzende der FREIEN WÄHLER Pohlheim, Andreas Schuch, begrüßte Samstagnachmittag in der Grillhütte des Musikzuges Holzheim die Gäste zur „Familienfeier des FW-Vereins“.
FREIE WÄHLER Pohlheim feiern Familienfest
- (fw). Der Vorsitzende der Freien Wähler (FW) Pohlheim, Andreas...
Der RV-Meister Roland Schuster vor seiner Schlaganlage
Dem RV-Meister über die Schulter geschaut
/Langgöns/Hüttenberg. Auf den ersten Blick, scheint hier der...
Ingi Fett, umringt von vier Mädchen auf dem Bühnenrand sitzend, singt sie „die Schöne und das Biest“
St. Martin feierte Jubiläum
Mit einem „Bunten Abend“ feierte die katholische Kirchengemeinde den...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.