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Der Himmel als Atelier: Luftfahrtfotografen - Mit Objektiven wie Flakgeschütze und dem siebten Sinn für den „goldenen Schuss!

"Rotes Spielzeug" über dem Ort: Wolfgang Seitz holt mit seinem Kraftpaket Anlauf für die nächsten Kapriolen.
"Rotes Spielzeug" über dem Ort: Wolfgang Seitz holt mit seinem Kraftpaket Anlauf für die nächsten Kapriolen.
Pohlheim | Nein, das Equipment allein macht es nicht. Man muss schon ein Auge für’s Motiv haben und natürlich im richtigen Moment am richtigen Ort sein – unter anderem. Das ist wie beim Autofahren. Was nutzt der dickste Porsche, wenn der Möchtegern-Schumi hinterm Steuer schon mit einem profanen Rollator überfordert wäre. Andererseits: Ohne das richtige Werkzeug bekommt auch der kreativste Tüftler nichts Vernünftiges gebacken. Die Ausrüstung ist die eine Seite, Vorstellungskraft, Phantasie, Know-How und die entsprechende Technik die andere. Stehen diese Komponenten im richtigen Verhältnis zueinander, passt es. Das ist nicht nur, aber erst recht auch, bei der Fotografie so.
Wir reden hier nicht von Knipsern. Otto-Normal-Verbraucher, und dazu zähle ich mich auch, sind schon glücklich, wenn Ihnen, meist durch Zufall, mal ein Schnapppschuss gelingt, bei dem alles stimmt – Perspektive, Ausschnitt, Bildaufbau, Belichtungszeit und Motiv natürlich. Wenngleich, die modernen Digital-Kameras nehmen dem Nutzer schon eine Menge an Einstellungsstress ab, versagen aber oft, wenn es wirklich ans Eingemachte geht. Der Profi oder Semi-Profi verlässt sich da schon lieber auf sich selbst und seine durch unzählige Experimente, Selbst- und Eigenversuche gewonnene Erfahrung.

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„Spotter“ und die Adelsklasse

Da gibt es solche, die alles mitnehmen und auf dem Chip bannen, was nicht schnell genug außer Sichtweite (oder auf dem Baum) ist, und solche, die sich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert haben. Dazu zählen beispielsweise auch die Luftfahrtfotografen. Den Begriff „Spotter“ hören sie nicht so gerne, weil dieser etwas abschätzig belegt ist. „Spotter“ begnügen sich meist auch damit, Land gestützt, also vom Boden aus, zu operieren. (Ihnen bleibt meist ja auch nichts anderes übrig). Die Kollegen aus der Adelsklasse hingegen versuchen, wenn auch nicht ausschließlich, aber dann zumeist mit Erfolg, die Objekte ihrer Begierde in deren ureigenstem Element, der Luft, am Himmel, einzufangen. “Air-to-Air-Fotografie“ nennt man so etwas. Ist gar nicht so einfach, wie es möglicherweise scheint, weil dies ein hohes Maß an Abstimmung zwischen den Beteiligten erfordert. Synchronisation und Timing sind das A & O.
Aber auch auf der Erde wissen die Pixelkünstler dieser Fraktion, wie man Flugzeuge und ihre Piloten richtig in Szene setzt. Sie hocken, vom Publikum
Wie ein Maikäfer auf dem Rücken. Doch indieser wie in jeder anderen Lage ist die langbeinige Litauerin  extrem wendig.
Wie ein Maikäfer auf dem Rücken. Doch indieser wie in jeder anderen Lage ist die langbeinige Litauerin extrem wendig.
meist unbemerkt, unauffällig jenseits der Flightline, um den richtigen Augenblick abzupassen. Man erkennt sich nicht unbedingt und immer an der Größe der Objektive, wenngleich der ein oder anderen ab und zu schon ein Rohr schultert, das es an Größe mit dem einer mittleren Haubitze locker aufnehmen kann. Studieren kann man Luftfahrtfotografie nicht. Das ist eigentlich ein ständiger „Work-in-progress“, ein Prozess, der lebenslanges Lernen bedeutet. Und die Kollegen halten ja nicht immer und überall mit nützlichen Tipps und Ratschlägen hinterm Berg.

Ein gefundenes Fressen

Das traditionelle Flugplatzfest in Bad Endbach-Bottenhorn (siehe gesonderten Bericht auf dieser Seite) bot den aero-tischen Motivjägern wieder einer vielfältige Spielwiese. Sie waren aus allen Teilen des Landes und darüber hinaus angereist, um in Folge schwer beladen den Heimweg anzutreten. Mit der Ausbeute konnten sie mehr als zufrieden sein. Wer weiß, wo er zu suchen hat, findet die Ergebnisse relativ schnell, anderen, vielleicht weniger Internet-affinen Zeitgenossen bleiben sie vor enthalten. Im (deutschsprachigen) Web gibt es inzwischen Dutzende von Foto-Communitys der verschiedensten Ausrichtungen – auch solche auf Luftfahrt spezialisierte. Dort parken zum Teil wahre Schätze, und die ein oder andere auf einen Klick reduzierte fotografische Sternstunde ist auch schon mal dabei.

