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Semesterabschlusskonzert des Universitätsorchesters

Semsesterabschlusskonzert des Universitätsorchesters 2009
Semsesterabschlusskonzert des Universitätsorchesters 2009
Pohlheim | Das Semesterabschlusskonzert des Universitätsorchesters bot am Sonntagabend Werke von Bizet, Herrmann, Debussy & Mussorgsky.
Unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor Stefan Ottersbach boten die ca. 70 Musiker/innen ein hörenswertes Programm mit einigen Höhepunkten und ein paar vernächlassigbaren spieltechnischen Fauxpas.
Das Programm war in diesem Semester vor allem an der Musik französischer Komponisten ausgerichtet.
Der große Saal der Kongresshalle füllte sich schnell und auch im kleinen Saal fanden noch einige Konzertbesucher Platz.
Das Entrée bildete die populäre erste Suite aus Carmen von Georges Bizet (1838-1875) bestehend aus 6 Sätzen:mit dem bekannten Schlusssatz "Les Toréadors" (der bekannte Torreromarsch).
Nachfolgend wurde eine echte Uraufführung des 1978 geborenen Komponisten Timo Jouko Herrmann geboten, welcher selbst anwesend war. Sein Stück Morphine beschreibt auf Grundlage des gleichnamigen Heine Gedichts die Beziehung der beiden Brüder Schlaf und Tod. Solistische Verstärkung hierfür bekam das Orchester durch den Saxophonisten Dieter Kraus. Überhaupt war das Saxophon ein bestimmendes Element des Konzertes.
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Das moderne Stück von Herrmann wurde dominiert durch ein ständig wiederkehrendes, von kleinen Septimen bestimmtes Leitmotiv. Warum es gerade kleine Septimen sein mussten, um die Beziehung zwischen den Brüdern auszudrücken, bleibt auch nach einem Blick ins Programmheft letztlich ungeklärt. Man kann (augenzwinkernd) nur hoffen, dass nicht demnächst kleine Sekunden in geschlossener Formation durch die Konzertsäle geistern.
Dabei stellte sich wie so oft die Frage ob und warum moderne Klassik sich scheinbar nicht mehr von der überbordenden Atonalität und stetigem Chromatikalarm befreien kann und somit beim überwiegeneden Teil des Publikums einzig nicht mehr als wolhwollende Annerkennung für die solistischen Fähigkeiten der Musiker (hier gleich auf zwei Saxophonen in einem Stück) hervorruft. Dabei gibt es durchaus moderne klassische Musik, welche den Spagat zwischen Atonalität und Hörbarkeit schafft. Als Beispiele seien (wenn auch eher auf gitarristischem Gebiet) die Werke Leo Brouwers genannt.

Am Rande sei erwähnt, dass die Gitarre an sich im orchestralen Konzertrepertoire bedauerlich unterrepräsentiert ist. Doch auch moderne Klassik hat ihren berechtigten Platz im Konzert und über den Gefallen an solcher lässt sich vortrefflich streiten.
Dirrigent Stefan Ottersbach mit vollen Einsatz
Dirrigent Stefan Ottersbach mit vollen Einsatz
Im Anschluss an das für konservative Ohren sehr moderne Stück folgte die Rapsodie für Ochester und Saxophon von Claude Debussy (1862-1918), welche einen "maurischen" Einschlag aufweist und das Saxophon eher als Klangfarbe, denn als Soloinstrument einsetzt. Bevor es in die Konzertpause ging zeigte Dieter Kraus am Saxophon noch einmal jazz-improvisatorisch und ohne Orchesterbegleitung was alles in diesem Instrument steckt. Besonders beeindruckend waren dabei die eher leisen Töne, welche von der Spielweise und Klangfarbe stark an eine abgedämpfte E-Gitarre erinnerten.
Nach der Pause erklang Modest Mousorgskys (1839-1881) bekannte Suite "Bilder einer Ausstellung" in der Orchesterversion vertont von Maurice Ravel (1875-1937). Diese Suite dürfte vielen Zuhörern noch aus dem schulischen Musikunterricht in Erinnerung sein.
Hier begeisterte vor allem der fulminante Schlussatz "La grande porte de Kiev" das Publikum, welches mit lautstarkem und anhaltendem Applaus erfolgreich nach Zugaben verlangte. Diese wurden in Form des Walzers Nr. 2 aus der Jazz Suite von Shostakovich, als Vorgriff auf das nächste Semesterabschlusskonzert, sowie einer Wiederholung des Schlusssatzes aus den "Bildern einer Ausstellung" gewährt.

Alles in allem ein schöner Konzertabend in der Kongresshalle.
Unter dem Gesichtspunkt, dass es sich um ein Universitätsorchester handelt, welches gerade nicht nur aus Musikstudenten und Profis besteht, muss und sollte man über einige (Spiel)-Schwächen hinwegsehen oder -hören, wie sie vor allem zu Beginn in den gegeneinander verstimmten Querflöten, im Schlagwerk und in der zweiten Konzerthälfte bei den Blechbläsern zu hören waren. Überhaupt konnte man sich, sowohl im ersten und zweiten Satz der Carmen-Suite sowie nach der Pause in den ersten Sätzen von Mussorgsky, dem Eindruck nicht erwehren, dass sich die Musiker/innen ersteinmal warm- bzw. freispielen mussten. Natürlich muss dabei erwähnt sein, dass auch die Werke an sich eine musikalische Steigerung erst in den späteren Sätzen erfahren.
Vor allem gegenüber der 2007 im Audimax aufgeführten Mahler Symphonie (Symphonie der Tausend) fiel die gestrige Ochesterleistung deutlich ab. Auch hier sei erwähnt, dass die Stücke keineswegs vergleichbar sind, jedoch wirkte das Orchester aktuell weniger ausgereift. Dies mag auch dem immer wiederkehrenden Umbruch in einem solchen Orchester geschuldet sein, dass sich vor allem durch Weg- und Zugang von Studenten immer wieder neu finden muss.
Abschließend ist das diesjährige Semesterabschlusskonzert als durchaus gelungen einzustufen, dabei spricht der wiederholte, minutenlange Applaus des Publikums für sich.
Gerade die beiden Zugaben zeigten welches Potential in diesem Orchester steckt. Nach Vollendung des offiziellen Programms spielten die Musiker deutlich befreiter und klanggewaltiger als zuvor.
In höchsten Maße empfehlenswert sind die Konzerte des Universtiätsorchesters für Alle, die sich die oft überteuerten Karten für ein großes, renommiertes Orchester nicht leisten können.
Das Konzert am 7. Februar 2010, zu Ende des kommenden Semesters sollte man sich jetzt schon vormerken. Dann werden jeweils die 5. Symphonien von Beethoven und Shostakovich geboten.

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