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Drachenfliegen als Passagier: Der besondere Kick für jedermann

Detlef Meyer ist in Pohlheim  für’s (Ab-)Schleppen zuständig. Mit seinem  „Trike“ zieht er den Tamdemdrachen auf 1000 bis 1500 Meter Höhe.
Detlef Meyer ist in Pohlheim für’s (Ab-)Schleppen zuständig. Mit seinem „Trike“ zieht er den Tamdemdrachen auf 1000 bis 1500 Meter Höhe.
Pohlheim | Drachenfliegen ist die urtümlichste und naturverbundenste Variante unter allen luftsportlichen Disziplinen. Es gibt keine „aero-tischere“ Variante, bei der der Akteur so unmittelbar und hautnah am und im Geschehen ist. Keine Cockpitverglasung trennt ihn (oder sie) von jenem Element, das ja bekanntlich keine Balken hat. Der Delta-Pilot ist eins mit seiner Umgebung, verschmilzt mit der Luft, die ihn trägt. Die Nase im Wind und die Ohren auf Segelstellung. Das kommt der Freiheit der Vögel schon ziemlich nahe. Der Traum, es diesen zumindest annähernd gleich zu tun, muss nicht unerfüllt bleiben. Man/Frau braucht dafür weder sportlich gestählt noch athletisch hochgerüstet zu sein. Und einschlägige Vorkenntnisse sind auch nicht erforderlich. 90 kg an Körpergewicht sollten jedoch nicht über- und ein Mindestalter von 14 Jahren (nach oben sind da keine Grenzen gesetzt) nicht unterschritten sein, doch das war’s denn auch schon an Einschränkungen. Ready for Take off!

Auf dem beschaulichen Segelfluggelände in Pohlheim bei Gießen, dem Heimathorst der Segelfliegergruppe Steinkopf, hat sich in den vergangenen
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Jahren eine emsige Drachenflug- und Gleitschirmgruppe etabliert. Ihre 40 Mitglieder malen an Wochenenden und sonnigen Feiertagen hoch am Himmel kreisend farbenfrohe Tupfer an den selbigen. Weil im mittelhessischen Flachland-Tirol für Hangstarts geeignete Berge und Hügel Mangelware sind, erfolgt der Aufstieg mittels einer Seilwinde, oder, noch komfortabler, mit Hilfe eines motorgetriebenen Trikes als „Schlepper“. 700 bis 1500 Meter Startüberhöhung sind bei letzterer Spielart schnell und problemlos erreicht. Und dann beginnt die Suche nach den Thermiknestern.
Nun ist Drachenfliegen längst keine Single-Vergnügen für eigenbrötlerische Einzelkämpfer mehr. Seit einigen Jahren gibt es hoch entwickelte und technisch ausgereifte „Doppelsitzer“, die zunächst vornehmlich zur Schulung eingesetzt wurden, zunehmend aber auch für Passagierflüge genutzt werden. Und das genau ist der Punkt, an dem der Spaß so richtig anfängt.

„Mach‘ Dich locker, bleib‘ geschmeidig“
Harry Stephan ist stolzer Besitzer eines solchen Gerätes. Die von freitragenden Karbonholmen definierte Silhouette und die 16 Quadratmeter Segelstoff seines „ATOS VX“ wirken empfindlich, doch der erste Eindruck trügt. Der „Starrflügler“ gehört zur Königsklasse unter den Hängegleitern
Sicherheits-Check:  Ein Helfer überprüft noch einmal, ob das Gurtzeug richtig sitzt und eingehakt ist. Bei Harry Stephan (vorne) ist der Fluggast in guten Händen.
Sicherheits-Check: Ein Helfer überprüft noch einmal, ob das Gurtzeug richtig sitzt und eingehakt ist. Bei Harry Stephan (vorne) ist der Fluggast in guten Händen.
und ist mit 14 Metern Spannweite gleichzeitig der leistungsstärkste unter den für Tandemflüge zugelassenen seiner Art. Dennoch: Es kostet (zunächst) schon etwas Überwindung, sich diesem Minimalismus anzuvertrauen. Doch der 37-jährige Chefpilot beruhigt: „Mach Dich locker! Bleib‘ geschmeidig!“ Er weiß ganz offensichtlich, was er tut und worauf er und der ihm anvertraute Gast sich einlassen. Außerdem: Das Ding ist schließlich mit einem Gesamtrettungssystem ausgestattet, dessen Kernelement ein 65 Quadratmeter großer Fallschirm bildet. Ein solches hat Harry ins einer 17-jährgen Drachenflugpraxis zwar noch nie gebraucht, aber es tut psychologisch gut zu wissen, dass es an Bord ist.

