Bürgerreporter berichten aus: Pohlheim | Überall | Ort wählen...

OGV Warzenborn-Steinberg Vortragsabend: "Gärtnern für Anfänger und Fortgeschrittene"

Vollbesetzter Saal im Grünen Baum
Vollbesetzter Saal im Grünen Baum
Pohlheim | Zum gut besuchten Vortragsabend mit dem Thema „Gärtnern für Anfänger und Fortgeschrittene“ und Referent Volker Weber, dem Leiter für historische Landwirtschaft und Umwelt im Hessenpark in Neu-Anspach, hatte der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Watzenborn-Steinberg in das Gasthaus „Grüner Baum“ eingeladen.

Referent Weber hat Landwirtschaft studiert und nach seinem Studium viele Erfahrungen im erwerbsmäßigen biologischen Landbau in der eigenen Dorfgärtnerei in Hüttenberg-Hochelheim gesammelt.

Fundiert berichtete Weber über die Grundlagen des Pflanzenanbaus, ohne auf das breite „Gartenspektrum“ der Industrie mit mineralischen Düngern, Pestiziden und hybridem Saatgut zurückgreifen zu müssen.

Gartenboden ist besiedelt von Milliarden kleiner Lebewesen, die Pflanzenreste „fressen“, verdauen und mit ihren Ausscheidungen Pflanzennährstoffe in den Boden abgeben. Sie bilden die Humusschicht, aus der die Pflanzen Nährstoffe aufnehmen. Dort wird sowohl die Luft als auch die Wärme im Wurzelbereich der Pflanzen geregelt. Regenwürmer sind Bestandteil des komplexen Bodenlebens. Mit ihren Gängen schaffen die Regenwürmer
Mehr über...
Garten (492)Anfänger (4)
stabile Räume für Luft und Wasser, in denen die Ausscheidungen der Würmer stabile, Wasser bindende Ton/Humus Komplexe bilden. So sorgt die Humusschicht, neben dem Sonnenlicht, für das Wohlbefinden und gute Wachstum von Pflanzen. „Biologischer Pflanzenbau orientiert sich am natürlichen Kreislauf“, betont Weber.

Es lohne sich, unter die Grasnarbe zu schauen, um den Boden kennen zu lernen. Mineraldünger stehe nicht auf der Speisekarte des Bodenlebens. Mineraldünger verringere den Humusgehalt, weil Bodenleben durch hohe Mineraldüngerkonzentration sterbe. In gesundem Boden würden Stickstoffverbindungen durch Mikroben bedarfsgerecht den wachsenden Pflanzen zur Verfügung gestellt.

Eine dünne Mulchschicht aus Mist, „Nährhumus“ aus Pflanzenresten oder organischem Handelsdünger versorge wiederum die Humusschicht mit „Nahrungsnachschub“. Um die gewünschten Kulturpflanzen gut mit Wasser zu versorgen, müsse unerwünschtes „Beikraut“ (Unkraut) als Wasser und Nährstoff Konkurrenz entfernt werden. Regelmäßiges Hacken breche die Kapillaren im Boden und verringere dadurch die Verdunstung. Große Abstände zwischen den Pflanzen verkleinere die Wasserkonkurrenz.

20 Zentimeter tief solle die Bodenfeuchte im Wurzelraum sein. Dazu müssten
Referent Volker Weber
Referent Volker Weber
ungefähr 20 Liter Wasser auf jeden Quadratmeter Boden gelangen und über einen längeren Zeitraum gleichmäßig in den Boden sickern. Mit einer Gießkanne werde in kurzer Zeit viel Wasser auf die Fläche gegossen und unerwünscht häufig verschlamme der Boden dabei oder das Wasser fliese oberflächlich ab. Vergleiche man weitere Bewässerungsmethoden, so erziele die „Wasser sparende und komfortable Tröpfchenbewässerung“ mit einem über mehrere Jahre zu verwendeten Schlauchsystem bessere Ergebnisse als alle anderen „Gießmethoden“.

Bei der Bodenbearbeitung bevorzugt Weber den Spaten. Durch das Wenden des Bodens werde Beikraut reduziert, Bodenverdichtungen aufgebrochen und die Frostgare genutzt. Das Bodenleben regeneriere sich im Frühjahr vor Beginn der Aussaat. Nicht wendende Bodenbearbeitung mit „Sauzahn“ oder ähnlichen Werkzeugen funktioniere in leichten, sandigen Böden. Mischende Verfahren wie Fräsen oder Hacken ergeben keine tiefe Lockerung des Bodens und vermehren die unerwünschten Beikräuter.

