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Mit Hans Albers der Sonne entgegen: Sunrise-Starts in Pohlheim – Nichts für Langschläfer und notorische Morgenmuffel

Da hat Xcitor-Pilot Helmut Losert den richtigen Moment abgepasst. Ein motorisierter Gleitschirmflieger verschmilzt (fast) mit der Sonne.
Da hat Xcitor-Pilot Helmut Losert den richtigen Moment abgepasst. Ein motorisierter Gleitschirmflieger verschmilzt (fast) mit der Sonne.
Pohlheim | Wie hatte der olle Hans Albers doch gleich schon 1932 geschmettert? „Flieger, grüß‘ mir die Sonne…!“ Den Imperativ des gleichnamigen, 1980 von der Band „Extrabreit“ gecoverten Fliegerlied-Klassikers pflegen die Luftsportler in Pohlheim mindestens einmal im Jahr wörtlich zu nehmen. Nur heißt das bei ihnen ein klein wenig anders. Die Aktion „Sunrise“ hat bei den Aktiven der Segelfliegergruppe „Steinkopf“ und den hier beheimateten Drachen- und Gleitschirmpiloten seit vielen Jahren Tradition und beinhaltet einen ganz besonderen Reiz. Getreu der Devise „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ geht es darum, beim ersten „Büchsenlicht“ am Himmel zu sein und unserem aufgehenden Zentralgestirn entgegen zu steuern. Wenn die Strahlen der Sonne das Fluggerät verklärend in ein goldenes Licht tauchen, ist das Klassenziel (fast) erreicht. Dafür, wissen die Aktiven aus eigenem Erleben, lohnt es sich schon, zeitig aus den Federn zu steigen. Für Langschläfer und Morgenmuffel ist das aber eher nix.
Geboren worden ist die Idee aus einer sprichwörtlichen Bierlaune heraus. Der Vereinsvorstand hatte seinerzeit ein Fass mit Gebrautem ausgelobt, sollte es gelingen, mehr als 100 Starts an einem Tag hin zu legen. Eine Latte, die in den Folgejahren mehrmals gerissen wurde. Für ein solches Vorhaben kam und kommt natürlich nur ein möglichst dicht an der Sommersonnenwende (21. Juni) gelegener Termin in Frage, wenn die Tage am längsten und die Nächte am kürzesten sind. Der Fronleichnamsfeiertag am 23. 6. erscheint da, weil arbeitsfrei, am besten geeignet. Also: Ready für Take Off“!
Heutzutage ist die Idee von der Jagd nach immer neuen Startzahlrekorden etwas verwässert worden, weil das irgendwann auch zu Lasten der Sicherheit zu gehen drohte. Geblieben ist der Grundgedanke, den ersten Sonnenstrahl des Tages im Cockpit einzufangen. Wer dies einmal erleben durfte, weiß um die Erhabenheit dieser Augenblicke. Zeitig in der dann zumeist noch ruhigen Morgenluft zu fliegen ist und bleibt etwas ganz Besonders, egal, ob man /frau nun mit einem Flächenflugzeug, einem Delta oder einem Gleitschirm unterwegs ist.
In einem Punkt freilich irrte der Albers-Hans aber ganz entschieden: „… Piloten ist nichts verboten, drum gib‘ Vollgas und flieg‘ um die Welt“ heißt es im Refrain. Von wegen! Kaum ein Lebens- bzw. Verkehrsbereich ist heuer so durch und durch reglementiert wie die Luftfahrt. Möglicherweise war das zu Zeiten, als der UFA-Film „F.P.1. antwortet nicht“, aus dem das Lied stammt, abgedreht wurde, ja anders, aber heute….
Der Sonne hinterher: Fliegen am Abend oder, wie in Pohlheim geplant, am frühen Morgen hat für jeden Piloten einen ganz besonderen Reiz. Die Stimmung ist einzigartig, sofern Wetter- und Lichtverhältnisse passen.
Der Sonne hinterher: Fliegen am Abend oder, wie in Pohlheim geplant, am frühen Morgen hat für jeden Piloten einen ganz besonderen Reiz. Die Stimmung ist einzigartig, sofern Wetter- und Lichtverhältnisse passen.
Und deshalb gibt es selbstverständlich auch für das Sunrise-Fliegen genaue Bestimmungen. Sonnenaufgang ist an diesem 23. Juni in Pohlheim um 5.06 Uhr lokaler Zeit. Drachen und Gleitschirme (auch im Windenschlepp) sowie Flugzeuge mit Positionslichtern (gilt auch für Ultraleicht und Motorsegler) dürfen aber bereits 30 Minuten vorher abheben, was Segelflugzeugen, Trikes und Doppeldeckern nach dem Luftfahrtrecht jedoch untersagt ist. Deren Piloten müssen sich bis zum offiziellen „Sunrise“ gedulden.
In Pohlheim hat das Ganze schon so etwas wie Event-Charakter. Viele der Teilnehmer reisen bereits am Mittwochabend an und übernachten direkt am Platz – geselliges Grillen inklusive. Das fördert auch den Zusammenhalt untereinander. Aber bis in die Puppen geht die Party nicht. Der Wecker klingelt am nächsten Morgen zeitig. Und dann ein Lied, zwei, drei vier: ..“ wir warten nicht, wir starten, was immer auch geschieht,
durch Wind und Wetter klingt das Fliegerlied.“

Da hat Xcitor-Pilot Helmut Losert den richtigen Moment abgepasst. Ein motorisierter Gleitschirmflieger verschmilzt (fast) mit der Sonne.
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Der Sonne hinterher: Fliegen am Abend oder, wie in Pohlheim geplant, am frühen Morgen hat für jeden Piloten einen ganz besonderen Reiz. Die Stimmung ist einzigartig, sofern Wetter- und Lichtverhältnisse passen.
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Kommentare zum Beitrag

Jürgen Heimann
2.590
Jürgen Heimann aus Gießen schrieb am 07.06.2011 um 15:41 Uhr
Xcitor ist ein motorisierter Hochleistungs-Gleitschirm für zwei Personen. Pilot und Passagier sitzen hintereinander. Am besten mal googlen, wie so ein Ding aussieht. Ist ein geniales Teil.
Stefan Walther
3.906
Stefan Walther aus Linden schrieb am 07.06.2011 um 22:44 Uhr
...und "geniale" Bilder!
Jürgen Heimann
2.590
Jürgen Heimann aus Gießen schrieb am 07.06.2011 um 22:50 Uhr
Hallo Stefan, das ist nur die Spitze des Eisbergs. Helmut Losert (der wohnt übrigens in Biedenkopf-Breidenstein) hat Fotos von seinem Gelitschirm aus gemacht, da fällt einem nichts mehr ein. Vielleicht kann ich die irgendwann mal gebündelt veröffentlichen.
Stefan Walther
3.906
Stefan Walther aus Linden schrieb am 07.06.2011 um 23:03 Uhr
Hallo Jürgen,
ich zumindest würde mich freuen wenn du irgendwann mal dazu kommst!
die wenigen hier machen auf jeden Fall "Lust auf mehr"!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Jürgen Heimann

von:  Jürgen Heimann

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Jürgen Heimann
2.590
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