Wolfgang Seitz kann sogar ganz gesittet geradeaus fliegen.
Wolfgang Seitz kann sogar ganz gesittet geradeaus fliegen.
Die besten Luftfahrtseiten im Web

Noch relativ neu in dieser Familie, aber mit deutlich steigender und aufstrebender Tendenz ist das Magazin www.airshow-reportagen.de Den Besucher dieser mit viel Liebe zum Detail und einer geballten Portion Sachverstand gestalteten Seiten erwarten tiefe (Ein-)Blicke vor und hinter die Kulissen internationaler Flugtage im In- und Ausland, aber auch solchen von kleinerer Reichweite, die aber deshalb nicht gleich weniger faszinierend und interessant sein müssen. Spannende und informative Stories, Bilderstrecken, News und Videos sind Programm.
Von Christian Bramkamp, dem Gründer und Spiritus rector dieser Initiative, stammen auch die Fotos, mit denen dieser Bericht illustriert ist. Der junge Marburger hatte ein Doppel-Rendezvous mit zwei fast schon legendären Gestalten der deutschen Luftfahrtszene: Guido Gottschalk und Wolfgang Seitz – und das am Boden und in der Luft.
Planvorgabe: Air-to-Air-Aufnahmen vom „roten Spielzeug“ zu schießen, aus möglichst geringer Distanz. Der Spitzname des entsprechend lackierten, hochgezüchteten Acro-Boliden leitet sich von der
440 Pferdchen wiehern unter der Haube der "Tango-Oscar-Yankee". Damit ist die in Pohlheim stationierte YAK 55 die stärkste ihrer Art in Deutschland.
440 Pferdchen wiehern unter der Haube der "Tango-Oscar-Yankee". Damit ist die in Pohlheim stationierte YAK 55 die stärkste ihrer Art in Deutschland.
(litauischen) Kennung ab: „LY-TOY“ Es ist die mit 440 Pferdchen bundesweit stärkste YAK-55. Diese hochbeinigen Flugzeugmuster aus sowjetischer Produktion wurden nur zu einem einzigen Zweck hergestellt: Kunstflug. In der Hand von Wolfgang Seitz offenbart sich dabei die ganze Ästhetik dieser aeronautischen Königsklasse. Als „Trägerflugzeug“ bei dieser luftigen Aktion diente die ältere Cousine der 55, eine YAK-52, dem am meistern gebauten und besten Trainer der Iwans. Und wenn drei Könner ihre Kompetenzen zusammentun, muss es gelingen. Tat es auch, wie das Resultat zeigt. Wunderschöne Aufnahmen vor den hügeligen Konturen des Lahn-Dill-Berglandes, hoch über der „Skyline“ von Bottenhorn oder mit den drei Bad Endbacher Windrädern im Hintergrund.
Zu den etablierten und reputiertesten privaten Luftfahrt-Portalen im Internet gehört www.biplanes.de. Eine vor zehn Jahren von passionierten (und, im positiven Sinne, „etwas verrückten“) Doppeldecker-Freaks aus der Taufe gehoben, hat diese Web-Präsenz längst ihren den durch den Namen vorgegeben, engen thematischen Rahmen gesprengt und bildet (fast) die gesamte Bandbreite der zivilen Fliegerei ab. Eine wahre Fundgrube für den Fan, ob der nun auf erlesene Fotos, engagierte (Hintergrund-)Berichte oder rasante Videos abonniert ist. Und von da bis zu www.clipwings.com , einer ständig wachsenden multimedialen Aviation-Community mit Social-Network-Charakter, ist es nur ein kleiner Schritt bzw. Klick.
Stilleben vor dem Bad Endbacher "Windpark"
Stilleben vor dem Bad Endbacher "Windpark"
Zu den wirklich Großen der Branche zählt der Langenselbolder Wolfgang Block. Der hat sich, ähnlich wie sein Schweizer Freund und Kollege Reto Schneeberger, auch international einen hervorragenden Ruf erworben. Egal welche große Airshow und wo auch immer sie stattfinden mag, ob militärisch dominiert oder zivil orientiert, keine Feier ohne Meier. Ein Klick auf www.wolfgangblock.com – und der Surfer ist mittendrin in einer faszinierenden, einzigartigen Welt, in der Mensch und Maschine, Natur und Technik, Wagemut, Können, Kunst und Kaltschnäuzigkeit verschmelzen. Gelungen auch die Fotos von Jörg Langer auf www.langeronline.de.
Diese Auflistung ist natürlich meilenweit davon entfernt, vollständig zu sein. In den unendlichen Weiten des "www" gibt es garantiert Tausende und Abertausende ähnlich konzipierter Seiten zum Thema. „Anspiel-Tipps“ sind hier deshalb stets willkommen.