Ein „windiges Vergnügen“

Harry Stephan hat, seitdem Anfang der 90er Jahre am Nord-West-Hang in Hirzenhain und den sanft geschwungenen Hügeln des Hinterländer Outbacks seine ersten Hüpfer wagte, die Faszination des Drachenflugs nicht mehr losgelassen. Heute ist er nebenbei noch Fluglehrer für 3-Achs-gesteuerte Ultraleichtflugzeuge und schwingt sich, wenn’s die Zeit zulässt, mit dem Motordrachen oder dem Motorsegler in die Lüfte. Mittelhessenweit ist er aber der einzige, der Otto-Normalverbrauchern die Möglichkeit eröffnet, live und leibhaftig
Leinen Los! Wo bleibt der "Schlepper"?
Leinen Los! Wo bleibt der "Schlepper"?
in die in die Welt des Drachenfliegens hinein zu schnuppern. Es ist, je nachdem woher und mit welcher Intensität das Lüftchen pustet, ein im wahrsten Sinne des Wortes „windiges Vergnügen“. Und der Begriff „Hängegleiter“ bekommt beim Tandemfliegen eine ganz neue Bedeutung: Der Fluggast „hängt“ nämlich in seinem Gurtzeug im sogenannten Trapez, und das in diesem Fall nicht, wie vielfach üblich, neben, sondern über dem Piloten. Das kann er ganz entspannt tun, denn ihm verbleibt im Verlaufe des bevorstehenden „Abenteuers“ nichts anderes zu tun, als die herrliche Aussicht zu genießen und sich den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen.
Das passende textile Outfit wird gestellt: Ein praktischer Overall, ein Schutzhelm und eine Schutzbrille. Mehr braucht es nicht zum Glücklich sein. Es kann los gehen. Detlef Meyer, der Pilot des Schleppdrachens, wartet mit laufendem Motor und scharrt, symbolisch, schon ungeduldig mit den Füßen. Das Seil straft sich und nach wenigen Metern Rollweg ist die Bodenhaftung dahin. Der ATOS verfügt, ähnlich einem „richtigen“ Flugzeug, über drei Räder, was Anrollen und Abheben (aber auch die Landung) zum komfortablen Kinderspiel macht. Da werden von keinem der Beteiligten körperliche Anstrengungen eingefordert.

Der Starthelfer richtet den Drachen aus.
Der Starthelfer richtet den Drachen aus.
Die Skyline von Gießen als Lego-Land

Mit ca.65 Stundenkilometern bewegt sich das Gespann in weit ausholenden Kreisen nach oben. Die Skyline von Gießen wirkt wie das Legoland, die Lahn ähnelt mehr und mehr einem zum sich sanft in den Auen schlängelnden Zwirnfaden. Rundumsicht? Über 100 Kilometer. Könnte es doch ewig so weiter gehen. Dann geht ein verräterischer Ruck durch Gebälk. Harry hat ausgeklinkt, die Verbindung zur „Zugmaschine“ ist gekappt. Jetzt heißt es, sich aus eigener Kraft oben zu halten. Ein kurzer Thermikstoß hebt den Drachen wie in einem Aufzugschacht mehrere Meter himmelan, gleichzeitig signalisiert das Variometer steigen. Ohne Thermik zeigt das Display ein Sinken von etwas über einem Meter pro Sekunde. Bei einer Flughöhe von 980 Metern kann man sich in etwa ausrechnen, wie lange der Spaß noch dauert. Doch westlich des Platzes kreisen zwei Sperber, langsam, aber stetig an Höhe gewinnend. Das deutet auf erwärmte, aufsteigende Luft hin. Und richtig, der (unsichtbare) Thermikschlauch erweist sich als tragend und lässt sich ausnutzen. Jetzt können die Wölbklappen des Drachens ihre Stärke ausspielen. Würden da unten am Fluggelände nicht noch andere Passagiere sehnlichst warten, dieses Auf
Doppeltes Lottchen:  Mit dem Tandem-Drachen hoch über dem Gießener Land. Der Passagier hängt im Gurtzeug über dem Piloten und kann ganz entspannt die herrliche Aussicht genießen.
Doppeltes Lottchen: Mit dem Tandem-Drachen hoch über dem Gießener Land. Der Passagier hängt im Gurtzeug über dem Piloten und kann ganz entspannt die herrliche Aussicht genießen.
und Ab, Kurven und Kreisen, Rucken und Aufbäumen könnte noch lange so weiter gehen. Doch die Uhr ist abgelaufen. In engen, steilen Kurven, wodurch der Spaß noch sein i-Tüpfelchen an Rasanz erfährt, geht es Richtung Erdboden. Gegenanflug, Queranflug, Einschwenken in Landerichtung. Und das Aufsetzen erfolgt butterweich. Kurzes Ausrollen, und es ist vorbei – leider! Aber das schreit nach mehr.
Dieses luftige Vergnügen ist kein Privileg besonders Auserwählter oder gut Betuchter, sondern für jeden erfahr- und erlebbar. Die Kosten halten sich in Grenzen. Zwischen 80 und 120 EURO (je nach Schlepphöhe ) muss der Interessent investieren, und damit sind alle Kosten (Versicherung, Wartung, Schleppgebühr, Steuern usw.) abgedeckt. Wie sagte die atemlose junge Dame aus Wetzlar nach der (natürlich) glücklichen Landung doch gleich: „Das ist jeden einzelnen Cent dicke wert!“

Detlef Meyer ist in Pohlheim  für’s (Ab-)Schleppen zuständig. Mit seinem  „Trike“ zieht er den Tamdemdrachen auf 1000 bis 1500 Meter Höhe.
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Der Starthelfer richtet den Drachen aus.
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Die Nase im Wind und die Ohren auf Segelstellung. Die urtümlichste Art zu fliegen.
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Hoch am Himmel zieht der ATOS VX seine majestätischen Kreise.
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Landeanflug auf den Flugplatz Pohlheim.
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Nur noch wenige Zentimeter, dann setzt der Drachen butterweich auf.
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von:  Jürgen Heimann

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Jürgen Heimann
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