Probleme bei der Aussaat könne man vermeiden. Älteres Saatgut könne auf Keimfähigkeit überprüft werden. Das Saatbett solle feinkrümelig und nicht zu tief bearbeitet werden, da ja die tiefgründige Grundbodenbearbeitung im Herbst erfolgte. Eine
Viele interessierte Zuhörer
Viele interessierte Zuhörer
Abdeckung mit Vlies erhöhe die Keimrate. Junge Keimlinge seien eine Lieblingsspeise von Schnecken und würden in frühem Stadium gefressen. Ablesen der Schnecken von Beeten und Schutz der Beete durch Schneckenbarrieren helfen in der frühen Wachstumsphase der Kulturpflanzen.

Schutz vor Pflanzenkrankheiten böten Fruchtwechsel und Mischkulturen, weil dadurch Nützlinge gefördert und Schädlinge reduziert würden. Humus- und Nährstoffarme Böden könnten durch „Rehamaßnahmen“ regeneriert werden. Durch zwei oder dreijährige Gründüngung mit Blühmischungen aus Kleegras, Erbsen, Wicken und Sonnenblumen werde der Boden verbessert. Ähnliche Wirkung ergebe der Zwischenfruchtanbau mit Phacelia, Buchweizen oder Senf, gegen Auswaschungen im Winter.

Schädlinge können vermindert werden durch Förderung von Nützlingen und durch Verwendung von Kulturschutznetzen. Bei Schädlingsbefall könne sich zudem jeder fachlichen Rat in der Fachabteilung „Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen“ holen. Es lohne sich im Garten Biodiversität zu fördern und zu erhalten.

Saatgut sei ein Kulturgut und lebensnotwendig wie Luft und Wasser. Deshalb empfiehlt Weber eigenes, samenfestes Saatgut zu ernten oder kaufen und zu verwenden. Dabei müsse jeder wissen, dass aus modernem Hybridsaatgut, das im Handel vorrangig verkauft werde, kein weiteres Saatgut geerntet werden könne.

Er betonte, das Wissenschaftler den Biodiversitätsverlust schlimmer und als größere Gefahr für das Leben auf der Erde als den Klimawandel einschätzen würden.

Vollbesetzter Saal im Grünen Baum
Vollbesetzter Saal im... 
Referent Volker Weber
Referent Volker Weber 
Viele interessierte Zuhörer
Viele interessierte... 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Igel im Tiefschlaf unter der Mülltonne
Hoppla, das war eine Überraschung!!! Da hat sich doch der Igel unter...
Der Zaunkönig
Da er den ganzen Winter bei uns im Garten gewesen ist haben wir ihn...
"Guckuck, wo bin ich?"
Mein Traumbaum, der Trompetenbaum, ein Hummel- und...
Tüchtige kleine Arbeiter im Garten ;-)
Eine Hummel versucht sich verzweifelt durch das Moos zu graben, was...
Gemeinsam gärtnern im Quartier
Saisongarten im Flussstraßenviertel
17 Parzellen stehen voraussichtlich je nach Wetterlage ab Ende April...
Unscheinbar,aber wunderschön
Klein aber fein

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Ulrich Sann

von:  Ulrich Sann

offline
Interessensgebiet: Pohlheim
Ulrich Sann
578
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Klaus Schuh (links) und Steffen Schmidt zeigten und erläuterten den "Sommerriss" und Sommerschnitt an Obstbäumen
„Samstag für die Zukunft“ - Demonstration des „Sommerriss“ im Lehrgarten des OGV Watzenborn-Steinberg
Ende Juni, Anfang Juli ist es günstig, an Obstbäumen den „Sommerriss“...
Die Spendenbox wird geleert
515 Euro Spende vom Kleingartenverein Lückebach e.V. an die neu gegründete Jugendgruppe „Erste-Hilfe-Helden“ des DRK Pohlheim
Zur Spendenübergabe hatte der Kleingartenverein Lückebach e.V....

Weitere Beiträge aus der Region

KiTa Neubau in Watzenborn-Steinberg kein Prestigeobjekt - Eine Antwort auf den Leserbrief von Carola Hagmann
- (fw). Da die Redaktionen von Gießener Allgemeine und Gießener...
Kinder und Team singen gemeinsam
Spaß und Spiel bei Sommerfest in Kita
Bei herrlichem Sonnenschein, einem Sommerfest in der Kita-Farbenfroh...
Gerätschaft geprüft und ab unter die Wasseroberfläche
Kinder tauchten unter
Ein nicht alltägliches Freizeit- und Ferienangebot ist eine...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.