"Rotes Spielzeug" über dem Ort: Wolfgang Seitz holt mit seinem Kraftpaket Anlauf für die nächsten Kapriolen.
Wie ein Maikäfer auf dem Rücken. Doch indieser wie in jeder anderen Lage ist die langbeinige Litauerin  extrem wendig.
Wolfgang Seitz kann sogar ganz gesittet geradeaus fliegen.
440 Pferdchen wiehern unter der Haube der "Tango-Oscar-Yankee". Damit ist die in Pohlheim stationierte YAK 55 die stärkste ihrer Art in Deutschland.
Stilleben vor dem Bad Endbacher "Windpark"
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Flotter Dreier:  Die YAK-"Dompteure" Guido Gottschalk, Wolfgang Seitz und Luftfahrtfotograf Christian Bramkam (v.l.)
1
Die wohl am meist fotografierteste T6-Rotte Europas. Walter (links) und Toni (rechts) Eichhorn lassen Dampf ab.
Zwei FW-44 Stieglitz über der Soester Boerde.
1
Fast nicht zu erkennen, dass es sich um zwei Flugzeuge handelt. Zwei Hawk-UL's des Pioneer-Teams  beim engen Formationsanflug auf die Hessentagsstadt Stadtallendorf.
Eine prächtiger Jodel D117A, Baujahr 1956, aufgenommen Anfang März über dem Sauerland.Die Maschine gehörte früher einem Tour de France- Fahrer, der sie umbaute, um damit zwei Fahräder transportieren zu können.
Hessentags-Highlight 2010: Die mit Pyrotechnik-Raketen bestückten Maschinen des italienischen Pioneer-Teams sorgten über dem Stadtallendorfer Hessentagsgelände für ein einzigartiges Lichtspektakel.

Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
3.906
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.06.2011 um 00:25 Uhr
wieder ein fachkundiger und umfassender Beitrag!

nur der Begriff "Adelsklasse" ? Mit dem Adel (der Adelsklasse) verbinde ich keine Spezialisten (wie die, die es hier sind) für Erstrebenswertes, eher eine verstaubte Spezies, die schön lächelnd "repräsentiert", sich`s meist einfach nur gut gehen lässt, wenig produktives leistet, dem Müßiggang frönt....also kurz, dieser Begriff ist eher eine "Beleidigung" für die hier beschriebenen Spezialisten :-))
Jürgen Heimann
2.590
Jürgen Heimann aus Gießen schrieb am 10.06.2011 um 08:40 Uhr
Du hast natürlich Recht, vordergründig. Der Adel wird, überspitzt formuliert, nach weit verbreiteter Meinung mit inzestuösem Gekröse gleichgesetzt. Seit "Gutti", unsere gegelte freiherrliche Pomenandenmischung so dreist geschummelt und abgekupfert hat, auch noch mit einer anderen Eigenschaft.
Die Sprachwissenschaft, hier die Semantik (Wortbedeutungslehre) kennt aber auch den Begriff der Ambivalenz. Damit ist gemeint, dass Wörter und Begriffe durchaus doppeldeutig und unterschiedlich belegt sein bzw. verstanden werden können. Das kommt auf den jeweiligen Standpunkt und die Perspektive an - genau wie bei der Luftfahrtfotografie :-)
Nach Deiner Definition müsste es sich dann ja auch bei Königs-Pilsener um ein dekadentes Gesöff und bei den Königs-Blauen Schalkern um eine vermoderte parasitäre Gurkentruppe handeln. Und bei Kaiserwetter müsste es junge Hunde hageln. Andererseits ist das Füstenberger Bier ja so schlecht auch nicht, oder?
Laut Duden handelt es sich beim Adel (u.a.) um eine "sozial exklusive Gruppe". Deutet man das Adjetiv "adelig" entsprechend um, lässt sich damit auch umschreiben, dass eine Sache oder eine Person besonders exponiert, herausragend oder bestechend ist. Und so war's auch gemeint.Und deshalb wird sich auch niemand von jenen, auf die es gemünzt ist,herabgesetzt fühlen.Da bin ich mir ziemlich sicher :-)
Bernd Zeun
9.298
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 10.06.2011 um 09:25 Uhr
Nicht nur vom Thema her, wieder mal ein "Höhepunkt" in diesem Medium. Zusammen mit den Fotos: Adelsklasse ;-)
Stefan Walther
3.906
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.06.2011 um 16:19 Uhr
Deine Antwort Jürgen = einfach spitze :-))
Jürgen Heimann
2.590
Jürgen Heimann aus Gießen schrieb am 10.06.2011 um 19:00 Uhr
Stefan, Du kennst das doch: Spaß muss sein! :-) Danke!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

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Herzlichst, Ihr(e) Jürgen Heimann

von:  Jürgen Heimann

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Interessensgebiet: Gießen
Jürgen Heimann
2.590
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